Luftwaffe

Digitale A400M-Flotte bekommt Zuwachs

Digitale A400M-Flotte bekommt Zuwachs

  • Ausbildung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
3 MIN

Ganz ruhig ist der Flug bisher gewesen. Major Stefan und Hauptmann Thomas steuern den A400M in Richtung des freigegebenen Luftraums. Dort sollen bei der heutigen Mission vier Eurofighter in der Luft betankt werden. 

Mit dem Blick über die Schulter des zweiten Piloten sieht man einen Eurofighter aus der Cockpitscheibe.

Die künstliche Realität wird vom Simulator täuschend echt für die Crew erstellt

Bundeswehr/Stefan Lüer

Nach den ersten Funksprüchen ist auch schnell der erste Sichtkontakt da. Die Kampfflugzeuge nähern sich. Die Piloten im A400M arbeiten routiniert und ruhig die Checklisten ab. Danach kann ein Jet nach dem anderen aufgetankt werden. Alles läuft so, wie sie es in Ihrer Ausbildung gelernt haben.  

Auf einem Bildschirm sieht man ein Livebild von außerhalb des A400M bei der Betankung.

Sogar die im A400M vorhandenen Außenkameras werden in die Simulation integriert. Für die Luftbetankung sehr wichtig.

Bundeswehr/Stefan Lüer

20 Minuten später ist der Auftrag erfüllt und die Crew fliegt zurück nach Wunstorf. Nach einer sicheren Landung können sie aus dem A400M-Simulator aussteigen. Für Hauptmann Thomas eine Premiere. „Für mich war es der erste Betankungsflug im Simulator. Man vergisst immer schnell, dass es nur eine Simulation ist, da alles so real wirkt.“ 

Multinationale Pilotenausbildung in Wunstorf

In der Ausbildungsinspektion des Lufttransportgeschwaders 62 werden multinational A400M-Crews ausgebildet. Hierfür standen bisher ein Full-Flight-Simulator (FFS), ein Flat-Panel Flight-Training-Device (FP-FTD) und ein Cargo Hold Trainer (Laderaumsimulator) zur Verfügung. Ende Januar ist ein zweiter FFS auf dem Fliegerhorst Wunstorf in Betrieb genommen worden, der dem aktuellen Fähigkeitsstand des „echten“ A400M entspricht. 

In einer Halle steht der neue Simulator. Darauf spiegeln sich leicht die A400M auf den Liegeplätzen.

Was aussieht wie ein riesiger Motorradhelm ist die neuste Generation des A400M Full-Flight-Simulators in der Ausbildungsinspektion des LTGLufttransportgeschwader 62 in Wunstorf.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Für den Leiter der Simulatorausbildung, Major Daniel, eröffnen sich hierdurch neue Möglichkeiten. „Wir sind nun auch in der Lage, die aktuell in der Realität durchgeführten taktischen Anteile im Simulator auszubilden und zu üben. Hierzu zählen z.B. die Luftbetankung als Tanker, das Absetzen von Fallschirmspringern und Lasten, sowie Tiefflug und Nachtflug mit Nachtsichtgeräten (NVG)“.

Komplexer Aufbau – Auch Pandemiebedingt

Schon die Anlieferung der Bauteile für den Simulator war eine Herausforderung. Mit großen Tiefladern wurden die einzelnen Bauteile transportiert. Da die Aufbauphase mitten in der ersten Pandemiephase geplant war, kam es wie bei vielen großen Projekten zu Verschiebungen im Zeitplan. Der Simulator wird wie auch der A400M multinational gefertigt. Aufgrund der schweren Situation in Spanien konnten einzelne Bauteile nicht gefertigt, oder aufgrund der Reisebeschränkungen überhaupt geliefert werden. Dennoch kam der Aufbau gut voran, was man im Zeitraffer miterleben kann.

Das Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf hat einen weiteren A400M-Simulator erhalten. Bevor dieser aber genutzt werden kann, muss er aufgebaut werden. Hier zu sehen im Zeitraffer.

Flüge wie in der Realität

Der erste FFS wurde 2015 in Betrieb genommen und zuletzt 2017 von Grund auf an die ständig wachsenden Fähigkeiten des A400M angepasst. Er ist jedoch auf dem Stand des ersten A400M, der 54+01 geblieben. Schon dieser Simulator ist technisch soweit fortgeschritten, dass Flugstunden darin wie echte Flüge gewertet werden konnten. Hierfür wird der Simulator jedes Jahr erneut zertifiziert. 

In einer Raum stehen viele Server. In der Decke sind viele Lüfter und eine Löschanlage angebracht.

Viel Technik ist für die Erschaffung der digitalen Welt erforderlich. In speziell gekühlten Serverräumen sind die vielen Rechner nur dem technischen Personal zugänglich.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Ausbildung fast rund um die Uhr

Er wird an sieben Tagen die Woche, Tag und Nacht genutzt. Insgesamt wurden bisher über 19.000 Flugstunden mit ihm geflogen, was neben einer Kostenersparnis zu echten Flügen, auch zu weniger Emissionen und Fluglärm führt. Die Ausbildung für die A400M-Musterberechtigung konnte soweit angepasst werden, dass 95% davon im Simulator erfolgen. Pro Schüler werden hierdurch 26 echte Flugstunden gespart.

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Zukünftige Fähigkeiten können digital trainiert werden

Das Landen auf unbefestigten Pisten, oder zukünftige Aufgaben wie z.B. die Luftbetankung als Receiver, konnten bisher nicht im Simulator geübt werden. Mit dem neuen Mitglied der „Digitalen Flotte“ wird dies zukünftig möglich sein. „Das bedeutet, dass wir zukünftig neben dem Großteil der logistischen Grundlagenausbildung nun auch einen großen Anteil der taktischen Aus- und Weiterbildung im Simulator anbieten können“, so Major Daniel.

In einem großen Gebäude sind zwei Tore geöffnet. Darin sind zwei Simulatoren zu sehen.

Die Digitale A400M-Flotte des LTGLufttransportgeschwader 62 ist in einem Simulator-Zentrum zu Hause

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Für den Kommodore des LTGLufttransportgeschwader 62 und A400M-Piloten, Oberst Christian John, ist „die Inbetriebnahme des zweiten Simulators ein wichtiger Meilenstein zur Vervollständigung einer der modernsten fliegerischen Ausbildungseinrichtungen der Luftwaffe.“

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten sind schon geplant

Im nächsten Schritt wird eine Vernetzung der Simulatoren kommen. Hierdurch können Formationsflüge, oder auch die Luftbetankung von einem A400M zum anderen A400M vor den ersten echten Flügen kostengünstig und Emissionsschonend trainiert werden. Ausbildungsmöglichkeiten von denen auch die internationalen A400M-Flugschüler z.B. aus Frankreich profitieren. Sie werden im Wunstorf beim LTGLufttransportgeschwader 62 ausgebildet. Ausbildung auf dem höchsten Qualitätsniveau, mit Simulatoren der neuesten Generation.

von Martin Buschhorn