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Luftwaffe
Luftwaffe im Einsatz

Schutz des Luftraumes der NATONorth Atlantic Treaty Organization – jetzt und künftig

Landes- und Bündnisverteidigung

Litauen, Ostflanke der NATONorth Atlantic Treaty Organization: Beim mobilen Führungsgefechtsstand der deutschen Luftwaffe empfängt deren stellvertretender Inspekteur internationale Gäste. Und überrascht mit einer Aussage: Was die Besucher sähen, sei die alte Welt. Die Luftwaffe arbeite bereits an der neuen.

Eine Holztafel mit der eingebrannten Aufschrift DCRC.

Der deutsche Führungsgefechtsstand der Luftwaffe nutzt die Sensoren der baltischen Staaten sowie auch eigene Radare und unterstützt so in der Luftraumerfassung der Region

Bundeswehr/Christian Timmig

In Litauen trägt das Deployable Control and Reporting Centre (DCRCDeployable Control and Reporting Centre) des Einsatzführungsbereichs 3 der Luftwaffe zum Schutz des Luftraums an der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Ostflanke bei. Hochrangige Besucher in internationalen Uniformen sind vor Ort, Gastgeber ist Generalleutnant Lutz Kohlhaus, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe. Seine Botschaft: „Was Sie hier bei dem Einsatz sehen, das ist die alte Welt. Zukünftig setzen wir auf Modularität, Mobilität und das verbunden mit modernerer Software.“

Was das DCRCDeployable Control and Reporting Centre leistet

Das DCRCDeployable Control and Reporting Centre ist der verlegefähige Führungsgefechtsstand der deutschen Luftwaffe für Luftraumüberwachung und taktische Führung. Es erfasst Luftziele, identifiziert sie und kann eigene Waffensysteme zur Wirkung führen. Deployable heißt: Das System lässt sich verlegen, am Einsatzort aufbauen und in einen laufenden Einsatzrahmen integrieren. Es hat keinen festen Standort, sondern geht dahin, wo es gebraucht wird – aktuell eben im Baltikum.

Dort ist es im NATINADSNATO Integrated Air Defense System eingebunden, dem NATONorth Atlantic Treaty Organization Integrated Air and Missile Defence System. Das ist ein vernetztes System, das nationale Sensoren, Führungselemente und Waffensysteme der Mitgliedsstaaten zusammenführt. Denn niemand im Bündnis kämpft für sich allein. Alle bauen gemeinsam ein Luftlagebild auf. Das deutsche DCRCDeployable Control and Reporting Centre nutzt die Sensoren der baltischen Staaten und schließt gezielt Lücken in der Luftraumerfassung der Region.

Die Zukunft ist mobiler

Kohlhaus sprach offen darüber, was das System heute kann –  und noch offener darüber, was sich ändern muss: „Unsere aktuellen Systeme, wie wir sie jetzt bei unseren Kontingenten sehen, würden im Kriegsfall in das Visier geraten. Die Ausrüstung und das Personal der Zukunft wird mobiler sein und sich dadurch vor der Aufklärung durch einen Gegner verbergen.“

Konkret heißt das: Die Luftwaffe arbeitet daran, das DCRCDeployable Control and Reporting Centre-Konzept weiterzuentwickeln –  weg von stationären Zeltlagern und Containern, hin zu einer Führungsfähigkeit, die sich auf Lkw verteilt, in urbanes Gelände verlegen kann und keinen festen, angreifbaren Schwerpunkt mehr bildet.

Software, Drohnen und das Heer

Die Software des DCRCDeployable Control and Reporting Centre spielt dabei eine zentrale Rolle. Die aktuelle Führungssoftware GIADS IV soll zu GIADS V weiterentwickelt werden. Parallel läuft die Integration von SitaWare, einer Führungssoftware dänischer Herkunft, als erster konkreter Schritt in Richtung Multi-Domain-Operations.

Kohlhaus betonte die wachsende Komplexität des Luftraums. Neben klassischen bemannten Luftfahrzeugen rücken taktische Drohnen stärker in den Fokus, eigene Systeme ebenso wie fremde. Sie bewegen sich in unterschiedlichen Höhen, mit anderen Geschwindigkeiten und Signaturen. Ihre eindeutige Identifikation im Lagebild ist entscheidend. Gleichzeitig müssen bodengebundene Luftverteidigungssysteme eng mit fliegenden Kräften verzahnt werden. Das DCRCDeployable Control and Reporting Centre übernimmt dabei eine zentrale Koordinationsfunktion, auch gegenüber dem Heer, etwa beim Einsatz von Artillerie oder Heeresfliegerkräften. Das betrifft nationale Fähigkeiten ebenso wie Beiträge von Verbündeten. Beispielhaft dafür steht die enge Abstimmung mit der in Litauen stationierten deutschen Panzerbrigade 45.

Zwei Generäle im Gespräch.

Generalleutnant Lutz Kohlhaus, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe (links) und der Kommandeur der Panzerbrigade 45 "Litauen", Brigadegeneral Christoph Huber (rechts), tauschen sich über die Zusammenarbeit in der Luftraumkontrolle aus

Bundeswehr/Christian Timmig

Das Schweigen der Sender

Ein weiteres Thema ist EMCONEmission Control, die Emission Control. Gemeint ist die bewusste Steuerung aller eigenen elektromagnetischen Abstrahlungen. Denn wer sendet, verrät sich. Ob Radar, Funkgerät oder Datennetzwerk: Jedes ihrer Signale kann geortet werden und dem Gegner Daten für seine Zielplanung liefern.

EMCONEmission Control-Disziplin bedeutet deshalb, genau zu steuern, wer wann sendet, um das eigene System nicht zum Ziel zu machen. Das war im Kalten Krieg Grundlage des Überlebens, geriet in den vergangenen Jahrzehnten in den Hintergrund und ist heute wieder hochaktuell.

Die Entwicklung geht weiter

Kohlhaus kündigte zusammenfassend an: „Wir schöpfen neuen Mut und bauen wieder auf. Nicht nur die Kräfte und Fähigkeiten in Deutschland, sondern auch die unserer Freunde und Nachbarn in Europa.“  Das DCRCDeployable Control and Reporting Centre in Litauen ist ein einsatzbereites System an einem der neuralgischen Orte der NATONorth Atlantic Treaty Organization und zugleich ein Ausgangspunkt für das, was Luftraumkontrolle in Zukunft bedeuten wird.

von Thomas Skiba
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