Luftwaffe

Reserve – Uniform statt Jiu-Jitsu-Gürtel

Reserve – Uniform statt Jiu-Jitsu-Gürtel

  • Reserve
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
4 MIN

Sommer, Sonne und Sport. Joggen am Ostseestrand oder in den Bergen wandern – gerade der Sommer besticht durch seinen athletischen Reiz. Der Jiu-Jitsu-Trainer Denis Heinrich widmet dieser Jahreszeit jedoch einer ganz anderen Leidenschaft: seinem Dienst als Reservist bei der Bundeswehr. 

Zwei Personen trainieren in Kampfsportkutten die Abwehr von Messerangriffen.

Oberstleutnant Heinrich als Coach für Gewaltprävention. Konflikte zu lösen erfordert jedoch nicht nur Kraft, sondern auch den Geist. Darauf sensibilisiert er seine Schülerinnen und Schüler.

Privat

Als Coach für Gewaltprävention nimmt Sport einen wichtigen Bestandteil seines Lebens ein. Dennoch geht es Heinrich in seinen Seminaren eher darum, die geistigen Fähigkeiten zu fördern. „Sich selbst zu verteidigen, ist etwas anderes, als sich selbst zu behaupten”, erklärt der 46-Jährige. Dabei vermittelt er unter anderem, wie Konflikte richtig deeskaliert werden. Gerade Soft Skills stehen im Fokus seiner Arbeit, wie das Vermitteln persönlicher Werte wie Respekt. Vor allem begeistert er seine Seminarteilnehmenden aber für Teamarbeit und Zusammenhalt.

Er unterstützt die Menschen darin, Mobbing oder gar sexuelle Übergriffe präventiv zu verhindern. Zu seinen Schülerinnen und Schülern gehören alle Altersklassen, vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenen. Vorrangig arbeitet Denis Heinrich jedoch mit jungen Menschen zusammen. Deswegen bietet sich für ihn gerade der Ferienzeitraum als Möglichkeit, seinen eigenen Hobbys und Leidenschaften nachzugehen. In dieser Zeit legt er seinen Jiu-Jitsu-Gürtel ab und streift als Oberstleutnant die Uniform der Luftwaffe über.

Von der Bundeswehr ins Zivilleben – und zurück

Den Grundstein für diesen Lebensweg legte Denis Heinrich bereits in den 90er-Jahren. Damals leistete er seinen Grundwehrdienst im Fernmeldebataillon beim Heer. Noch in der Zeit des Wehrdienstes interessierte er sich für eine weiterführende militärische Karriere und wechselte in die Laufbahn der Reserveoffiziere. Nachdem er von 1993 bis 1995 alle Lehrgänge absolviert hatte, studierte er Sportwissenschaften in Köln.

Auf diese Lebenserfahrungen aufbauend, wurde er später bei der Luftwaffe im Bereich Gesundheitsmanagement tätig. Er „übte“ als Reservist, wie es im Jargon der Reservisten heißt. In anderen Worten: Über kurze oder längere Zeiträume trug er seine Uniform und durchlief über die Jahre mehrere Bereiche des Kommandos Luftwaffe. Aktuell ist er dort als Referent für Sport im Ausbildungsreferat. Mit dieser Tätigkeit kann er seine zivilberuflichen Erfahrungen und Kenntnisse gewinnbringend in den soldatischen Alltag einbringen.

Aktuell beschreitet er jedoch einen ganz anderen Weg, als sein sportlicher Hintergrund zunächst vermuten lässt: Als Adjutant des Stellvertreters des Inspekteur Luftwaffe, Generalleutnant Dr. Ansgar Rieks, leitet er dessen Büroorganisation. Heinrich selbst berichtet, dass er sich gerne der Herausforderung angenommen habe und empfinde es als fordernd, aber mindestens ebenso gewinnbringend.

Oberstleutnant Heinrich schätzt dabei besonders „diesen interessanten Spagat, den man als Reservist immer macht, um das Zivile mit dem Militärischen zu verbinden”. Schon in seiner Tätigkeit als Coach ist er ein großer Fan von Teamarbeit und Zusammenhalt. Diese Werte findet er in der Kameradschaft der Bundeswehr ebenfalls wieder. Auch als Reservist hat er das Gefühl, ein Teil vom Team Luftwaffe zu sein und einen wertvollen Beitrag zu leisten. 

