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Parlamentarischer Abend

Pacific Skies/Pacific Waves: Auftakt zum Indo-Pacific Deployment 2024

Pacific Skies/Pacific Waves: Auftakt zum Indo-Pacific Deployment 2024

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
5 MIN

Mit einer sicherheitspolitischen Podiumsdiskussion haben Luftwaffe und Marine am 20. März ihr diesjähriges Engagement im Indo-Pazifik vorbereitet. Kernbotschaft der Veranstaltung: Wie gelingt es, das Engagement im Indo-Pazifik und gleichzeitig dem Schwerpunkt Landes- und Bündnisverteidigung in Europa auszubalancieren.

Ein olivgrünes Roll-up mit zwei großen Aufschriften: Pacific#en Waves#en und Pacific#en Skies#en.

Pacific Waves und Pacific Skies: Die Slogans der Marine und der Luftwaffe zum Indo-Pacific Deployment 2024

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

„Wir müssen weiterdenken“ – so forderte Siemtje Möller, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Verteidigung, Podium und Gäste des Parlamentarischen Abends der Luftwaffe und Marine auf. Es sei sicher richtig, im Moment die sicherheitspolitische Debatte auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und auch auf den Nahostkonflikt zu fokussieren. Kriege und Krisen in Europa und seiner Nachbarschaft seien aber nicht die einzigen Konflikte, die die internationale Staatengemeinschaft bedrohten, sagte Möller. Vielfältige weltweite Krisen erzeugten Wechselwirkungen, die auch Europa unter Druck setzten. Das gelte insbesondere für die Region Indo-Pazifik.

„Daher ist es nicht nur geboten, dass wir uns auch außerhalb des Bündnisgebietes für die regelbasierte internationale Ordnung einsetzen“, sagte sie. „Vor genau diesem Hintergrund steht das Indo-Pacific Deployment in diesem Jahr.“

Rund 200 Gäste – vor allem Bundestagsabgeordnete, Journalistinnen und Journalisten, aber auch Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft und von Verbänden – waren zu der Veranstaltung in der Landesvertretung Niedersachsens in Berlin gekommen. Sie erhielten am Abend erste umfangreiche Informationen über das globale Großvorhaben der Bundeswehr in diesem Jahr.

Eine Frau in einem schlichten schwarzen Kleid.

„Unsere Partner sollen auf uns zählen können“: Petra Sigmund, Abteilungsleiterin im Auswärtigen Amt

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

Der diplomatische und außenpolitische Hintergrund

Petra Sigmund, Leiterin der Abteilung für Asien und Pazifik im Auswärtigen Amt, lieferte mit ihrem Statement zur Podiumsdiskussion den Hintergrund: „Wir haben uns 2020 erstmals für die Bundesregierung eine Indo-Pazifik-Politik gegeben.“ Für sie ist ein Novum dieser Indo-Pazifik-Leitlinien, dass Deutschland seine Interessen gegenüber diesem Raum klar formuliert habe – darunter besonders seine sicherheits-, wirtschafts- und klimapolitischen Interessen. 

„Der Indo-Pazifik ist allerdings ein Raum, der zwar Chancen, aber eben auch sicherheitspolitische Herausforderungen bietet“, schloss sich die Diplomatin der Staatssekretärin Möller an. „So war es für unsere regionale Strategie relativ neu, dass wir hier auch einen Pfeiler Sicherheitspolitik brauchen.“

In diesem Zusammenhang habe bereits das erste Indo-Pacific-Deployment der Bundeswehr mit der Fregatte „Bayern“ 2021 Deutschlands Beziehungen in der Region Raum auf ganz neue Ebenen gehoben. Sigmund bestätigte: „Unsere Partner konnten sehen: Es ist deutsches Verständnis und Bereitschaft da, sich mit ihren Herausforderungen auseinanderzusetzen.“

Zwei graue Kriegsschiffe in See; eines fährt nach links, das andere nach rechts.

