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VAPB – Team Red Hawk ohne feste Wände einsatzbereit

VAPB – Team Red Hawk ohne feste Wände einsatzbereit

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Datum:
Ort:
Litauen
Lesedauer:
4 MIN

Aircraft Controller, Techniker oder die Spezialpioniere – alle erfüllen im und rund um das Deployable Control and Reporting Centre (DCRC) in Litauen Teilaufgaben, die letztendlich zum großen Ganzen beitragen: Der Sicherung des Luftraumes. Dies ist der Hauptauftrag der Soldatinnen und Soldaten, die tagtäglich im DCRC auf der Air Base in Šiauliai ihren Beitrag zur Mission „Verstärkung Air Policing Baltikum 2020/21“ (VAPB 2020/21) leisten. Aber wie verbringen die Kontingentangehörigen neben ihrer Einsatzaufgabe den Alltag im Feldlager?  Wie gestaltet sich das Leben für die Soldaten in dieser besonderen Situation?

Die Flagge von VAPB und die Flagge von Red Hawk wehen untereinander an einem Fahnenmast.

Die Flaggen des Camp Korn. Das DCRC ist im Baltikum angekommen.

Bundeswehr/Stefan Zippel

„Willkommen im Camp Korn“

Seit Anfang September 2020 leben circa 100 Soldatinnen und Soldaten des Kontingents VAPB 2020/21 in einem Feldlager, auch „Camp Korn“ genannt – benannt nach dem Technischen Einsatzoffizier, der für den Aufbau des Lagers verantwortlich war. Eng an eng stehen olivfarbene „Typ II“-Zelte, jeweils die Heimat von zwei bis vier Soldaten. Hier finden sich die Kameraden und Kameradinnen der Mission in einer ungewohnten Umgebung wieder. Fernab der Heimat und außerhalb der Komfortzone. „Train as you fight“, so lautet die Devise. 

Die Flagge Red Hawk wird gehisst, die Geburtsstunde des Camp Korn.

Das Feldlager Camp Korn ist eröffnet

Bundeswehr/Stefan Zippel

Vor etwas mehr als einem Monat bezogen die ersten Soldaten des Kontingents die Unterkunftszelte auf dem Fliegerhorst in Šiauliai. Die zwar spärlich ausgestatteten, aber auf den Bedarf zugeschnittenen Unterkünfte können individuell gestaltet werden. Weit gefehlt zu denken: „Kennt man ein Zelt, dann kennt man alle.“ Auch hier beweisen die Kameradinnen und Kameraden des „Roten Falken“ Kreativität in puncto Raumgestaltung. „Unsere Leute sollen sich ein Stück häuslicher Geborgenheit in ihre Zelte holen“, so die Worte von Kontingentspieß Oberstabsfeldwebel Sören E. Für viele wahrlich ein willkommener Zuspruch, wenn man bedenkt, dass ein Zelt mit insgesamt 42 Quadratmetern für bis zu vier Soldaten das Zuhause für die kommenden Monate ist. „Nur der Versuch, die Hellhörigkeit und Wahrnehmung jeglicher Geräusche der Außenwelt in solch dünnwandigen Zelten zu minimieren, ist noch nicht gelungen. Aber wir arbeiten dran“, so der gestandene Spieß scherzhaft.

Die Soldaten stehen hinter ihren selbst errichteten Lärmschutzwänden.

Mit selbst errichteten Lärmschutzwänden konnte der Geräuschpegel der Dieselgeneratoren deutlich minimiert werden

Bundeswehr/Stefan Zippel
Eins der Zelte von innen. Es ist individuell gestaltet.

Jeder fühlt sich auf seine eigene Art gemütlich eingerichtet

Bundeswehr/Stefan Zippel

Für die meisten klingelt der Wecker gegen sechs Uhr morgens, also fünf Uhr deutscher Zeit. Dann, nach dem ersten Räkeln und Strecken, finden sich in aller Regel die Kontingentangehörigen wenige Zeit später im Sanitärmodul 300 ein, wo einem die morgendliche Dusche wohlig warm empfängt. 

Der Caterer, der die Soldatinnen und Soldaten jeden Tag mit wirklich gutem Essen verpflegt, baut währenddessen das Frühstücksbuffet im Betreuungsbereich auf. Selbstverständlich steht frisch gekochter Kaffee in ausreichender Menge bereit. Dafür sorgt unter anderem Stabsunteroffizier Christoph M., der im Kontingent als gelernter Koch auch außerhalb der regulären Essenzeiten für das leibliche Wohl der Soldaten sorgt. Zusammen mit seinem Team zaubert er die ein oder andere kulinarische Überraschung aus dem Hut, und es schmeckt jedes Mal prima, „…wie bei Muttern“.

Soldaten stehen vor einem Smoker und bereiten Essen für die anderen Kameradinnen und Kameraden vor.

Bestens ausgestattet macht sich die Küche an die Arbeit. Der Smoker kommt hier einige Male zum Einsatz.

