Luftwaffe

Kurze Wege, kilometerweise Kabel

Kurze Wege, kilometerweise Kabel

Datum:
Ort:
Rovaniemi
Lesedauer:
4 MIN

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Zehn Eurofighter der deutschen Luftwaffe nehmen an der multinationalen Übung Arctic Challenge 2021 über den nordischen Ländern teil. Stationiert sind sie in Finnland auf der Air Base in Rovaniemi am Polarkreis. Rund 200 Soldaten sind dabei, die meisten vom Leitverband des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ aus Nörvenich. Die Avioniker kümmern sich um die Elektrotechnik der Eurofighter: von der Batterie bis zum Relais, vom Kabel bis zum Leuchtmittel.

Zwei Soldaten unter einem Eurofighter mit geöffnetem Bugfahrwerksschacht.

Die Ausrüstungs-Avioniker vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ kennen ihre Maschinen in- und auswendig. Hier messen Oberfeldwebel Simon Sell und Hauptfeldwebel Nicolai Pirig im Bugfahrwerksschacht die Spannung an den Prüfsteckdosen.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Damit die Piloten bei der Übung Arctic Challenge 21 zu ihren täglichen Missionen starten können, ist quasi eine ganze Fachwerkstatt mit nach Finnland gekommen, die sich um die Maschinen kümmert. Zu dieser Instandsetzungs- und Elektronikstaffel gehören verschiedene Fachbereiche, wie Luftfahrzeugmechaniker und Avioniker. Der Begriff Avionik setzt sich aus den Worten Aviatik (Flugtechnik) und Elektronik zusammen und bedeutet Luftfahrtelektronik. Die elektronischen Systeme des Eurofighters sind wieder in Fachbereiche aufgeteilt: Manche sind Spezialisten für Hochfrequenztechnik, andere für Rechennavigation und Waffenelektronik, Regelungstechnik und Luftfahrzeug-Ausrüstung.

Während sich die meisten Bereiche der Instandsetzung auf einzelne Komponenten des Eurofighters konzentrieren, sind die „Ausrüster“ in der Avionik immer gefragt, wenn sich ein Fehler nicht durch den Austausch eines Bauteils beheben lässt.

27 Kilometer Kabel pro Jet

Eurofighter startet bei der multinationalen Übung "Arctic Challenge 2021" auf der Rovaniemi Air Force Base.

Damit die Eurofighter bei der Übung Arctic Challenge 2021 täglich starten können, ist eine ganze „Fachwerkstatt“ mit nach Rovaniemi gekommen

Bundeswehr/Jane Schmidt

Schließlich sind in jedem dieser Kampfjets 27 Kilometer Kabel verbaut. Für diese sowie für alle anderen elektrotechnischen Bauteile ist das Team der Luftfahrzeug-Ausrüster verantwortlich, das hier in Rovaniemi mit fünf Soldaten präsent ist. Stabsfeldwebel Matthias Küpper hat schon viele Kommandos, also Übungen, dieser Art mit der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel erlebt, für Oberfeldwebel Simon Sell ist es eine Premiere. Der 26-Jährige ist seit 2017 bei der Luftwaffe und seit Februar dieses Jahres „Maintenance Ready“. Das bedeutet, er hat sämtliche Lehrgänge von der Grundausbildung über den Feldwebellehrgang in Heide bis zum Meisterlehrgang in Kaufbeuren erfolgreich abgeschlossen.

Es muss immer schnell gehen

„Bei einer Übung wie dieser muss es immer schnell gehen und sofort funktionieren, denn acht Eurofighter fliegen zweimal täglich eine Mission“, erklärt Stabsfeldwebel Küpper, der hier als QSM, als Qualitätssicherungsmeister, die Arbeiten der Kameraden prüft. Für den Fall, dass ein Jet länger ausfällt, stehen zwei Ersatzmaschinen bereit. Aber Ziel des gesamten Teams ist es, dass diese möglichst nicht gebraucht werden. „Anders als im Geschwader haben wir hier ganz kurze Wege zu den Kameraden der anderen Fachbereiche“, ergänzt Simon Sell.

Der Tag beginnt für das erste Team morgens um 8.30 Uhr, eine Stunde, nachdem die Wartungs-Crews ihren Dienst begonnen haben. Diese bereiten die Jets für den Flug vor und checken ihn nach Missionsende. Die zweite Avioniker-Schicht beginnt um 11 Uhr. „Stellt sich bei der Vorbereitung heraus, dass etwas nicht in Ordnung ist, werden wir direkt informiert“, sagt Stabsfeldwebel Küpper.

Kommt ein Eurofighter vom Flug zurück, werden alle Systeme direkt am Computer analysiert und jeder Fehler sofort gemeldet. In Rovaniemi findet das direkt in einem großen Hangar hinter dem Flugfeld statt, auf dem die deutschen Eurofighter stehen.

