Luftwaffe

Über den Wolken - Öffentlichkeitsarbeit in 11.000 Metern Höhe

Über den Wolken - Öffentlichkeitsarbeit in 11.000 Metern Höhe

  • Menschen
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Deutschland
Lesedauer:
6 MIN

Ein Learjet 35A über dem nördlichen Luftraum der Bundesrepublik Deutschland. Versuche das Flugzeug über Funk zu erreichen, schlagen fehl. Die Alarmrotte aus Wittmund wird benachrichtigt. Kurze Zeit später tauchen neben der Maschine die beiden Eurofigther auf. Mit der Handykamera verfolge ich gespannt das Geschehen vom Learjet aus.

Eine Soldatin mit Mund- und Nasenschutz blickt aus dem Fenster eines Learjet 35A.

Als Presseoffiziersanwärterin lernt man viele Bereiche der Bundeswehr kennen

Bundeswehr/Jane Schmidt

Wenn die Luftwaffe trainiert, sind wir immer dabei

Ich heiße Nathalie Passon. Mein Dienstgrad ist Fähnrich und ich bin Reserveoffiziersanwärterin bei der Luftwaffe. Seit Oktober 2019 bin ich in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow stationiert. Während meiner Ausbildung zur Presseoffizierin im Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe bekomme ich zahlreiche Eindrücke von den verschiedenen Flugzeugen und Arbeitsbereichen meiner Teilstreitkraft. Regelmäßig sind wir auf Dienstreisen und lernen so immer wieder neue Menschen und die verschiedenen Facetten der Luftwaffe kennen. Dieses Mal mache ich mich auf den Weg, um Teil einer Übung in Hohn zu sein.

Der Fliegerhorst ist nicht nur die Heimat des Lufttransportgeschwaders 63 und der C-160 Transall. Auf ihm befindet sich außerdem der Hauptsitz der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD). Diese Firma arbeitet schon seit vielen Jahren mit der Bundeswehr zusammen. Die GFD-Mitarbeiter bilden Eurofighter- und Tornado-, aber auch Piloten für den A400M in den entsprechenden Flugzeugsimulatoren aus. Außerdem schaffen sie durch die Flugzieldarstellung verschiedene Trainingsmöglichkeiten für sämtliche Teilstreitkräfte der Bundeswehr.

Ein Foto des Fliegerhorsts Hohn aus der Luft.

Der Fliegerhorst Hohn ist die Heimat des Lufttransportgeschwaders 63 und der Gesellschaft für Flugzieldarstellung

Bundeswehr/Jane Schmidt

Von den Mitarbeitern der GFD werde ich freundlich empfangen und bekomme aus Sicherheitsgründen einen Besucherausweis. Danach lerne ich die Besatzung der Learjets 35A kennen, die Piloten Martin Baumer und Sven Roth. Beide sind ehemalige Militärpiloten der Bundeswehr. Baumer war früher Phantom- und Eurofighterpilot, Roth flog den Tornado. 

Nach der Begrüßung stellen sie ihre Arbeitsbereiche vor und wir gehen anschließend über eine Wartungshalle zu den Learjets. Ich bin überrascht. Die Jets der GFD sind im Gegensatz zu den Luftfahrzeugen der Luftwaffe deutlich kleiner. Die Flotte der GFD besteht aus 14 Flugzeugen. Zur Verfügung stehen zwölf Learjets Typ 35A und zwei vom Typ 36A. Eine der Maschinen mit der Tail-Number D-CGFJ wurde bereits für den morgigen Flug vorbereitet. 

Sechs Learjets der Gesellschaft für Flugzieldarstellung in einer Reihe nebeneinander.

Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung stellt eine Flotte mit insgesamt 14 Learjets und die Piloten der Bundeswehr für ihr Training zur Verfügung

Bundeswehr/Jane Schmidt

Der Learjet 35A - Klein aber vielseitig

Am nächsten Morgen ist es dann auch schon so weit. Kurz nach der Ankunft im Gebäude der GFD machen wir uns auf den Weg zur Maschine. Diese steht mittlerweile auf ihrem Stellplatz. Wir steigen in das Flugzeug ein. Der kleine Innenraum der Maschine bestätigt meinen Eindruck vom Vortag. Obwohl ich sehr klein bin, kann ich nicht aufrecht stehen.

Ein Learjet auf seinem Stellplatz wird im Hintergrund von der Sonne angestrahlt.

Ein Learjet auf seinem Stellplatz. Er ist bereit für den nächsten Flug

Bundeswehr/Jane Schmidt

Ich fliege in einer Maschine der Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) mit. Die Alarmrotte, die vom Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund gekommen ist, fliegt in einer simulierten Situation an „meinen“ Learjet heran. Denn für die Übung sollen wir so agieren, als wenn wir keine funktionierende Funkverbindung hätten.

Die Learjets der GFD können bis zu acht Passagiere transportieren. Die meisten der Flugzeuge sind jedoch modifiziert worden, damit das Missionsequipment mitgeführt werden kann. Sie können verschiedene Ziele darstellen. Das wird durch die unterschiedlichen Ausstattungen wie dem Flight Profil Recorder, Air-to-Air Tacan und zwei Ultra High Frequency Funkgeräten gewährleistet. Für das Training der land- und seegestützten Flugabwehr wird die Flugzieldarstellung mit Schleppkörpern simuliert. Diese werden bis zu 6,5 Kilometer niedergelassen und durch eine Winde wieder eingeholt. Wegen dieser verschiedenen Ausstattungen haben im Inneren der Maschinen Passagiere nur wenig Platz.

