Fliegen: Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung
- Datum:
- Ort:
- Berlin
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Ihr Onkel flog MiGMikoyan-Gurewitsch-23, ihr Vater war Vorfeldlotse am Flughafen Schönefeld. Kristin Rosenow wuchs mit der Fliegerei auf. Als in der Bundeswehr 2001 alle Laufbahnen auch für Frauen geöffnet wurden, ließ sie ihr Medizinstudium liegen und meldete sich zur Luftwaffe.
Auf dem Flugzeugtyp Tornado lernte sie das Handwerk des Waffensystemoffiziers
Bundeswehr/Jane SchmidtDie Fliegerei war in der Familie von Kristin Rosenow keine abstrakte Faszination, sondern gelebter Alltag. Sie selbst war schon als kleines Mädchen oft mit dabei. Durch diese frühe Prägung hat ihre Begeisterung bis heute nicht nachgelassen.
Kristin Rosenow studierte Medizin an der Freien Universität Berlin. Sechs Semester hatte sie bereits hinter sich, als das Telefon klingelte. Ihr Vater war am Apparat: „Hast du gehört? Jetzt dürfen Frauen bei der Bundeswehr alles, sogar fliegen.“ Der Europäische Gerichtshof hatte im Januar 2000 entschieden, dass der generelle Ausschluss von Frauen vom Dienst an der Waffe nicht mit europäischem Recht vereinbar ist.
Über Nacht ließ Kristin Rosenow die Nachricht sacken. Dann stand für die damals 25-Jährige fest: Sie geht zur Luftwaffe. Sie wird Pilotin im Kampfjet. Das Medizinstudium war vorerst Geschichte.
Als Kristin Rosenow in der Wehrdienstberatungsstelle auftauchte, staunten die Berater nicht schlecht – und waren schlicht überfordert. Die Informationen musste die junge Frau ihnen buchstäblich aus der Nase ziehen. Niemand sagte ihr direkt, sie solle es lassen, aber der Tenor war klar: Naja, versuchen kannst du es ja mal. „Das Ganze war sehr entmutigend. Ich dachte, ich müsste weiter studieren.“ Glücklicherweise war der Bewerbungsbogen bereits auf dem Postweg zur Bundeswehr.
Im Juli 2001 rückte sie ein. Was folgte, zeigte schnell: Die Kameraden hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Kristin Rosenow bestand alle Eignungstests und Prüfungen. Grundausbildung wie alle anderen: durch den Dreck, ins Gelände, keine Ausnahme. Es folgte die Offizierschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck. Beim Überlebenstraining: fünf Tage im Gelände, eine Wochenration für zwei Personen, schlafen unter dem Fallschirmtuch. „Sie machen einen so richtig fertig“, erinnert sie sich trocken. Das Schlimmste sei der Schlafentzug gewesen.
Danach ging es zum Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“ in Nörvenich und schließlich zur fliegerischen Ausbildung in den Vereinigten Staaten.
Die Entscheidung, dass das Waffensystem Tornado ausgemustert werden würde, bedeutete auch für die junge Anwärterin Kristin Rosenow das Ende ihrer Ausbildung. 2012 verließ sie schließlich die Bundeswehr. Heute arbeitet sie erfolgreich als Technologieunternehmensberaterin für eine renommierte Consultingagentur.
Wird sie gefragt, ob sie sich noch einmal für denselben Weg entscheiden würde, lautet ihre entschlossene Antwort „Ja! Sofort“.
von Thomas Skiba