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Knochenmarkspende für die Hoffnung

Knochenmarkspende für die Hoffnung

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Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
4 MIN

Rico Wolf, Soldat des LTGLufttransportgeschwader 62, konnte einem fünfjährigen Jungen aus Schweden mit einer Knochenmarkspende Hoffnung auf ein neues Leben schenken.

Ein Bundeswehrtechniker steht in seiner gelben Jacke vor einem A400M.

Rico Wolf hat sich in seiner Grundausbildung freiwillig typisieren lassen. Mit seiner Knochenmarkspende hat er Hoffnung geschenkt.

Bundeswehr/Simon Otte

Allein in Deutschland erhält alle 15 Minuten ein Patient die Diagnose Blutkrebs. Unter den Betroffenen sind zahlreiche Kinder und Jugendliche. Viele benötigen zum Überleben eine Stammzellspende, finden jedoch keinen passenden Spender. Rico Wolf, Soldat des LTGLufttransportgeschwader 62, konnte einem fünfjährigen Jungen aus Schweden mit einer Knochenmarkspende Hoffnung auf ein neues Leben schenken. 

Mit Hilfe einer Stammzellspende erhalten Blutkrebspatienten eine echte Heilungschance. Die Herausforderung: Für eine erfolgreiche Transplantation müssen die Gewebemerkmale von Patient und Spender nahezu 100-prozentig übereinstimmen. Genau das macht die Suche so schwierig. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden, liegt in einer Spanne von 1 zu 20.000, bis hin zu 1 zu mehreren Millionen. Rico hatte sich im Juli 2016 in seiner Grundausbildung in Roth dazu entschieden, sich als Spender registrieren zu lassen. „Während meiner Grundausbildung fand am Standort eine Typisierungsaktion statt. Wir hatten freiwillig die Möglichkeit, daran teilzunehmen, da habe ich kurz überlegt und dann den Entschluss gefasst.“

Ein Soldat nimmt bei einer Typisierungsaktion ein Wattestäbchen in den Mund.

So einfach geht das. Stäbchen in den Mund und schon ist alles für die Typisierung erledigt.

Bundeswehr/Fiona Klatt

Ein unerwarteter Anruf   

Vier Jahre später, im September 2020, klingelte dann sein Telefon. Am anderen Ende der Leitung war die Stiftung, die damals die Typisierung durchgeführt hatte. „Eine Frau teilte mir mit, dass es eine mögliche Übereinstimmung geben würde und fragte mich, ob ich bereit wäre, Knochenmark zu spenden.“ Der Anruf kam für ihn unerwartet. „Ich hatte nach dem Telefonat schon ein etwas komisches Gefühl und habe dann eine Nacht darüber geschlafen. Am nächsten Tag war mir aber klar, dass ich das machen wollte.“

Gesundheitschecks vorab

Kurze Zeit später erhielt er ein Päckchen mit der Post. Darin war ein Fragebogen und eine Ampulle für eine Blutabnahme, die er beim Sanitätsversorgungszentrum seines Heimatstandortes durchführen konnte. Durch die Tests soll sichergestellt werden, dass keine Vorerkrankungen bestehen, die gegen eine Spende sprechen würden. „Dabei wurde nichts gefunden und ich wurde zu einer weiteren Voruntersuchung und Besprechung nach Ratingen eingeladen.“ Hierbei wurde er darüber informiert, dass eine Entnahme von Stammzellen aus dem Beckenkamm erfolgen würde und dafür ein Eingriff erforderlich sei und dieser im Oktober durchgeführt werden könne.

Absolut Anonym, bis nach der Entnahme

Damit weder Spender noch Empfänger beeinflusst werden, gilt bis nach der tatsächlichen Entnahme absolute Anonymität. Alles wird über die betreuenden Stiftungen geregelt, die sich um die Beteiligten kümmern. „Am Tag nach der OP rief mich gleich meine Betreuerin von der Stiftung an und fragte mich, wie es mir ginge. Erst dann habe ich erfahren, dass meine Spende für einen fünfjährigen Jungen aus Schweden sei. Für mich war es grundsätzlich nicht wichtig für wen, aber einem so kleinen Kind helfen zu können, das hat mich noch glücklicher gemacht.“ 

„Muskelkater und etwas schlapp“

Den Eingriff selbst hat er sehr gut vertragen. Am Abend vor der OP war er angereist und konnte am Tag danach schon wieder nach Hause fahren. Vorsorglich wurde er für drei Wochen krank geschrieben. „Das liegt vermutlich an meiner körperlichen Arbeit. Als Luftfahrzeug-Gerätebetankungsfachkraft am A400M muss ich sonst schwere Dinge wie den Tankschlauch heben und tragen.“ Größere Beschwerden hatte er aber keine. „Ich war die ersten Tage noch etwas schlapp, was eventuell an der Vollnarkose lag. Ansonsten hatte ich aber keine Schmerzen. Es fühlte sich am Becken und Rücken eher an wie ein Muskelkater.“

Ein Techniker in gelber Jacke trägt einen großen Schlauch von einem Tankwagen weg.

Bei seiner täglichen Arbeit betankt Rico Wolf u.a. den A400M auf dem Fliegerhorst in Wunstorf

Bundeswehr/Simon Otte

Rückschlag aber neue Hoffnung

Für Rico Wolf war damit eigentlich alles gut. Zwei Tage vor Weihnachten bekam er dann aber erneut einen Anruf von seiner Betreuerin bei der Stiftung. „Sie sagte mir, dass die Spende nicht so gut angeschlagen hätte. Es würde jedoch noch eine weitere Möglichkeit in Form einer Lyphozytenspende geben. Sie fragte, ob ich bereit wäre, noch einmal in anderer Weise zu Spenden. Da habe ich gleich zugesagt.“ Schon am 30.12. war er in der Uniklinik Hamburg, um die erforderlichen Voruntersuchungen durchzuführen und am 8.1. erfolgte dort die Entnahme, diesmal ambulant. 

Lymphozyten sind eine Art von weißen Blutkörperchen, die auch als „Gesundheitspolizei“ bezeichnet werden. Um sie zu entnehmen wird das Blut des Spenders ambulant „gefiltert“. „Es hat bei mir circa fünf Stunden gedauert, bis die benötigte Menge zusammen war. Es tat nicht weh und ich hatte überhaupt keine Beschwerden.“

Anonymer Brief als Mutmacher

Von seiner Familie, Freunden und Kameradinnen und Kameraden hat er viel Lob erhalten. Rico sieht das jedoch nicht als eine große Sache an, sondern mit einem besonderen Selbstverständnis. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich typisieren zu lassen und zu spenden. Wenn man ein Leben retten kann, ohne selbst größeren Schaden zu nehmen – Warum sollte man das nicht tun?“

Er selbst ist gerade dabei dem Jungen aus Schweden einen persönlichen Brief zu schreiben, anonym und über die Stiftung. Erst nach zwei Jahren kann er, wenn beide Seiten zustimmen, Namen und Kontaktdaten erfragen. Rico Wolf freut sich darauf.

Man schaut Rico Wolf beim Schreiben über die Schulter.

Mit einem persönlichen Brief möchte Rico dem kleinen Jungen aus Schweden Mut machen. Natürlich noch absolut anonym.

Bundeswehr/Simon Otte
von Martin Buschhorn