Persönlicher Mehrwert statt sommerlicher Meerwert

Im Gegenzug für sein Engagement nimmt er aus jeder Reserveübung etwas für sich und seinen zivilen Beruf mit. Als besondere Bereicherung sieht er die Möglichkeit, sich stets weiterzubilden, wie zum Beispiel im französischen Rochefort im Sommer 2017. Dort nahm er an einem internationalen Führungsseminar, dem International Junior Officer Leadership Development (IJOLD), teil. Denis Heinrich erzählt, dass dieses gemeinsame Projekt der NATO-Staaten unterschiedliche Nationen zusammenbringt und jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet. Jede Nation entsendet eine kleine Delegation ausgewählter Teilnehmer, die dann vor Ort zu internationalen Gruppen gemischt werden. Beweisen müssen sich diese gemeinsam in einer 36 Stunden andauernden Übung. Dabei müssen sie über eine Gesamtstrecke von 45 Kilometern zwölf verschiedene militärische Disziplinen meistern, zum Beispiel einen Orientierungsmarsch. Auch als Jiu-Jitsu-Trainer erfordert diese Leistung viel Kraft und Konzentration.

Soldaten klettern über eine Eskalierwand einer Hindernisbahn.

Die Hindernisbahn erfordert körperliche Koordination unter höchsten Strapazen. Auch hier steht der Teamgeist im Mittelpunkt.

Privat

Im Anschluss an seine Leistung und die seiner Kameradinnen und Kameraden wartete jedoch nicht das Bett auf ihn, sondern der Unterrichtsraum. Dort durfte er unter Stress eine Präsentation zum Thema Führung erarbeiten und halten. In diesem einwöchigen Kurs geht es darum, „sich auf dünnes Eis zu begeben, sich ständig auf neue Situationen einzustellen und auch mal seine Komfortzone zu verlassen”, beschreibt es Heinrich. IJOLD spiegelt dabei Heinrichs eigene Auffassung seiner Seminare als Coach wieder. Bei allem sportlichen Training geht es auch darum, den Geist zu fördern. 

Dieses besondere Führungstraining hat Denis Heinrich tief geprägt. So unterstützte er IJOLD in den beiden folgenden Jahren in Kanada und Australien als sogenannter Facilitator.

Dabei unterstützte er jeweils die internationalen Gruppen durch die Aufgaben des Lehrgangs. Aus dieser Perspektive berichtet er, wie eng die Gruppen trotz anfänglicher Zurückhaltung zusammenwachsen. Dabei leitete er jeweils die internationalen Gruppen durch die Aufgaben der 36-Stunden-Übung.

Aus der anderen Perspektive als Unterstützer der Teilnehmenden berichtet er, wie eng die Gruppen trotz anfänglicher Zurückhaltung zusammenwachsen. Ihm gefällt, dass viele Kontakte nach Ende des Seminars bestehen bleiben. „Man lernt viel über interkulturelle Kompetenz. Das heißt nicht, zu wissen, was in Australien ein guter Rotwein ist”, fügt er scherzhaft hinzu, „sondern wie man auch auf internationaler Ebene eine gute Führungsperson ist”.

Soldatinnen und Soldaten hocken im Gelände ab und besprechen die Durschlageübung.

Auf der Durchschlageübung des Lehrgangs in Frankreich ist neben den hohen körperlichen Anforderungen vor allem Führung und Teamgeist gefragt. Nur zusammen kommen die Lehrgangsteilnehmenden zum Ziel.

Privat

Und so kommt Denis Heinrich in seinen Sommerferien trotz – oder gerade wegen – seiner Reservedienstleistung für die Luftwaffe doch noch zum Reisen. Sein Fazit: „Es geht darum, aufeinander zuzugehen und in einem Team zusammenzuarbeiten, egal ob als Teilnehmer oder als unterstützende Facilitator. Dieser Lehrgang erweitert den Horizont!”

von Rosa Schmiale und Hauke Meier