Wir kommen wieder: Die Fregatte „Bayern“ (vorn) und der japanische Zerstörer „Samidare“ beim Indo-Pacific Deployment 2021

Bundeswehr

Diese vertieften Beziehungen sind für Sigmund noch wichtiger geworden seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. „Zum Beispiel helfen uns Japan, Südkorea, Singapur, Australien aktiv in dieser schwierigen Lage in Europa“, führte sie an und schloss daher: „Wenn wir auf unsere Partner weltweit zählen wollen, gerade auch die aus dem Indo-Pazifik, müssen wir auch in der Lage sein zu signalisieren, dass sie auf uns zählen können.“ 

Drei Schwerpunkte für das Info-Pacific Deployment 2024

Das kommende Indo-Pacific Deployment hat im Kern drei Aufträge: Erstens, vertiefte Kooperation auch der Bundeswehr mit regionalen Partnern. Zweitens, durch maritime Präsenz zur Sicherung der See- und Handelswege beizutragen. Und drittens, durch fortgesetztes Engagement im Indo-Pazifik demonstrieren, dass Deutschland auch in Zeiten des Krieges auf europäischem Boden ein verlässlicher Partner bleibt.

„Für mich hat das Vorhaben die Überschrift ‚Partnerschaften in der Zeitenwende‘,“ so Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur der Luftwaffe. Als die deutschen Luftstreitkräfte vor zwei Jahren erstmalig in der Region waren, sei ihm persönlich oft die Frage begegnet: „Kommt ihr wieder?“

Ein General der Luftwaffe in blauer Uniformjacke.

„Europäisches Gesicht zeigen“: Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Ingo Gerhartz, auf dem Parlamentarischen Abend

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

„Ja, wir werden das verstetigen, wir kommen wieder“, lautet Gerhartz‘ Antwort. „Wenn auch mit anderen Schwerpunkten und in anderen Ländern. Ich bin sehr froh darüber, dass uns das wieder gelingt – und dieses Mal zusammen mit der Marine.“

Die Luftwaffe zeigt mit Partnern europäisches Gesicht

Neben der engen Kooperation mit den Seestreitkräften sei für die Luftwaffe die Verlegung gemeinsam mit anderen europäischen Partnern als ein gemeinsames Kontingent erstmalig, ergänzte der Luftwaffenchef. „Wir gehen nicht als deutsche Luftwaffe allein in diesen Raum, sondern zusammen mit der französischen und der spanischen Luftwaffe. Wir zeigen ein europäisches Gesicht im Indo-Pazifik.“ 

Wie für die Marine wird das Indo-Pacific Deployment dieses Jahr eine Weltumrundung sein. „Insgesamt eine globale Verlegung mit mehreren Übungen, beginnend in Alaska“, sagte Gerhartz. „Dann geht es weiter nach Japan. Anschließend werden wir unsere Pacific-Skies-Flotte von rund 50 Flugzeugen teilen. Ein Teil geht nach Australien, wieder zu Pitch Black. Ein anderer Teil unserer Eurofighter wird nach Hawaii verlegen, um sich dort gemeinsam mit der Marine am USUnited States-Großmanöver RIMPAC zu beteiligen. Und zuletzt nehmen wir erstmalig an einer Übung in Indien teil.“

Ein Kampfjet in der Luft.

Von globalen Partnern lernen. Hier Eurofighter der Luftwaffe bei der australischen Übung Pitch Black während des Indo-Pacific Deployment 2022

Bundeswehr/Christian Timmig

Das Engagement der Bundeswehr im Indo-Pazifik bedeutet gerade 2024 sowohl für die Luftwaffe auch für die Marine eine hohe Arbeitsbelastung. Den erheblichen Aufwand stellte Gerhartz neben die übrigen Aufgaben der Luftwaffe, vor allem in der Landes- und Bündnisverteidigung, besonders bei der Absicherung des baltischen Luftraums. „Es ist für uns aber nicht die Frage eines Entweder-oder, sondern es ist ein Statement des Sowohl-als-auch“, stellte Gerhartz klar. 

