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Tausche Schreibtisch gegen Schraubenschlüssel

Tausche Schreibtisch gegen Schraubenschlüssel

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Datum:
Ort:
Evreux
Lesedauer:
5 MIN

Hauptfeldwebel Patrick Jacobs* hat an der Planung der binationalen Staffel mitgearbeitet. Nun ist er selbst in Évreux – als Avioniker für die C-130J. Jacobs ist gerne Soldat. „Ich gehe auf in dem, was ich tue“, sagt er. Und er hat bei der Bundeswehr schon einiges gemacht.

Hauptfeldwebel Patrick Jacobs lehnt an der Laderampe einer C-130J

Sprachen lernen, Avioniker-Lehrgang, Umzug: Jetzt ist Hauptfeldwebel Patrick Jacobs in Évreux angekommen.

Bundeswehr/Birte Chilcott

Der gelernte Elektroinstallateur kam 2007 mit 21 Jahren für seinen Wehrdienst erst nach Erfurt zum Heer, dann zum Fernmeldesektor bei der Luftwaffe in Münster. Es gefiel ihm und er blieb. Ende 2008 wechselte er zur Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung und wurde dort zum Avioniker für den A310 ausgebildet. Avioniker sind für alle elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggeräts zuständig, inklusive der elektronischen Fluginstrumente.

Von der Planung zur Praxis

Ab 2017 war er dann beim Kommando Luftwaffe in Köln. „Die Umstellung auf die Schreibtischarbeit war nicht ganz einfach“, sagt Jacobs. „Aber die Zusammenarbeit mit Vertretern des Verteidigungsministeriums und des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr war spannend.“ In der Abteilung des Bevollmächtigten für die Transportflugzeuge vom Typ C-130J Super Hercules, die ab Anfang 2022 ausgeliefert werden, hat er seit 2018 an der Planung der binationalen Staffel in Évreux mitgearbeitet.

In dieser Zeit meldete sich der Berufssoldat auch für einen Posten als Avioniker in Évreux. „Als ich gefragt worden bin, ob das etwas für mich wäre, habe ich erst gelacht, denn ich konnte überhaupt kein Französisch“, erinnert sich Jacobs. „Aber meine Frau und ich haben uns nach vielen Gesprächen dafür entschieden, denn es ist ein tolles Projekt, hinter dem ich wirklich stehe.“

Für sechs Jahre in die Normandie

Also tauscht der 35-Jährige jetzt wieder den Schreibtisch gegen den Schraubenschlüssel, um an der C-130J zu arbeiten. Doch er geht nicht allein in die Normandie. Seine Frau und seine zwei Kinder begleiten ihn. „Wir werden mindestens für sechs Jahre in Frankreich bleiben“, erklärt Jacobs, „damit die Kinder dort auf jeden Fall die Grundschule abschließen können.“

Jetzt im August hat Hauptfeldwebel Jacobs seinen Dienst in Évreux angetreten und die Familie konnte in ihr Haus einziehen, das sie von einem französischen Soldaten übernommen hat, der wiederum mit seiner Familie nach Eindhoven versetzt wurde.

Zwei Soldaten sitzen im Cockpit einer C-130J

Hauptfeldwebel Patrick Jacobs und sein französischer Kollege checken gemeinsam die elektronischen Systeme der C-130J

Bundeswehr/Birte Chilcott
Zwei Soldaten stehen an der C-130J an einer geöffneten Klappe

Auch das Prüfen der Batterie gehört zu ihren Aufgaben. Die Arbeitssprache des deutsch-französischen Teams ist Englisch.

Bundeswehr/Birte Chilcott

Erst die Sprachen, dann die C-130J

Familie Jacobs hat sich im Vorfeld gründlich auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet. „Wir waren in den vergangenen Jahren immer mal wieder in Frankreich, haben uns auch schon in Évreux umgesehen“, so der Hauptfeldwebel. Seine Frau absolviert derzeit ein Fernstudium. Wenn sie ihren Bachelor hat, wird auch sie in Frankreich arbeiten. Sie hat in der Zeit, als Jacobs in den USAUnited States of America und in Frankreich war, zuhause alles alleine organisiert. „Gerade bei der Kinderbetreuung hat der Lockdown vieles noch schwieriger gemacht“, erzählt Jacobs. Auch Besichtigungsreisen, um ein Haus zu finden, waren lange nicht möglich. „Aber dann haben wir doch gefunden, was wir gesucht haben und konnten alle gemeinsam umziehen.“

Die Vorbereitung auf Évreux hat das Leben der Familie seit 2020 bestimmt. Am Anfang standen für den Hauptfeldwebel die Sprachen. „Ich habe Lehrgänge in Englisch und Französisch gemacht. Das war für mich wirklich toll, denn ich mag Sprachen, habe aber in der Schule leider nicht wirklich welche gelernt.“

Zum Lernen nach Texas und Arkansas

Auf einer Straße in Fort Worth sind viele Autos und eine US-Flagge zu sehen.

