Luftwaffe

Die Übung Red Flag Nellis 20-2 hat begonnen!

Die Übung Red Flag Nellis 20-2 hat begonnen!

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Datum:
Ort:
Amerika
Lesedauer:
3 MIN

Red Flag ist nicht nur die größte Übung, an der die Luftwaffe 2020 teilnimmt - es ist seit vielen Jahren auch eine der größten Luftwaffenübungen weltweit. Zentraler Ort der multinationalen Großübung ist die Nellis Air Force Base im Nordosten von Las Vegas (USAUnited States of America). Die Übung und das Trainingsgelände in Nevada bieten den deutschen Piloten einmalige Bedingungen.

Eurofighter- und Tornado-Kampfflugzeuge trainieren gemeinsam in Las Vegas

Bei einmaligen Bedingungen können deutsche Eurofighter und Tornados bei der Übung Red Flag in Las Vegas trainieren

Bundeswehr/Johannes Heyn

Bei Las Vegas wird alles geübt, was Kampfjets zu bieten haben. Bei sogenannten „Mixed Force Fighter Operations“ kommen Flugzeuge mit unterschiedlichen Aufgaben und Eigenschaften aus verschiedenen Nationen zusammen, um einen komplexen Auftrag zu erfüllen. Bei Red Flag gibt es auf der einen Seite die „Blue Forces“, zu denen neben Deutschland auch unsere Nato-Partner Italien, Spanien und die Gastgebernation USAUnited States of America gehören. Auf der anderen Seite stehen simuliert die „Red Forces“, gegen welche sich die Blue Forces zur Wehr setzen müssen. Eine Besonderheit dabei: es gibt eine gesonderte Einheit mit Kampfflugzeugen, welche die Red Forces simulieren, die sogenannten „Aggressors“.

Das Übungsgebiet bietet perfekte Trainingsbedingungen

Die Nellis Air Force Base verbindet maßgeblich zwei Eigenschaften: durch die sichtbare Nähe zur Großstadt Las Vegas ist alle notwendige Infrastruktur vorhanden oder schnell erreichbar. Auf der anderen Seite haben die Übungsflugzeuge in Sekunden die Wüste Nevadas erreicht, die einmalige Trainingsbedingungen bietet: die „Nevada Test and Training Range“ ist etwa 270 mal 90 Kilometer groß. 

Startender Eurofighter in Las Vegas. Im Hintergrund sind ein Dutzend andere Kampfjets zu sehen

Ein deutscher Eurofighter startet zu seiner Mission. Im Hintergrund sieht man verschiedene Flugzeuge der anderen Teilnehmer

Bundeswehr/Ingo Tesche

Anders als in dicht besiedelten Gebieten, gibt es hier weder Lärmbelastung für Anwohner, noch strenge Mindestflughöhen wie in Deutschland. Daher können die Jets die verschiedenen Manöver flexibler fliegen. Darüber hinaus wurden auf dem Testgelände verschiedene Vorkehrungen für die Übung getroffen: Luft-Boden-Raketensysteme simulieren eine realistische Bedrohung für die teilnehmenden Blue Forces. 
Im Gegenzug wurden Ziele nachgebaut, die mit scharfer Munition bekämpft werden können: Fahrzeuge, Gebäude bis hin zu einem nachgebauten Flugplatz. Zusätzlich werden bei der Übung Störflugzeuge eingesetzt, die den Funkverkehr, das Radarbild oder die eigenen Kampfmöglichkeiten einschränken und so den Druck auf die Piloten der Blue Forces erhöhen.
 

Ein Tornado fliegt über der Wüste Nevadas. Im Hintergrund sind steinige Berge

Ein Tornado im Tiefflug in der steinigen Wüste Nevadas

Bundeswehr/Ingo Tesche

Lange Arbeitstage für das ganze Team

So zahlreich und verschieden wie die teilnehmenden Flugzeuge, so komplex sind auch die Aufgaben, die täglich auf die Piloten warten. Bis zu zehn Stunden dauert die Vorbereitung einer Mission – und das bei zwei Übungsphasen täglich. Dazu müssen vor allem die vorhandenen Kräfte und Ressourcen koordiniert werden. Geflogen werden überwiegend Missionen, bei denen die Blue Forces dem heranrückenden Feind offensiv gegenübertreten, sogenannte „Offensive Counter Air“-Missionen (OCA). 

Die Eurofighter können dabei mehrere Rollen einnehmen: Sie können mit der GBU-48, einer 500 Kilo-Bombe, gegen Ziele am Boden eingesetzt werden. Genauso können sie auch eigenen Truppen am Boden durch Luftnahunterstützung („Close Air Support“) zur Seite stehen. Alternativ nutzen sie ihre hohe Beweglichkeit als „Luftüberlegenheitsjäger“ und bekämpfen Ziele in der Luft. Dabei können sie in einer ersten Welle feindliche Flugzeuge gezielt bekämpfen, um so den Weg für eigene Flugzeuge freizumachen. In einem anderen Fall eskortieren sie hochwertige Unterstützungsflugzeuge, wie zum Beispiel Luftbetankungsflugzeuge oder Truppentransporter. 

Die Tornados gibt es in zwei Varianten: in der Rolle „Interdiction Strike“ (IDSInterdiction Strike) bekämpft er Ziele am Boden. Dies können einzelne Fahrzeuge, Gebäude oder auch große Bunkeranlagen sein. Auch der Tornado kann eigene Truppen am Boden mit „Close Air Support“ unterstützen. In der Ausstattungsvariante „Electronic Combat Reconnaissance“ (ECRElectronic Combat Reconnaissance) bekämpfen sie mit einer speziellen Waffe gegnerische Radaranlagen und Boden-Luft-Raketensysteme. Dies wird im komplexen Luftkriegsszenario als „Suppression of Enemy Air Defence“ (SEAD), also Unterdrückung der gegnerischen Luftabwehr, bezeichnet.

Egal welche Rolle die Kampfjets der Luftwaffe einnehmen, sie sind täglich in einem komplexen Szenario mit vielen Alliierten gefordert und begegnen einem Gegner auf Augenhöhe.
 

von Maurice Heck