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Neuer Bordalltag auf der „Sachsen-Anhalt“

Neuer Bordalltag auf der „Sachsen-Anhalt“

  • Coronavirus
  • Marine
Datum:
Ort:
Wilhelmshaven
Lesedauer:
3 MIN

Während der Covid-19-Pandemie bestimmt auch Social Distancing den Dienst auf Marineschiffen, die nicht durchgängig auf See sind.

Marinesoldaten, mit circa einem Meter Abstand voneinander, stehen in geraden Reihen auf dem Flugdeck eines Kriegsschiffs.

Früher stand man Schulter an Schulter: Morgenmusterungen sehen jetzt auch für die Crew der „Sachsen-Anhalt“ anders aus.

Bundeswehr/Sandra Knappe

Formell ist die Fregatte „Sachsen-Anhalt“ noch nicht an die Marine übergeben, ihre Indienststellung steht in gut sieben Monaten bevor. Die Besatzung Delta des 4. Fregattengeschwaders fährt aber seit Ablieferung des Schiffs an die Bundeswehr schon ein intensives Erprobungsprogramm für das Schiff und seine technischen Anlagen – auch unter Covid-19-Bedingungen. Das bedeutet, dass die Fregatte teils nur für wenige Tage unterwegs ist und regelmäßig zwischen diesen kurzen Seefahrten und Hafenaufenthalten pendelt.

Im April 2020 zum Beispiel ist das dritte Schiff der neuen Klasse F125 für Systemtests in der westlichen Ostsee unterwegs gewesen, abgestützt auf die Marinehäfen Wilhelmshaven und Kiel. Eine gemischt militärisch-zivile Crew an Bord erprobte dabei Funktionalität und gemeinsames Wirken von Sensoren und Waffensystemen. Der Kommandant, Fregattenkapitän Elmar Bornkessel, zeigt sich zufrieden: „Das Führungs- und Waffeneinsatzsystem des Schiffes kann sich sehen lassen. Genauso wie die Leistungen meiner Besatzung.“

Mehr als 100 Menschen auf 150 Meter Länge verteilen

Auf der neuen Fregatte halten sich zusätzlich neben der militärischen Mannschaft auch Mitarbeiter der Herstellerwerft und Vertreter der Rüstungsabnahmekommission der Bundeswehr auf. „In einer Seefahrtsphase sitzen über 100 Menschen buchstäblich ‚in einem Boot‘“, erklärt Bornkessel.

Totale eines grauen Kriegsschiffs in einem Hafen.

Die „Sachsen-Anhalt“ im Marinestützpunkt Wilhelmshaven

Wikimedia Commons/Ein Dahmer/CC BY-SA 4.0

Während der Arbeitszeiten im Hafen sind es durchschnittlich gut 60 Leute, die auf dem knapp 150 Meter langen Schiff ihren Dienst verrichten. In diesen Hafenliegezeiten wechseln sich auch zwei Crewhälften ab, sodass maximal 50 Prozent der Besatzung von gerade rund 90 Soldatinnen und Soldaten auf dem Schiff ihren Dienst versehen. Die übrigen sind grundsätzlich im Homeoffice an Land.

Aber das alles ist nur möglich unter Anpassungen. Im März hatten neue Richtlinien ihren Einzug in den Dienstalltag auf der „Sachsen-Anhalt“ gehalten. Dabei stellte der erforderliche regelmäßige Wechsel zwischen kurzen Seefahrtsabschnitten und mehrtägigen Hafenaufenthalten, inklusive regulärer arbeitsfreier Wochenenden, die Besatzung vor neue Probleme, die sie lösen musste. Um ihren Auftrag bestmöglich erfüllen zu können, musste die Crew die Anforderungen der Erprobung mit den Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ausbalancieren.

Die Grundregel Social Distancing gilt auch auf See

Kameradschaft äußert sich nun, indem die Soldatinnen und Soldaten der Crew Abstand voneinander halten: Social Distancing ist zur Grundregel geworden. Neue Anweisungen für die Organisation des Bordlebens und des Dienstbetriebs sind für alle eine Umstellung, die Umdenken und viel Umsicht erfordert. Kommandant Bornkessel gibt seiner Besatzung ein passendes Motto an die Hand: „Ein Schiff – eine Crew – 1,5 Meter Abstand.“

Auf dem blauen Boden in einem Schiffsgang sind hintereinander mehrere rote Streifen im Abstand von 1,5 Metern angebracht.

Anstehen wie im Supermarkt: Die Crew der „Sachsen-Anhalt“ hat Abstandsmarkierungen auf den Boden im Längsgang vor der Essensausgabe der Kombüse geklebt.

Bundeswehr/Sandra Knappe

Bei der Essensausgabe zum Mittag etwa ist die Schlange vor der Kombüse sehr lang geworden. „Es ist eine der neuen Maßnahmen zur Prävention, die wir jetzt auf dem Schiff umsetzen“, erklärt der Schiffsarzt der Besatzung, Oberstabsarzt Andy Sahupala. „Genau wie in Geschäften an Land zeigen Markierungen auf dem Boden, welchen Mindestabstand wir zueinander einhalten müssen.“

Eine weitere Maßnahme: Vor jedem stark frequentierten Arbeitsraum befindet sich ein Desinfektionsspender an der Wand neben der Tür. Jeder, der den Raum betritt, muss den Spender benutzen, um seine Hände zu reinigen. Das ist besonders wichtig für den Schiffstechnischen Leitstand, die Operationszentrale und die Brücke – Räume, in denen sich im Seebetrieb 24 Stunden am Tag Personal aufhält.

Der Vorteil Größe zahlt sich einmal mehr aus

Ein Flüssigkeitenspender mit einem Draht-Hebelgriff oben, angebracht an einer Wand neben einer Tür im Innern eines Schiffs.

Händewaschen und Händereinigen gehören jetzt fest zum Dienstbetrieb. Hier ein Sterilium-Spender am Eingang zum Leitstand der „Sachsen-Anhalt“

Bundeswehr/Sandra Knappe

Die Brücke zum Beispiel muss bei der Seefahrt gemäß Vorschriften durchgehend mit fünf Personen besetzt sein, plus jeweils ein Ausguck in den Nocken an Steuerbord und Backbord. Die Größe der neuen Marineschiffe ist unter den neuen Rahmenbedingungen ein Vorteil: Die Brücke einer 125er-Fregatte ist mit rund 20 mal 4 Metern deutlich geräumiger als die der kleineren Vorgängerklassen.

Nicht zuletzt ist in allen Aufenthaltsräumen, also hauptsächlich in den Messen, und an den Sammelplätzen, den beiden Hangarräumen und auf dem Flugdeck, ein Mindestabstand einzuhalten. Geht das nicht, sind alle Besatzungsmitglieder verpflichtet, eine Schutzmaske zu tragen.

„Die Besatzung geht mit den Anweisungen gewissenhaft um und erfüllt trotzdem professionell ihren Auftrag, um das Erprobungsprogramm durchzuführen“, beurteilt Bornkessel das Verhalten seiner Crew. Die Durchhaltefähigkeit der Besatzung Delta und das Absolvieren der Funktionstests der „Sachsen-Anhalt“ trotz Covid-19-Pandemie sind für den Kommandanten sichergestellt.

von Sandra Knappe  E-Mail schreiben