USAUnited States of America-Alltag: Auf seiner Reise von Texas nach Arkansas machte Hauptfeldwebel Jacobs einen Zwischenstopp in Fort Worth, der fünftgrößten Stadt von Texas

privat

Ende November 2020 flog der Berufssoldat dann in die USAUnited States of America. In San Antonio auf der Lackland Air Force Base paukte er zwei Monate lang „technisches Flieger-Englisch“, also das speziell für diesen Bereich benötigte Vokabular. „Mein Englisch hat sich in dieser Zeit sehr verbessert, zumal ich lange der einzige Deutsche im Kurs war“, so Jacobs. „Aber wegen der Pandemie gab es keinen Präsenzunterricht. Alles fand online statt. Trotzdem habe ich viele Menschen, unter anderem aus Bangladesch, Ägypten und dem Irak kennengelernt, denn auch die virtuellen Klassen wurden immer neu gemischt.“ Auch USUnited States-Bürger, die fast nur spanisch sprechen, waren in den Kursen, darunter Techniker, Piloten, Lademeister und Mediziner. „Ich war der einzige Europäer da“, sagt er. „Die kulturelle Vielfalt war toll, und eins ist überall gleich: Wenn man mit einem Lächeln auf die Menschen zugeht, bekommt man meist auch eins zurück.“

Zwei Soldaten stehen an der U.S. Air Force Base in Little Rock vor einem Flugzeug in Tarn-Lackierung

Auf der U.S. Air Force Base in Arkansas traf Hauptfeldwebel Jacobs auch Major Thomas Limmer*. Der Pilot wurde hier ebenfalls für Évreux auf der C-130J ausgebildet.

privat

Zu seinem anschließenden Avioniker-Lehrgang für die aktuellste Version der C-130J fuhr er mit dem Mietwagen fast 1.000 Kilometer nach Nordosten, nach Arkansas. Auf der Air Force Base in Little Rock empfingen ihn Ende Januar nach den texanischen 24-Grad-Celsius-Durchschnittstemperaturen winterliche Minusgrade, Schnee und die theoretische Ausbildung. „Natürlich gibt es viel zu lernen, aber die elektrischen und hydraulischen Systeme ähneln denen im Airbus sehr“, sagt Jacobs. „Zusätzlich gibt es die mechanischen Systeme. Die sorgen dafür, dass das Flugzeug selbst dann noch geführt werden kann, wenn die Hydraulik ausfällt.“ Das einzige, was ihm während des Trainings in den USAUnited States of America fehlte, war die Arbeit an der Maschine selbst.

Praktikum in Orléans und Niamey

Die folgte ein paar Wochen nach seiner Rückkehr im April beim Praktikum in Orléans. „Es hat viel Spaß gemacht, mit den Franzosen zusammenarbeiten. Die Atmosphäre war sehr kollegial und die Arbeit an der echten Maschine lief super.“ Während dieses Praktikums begleitete Hauptfeldwebel Jacobs auch einen Flug zum Lufttransportstützpunkt Niamey im westafrikanischen Niger, um Erfahrungen zu sammeln. Jacobs: „Das gehört später auch zum Alltag in der binationalen Staffel. Bei jedem Einsatz in ein weiter entferntes Land sind ein Mechaniker und ein Avioniker dabei. Denn eine Störung muss schnell behoben werden können, um den Einsatz nicht zu gefährden.“

Hauptfeldwebel Jacobs im Gespräch mit zwei anderen Soldaten

In Évreux bei der deutsch-französischen Lufttransportstaffel zu arbeiten, bedeutet, weltweit unterwegs zu sein

Bundeswehr
Die Crew der französischen C-130J vor der Maschine in Niamey

Schon während seines Praktikums, das er in Orléans absolvierte, flog Hauptfeldwebel Jacobs mit nach Niamey

Bundeswehr

Bis Ende des Jahres werden insgesamt zwölf deutsche Mechaniker und Avioniker der Luftwaffe nach Évreux kommen. 2024, wenn die binationale Staffel ihre volle Stärke erreicht hat, werden es rund 60 sein. Dann sollen auch alle sechs deutschen Super-Hercules-Maschinen ausgeliefert und in der Normandie stationiert sein.

Die C-130J – eine tolle und einsatzerfahrene Maschine

Hauptfeldwebel Jacobs freut sich auf die Arbeit in Évreux. „Man muss die Maschine mögen, an der man arbeitet. Die Super Hercules ist eine tolle und einsatzerfahrene Maschine.“ Nach einem halben Jahr Praxis wird er die sogenannte CAT B2-Freigabeberechtigung für den Flugbetrieb erhalten. Das bedeutet, er darf das Flugzeug dann selbst an den Piloten übergeben und trägt die Verantwortung dafür, dass alles in Ordnung ist.

* Name von der Redaktion geändert


von Stefanie Pfingsten

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