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Sprachausbildung Französisch – Der erste Schritt nach Évreux

Sprachausbildung Französisch – Der erste Schritt nach Évreux

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Datum:
Ort:
Hürth
Lesedauer:
4 MIN

Ein warmer Sommertag am Bundessprachenamt in Hürth. Die Sonne scheint und nur ein leichter Wind ist zu spüren. Oberfähnrich Madeleine Bojer sitzt auf einer Bank vor ihrem Unterkunftsgebäude. Auf dem Buch in ihrer Hand steht auf Französisch: „On y va!“. Das bedeutet so viel wie „Auf geht’s!“. Und ganz nach diesem Motto geht es auch schon bald für sie und ihre Familie nach Frankreich.

Eine Soldatin liest ein französisches Lehrbuch.

Französisch ist keine leichte Sprache. Oberfähnrich Bojer nutzt deshalb jede Minute, um ihren Wortschatz zu verbessern, denn in weniger als einem Jahr wird sie sich auf den Weg nach Frankreich machen.

Bundeswehr/Christian Zielonka

Auf dem Fliegerhorst Évreux wird eine deutsch-französische C-130J Super Hercules Staffel aufgebaut. „Ich werde dort ab dem 5. April 2021 die Aufgaben als Stabszugführerin des National Support Elements (NSE) beziehungsweise des nationalen Unterstützungselements des deutschen Anteils, wie auch die Aufgaben der Personal- und Presseoffizierin übernehmen“, erklärt die 35-Jährige. Um sich auf ihr zukünftiges Leben in Frankreich vorzubereiten, befindet sie sich seit Anfang Mai 2020 in der Sprachausbildung am Bundessprachenamt in Hürth bei Köln. Dort soll sie das Sprachleistungsprofil (SLP) 2221 in der französischen Sprache im Schreiben, Lesen, Hören und Sprechen erreichen

Auch während der Pandemie: Französisch lernen im Selbststudium

Derzeit ist sie noch im Luftwaffentruppenkommando in der Luftwaffenkaserne Köln-Wahn stationiert. Dort arbeitet sie im Bereich der Personalbearbeitung. Im Jahr 2018 wurde ihr die Stelle in Évreux angeboten. „Ich musste nicht lange nachdenken und habe direkt zugesagt“, sagt sie schmunzelnd. Wegen der Covid-19-Pandemie befand sie sich allerdings ab Anfang April zu Hause, da der Beginn ihrer Sprachausbildung Französisch verschoben werden musste. Ab Anfang Mai konnte der geplante Lehrgang dann aufgenommen werden. Die Anzahl der Teilnehmer wurde aufgrund der erforderlichen Abstandswahrung jedoch verringert.

Eine Soldatin, zwei Soldaten und eine Lehrerin während eines Unterrichts im Kursraum am Bundessprachenamt.

Damit die Soldatinnen und Soldaten trotz der Covid-19 Pandemie weiterhin Französisch lernen, findet der Kurs am Bundessprachenamt nun in kleinen Gruppen statt

Bundeswehr/Christian Zielonka

Da Bojer sich das letzte Mal während der Schulzeit mit der französischen Sprache befasst hatte, begann sie schon während sie sich zu Hause befand damit, ihre Kenntnisse aufzufrischen. Dafür nutzte sie die Handy-App „Babbel“ und die Unterlagen „Parler francais 1“ des Bundessprachenamtes.

Die Ausbildung soll bereits im September 2020 beendet werden. Deshalb lernt sie die französische Sprache vor allem für den alltäglichen Gebrauch in Frankreich. Die militärischen Begriffe werden ihr ebenfalls vermittelt. Allerdings ist Bojer der Meinung, dass diese vor allem in Évreux durch die tägliche Zusammenarbeit mit den französischen Soldatinnen und Soldaten vertieft und dadurch gefestigt werden.

