Luftwaffe

Tausche Laderaum gegen Nähmaschine

Tausche Laderaum gegen Nähmaschine

  • Coronavirus
  • Lufttransportgeschwader 62
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
2 MIN

Schutzmasken sind derzeit vor aller Munde, aber sie sind vor allem eins: knapp. Eine Maske zu tragen, kann andere schützen, eine weitere Verbreitung des Coronavirus verhindert werden. Deshalb setzen sich auch die Männer und Frauen des Lufttransportgeschwaders 62 an die Nähmaschinen.

Ein Soldat in Uniform mit Mund-Nasen-Schutz steht vor einer Nähmaschine.

Stabsunteroffizier Niklas Rabe näht zusammen mit anderen Helfenden die Schutzmasken

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Das alles ist auf dem Fliegerhorst in Wunstorf nur möglich, weil die verschiedenen Einheiten auf ganz unterschiedliche Fähigkeiten zurückgreifen können. Das Sanitätsversorgungszentrum (SVZ) in Wunstorf und das Systemzentrum (SysZ) 23 arbeiten eng mit den „62’ern“ zusammen. Das erste Ergebnis lief in der Sattlerei des LTG 62 Mitte April als Prototyp vom Band. Die Sanitäter des SVZ prüften die entstandene Maske auf Herz und Nieren – dann durften sie in die Serienproduktion gehen. 

Ein Laser macht den Zuschnitt

In der Sattlerei des SysZ 23 werden sonst Gurte für Raketen oder Planen für Panzer hergestellt, deshalb weiß die Produktion was Genauigkeit im Zehntel-Millimeter-Bereich bedeutet. „Wir haben viele Fähigkeiten, die es sonst kaum noch gibt“, sagt Bernd Wolter, als er Stoffbahnen für den Zuschnitt der Masken vorbereitet. Er ist Sattlergeselle und bringt Jahrzehnte an Erfahrung mit.

Ein Mann beugt sich über einen Laserplotter und glättet mit den Händen Stoffbahnen.

„Meine Werkstatt ist super ausgestattet. Von der Maschine, die Koffer aus Leder herstellen kann, bis hin zum Laserplotter – ich habe einiges hier und bin sehr zufrieden“, sagt Bernd Wolter, Sattlergeselle im Geschwader

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Neben einer etwa 60 Jahre alten, sehr großen Nähmaschine, die sogar dickstes Leder für Koffer nähen kann, steht Wolters neustes Gerät: Der Laserplotter. „Den Stoff für die Masken schneiden wir mit dem Laser. So können wir viele Bahnen gleichzeitig in Form bringen“, sagt er.

Ein Mann beugt sich über einen Laserplotter und glättet mit den Händen Stoffbahnen.

Im Laserplotter können viele Stoffbahnen gleichzeitig geschnitten werden – mit der altbewährten Schere undenkbar.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

„Wenn ich zwischen meinen regulären Aufträgen etwas Freiraum habe, erledige ich den Zuschnitt für die Masken. Es freut mich, helfen zu können“, so Wolters. Von seiner Erfahrung profitieren auch die anderen – er hat den helfenden Soldatinnen und Soldaten den Umgang mit der Nähmaschine gezeigt. 

Serienproduktion – an der Nähmaschine

Stabsunteroffizier Nikolas Rabe ist Fluggerätmechaniker. Normalerweise ist er für die Kontrolle und die Instandhaltung der Flugausrüstung des Transportflugzeugs A400M zuständig. Momentan sitzt der Soldat der 2. Technischen Staffel des Geschwaders aber an einer Nähmaschine in der Sattlerei und näht Schutzmasken – an seiner Seite weitere Kameradinnen und Kameraden die helfen.

Ein Soldat näht eine Schutzmaske an einer Nähmaschine zusammen.

Die Stoffzuschnitte, der Draht zum Andrücken an die Nase und die Gummibänder zum Halten an den Ohren werden an der Nähmaschine zusammengenäht

Bundeswehr/Martin Buschhorn

„Vor meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich eine Ausbildung zum Technischen Konfektionär gemacht. Dabei hatte ich schon mit dem Nähen zu tun. Allerdings waren es damals eher LKWLastkraftwagen-Planen oder Ähnliches“, so Rabe. Normalerweise kümmert er sich um Gurte und Sitze im Laderaum des A400M und sagt: „Während meiner Ausbildung zum Fluggerätmechaniker Fachrichtung Flugausrüstung hatte ich auch mit unterschiedlichen Nähten zu tun – aber nur theoretisch. Es freut mich, mein Wissen jetzt an meine Kameradinnen und Kameraden weiterzugeben.“

Zwei Soldaten sitzen hintereinander an einer Nähmaschine und nähen Schutzmasken.

Teamarbeit an den Nähmaschinen. Jeder erstellt einen Teil der Maske – so geht es schneller

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Desinfiziert und eingeschweißt

Bevor die Masken benutzt werden können, stehen noch zwei Arbeitsschritte an. Zunächst werden sie mit einem speziellen Waschmittel gewaschen und dabei desinfiziert. Nachdem sie wieder getrocknet sind, werden sie zusammen mit einer Trage- und Pflegeanweisung eingeschweißt. Nun können die Masken ausgegeben werden und vor einer weiteren Ausbreitung des Virus schützen.

Ein Soldat mit Handschuhen und Mundschutz legt neue Masken in eine Industriewaschmaschine.

Die Masken werden bei 60 Grad im Buntwäscheprogramm mit speziellem Waschmittel desinfiziert. Ab jetzt tragen alle Beteiligten Handschuhe und Mundschutz

Bundeswehr/Martin Buschhorn
Ein Soldat mit Handschuhen und Mundschutz verschweißt zwei Masken in Folie.

Es werden immer zwei Masken zusammen mit einer Beschreibung eingeschweißt. So kann eine Maske bei Bedarf gewaschen werden, während die andere getragen wird

Bundeswehr/Martin Buschhorn




von Martin Buschhorn