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Kakadu 2022

Die Marine bei Australiens größtem Seemanöver

Die Marine bei Australiens größtem Seemanöver

  • Indo-Pazifik
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Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
4 MIN

Vom 12. bis 29. September waren neben der Luftwaffe auch Marinevertreter zum gemeinsamen Üben beim Wertepartner down under.

Ein Kampfjet fliegt tief über den Aufbauten eines Kriegsschiffs.

Seekrieg aus der Luft: Ein Eurofighter der Luftwaffe simuliert einen Tieffliegerangriff auf die australische Fregatte HMAS „Perth“

Commonwealth of Australia/Jarryd Capper

Kakadu 2022 ist eine der bisher größten Übungen der australischen Marine gewesen. Das alle zwei Jahre abgehaltene internationale Manöver ist ein Vorzeigeevent der Royal Australian Navy, erstmals 1993 durchgeführt. Nur 2020 war die Reihe pandemiebedingt unterbrochen worden.

Dieses Jahr haben 15 Schiffe, 34 Flugzeuge und Hubschrauber aus 22 Nationen teilgenommen. Trainiert haben rund 3.000 Soldatinnen und Soldaten, darunter auch Personal der deutschen Luftwaffe – und drei Offiziere der Deutschen Marine.

Der australische Marinechef, Vizeadmiral Mark Hammond, hieß die internationalen Teilnehmenden willkommen. Er rechnete mit wertvollen partnerschaftlichen Verbindungen, die im Laufe der Übung entstehen würden. „Kakadu ist die wichtigste internationale Einladungsübung der Marine und für den Aufbau von Beziehungen zwischen den teilnehmenden Nationen von grundlegender Bedeutung“, sagte er. „Das Motto der diesjährigen Übung lautet ‚Partnerschaft, Führung, Freundschaft‘. Es ist unser Ziel, diesem Motto in 15 Tagen intensiver Aktivitäten in See und an Land voll und ganz gerecht zu werden.“

Zwei der drei deutschen Kapitänleutnante haben in der Exercise Control gearbeitet, also der Gruppe von Stabsoffizieren, die die Übung als Schiedsrichter und Ausbilder geleitet haben. Sie ist an Land untergebracht, in der australischen Luftwaffenbasis von Darwin im Nordwesten Australiens. Die ExCon, so der Kurzbegriff, spiegelte die Fachgebiete beziehungsweise Führungsgrundgebiete eines normalen militärischen Stabs. In ihr waren alle teilnehmenden Nationen vertreten.

Militärische Briefings ohne NATO-Begriffe

Mehrere Soldaten in Flecktarnuniform stehen im Halbkreis vor einem sehr großen Wandmonitor.

Nach dem Briefing ist vor dem Briefing: Stabsarbeit bedeutet Kommunikation zwischen vielen einzelnen Fachgebieten. Hier der Anteil des Führungsgrundgebiets 9, Medien und Öffentlichkeitsarbeit

Commonwealth of Australia/James Whittle

Die Arbeit in solchen Stäben unterliegt einem strengen Tagesablauf, darunter jeden Morgen um Punkt neun Uhr ein Briefing für den Exercise Director, Captain Pete Bartlett. Sein ExCon-Stab musste ihn dabei über die Ereignisse der vergangenen Nacht sowie der bevorstehenden Stunden des Tages informieren. Für jedes Führungsgrundgebiet trug ein Stabsoffizier zu einer aktuellen Gesamtlage bei.

„In meinem Bereich der Current Ops habe ich mit Soldaten aus fünf verschiedenen Ländern zusammengearbeitet“, erzählt Kapitänleutnant Markus G. Eigentlich ist er der Navigationsoffizier der Fregatte „Hamburg“, die gerade aber noch in der Werft zur Überholung liegt.

Zu G.s Team im Grundgebiet 3, Operationen, zählten je ein Soldat aus Chile, Malaysia, Saudi-Arabien, Philippinen und dem Gastgeber Australien. Zu ihren Aufgaben gehörte, alles Operationelle von Kakadu, also den eigentlichen militärischen Kern des Manövers, fachlich zu bewerten. Das sei aus seiner Perspektive mitunter eine Herausforderung, so der Deutsche, „denn bei der Übung wurden keine NATO-Verfahren angewendet. Und es gibt unter anderem ganz unterschiedliche Begriffe in der Durchführung.“

Trotzdem schätzt er die Zusammenarbeit mit seinen internationalen Kameraden sehr. „Es war eine großartige Chance, Verbindungen zu knüpfen, um diese vielleicht bei zukünftigen Übungen der Marine gewinnbringend einzusetzen“, meint er.

Bekannte Aufgaben im ungewohnten Kontext

Kapitänleutnant Carsten R. A vertrat ebenfalls ein multinationales Team. Nicht immer gab es für sein Führungsgrundgebiet 6, ITInformationstechnik und Kommunikation, beim Lage-Update an den Exercise Director gute Nachrichten. So war zum Beispiel an einem Morgen die Verbindung zu einem der Schiffe des Manöververbands abgebrochen.

Das hatte unmittelbar Auswirkungen auf den Fortgang der Übung für das Schiff. Hier hieß es, schnellstmöglich daran zu arbeiten, das Problem zu beheben. Mit seinem Team hatte R. die Aufgabe, alles weitere zu koordinieren, um die Kommunikation wieder herzustellen.

Gruppenbild von Soldaten in verschiedenen Flecktarnuniformen.

Exercise Director Captain Pete Bartlett mit der Morgen-Wache der Exercise Control. Die drei Deutschen sind im internationalen bunten Flecktarn nicht einfach zu finden.

Commonwealth of Australia/James Whittle

Ein weiteres wichtiges Bindeglied war Kapitänleutnant Björn B., eingesetzt in der Aircraft Control. Hier arbeiteten er und seine multinationalen Kameraden unter anderem mit der deutschen Luftwaffe zusammen. Sie war mit sechs Kampfjets Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 aus Neuburg an der Donau und einem Tankflugzeug A330 MRTTMulti Role Tanker Transport aus Eindhoven bei Kakadu 2022 eingebunden.

Unter anderem organisierte B. mit den Australiern zusammen einen reibungslosen Flugbetrieb. Das bedeutete zum Beispiel, Betriebsstoffe rechtzeitig bereitzustellen oder Flugausrüstung und Personal zu koordinieren. Diese Aufgaben waren für den Technischen Offizier des Marinefliegergeschwader 3 Graf Zeppelin aus Nordholz in Australien also kein Neuland.

Training für den Seekrieg aus der Luft

Gemäß der australischen Marine waren die teilnehmenden Kriegsschiffe während Kakadu 2022 in 13 U-Boot-Abwehr-, 15 Luftkriegs- und 17 Schießübungen involviert. Bei High-End-Trainingsszenarien hätten sie rund 13.000 Schuss Munition verbraucht. Die Luftkomponente sei 163 Einsätze von Kampfjets und anderen Flugzeugen geflogen. Das hätte den Beteiligten die besten Ausbildungsmöglichkeiten für die Luftkriegsführung auf See geboten, die sie in den letzten Jahren gehabt hätten.

Für die Deutsche Marine war das Entsenden der drei jungen Offiziere ein erstes Vorfühlen auf ihr nächstes Indo-Pacific Deployment. Sie konnte so Erkenntnisse für eine mögliche Teilnahme an Kakadu 2024 mit eigenen Schiffen gewinnen.

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