Üben für den Ernstfall – Luftwaffe nutzt zivile Flughäfen
Die Luftwaffe trainiert Starts und Landungen auf zivilen Flughäfen. Was dahinter steckt, warum das wichtig ist und was sich dadurch für den Ernstfall ändert.
Die Luftwaffe trainiert Starts und Landungen auf zivilen Flughäfen. Was dahinter steckt, warum das wichtig ist und was sich dadurch für den Ernstfall ändert.
Seit kurzem nutzt die Luftwaffe wieder zivile Flughäfen für Übungen, was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt: Militärische Flugzeuge starten und landen dort, wo sonst zivile Maschinen unterwegs sind. Der Hintergrund ist klar. Im Ernstfall stehen militärische Basen im Fokus möglicher Angriffe. Streitkräfte müssen deshalb in der Lage sein, auf alternative Standorte auszuweichen. Zivile Flughäfen werden so zu einem Teil militärischer Einsatzplanung.
Die NATO nennt das Konzept Agile Combat Employment (ACE). Teil dieses Konzepts sind Dispersed Operations. Das Ziel: Verteile deine Kräfte, um zu überleben. Dispersed Operations beübt, wie das im Ernstfall funktioniert. Das Konzept verbindet militärische Abläufe mit dem Vorhandensein ziviler Infrastruktur.
In aktuellen Konflikten zeigt sich, wie schnell feste Standorte verwundbar werden. Wer flexibel bleibt, erhöht seine Überlebensfähigkeit. Genau darum geht es hier. Die Luftwaffe trainiert, wie sie zivile Flughäfen kurzfristig nutzen kann. Start und Landung sind dabei nur ein Teil. Entscheidend ist, dass gesamte Abläufe auch außerhalb klassischer Militärbasen funktionieren.
Der Begriff „Dispersed Operations“ bedeutet so viel wie zerstreutes oder verteiltes Operieren und ist der militärische Fachbegriff der NATO für die Aufteilung von Luftstreitkräften auf mehrere Standorte. Durch dieses Konzept werden Luftstreitkräfte schwerer angreifbar, da sie sich zwischen ihrer Heimatbasis und mehreren anderen Operationsbasen hin- und herbewegen beziehungsweise auf mehrere Standorte aufteilen können. Es wird also dadurch schwerer vorhersehbar, wo sich unsere Luftstreitkräfte gerade befinden. Es sind zugleich nie alle Flugzeuge einer Einheit im gleichen Maße durch einen möglichen Angriff gefährdet. Gleichzeitig mit dem Schutz steigt der Anspruch an Planung, Logistik und Abstimmung.
An Flughäfen trainieren die Taktischen Luftwaffengeschwader den Flugbetrieb unter realistischen Bedingungen. Die Soldatinnen und Soldaten arbeiten eng mit dem zivilen Flughafenbetrieb zusammen. Sie nutzen vorhandene Infrastruktur, koordinieren Abläufe und stellen gleichzeitig den Schutz der eingesetzten Kräfte sicher. Wichtig dabei: Der zivile Flugbetrieb läuft weiter. Einschränkungen sollen so gering wie möglich bleiben.
Die sicherheitspolitische Lage in Europa hat sich verändert. Präzisionswaffen und hybride Angriffe erhöhen den Druck auf feste Standorte. Übungen wie diese bereiten genau darauf vor. Sie zeigen, wie Streitkräfte beweglicher werden und sich an neue Bedrohungen anpassen.