Luftwaffe

Kräftemessen mit den Besten

Kräftemessen mit den Besten

  • Übung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Israel
Lesedauer:
4 MIN

 „Welcome – Uvda IAF Airbase“ grüßt ein Schild vor der israelischen Luftwaffenbasis mitten in der brütend heißen Negev-Wüste.  Die Luftwaffenbasis ist Schauplatz einer der größten Luftwaffenübungen weltweit – Blue Flag!

Ein Schild in der Negrev-Wüste

Mitten in der israelischen Negev-Wüste begrüßt die Uvda-Luftwaffenbasis die an Blue Flag teilnehmenden Nationen

Bundeswehr/Jane Schmidt

Blue Flag ist nicht nur eine Übung, nicht nur ein Zusammentreffen mit Verbündeten. Das internationale Manöver in der israelischen Negev-Wüste gehört zu den qualitativ besten Luftwaffentrainings weltweit. Acht Nationen nehmen in diesem Jahr teil – so viele wie noch nie! Nicht nur Gastgeber Israel und Deutschland sind dem Ruf der Blauen Flagge gefolgt. Auch die NATO-Mitglieder USAUnited States of America, Großbritannien, Frankreich, Italien und Griechenland sind mit am Start sowie zum zweiten Mal nach 2017 die Luftstreitkräfte Indiens.

Insbesondere das Training mit Nationen außerhalb der NATO ist von großer Bedeutung, denn diese Länder benutzen andere Verfahren als die eingespielten Bündnis-Mitglieder. Das hilft beiden Seiten, ihre Abläufe zu optimieren. Außerdem werden am israelischen Himmel während des Übungszeitraumes die mordernsten Kampflugzeuge der Welt zu sehen sein. Diese Koalition wird es mit einem sehr starken Gegner zu tun bekommen. Eine F-16-Staffel – die „Roten Drachen“– ist nur dafür trainiert, als Gegner den Blue-Flag-Nationen ordentlich einzuheizen.
Ohnehin gilt die israelische Luftwaffe als eine der stärksten Luftstreitkräfte der Welt. Eine gemeinsame Übung ist daher immer ein Gewinn.

Das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ als Leitverband entsendet sechs Eurofighter und rund 160 Soldatinnen und Soldaten nach Israel, um gemeinsam mit den israelischen Freunden und den verbündeten Nationen internationale Luftoperationen zu trainieren. Die Voraussetzungen dafür könnten nicht besser sein. Der israelische Luftraum unterscheidet sich gravierend von den vertrauten Gegebenheiten in Europa. Weite Teile der israelischen Topographie befinden sich unter dem Meeresspiegel und die Negev-Wüste besteht aus unzähligen sandigen Kratern und Hügeln. Gepaart mit stets schönstem Wetter bieten sich hervorragende Bedingungen für die Piloten der Luftwaffe.

„Gemeinsame Missionsziele in kürzester Zeit erreichen“

Das sieht auch Kontingentführer Oberstleutnant Niko Biedermann so. Der erfahrene Eurofighterpilot leitet zum ersten Mal ein solches Kommando. “Die besondere Herausforderung bei der Übung Blue Flag ist es, unter ungewohnten klimatischen und geographischen Bedingungen innerhalb kürzester Zeit gemeinsame Missionsziele zu erreichen. Gerade das Zusammenspiel mit Teilnehmern außerhalb der NATO ist spannend, da wir alle gemeinsame geeignete Verfahren finden müssen. Ich freue mich, dass meine erste Übung als Kontingentführer ein so großes internationales Ansehen genießt“, erklärt Biedermann.

Eine Person steht vor drei Nationalflaggen

Oberstleutnant Niko Biedermann ist das erste Mal Kontingentführer auf einer multinationalen Luftwaffenübung

Bundeswehr/Falk Bärwald

Der „Eagle Star“ als Symbol der Freundschaft

Speerspitze der deutschen Blue-Flag-Flotte ist der „Eagle Star“. Das Kampfflugzeug mit der Kennung 31+37 wurde speziell foliert, um als Zeichen der besonderen Beziehung zwischen den deutschen und israelischen Luftstreitkräften am israelischen Himmel ein Zeichen der Freundschaft zu setzen.

Eagle Star

Der „Eagle Star“ vereint die Nationalflaggen Israels und Deutschlands und symbolisiert die Freundschaft beider Luftstreitkräfte

Bundeswehr/Marc Thöne

Die ohnehin schon enge Kooperation zwischen der deutschen und israelischen Luftwaffe wurde in den letzten Jahren auf eine persönliche, sehr freundschaftliche Stufe gehoben. Im Sommer 2020 waren erstmalig in der Geschichte israelische Kampfflugzeuge in Deutschland zu Gast. Beim von beiden Luftwaffenchefs angeführten Vorbeiflug an der KZ-Gedenkstätte Dachau schrieben beide Luftstreitkräfte Geschichte.

Die Luftwaffe lebt die deutsche Staatsraison

Vor wenigen Monaten waren rund 60 junge israelische Offiziere in Deutschland zu Gast. Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe, unterstrich bei ihrem Besuch, dass sie die Zukunft seien und es in ihrer Hand liege, diese enge Freundschaft bis in alle Zeiten zu bewahren und auszubauen.

Dazu passt auch der gerade beendete letzte Amtsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Israel, bei dem sie erneut hervorhob, dass Israels Sicherheit zur deutschen Staatsraison gehöre. Diese politische Formulierung füllt die Luftwaffe nun schon seit Jahren mit Leben. Denn der Fall, dass man den israelischen Freunden tatsächlich mal militärisch beiseite stehen müsste, muss auch trainiert werden. Die Luftwaffe lässt diesen wichtigen Worten auch Taten folgen.

Neuer Geschwaderkommodore gleich mit in Israel dabei

Oberst Timo Heimbach hat erst vor wenigen Tagen die Führung des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ übernommen. Für ihn ist Blue Flag nicht nur eine Gelegenheit, seinen Frauen und Männer aus Nörvenich kennenzulernen. Er kann sich auch von der Einsatzbereitschaft seines Verbandes unter Wettkampfbedingungen überzeugen. „Für uns hat Blue Flag einen hohen Stellenwert. Zum einen mit Blick auf unsere in den letzten Jahren intensivierte Partnerschaft mit Israel und zum anderen aufgrund der exzellenten Übungsmöglichkeiten. Außerdem gehe ich stark davon aus, dass wir die Partnerschaft mit Israel in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen werden“, erklärt der neue Geschwaderchef.

Eine Person steht vor dem "Eagle Star"

Oberst Timo Heimbach begrüßt seine vom „Eagle Star“ angeführten Eurofighter bei der Landung auf der Uvda-Air Base

Bundeswehr/Falk Bärwald

Zwei Wochen werden die Fähigkeiten der Blue-Flag-Koalition gegen die „Roten Drachen“ auf die Probe gestellt. Die Soldatinnen und Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ stehen mit ihren sechs Eurofightern bereit, um nicht nur ihr militärisches Können unter Beweis zu stellen, sondern auch mit ihrem „Eagle Star“ ein Zeichen der Freundschaft zu setzen.

von Stephan Jeglinski