Wer etwas lernen will, muss hart dafür arbeiten

Die 35-Jährige lernt nicht nur während der Unterrichtszeit, sondern auch zu Hause weiter. „Sprachen kann man immer weiter lernen. Man lernt nie aus,“ erklärt sie. Dafür nutzt sie die vom Bundessprachenamt zur Verfügung gestellten Materialien. Sie bekommt außerdem regelmäßig Hausaufgaben auf: „Aujourd'hui j'écris une lettre!“, sagt sie und übersetzt anschließend ins Deutsche, dass sie an dem Tag für den nächsten Unterricht einen Brief schreiben muss. „Mit den Hausaufgaben ist auch ein großer Teil meines Selbststudiums gedeckt“, ergänzt Oberfähnrich Madeleine Bojer lächelnd.

Doch momentan arbeitet sie vor allem an ihrer Fähigkeit des Hörverstehens. Bojer hört sich dafür verschiedene Audioübungen und auch kleine französische Geschichten an. „Französisch ist eine Sprache die man gerne im Ohr hat. Sie klingt freundlich, schön und weich.“ Das motiviere sie noch mehr, die Sprache zu beherrschen. Allerdings gibt es auch ein paar Hürden, die sie noch überwinden muss: „Im Gegensatz zum Sprechen, fällt mir das Lesen irgendwie leichter“, sagt sie und fügt hinzu: „Daran muss ich unbedingt noch arbeiten!“

Drei Soldaten sitzen auf einer Bank und unterhalten sich.

Neben Madeleine Bojer werden auch ihre beiden Kameraden aus dem Sprachkurs nach Évreux ziehen. In den Pausen unterhalten sich die drei über ihre Zukunft in Frankreich und über den Unterricht. Sie unterstützen sich ebenfalls beim Lernen.

Bundeswehr/Christian Zielonka

Sprachreise durch Europa: Am Vormittag in Frankreich und am Nachmittag in Deutschland

Bojer gibt sich beim Lernen viel Mühe. Insbesondere, weil sie nicht allein einen neuen Lebensabschnitt in Frankreich beginnen wird. Sobald die Sommerferien 2021 in Nordrhein-Westfalen beginnen, folgen ihr ihre beiden Kinder nach Évreux. Momentan sind die beiden Jungs noch nicht mit der Sprache vertraut. Deshalb beschreibt die zweifache Mutter ihren derzeitigen Alltag wie folgt: „Man spricht vormittags Französisch und nachmittags ist man wieder in Deutschland.“

Aus diesem Grund übt die Familie gemeinsam. Dafür lernen die Zwillinge mit dem Buch „Französisch – keine Hexerei“ die Sprache kennen. Und mittlerweile können die beiden sechsjährigen Jungs auch schon einzelne Worte verstehen und sprechen. In Évreux werden sie zukünftig eine deutsch-französische Schule besuchen. Diese soll dort für die Kinder der Soldatinnen und Soldaten am Standort aufgebaut werden.

Zwei kleine jungen sitzen vor einem französischen Kinderbuch und lesen.

Mit der Hilfe der kleinen Hexe Huckla aus dem Buch „Französisch - keine Hexerei“ lernen die Söhne von Oberfähnrich Bojer schon die ersten französischen Begriffe

Privat/Madeleine Bojer

Das Abenteuer wartet auf die Familie Bojer

Für Oberfähnrich Madeleine Bojer ist der Schritt in ihr neues Leben in Frankreich mit sehr viel Arbeit verbunden. Abgesehen davon, dass sie sich selbst in der Sprachausbildung befindet, kümmert sie sich zusätzlich um ihre Kinder und hilft ihnen erste französische Sprachkenntnisse aufzubauen. Sie besucht verschiedene Lehrgänge, die sie für ihren zukünftigen Dienst in Évreux benötigt und ist nach und vor diesen als Personaloffizier in Köln-Wahn tätig.

Für einen Ausgleich im Alltag der zweifachen Mutter sorgt der Sport. Bojer spielt schon seit Jahren Handball, in der Position links außen. Außerdem geht sie auch gerne laufen, „um den Kopf frei zu bekommen“, wie sie sagt. Nach dem Training geht es dann aber wieder erneut an die Lese- und Hörübungen. „Ich bin zuversichtlich,“ erklärt Bojer lächelnd. Zwar muss sie noch üben und der Anfang wird auch nicht ganz einfach, aber sie freut sich auf das Abenteuer, das sie in Évreux erwartet.

von Nathalie Passon