Die Marine beweist ihre Flexibilität

„Auch die Marine hat ihren Kurs auf Zeitenwende abgesteckt“, bestätigte Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Inspekteur der Marine. Aber das globale Sicherheitsumfeld befinde sich im massiven Umbruch, mit ungewissem Ausgang. „Unser Motto ist daher: regionally rooted and globally committed”, sagte der Admiral. „Das Indo-Pacific Deployment ist ein gutes Beispiel dafür. Wir zeigen damit, dass die Marine ein flexibles Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik ist. Und zwar mit einem Spektrum von maritimer Verteidigungsdiplomatie über militärische Manöver mit Partnern bis hin zu gemeinsamen Operationen.“

Dieses Jahr wird sich die Marine gemeinsam mit der Luftwaffe über mehrere Monate hinweg in der globalen Region zwischen der Westküste Amerikas und der Ostküste Afrikas engagieren. Das ist Teil eines streitkräftegemeinsamen Ansatzes der Bundeswehr, um die Indo-Pazifik-Leitlinien der Bundesregierung zu unterstützen. „Die Reaktionsgeschwindigkeit der Luftwaffe sowie die Durchhaltefähigkeit und Flexibilität der Marine ergänzen sich ideal“, fasste Kaack das zusammen.

Ein Admiral in dunkelblauer Uniformjacke.

„Die Marine ist regional verwurzelt, aber global engagiert“, so der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack

Bundeswehr/Cora Mohrdieck

Die Marine hat fünf Schwerpunkte für ihr Indo-Pacific Deployment in diesem Jahr. Erstens, das Befahren internationaler Schifffahrtsrouten, um die Freiheit der Seewege gemäß UNUnited Nations-Seerechtübereinkommens zu wahren. Zweitens, ein Beitrag zur Überwachung des UNUnited Nations-Embargos gegen Nordkorea. Drittens, die gemeinsame Teilnahme des Deutsch-Französischen Marineverbandes (DEFRAM) an der maritimen Präsenz der Europäischen Union im westlichen Indischen Ozean. Viertens, verschiedenste Seemanöver mit Partnern in der Region – darunter das Highlight Rim of the Pacific, kurz RIMPAC, die größte Marineübung der Welt im Randgebiet des Pazifiks. Und fünftens, die militärdiplomatischen Hafenbesuche entlang der Route, um internationale Beziehungen zu vertiefen.

„Und ich hoffe auch, dass das Indo-Pacific Deployment gewisse Werbeeffekte haben wird“, meinte der Admiral. „Denn ohne Menschen, die mit Leidenschaft zur See fahren, können wir das alles nicht tun.“ So wird der Marineverband aus einer Fregatte und einem Einsatzgruppenversorger auch rund 200 Offizieranwärterinnen und -anwärter während der Fahrt einschiffen. „Sie sollen live erleben, was Seefahrt bedeutet“, schloss Kaack, „aber auch welche Perspektiven die Menschen und Länder im Indo-Pazifik haben.“

Impressionen

  • Ein Pkw steht vor einem Gebäude mit Glasfassade, auf dem Auto die Aufschrift,,Pacific#en Skies#en''

    Tue Gutes und rede darüber: Das Indo-Pacific Deployment 2024 ist sowohl für die Marine wie auch die Luftwaffe Anlass für Imagekampagnen

    Bundeswehr/Johannes Heyn
  • Drei Menschen sitzen in niedrigen Sesseln auf einem Podium; eine Frau in der Mitte hält ein Mikrofon.

    Im Podium des Diskussionsabends (von links nach rechts): Marineinspekteur Jan Christian Kaack, Moderatorin Julia Weigelt und Siemtje Möller, Staatssekretärin beim Verteidigungsminister

    Bundeswehr/Cora Mohrdieck
  • Ein olivgrüne Kartonschachtel mit der Aufschrift ,,Ansaugstutzen''

    Landanschluss und Ansaugstutzen: Zur beginnenden Kampagne, die das Indo-Pacific Deployment begleitet, gehören auch Give-aways

    Bundeswehr/Johannes Heyn
  • Drei Menschen stehend in einer Unterhaltung

    Der Parlamentarische Abend war Informations- und Netzwerkveranstaltung zugleich. Die Gäste hatten Freiraum für viel persönlichen Austausch.

    Bundeswehr/Cora Mohrdieck
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