Auch ein Jet braucht mal neue Batterien

Oft sind es nur Kleinigkeiten, die schnell erledigt sind, wie der Wechsel eines „Taxilights“. Dieser kleine Scheinwerfer am Fahrwerk leuchtet auf dem Weg von und zur Startbahn. Doch auch hier gehen Leuchtmittel mal kaputt. Eine weitere Inspektions-Routinearbeit: Alle zehn Flugstunden werden beim Bugfahrwerk die Stecker eingesprüht, um eine mögliche Korrosion zu verhindern. Und auch die Batterien des Kampfjets werden regelmäßig gewechselt. Aber die wesentliche Hauptaufgabe des Fachbereichs Luftfahrzeug-Ausrüstung ist es, die komplette Stromversorgung der Eurofighter jederzeit sicherzustellen. Außerdem ist der Fachbereich verantwortlich für die Betreuung der Fahrwerk- und der Beleuchtungsanlage, der Feuerlöschanlage und für den Vereisungsschutz.

  • Zwei Soldaten knien am Hauptfahrwerk eines Eurofighters und schrauben den Scheinwerfer vom „Taxilight“ auf.

    Manche Sachen sind auch beim Eurofighter so, wie man sie aus dem zivilen Leben kennt. Hier muss das Leuchtmittel vom „Taxilight“ getauscht werden

    Bundeswehr/Jane Schmidt
  • Zu sehen ist die „Birne“ für den Scheinwerfer des „Taxilights“.

    Dann wird das neue Leuchtmittel eingesetzt …

    Bundeswehr/Jane Schmidt
  • Ein Generator steht an einem Eurofighter, ein Soldat schließt das Kabel an.

    … und die Soldaten prüfen, ob das neue Licht funktioniert. Für den nötigen Strom wird ein Generator angeschlossen

    Bundeswehr/Jane Schmidt
  • Am Hauptfahrwerk ist das leuchtende „Taxilight“ zu sehen.

    Die neue „Birne“ ist in Ordnung, das „Taxilight“ funktioniert wieder. Der große Scheinwerfer daneben ist das „Landing light“, das nur bei der Landung eingeschaltet wird

    Bundeswehr/Jane Schmidt

Jeder Eurofighter hat 14 Kraftstoffpumpen

Wie eng die Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen der Instandsetzung ist, zeigt sich, wenn zum Beispiel eine Kraftstoffpumpe nicht einwandfrei funktioniert. Jeder Eurofighter besitzt 14 dieser Pumpen. In diesem Fall schaltete eine der Pumpen in der linken Tragfläche nicht automatisch ab, nachdem der Treibstoff herausgepumpt war. Kein großes Problem, aber es musste trotzdem schnell behoben werden. Erster Schritt: Die Pumpe wurde getauscht. Eine Aufgabe für die Mechaniker. Mit dabei das Team Werkstoffe, das sich um die Dichtmasse und das Abdichten kümmerte sowie die Ausrüster, die zum Schluss an den sogenannten Massepunkten den Widerstand prüften. Denn auch ein Kampfjet ist, wie ein Auto, ein faradayscher Käfig mit einer allseitig geschlossenen Hülle aus einem elektrischen Leiter, die als elektrische Abschirmung wirkt. Ein letzter Check –alles okay. Dem nächsten Flug des Eurofighters mit der Kennung 31+34 aus Nörvenich steht nichts mehr im Weg.

  • Zwei Soldaten knien unter einem Eurofighter und studieren technische Dokumentationen.

    Bei der Instandsetzungs- und Elektronikstaffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ arbeiten die Fachbereiche gerade bei Übungen sehr eng zusammen: Hier Stabsfeldwebel Matthias Küpper von den Ausrüstern und Hauptfeldwebel Frank Busch …

    Bundeswehr/Jane Schmidt
  • Zu sehen ist eine Kraftstoffpumpe eines Eurofighters.

    Diese Kraftstoffpumpe musste getauscht werden

    Bundeswehr/Jane Schmidt
  • Eurofighter 31+34 auf dem Weg zur Startbahn.

    Der Eurofighter mit der Kennung 31+34 kann wieder an jeder Mission der Übung Arctic Challenge 2021 teilnehmen

    Bundeswehr/Jane Schmidt

Nachwuchs ist willkommen

Die Ausrüster sind zufrieden und freuen sich auf die nächsten Tage der Übung. „Die enge Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel macht einfach Spaß“ sagt Simon Sell. Was er sich wünschen würde, wären mehr Nachwuchskräfte. Was sollten die mitbringen? „Zuallerst sollten sie Lust auf diesen Job haben, der wirklich toll ist“, sagt der 26-Jährige. „Sonst brauchen sie noch die mittlere Reife und im besten Fall eine Ausbildung in Richtung Elektrotechnik. Doch die können sie auch bei der Bundeswehr machen. Viel wichtiger ist das Interesse, sich hier weiterzuentwickeln.“

von Stefanie Pfingsten

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