Marine
BALTOPS 2023

NATO-Minenabwehr: Einsatzbereitschaft mit Praxiseffekt

NATO-Minenabwehr: Einsatzbereitschaft mit Praxiseffekt

Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
3 MIN

Kriegsschiffe und Landeinheiten von elf Bündnisstaaten waren an der Minenjagd-Phase des großen Ostsee-Manövers BALTOPS beteiligt. Sie haben seit 5. Juni geübt.

Zwei Männer setzen ein Unterwasserfahrzeug ins Wasser.

Französische Marinesoldaten bringen ein Unterwasserfahrzeug vom Typ Alister 100 zur Minenjagd aus

U.S Navy/Arif Patani

Unterwassersprengsätze identifizieren und neutralisieren zu können, um die Freiheit der Schifffahrt für alle zu gewährleisten, gehört zu den wichtigsten Teilübungen des Großmanövers BALTOPS. Weltweit setzen Seestreitkräfte spezifische Minenabwehr-Verfahren und -Technologie ein, um Schiffen den Zugang zu wichtigen Seewegen zu gewähren und um amphibische Landungen an umkämpften Stränden vorzubereiten. 

Ein wichtiger Aspekt aber bildet die Minenjäger über die Dauer von BALTOPS aus und hat gleichzeitig positive Auswirkungen in der realen Welt: die Beseitigung nicht explodierter Kampfmittel, also die Überreste zweier Weltkriege, die bis heute auf dem Grund der Ostsee liegen.

„Der Auftrag unserer Task Group besteht darin, die MCM-Bereitschaft zu erhalten und zu verbessern“, sagt Kapitän zur See Ryan Ventresca, Kommandeur der Mine Countermeasures Group 3 der USUnited States Navy. Er ist zugleich für den Aufgabenbereich Mine Countermeasures, kurz MCM, von BALTOPS 2023 verantwortlich. „Auf diese Weise können wir uns mit den Besten der Welt abstimmen und zusammenarbeiten.“ 

Mehrere graue Schiffe fahren während der Übung BALTOPS zur See.

Minenjagdboote der NATO, in der Mitte ein deutsches Boot

Mediacentrum Defensie/Aaron Zwaal

Die Minenabwehr-Übungsgruppe von BALTOPS, die Task Group 162.40, bestand aus vier Teilverbänden; zwei davon waren die Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 (SNMCMG1) und das Baltic Naval Squadron (BALTRON). Insgesamt umfasste die Task Group zwölf Kriegsschiffe mit über 1.000 Soldatinnen und Soldaten. 

NATO ist Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung – auch in der Minenabwehr

„Übungen wie diese sind ein entscheidender Teil der Ausbildung, und die Ausbildung ist ein entscheidender Teil der NATO insgesamt“, führt der deutsche Fregattenkapitän Philipp Klimmek aus. Er ist neben Ventresca weiterer Minenabwehr-Verantwortlicher für das Manöver im NATO-Marinehauptquartier STRIKFORNATO. Und er ergänzt: „Es ist immer eine Ehre, mit unseren Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten.“

Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden die Wasserwege der Ostsee häufig vermint, um die Durchfahrt feindlicher Schiffe zu verhindern. Nach 1945 entsorgten viele Nationen Munition und Sprengkörper im Meer - damals eine für sicher gehaltene Option. Heute schätzt man, dass es in der Ostsee mehr als 80.000 Minen und andere nicht explodierte Kriegsreste gibt. Aufgrund dieser Hinterlassenschaft können bestimmte Gebiete nicht befischt werden, während andere zu Gefahrenzonen werden, die schnell evakuiert werden müssen, wenn jahrzehntealter Sprengstoff an Land gespült wird.

Das ganze Jahr über gehört daher das Minenräumen zu den friedensmäßigen Aufgaben vieler Ostseemarinen. Estland weist dem sogar besondere Priorität zu, da in seinen Hoheitsgewässern noch eine außergewöhnlich große Zahl von Minen schlummert. Übungen wie BALTOPS 2023, die in erster Linie dem Training der Interoperabilität der Beteiligten dienen, bieten dem NATO-Bündnis jedoch die Möglichkeit, in der Ostsee real und positiv zu wirken.

Ein Mann in Flecktarnuniform schaufelt gebückt mit der Hand im Sand eines Strandes.

Französische Kampfmittelbeseitiger üben am Strand von Putlos, an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste

US Navy/Arif Patani

Minenjagd-Roboter vor den Ostsee-Küsten

Während der Übung suchten die Minenjäger aktiv die Irbenstraße ab, den Seeweg, der den Golf von Riga in West-Ost-Richtung mit der Ostsee verbindet, sowie Hoheitsgewässern von Deutschland und Estland. Sie sicherten auch eine amphibische Landung an der polnischen Küste gegen die Minenbedrohung.

Näher am Land fanden am deutschen Ostseestrand in Putlos Übungen mit kleinen Booten und Tauchern statt. Die elf an den MCM-Operationen teilnehmenden Nationen konnten so bei Beseitigung, Transport und Zerstörung von verrosteten historischen Minen praktische Erfahrungen sammeln.

Ein Mann mit Sonnenbrille schaut auf See auf zwei Boote.

Die USUnited States Navy nutzt BALTOPS, um unbemannte Systeme zu testen. Hier ein Unmanned surface vessel vom Typ T24 des amerikanischen Herstellers Martac

U.S Navy/Matthew Fink

Zur Unterstützung der Minensuche setzten die Marinesoldaten unbemannte Unterwasserfahrzeuge (Unmanned underwater vehicles, kurz UUV) ein. „Einer unserer Schwerpunkte ist das Experimentieren mit taktischen und technischen Fortschritten bei Waffensystemen“, so Ryan Ventresca. „Wir suchen nach Wegen, um unsere Fähigkeit zu verbessern, diese Technologien für künftige reale Einsätze einzusetzen.“

UUVs fahren einen vorprogrammierten Kurs fahren und suchen den Meeresboden mit Hilfe von Sonar nach Objekten ab, die Minentaucher anschließend untersuchen und identifizieren, um zuletzt Sprengladungen neutralisieren oder bergen zu können. Vor der deutschen Küste fanden auch Experimente mit unbemannten Überwasser-Fahrzeugen (Unmanned surface vehicles, kurz USV) statt. Sie sind in der Lage, bestimmte Gebiete zu patrouillieren, Personen zu bergen und selber UUVs autonom einzusetzen.

von  US Naval Forces Europe and Africa/US Sixth Fleet (Matthew Fink)  E-Mail schreiben

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