Marine
Materielle Einsatzbereitschaft

Route 66: Initiative für mehr kampfbereite Schiffe

Route 66: Initiative für mehr kampfbereite Schiffe

Datum:
Ort:
Rostock
Lesedauer:
3 MIN

Zwei Drittel der Schiffe und Boote der Flotte müssen für Ausbildung und Einsatz zur Verfügung stehen. Um die Lage zu verbessern, wirkt die Marine verstärkt auf die Grundlagen einer bedarfsgerechten Instandsetzung im Zeit- und Kostenrahmen in den Werftliegezeiten hin. Leitmotiv dieser Initiative ist ein USUnited States-Highway: die Route 66.

Eine Straße ist mit dem Schriftaufzug „Route 66“ versehen.

Die Initiative Route 66 knüpft gedanklich an den legendären USUnited States-Highway an. Er ist in den Jahren seines Betriebs von 1929 bis 1985 zum Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs der USA geworden.

Dietmar Rabich/Wikimedia Commons/CC BY-SA 4.0

Am 24. Februar 2022 veränderte die russische Invasion der Ukraine drastisch die sicherheitspolitische Lage. Erneut fokussiert auf die Landes- und Bündnisverteidigung muss die Bundeswehr, wie auch ihre Partner-Streitkräfte, dringend ihre Einsatzbereitschaft steigern.

Die Marine strebt – mit Schwerpunkt auf der Befähigung zum Kampf – eine materielle Einsatzbereitschaft von mindestens 66 Prozent ihrer Schiffe und Boote an. Um diese anspruchsvolle Zielmarke zu erreichen, hat der Inspekteur der Marine die Umsetzung der Initiative „Route 66“ angewiesen. Sie beinhaltet eine Vielzahl von Maßnahmen, die die technische Einsatzbereitschaft der deutschen Seestreitkräfte verbessern soll. Sie betrifft Handlungsfelder innerhalb wie auch außerhalb der Marine. Dabei ist die Route 66 der Marine keine „Schnellstraße“. Sie ist vielmehr als ein langer, in Teilen auch herausfordernder Weg mit mittelfristiger Erfolgsperspektive.

Die Kernprobleme bestehen teils seit Jahrzehnten

Eine Werft liegt an einem Gewässer

Game changer für die Einsatzbereitschaft der Flotte: das Marinearsenal Warnowwerft

Bundeswehr/Kristina Kolodin

Im Wesentlichen bestehen drei Kernprobleme in der materiellen Einsatzbereitschaft der Schiffe und Boote: bei der Instandhaltung, bei der Verfügbarkeit von Ersatz- und Austauschteilen sowie bei der oft unzureichenden Materialdatenlage. Die Initiative Route 66 geht Probleme wie diese gezielt an.

Bei der Instandhaltung liegen die Ursachen vornehmlich im drastischen Reduzieren der Kapazitäten des Marinearsenals in der zurückliegenden Dekade. Es kam somit darauf an, die eigenen Kapazitäten wieder zu verstärken. Ein „Game changer“ war der Erwerb der ehemaligen Liegenschaft der MV-Werften am Standort Rostock durch den Bund, um daraus einen neuen Marinearsenalbetrieb aufzubauen. Dieser soll bis Ende 2023 die volle Befähigung zu eigenen Instandsetzungen erlangen.

Die Marine begleitet diese Aufbauarbeit des Bundeswehr-Ausrüstungsamts BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr im Rahmen von Route 66 unter anderem mit einem Koordinations- und Verbindungselement für den neuen militärischen Werftbetrieb. Darüber hinaus leistet die Marinetechnikschule für das neu in die Bundeswehr eingestellte Personal des ehemaligen zivilen Werftunternehmens eine intensive Aus- und Weiterbildung.

Zugleich überprüft das Marineunterstützungskommando (MUKdo) gemeinsam mit dem BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr die Vorschriften und Verfahren der Instandhaltung. Ziel ist, die seitens der Bundeswehr zum Teil selbst auferlegten Verschärfungen zu hinterfragen – wie zum Beispiel die Prüftiefe von Anlagen – sowie Ermessensspielräume und Ausnahmeregelungen stärker zu nutzen. Angesichts der hohen Komplexität von Kriegsschiffen prüft das MUKdo in Zusammenarbeit mit den Einsatzflottillen weiterhin, wie sich der Reparaturbedarf noch vor Beginn einer Werftliegezeit möglichst weitgehend erfassen und besser bewerten lässt.

Andreas Scheuer, Kapitän zur See
Die Initiative ist ein Allemannsmanöver zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft. Also: Get your kicks on Route 66!“

Tatkräftige Mitarbeit für die Nachpflege tausender Datensätze

Die Defizite bei den Ersatzteilen und deren logistische Daten sind zumeist darauf zurückzuführen, dass aufgrund von Sparzwängen in der Beschaffung die Versorgungsreife von Systemen oft nur unzureichend hergestellt ist. Die Ansprechbarkeit von Material ist grundlegende Voraussetzung für alle logistischen Prozesse, einschließlich Beschaffung, Lagerung und Instandhaltung. Sie trägt entscheidend zum Erhalt der Einsatzbereitschaft bei.

Dank der tatkräftigen Mitwirkung insbesondere des Schlüsselpersonals der Einsatzflottillen, sowohl an Bord wie auch in den Stäben, ließen sich in den vergangenen zwölf Monaten circa 8.000 Geräte und rund 70.000 für die Instandsetzung relevante Bauteile neu erfassen und datentechnisch einpflegen. Das ist ein erheblicher Fortschritt und stimmt zuversichtlich. Eine weitere Kraftanstrengung bis Jahresende 2023 ist erforderlich, um die erstmalige Erfassung auf breiter Front abschließen zu können.

Fazit: Route 66 ist wesentliches Erfolgsmoment für die Einsatzbereitschaft

Route 66 setzt bei den Kernproblemen der materiellen Einsatzbereitschaft an. Trotz erster Erfolge bleibt die Lage angesichts des hohen Instandsetzungs- wie auch Modernisierungsbedarfs vorerst angespannt. Umso mehr gilt es, die Handlungsfelder von Route 66 auch in den nächsten Jahren konsequent fortzuführen.

von Detlef Scheuer  E-Mail schreiben

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