Ich setze mich an ein Fenster im hinteren Teil des Flugzeugs. Neben mir ist eine durchsichtige Box. Die Piloten erklären mir, dass diese eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme an Bord ist. Bei Übelkeit während des Flugs kann sie nützlich werden. Dieser Hinweis löst bei mir ein mulmiges Gefühl aus. Dennoch bin ich aufgeregt und gespannt auf den Flug.

Fast auf Schallgeschwindigkeit

Nach einem letzten Check rollen wir mit der Maschine zur Start- und Landebahn. Und dann geht es auch schon los. Das Triebwerk des Learjets 35A liefert einen Schub von 1.600 Kilo. Diese Schubkraft kann man beim Start auch deutlich spüren. Im Gegensatz zu einer Passagiermaschine oder einem Segelflugzeug wird man plötzlich stark in den Sitz gedrückt.

Ein Blick aus einem Fenster des Learjets 35A.

Hervorragende Wettervoraussetzungen für einen Flug mit dem Learjet. Jetzt muss nur noch auf die Alarmrotte gewartet werden

Bundeswehr/Jane Schmidt

Wir erreichen schnell eine hohe Geschwindigkeit und steigen ziemlich steil in die Luft hinauf. Der Learjet fliegt in Höhen von circa 61 Metern bei simulierten Schiffsattacken über See bis hin zu etwa 11.000 Metern bei Abfangübungen mit dem Eurofighter. In der Luft dauert es nicht lange, bis wir unseren Übungsraum und 11.000 Meter erreicht haben. Das ist auch nicht verwunderlich, da die Geschwindigkeit des Learjets in niedrigen Höhen maximal 650 Kilometer pro Stunde und in großen Höhen 1.000 Kilometer pro Stunde (0.81 Mach Schallgeschwindigkeit) beträgt. 

Dort warten wir auf die Alarmrotte aus Wittmund. Man spürt bei jeder Drehung des Flugzeugs deutlich die g-Kräfte. Auf einmal tauchten links und rechts neben unserem Flieger Eurofighter auf. Ich fange damit an, Fotos zu machen und notiere mir den Ablauf der Übung.

Wenn die Funkverbindung abbricht, hilft nur noch die Gestik 

Und schon geht es los. Wir simulieren einen sogenannten „COM LOSS“. Alle Versuche, das Flugzeug über das Funkgerät zu erreichen, sind fehlgeschlagen. Um herauszufinden, warum das so ist, müssen die Eurofighter-Piloten mit reichlich Abstand an den Flieger heran. Einer der Piloten baut Sichtkontakt mit den Piloten unseres Jets auf. Dann beginnt er mit Handzeichen. So stellt er fest, ob und welche Probleme es gibt. Um ihm zu zeigen, dass er verstanden wird, antwortet einer unserer Piloten, indem er die Handzeichen wiederholt. So stellt sich heraus, dass unser Funkgerät auf der falschen Frequenz eingestellt ist.

Drei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 nähern sich von links an den Learjet heran.

Die Alarmrotte aus Wittmund fliegt an den Learjet 35A heran. Sie wollen mit den Piloten Blickkontakt aufbauen

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Eurofigther der nach links wegbricht und sich im Abflug befindet.

Nach einer gelungenen Verbindungsaufnahme verabschiedet sich der Eurofighterpilot und macht sich auf den Rückflug nach Wittmund

Bundeswehr/Jane Schmidt

Als nächstes gibt der Eurofighter-Pilot mit der Hand eine Reihe von Zahlen durch. Diese Zahlen sind die richtige Funkfrequenz, welche die Piloten zur Bestätigung ebenfalls wiederholen und in das Funkgerät eingeben. Beide Flugzeuge bestätigen den gesamten Vorgang mit einem Flügelschlag. Abschließend verabschieden sich die Eurofighter-Piloten mit einem kurzen Gruß und brechen jeweils zur Seite weg.

Als die Flugzeuge aus Wittmund abziehen, geht es auch für uns zurück. In Hohn angekommen merke ich, wie anstrengend es doch gewesen ist. Wir waren insgesamt etwa vier Stunden lang in der Luft. Vor lauter Aufregung und da mein Körper nicht an die Dauerbelastung durch die g-Kräfte gewöhnt ist, bin ich ziemlich erschöpft. Ich verabschiede mich von den beiden Piloten und mache mich auf den Rückweg. Während ich die Dienstreise Revue passieren lasse, widme ich mich meinen Aufnahmen und Notizen. Zurück in Berlin beginne ich, den Artikel zu schreiben und bereite mich auf das nächste Erlebnis vor.

Wenn die Luftwaffe trainiert oder eine Veranstaltung stattfindet, sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Presse- und Informationszentrums der Luftwaffe dabei. Egal, ob in der Luft oder im Gelände, im Norden oder im Süden. Wir begleiten die Angehörigen aus den Verbänden und informieren die Öffentlichkeit über die Arbeit der Luftwaffe. Für mich ist es immer noch genau die richtige Entscheidung gewesen, den Weg der Reserveoffiziersanwärterin im Bereich Presse eingeschlagen zu haben. Es ist eine Ausbildung wie keine andere. Man lernt in fast keiner anderen Verwendung so viele Menschen und die Luftwaffe kennen wie hier im Presse- und Informationszentrum.
 

von Nathalie Passon