Luftwaffe

Gemeinsam gegen Covid-19

Gemeinsam gegen Covid-19

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Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
3 MIN

Das „Dominium“ im Herzen von Köln, unweit des Domes, wird aktuell als Außenstelle des Gesundheitsamtes Köln genutzt. Vor rund sieben Wochen traten dort knapp 30 Soldatinnen und Soldaten der Luftwaffe ihren Dienst an. Auftrag war die Unterstützung des Gesundheitsamtes im Rahmen der Corona-Pandemie.

Zwei Soldaten im Gespräch.

Stabsfeldwebel Holger Franck und Stabsfeldwebel Nils Voß im Flurgespräch

Bundeswehr/Ingo Tesche

Telefonieren, bis die Leitungen glühen

Für die aus verschiedenen Einheiten bunt gemischte Truppe aus Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften war diese Arbeit Neuland. „Die Ungewissheit und gegenseitige Erwartungshaltung war auf ziviler und militärischer Seiten enorm groß“, so Stabsfeldwebel Holger Franck, der sonst im Luftwaffentruppenkommando seinen Dienst leistet. „Doch schnell haben wir uns mit den zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an einen Tisch gesetzt und sind gemeinsam in den Kampf gegen Covid-19 gezogen“, ergänzt Stabsfeldwebel Nils Voß.

Beide gehörten zum militärischen Bindeglied, das am Tisch mit der zivilen Teamleitung sitzt. Nach einer kurzen Einweisung in die „Kontaktnachverfolgung“ begann die neue Arbeit: Telefonieren bis die Leitungen glühten. Bei der Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus ist es von hoher Bedeutung, möglichst schnell Kontaktketten zu unterbrechen, Infizierte zu identifizieren und zu isolieren. Schließlich kann nur die Quarantäne als letzte Konsequenz den Schutz vor der Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus verhindern und die Verbreitung der Erkrankung stoppen.

Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Köln mit einer Liste in der Hand neben einem Soldaten.

Stabsfeldwebel Franck im Abstimmungsgespräch mit Frau Maier vom Gesundheitsamt der Stadt Köln

Bundeswehr/Ingo Tesche

Teilweise harte Überzeugungsarbeit nötig

Der erste Schritt dabei ist der Erstkontakt über das Telefon. Dieser geschieht in Köln durch eine vielfältig besetzte Truppe: Ärzte, Medizinstudenten, Psychologen, Soldatinnen und Soldaten. Darüber hinaus gibt es einige im Team mit Kenntnissen verschiedener Fremdsprachen, um Personen in deren jeweiliger Muttersprache zu helfen und die Maßnahmen verständlich zu vermitteln. Im Anschluss erhalten betroffene Kontaktpersonen ein Merkblatt per E-Mail mit sämtlichen Informationen zur häuslichen Quarantäne. In den Telefonaten kann es durchaus dazu kommen, dass im Auftrag des Gesundheitsamtes für die Betroffenen Quarantäne angeordnet wird.

Die meisten Kölner zeigen dafür Verständnis, zumal diese Zeit für viele durch das Home-Office gut zu bewältigen sei. Doch bei einigen wenigen müsse am Telefon auch Überzeugungsarbeit geleistet werden, so eine erste Erfahrung. Stabsfeldwebel Nils Voß bringt dabei die gewinnbringende Strategie auf den Punkt: „Auch, wenn der Ton in den Telefonaten gelegentlich rauer wurde: Mensch sein und im Gespräch mit den Betroffenen zuhören, hat fast immer geholfen“.

Ein Soldat unterhält sich an seinem Schreibtisch mit einer Frau.

Stabsfeldwebel Kuhl gleicht Kontaktlisten mit dem Gesundheitsamt ab

Bundeswehr/Ingo Tesche

Auch während der Quarantäne Kontakt halten

Zudem erfährt man in den Gesprächen auch von weiteren Kontaktpersonen. Somit kann das Lagebild immer weiter verbessert werden und Kontaktketten so weit nachverfolgt werden, dass man sie unterbrechen kann. Von der Bedeutung ihrer Arbeit waren die Soldatinnen und Soldaten schnell überzeugt: „Lediglich diese Unterbrechung kann die Ausbreitung effektiv stoppen“, so Stabsfeldwebel Franck.

Mit Beginn einer angeordneten Quarantäne ist jedoch die Arbeit des Gesundheitsamtes noch lange nicht vorbei. Ein ständiges Kontakthalten kann viel Leid lindern und ist daher unverzichtbar. Die angeordnete Maßnahme endet nicht automatisch, sondern erst, wenn sie durch die zuständige Behörde wieder aufgehoben wurde.

Kein gewöhnlicher Dienst, aber mit großer Verantwortung

Die Soldatinnen und Soldaten konnten in den eineinhalb Monaten bei der Unterstützung des Gesundheitsamtes viele wertvolle Erfahrungen sammeln – schließlich ist der Dienst im Dominium alles andere als regulärer Dienstbetrieb und bringt hohe Herausforderungen mit sich. Neben der Sieben-Tage-Woche sind in diesem Zusammenhang auch die psychischen Belastungen zu nennen. So kann es durchaus belastend sein, Personen mit Symptomen konsequent in eine zweiwöchige Quarantäne zu schicken. Letzten Endes sind sich alle der Verantwortung bewusst, zudem ist der ständige Austausch mit Mitarbeitern des Gesundheitsamtes überaus hilfreich.

Ende September endete die Unterstützungsarbeit in Köln. Seitdem hat ein anderes Team die Aufgabe übernommen. Dabei ist absehbar, dass wegen der aktuell steigenden Fallzahlen vorerst keine Ruhe im Dominium einkehren wird. Daher lautet der Appell der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten: Beachtet die geltenden Schutzmaßnahmen mit Mindestabstand, Mund-Nasen-Masken und Hygieneregeln – zum Wohle aller!

Ein Soldat am Desinfektionsspender.

Schutzmaßnahmen beachten: Hände desinfizieren und das Tragen einer Mund-Nasen-Maske

Bundeswehr/Ingo Tesche
von Stefano Guagliano