Geschichte der Luftwaffe
Hilfsflüge und Kampfeinsätze, Starfighter-Krise und Wiedervereinigung, Traditionsnamen und Terrorabwehr: Ein Rückblick auf 70 Jahre Luftwaffe.
Hilfsflüge und Kampfeinsätze, Starfighter-Krise und Wiedervereinigung, Traditionsnamen und Terrorabwehr: Ein Rückblick auf 70 Jahre Luftwaffe.
70 Jahre Luftwaffe – das ist eine Geschichte voller Wandel: Von den Anfängen 1956 und der Starfighter-Krise in den 1960er-Jahren über Konsolidierung im Kalten Krieg und Wiedervereinigung bis hin zu modernen Einsätzen weltweit und Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung. 70 Jahre Luftwaffe sind auch sieben Jahrzehnte gemeinsame Auftragserfüllung. Erfahrungen aus Hilfsflügen, Tiefflugverfahren, multinationalen Übung und Missionen sowie aktuellen Luftverteidigungsoperationen bilden ein Wissensfundament, auf dem die heutige Luftwaffe aufbaut. Momente, Menschen und Maschinen haben die Luftwaffe geformt, technische Innovation, internationale Kooperation und sicherheitspolitische Veränderungen ihr Gesicht immer wieder verändert.
Vom Starfighterpiloten bis zum Drohnenoperator: Neun Geschichten über Wandel und Tradition in der Ausbildung der deutschen Luftstreitkräfte.
Am 2. Januar 1956 meldeten sich die ersten 100 Freiwilligen der neuen Luftwaffe in Nörvenich, einer kleinen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen westlich von Köln. Damit begann die Geschichte der Luftwaffe der Bundeswehr, einer Teilstreitkraft, die rasch zum technologischen Rückgrat der deutschen Verteidigungsfähigkeit reifen sollte. Heute, im Jahr 2026, feiert die Luftwaffe ihr 70-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, dass dazu einlädt, mit Stolz auf eine bewegte Vergangenheit zu schauen.
Die Wiedergeburt der Luftwaffe nach dem Zweiten Weltkrieg fand ganz im Zeichen der Integration in die NATONorth Atlantic Treaty Organization statt. Die ersten Luftwaffensoldaten bauten in kurzer Zeit eine Luftstreitmacht auf – zunächst mit einfachen Mustern wie der F-84F Thunderstreak und noch im Unterschallbereich.
Als in den 1960er-Jahren die Starfighter ihren Dienst aufnahmen, befand sich Deutschland im Kalten Krieg. Tiefflugverfahren, 24/7-Alarmrotten und nukleare Teilhabe prägten den Alltag der Luftwaffe. Die Risiken dieser Epoche machten deutlich: Fortschritt verlangt Verantwortung. Die Luftwaffe lernte, komplexe Systeme wie den F-104 Starfighter nicht nur technisch, sondern auch taktisch sicher zu beherrschen. Dieser Weg war schmerzvoll, zahlreiche Abstürze dieses Flugmusters zeugten davon und mündeten in der sogenannten Starfighter-Krise.
Erster Start des Starfighters F-104 in Nörvenich
1960 Bundeswehr/StorzDie zweite Generation an Waffensystemen brachte die Konsolidierung. Die F-4 Phantom wurde ab 1974 und der Panavia 200 Tornado ab 1981 zum Symbol der Flexibilität, eingesetzt als Jagdbomber, Aufklärer und für die Elektronische Kampfführung. Die Fähigkeit zum Tiefflug war dabei im NATONorth Atlantic Treaty Organization-Konzept der Vorneverteidigung entscheidend: Sie erlaubte das Unterfliegen feindlicher Radarstellungen. Parallel modernisierte das PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-System die Flugabwehrraketentruppe, um die Bedrohung durch den Warschauer Pakt zu kontern.
Die Integration der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVANationale Volksarmee) Anfang der 1990er-Jahre war ein organisatorischer Kraftakt. Standorte zusammenführen, Personal integrieren, Verfahren harmonisieren – all das gelang in wenigen Jahren. Aus zwei unterschiedlichen Luftstreitkräften entstand eine gemeinsame Teilstreitkraft der Bundeswehr.
Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts änderten sich Auftrag und Einsatzrealität. Der Fokus verschob sich von der rein territorialen Verteidigung hin zur internationalen Krisenbewältigung. Diese Einsätze verlangten eine globale Reichweite im Lufttransport – mit der Transall und später dem A400M.
1992 zeigte die Luftbrücke nach Sarajevo, welche Bedeutung Lufttransport für Krisenregionen hat: Rund 15.000 Tonnen Hilfsgüter wurden trotz Bedrohung durch gegnerische Flugabwehrwaffen eingeflogen. In Afghanistan kamen in den 2000er- und 2010er-Jahren luftgestützte Aufklärung, Air Policing und multinationale Einsatzführung hinzu. Diese Missionen schärften das Profil der Luftwaffe als vernetzten, flexibel einsetzbaren Partner im Bündnis.
Heute befindet sich die Luftwaffe erneut in einem sich wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld. Das verlangt nach neuen und anderen Schwerpunkten. So hat der russische Angriff auf die Ukraine die Bedeutung glaubwürdiger Luftverteidigung und belastbarer Abschreckung in den Mittelpunkt gerückt.
Mit der Beschaffung der F-35, dem Aufbau moderner bodengebundener Luftverteidigung wie dem Arrow-System und der Weiterentwicklung von Weltraumoperationen richtet die Luftwaffe ihre Fähigkeiten konsequent auf die neue Bedrohung aus. Die Luftwaffe war, ist und bleibt jederzeit und weltweit einsatzbereit zum Schutz und zur Verteidigung Deutschlands und seiner Verbündeten.
Die Wartungs-Crew betankt einen Eurofighter vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke
Bundeswehr/Jane SchmidtDas Prinzip Teamgeist hat das Selbstverständnis der Luftwaffe geprägt. Hinter all den Aufgaben der Vergangenheit standen die Männer und Frauen des Team Luftwaffe, die im In- und Ausland ihren Dienst an unterschiedlichster Stelle geleistet haben. Dieser kultivierte Teamgeist ist gewachsen aus 70 Jahren Erfahrung. Ob am Boden, in der Luft oder im Weltraum: Die Luftwaffe wird auch in Zukunft Herausforderung im Team meistern.
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