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Kurzfristiger Bedarf

Marineflieger auf NATO-Aufklärungsmission im Mittelmeer

Marineflieger auf NATO-Aufklärungsmission im Mittelmeer

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Marine
Datum:
Ort:
Nordholz
Lesedauer:
2 MIN

Ein Seefernaufklärer P-3C Orion hat im August und September außerplanmäßig russische Kriegsschiffe vor Europas Südküste überwacht.

Blick auf einen kleinen Flughafen; im Hintergrund ein rauchender Vulkan mit schneebedeckter Bergspitze.

Der italienisch-amerikanische Luftwaffenstützpunkt Sigonella auf Sizilien. Die strategisch zentral im Mittelmeer gelegene Basis ist nur 40 Kilometer vom Ätna entfernt.

US Navy/Jacques-Laurent Jean-Gilles

Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hatte die NATO ihre Präsenz in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer intensiviert. Angesichts des anhaltenden Krieges möchte das Bündnis ein möglichst vollständiges maritimes Lagebild haben. Speziell zur kontinuierlichen Aufklärung von Aktivitäten der russischen Marine im Mittelmeer hatte das Marinehauptquartier MARCOMAllied Maritime Command die Deutsche Marine im August kurzfristig um Unterstützung gebeten.

Bereits eine Woche nach Zustimmung durch das Verteidigungsministerium brach am 25. August ein Einsatzkontingent des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ (MFG 3) auf. Ein Seefernaufklärer P-3C Orion mit zwei Besatzungen, Technikern und weiterem operativen Personal verlegte von seiner Basis in Nordholz an der Nordseeküste in kürzester Zeit zum italienischen Militärflugplatz Sigonella auf Sizilien. Am 26. August nahm dieses Kontingent mit dem ersten Einsatzflug seine Arbeit auf.

Erhöhte Wachsamkeit auch an der Südflanke

„Die Soldatinnen und Soldaten unseres Geschwaders haben von Sigonella aus einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit in Europa geleistet“, sagt Kontingentführer Fregattenkapitän Jens P. „Neben dem Aufrechterhalten der Maritime Situational Awareness haben die Marineflieger mit ihrem Einsatz im Mittelmeer die Einsatzbereitschaft, Flexibilität und Fähigkeiten der deutschen Streitkräfte und ihrer Verbündeten demonstriert.“

Ein viermotoriges, hellgraues Propellerflugzeug beim Abheben von einer Start- und Landebahn.

Die P-3C im August beim Start Richtung Sizilien

Bundeswehr/Julia Kelm

Jens P. ist mit seinen Soldatinnen und Soldaten am 10. September von dieser Mission zurückgekehrt. Ein erneutes Verlegen eines weiteren Einsatzkontingents des MFG 3 auf Anfrage des NATO-Marinehauptquartiers ist auch künftig grundsätzlich jederzeit möglich.

Von Sigonella aus nahm das deutsche Kontingent nicht nur den kurzfristigen Unterstützungsauftrag für die NATO wahr, sondern leistete zusätzlich auch Einsatzflüge für die Mission EUNAVFOREuropean Union Naval Forces MEDMediterranean Operation Irini. Schon in der Vergangenheit hatten hierfür Orion-Besatzungen kurzzeitig nach Sizilien verlegt.

Normalerweise werden diese Patrouillen vom Marinefliegerstützpunkt Nordholz aus geflogen. Von Sizilien aus direkt zu starten, sorgte aber dafür, dass das deutsche Flugzeug keine Zeit im Transit von Deutschland ins Einsatzgebiet und zurück verbringt. Somit konnte es auch beide Missionen tageweise abwechselnd fliegen, und dennoch blieb genug Zeit für tägliche Kontrolle und Wartung am Boden.

Ziel ist ein umfassendes, aktuelles maritimes Lagebild

Absicht der NATO im Mittelmeerraum ist, militärische Aktivitäten und Bewegungen im gesamten Gebiet kontinuierlich zu überwachen, um darauf ein aktuelles Lagebild aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Damit will die NATO Erkenntnisse über die Absichten dort operierender Marineschiffe gewinnen, die nicht dem Bündnis angehören.

Das ist im Hinblick auf den anhaltenden Ukraine-Krieg insbesondere deshalb wichtig, weil russische Kriegsschiffe zur Verstärkung der Schwarzmeerflotte unweigerlich das Mittelmeer passieren müssen. Dabei können sie aufgefasst und gemeldet werden. Außer diesen Schiffen sind auch U-Boote von größtem Interesse – und die P-3C Orion ist darauf spezialisiert, sie aufzuspüren.

An der EU-Mission Irini beteiligen sich die Marineflieger seit Mai 2020 und stellen auch gegenwärtig das deutsche Einsatzkontingent. Neben dem Hauptauftrag, das Waffenembargo der Vereinten Nationen gegen Libyen durchzusetzen und damit verbunden verdächtige Schiffe aufzuklären, sammeln die Marineflieger Informationen über illegale Öl-Exporte und Menschenschmuggel. Zu diesem Zweck patrouillieren sie regelmäßig im Mittelmeer zwischen Italien, Griechenland, Libyen und Tunesien. Entsprechende Aufklärungsergebnisse leiten sie an die zuständigen nationalen und internationalen Behörden weiter.

von  Presse- und Informationszentrum Marine/Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“  E-Mail schreiben

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