Bundeswehr/Benjamin Albert

Gute Küche – dicker Bauch. Um dies zu verhindern musste schnell eine Lösung her und im Sinne der „Olympioniken“ des DCRCs ein Fitnessbereich mit verschiedenen Geräten ausgestattet werden. Brandneues Equipment wie Langhanteln, Kurzhanteln, ein Multifunktionsturm sowie Kardiogeräte lassen selbst beim eingefleischtesten „Iron Man“ keine Wünsche offen. Somit kann der tägliche Dienstsport, wie in der Heimat eben auch, im Camp Korn wahrgenommen werden.

Ein Soldat hängt an einer Klimmzugstange, um den Basis Fitness Test zu bestehen.

Das Ablegen verschiedener Sportdisziplinen ist hier möglich. Unter anderem wird hier auch der Basis Fitess Test (BFT) gemacht.

Bundeswehr/Benjamin Albert

Ein guter Spieß kennt seine Truppe und wer seine Truppe gut kennt, der weiß auch, wann einer seiner „Red Hawks“ Geburtstag hat. Im Handumdrehen wird eine Überraschung, selbstverständlich mit Geburtstagstorte, organisiert. 

Ein Soldat erhält vor der Truppe eine Geburtstagstorte vom Spieß.

Dem Spieß entgeht kein Geburtstag, jeder bekommt eine Torte und ein schönes Geschenk

Bundeswehr/Stefan Zippel
Der Spieß denkt auch im Ausland an die Geburtstage der Soldatinnen und Soldaten.

Für jeden Geburtstag gibt es eine Torte

Bundeswehr/Stefan Zippel

Trotz des Lebens „im Felde“ entspricht selbstverständlich auch das äußere Erscheinungsbild weiterhin innerhalb der Campgemeinschaft den militärischen Vorgaben. Gerade in Zeiten von Corona, wo der Weg zum Friseur weitestgehend vermieden werden soll, stehen die Kameraden und Kameradinnen hoch im Kurs, die mit Schere, Kamm und Rasierer sehr gut umgehen können.

Ein Soldat schneidet einem seiner Kameraden die Haare.

Kameraden zeigen hier ihr handwerkliches Geschick mit Kamm und Schere

Bundeswehr/Stefan Zippel

Nach erfolgreichen Tagesabschluss, trifft man sich gern in der „Verleg-Bar“, auch „Red Hawk Inn“ genannt. Auch hier hat der Spieß mit seinem Team keine Mühen gescheut, um ein Angebot verschiedenster Freizeitbeschäftigungen anzubieten. Von einer Kleinbibliothek über Brettspiele, Dart-, Kicker- oder Tischtennis-Bereiche bis hin zum Verleih einer Playstation ist alles dabei. Wie wichtig dieser Bereich ist, war bereits in den vergangenen Wochen deutlich erkennbar. Kameradschaft schafft Gemeinschaft und Gemeinschaft schafft Spaß. Am besten können die Soldaten der Spezialpioniere aus Husum, unsere Feldjäger aus Burg oder unsere Führungsunterstützer aus Köln beurteilen, wie schnell und problemlos der Anschluss innerhalb des Teams Red Hawk geschaffen wurde. 

Die Soldaten spielen nach Dienst Tischtennis.

Sehr beliebt: Die Tischtennisrunden in der Gruppe

Bundeswehr/Stefan Zippel
Ein leuchtendes Schild heißt die Gäste der "Verleg-Bar" willkommen.

Die "Verleg-Bar" bietet den Soldatinnen und Soldaten nach Dienst die Möglichkeit, zu entspannen

Bundeswehr/Stefan Zippel

Auch was die Gestaltung von Themenabenden angeht, lässt sich das Team Red Hawk nicht lumpen. Ob es der italienische Pizza- und Pastaabend oder der rustikale „American BBQ Burger and finest Spare Ribs“ Event ist, die „Wer knackt die Million?“ Show oder der gemeinsame Filmeabend. Die gute Stimmung und Gemeinschaft in der Truppe reißt nicht ab. 

Soldatinnen und Soldaten des DCRC sehen sich gemeinsam einen Film an.

In der Gemeinschaft einen Film ansehen, statt alleine im Zelt

Bundeswehr/Benjamin Albert
Die Soldaten sitzen gemeinsam in einem Zelt und spielen "Wer knackt die Million?".

Bei "Wer knackt die Million?" kann das eigene Allgemeinwissen nachgewiesen werden

Bundeswehr/Stefan Zippel

Das Konzept geht auf. Trotz aller Einschränkungen, wie der fehlenden Privatsphäre, Lärm durch Stromerzeugungsaggregate, donnernde Güterzüge in der Nacht oder die tosenden Zeltbahnen bei Wind und Wetter, der „Rote Falke“ steht im Schulterschluss gemeinsam für seinen Auftrag ein.

Das Team Red Hawk ist – auch ohne feste Wände – einsatzbereit. 

von Stefan Zippel