Die maritime Abhängigkeit Deutschlands
Ungehinderte Schifffahrt ist ein fundamentales strategisches Interesse nicht nur der Handelsnation Deutschland, sondern aller Länder.
Die 32 Mitgliedstaaten der NATO arbeiten in vielen Einsätzen, Missionen, Operationen und auch bei Übungen eng zusammen. Damit dies in den unterschiedlichen Bereichen funktioniert, benötigen die Staaten einheitliche Grundlagen. Dafür gibt es in der NATO rund 130 Arbeitsgruppen. Elf davon beschäftigen sich mit Aufgabenfeldern der Marine. Davon ist eine die NATO Shipping Working Group (NSWG).
Die Delegierten der NATO Shipping Working Group mit Konteradmiral Jens Nemeyer (m.) während der jährlichen Tagung 2025 vor dem Manfred-Wörner-Institut der Clausewitz-Kaserne in Hamburg
Bundeswehr/Nina MüheHier treffen sich die Vertreterinnen und Vertreter der nationalen Dienststellen der Bereiche Naval Cooperation and Guidance for Shipping (NCAGS) und Allied Worldwide Navigational Information System (AWNIS). NCAGS arbeitet eng mit der zivilen Seefahrt zusammen, um einen freien Seeverkehr für Handelsschiffe zu gewährleisten. Dabei ist AWNIS ein Informationssystem, das alle Informationen die navigatorische Sicherheit und die Sicherheit auf See betreffend sammelt und koordiniert veröffentlicht.
Die Ziele der NSWG sind laut ihrem Chairman, Kapitän zur See Niels Markussen, unter anderem die Verbesserung der Freiheit der Navigation, der Schutz der Handelsschiffe und die Unterstützung der militärischen Führung. Markussen ist Offizier der Königlichen Dänischen Marine und auch Direktor des NATO Shipping Centre (NSC) in Northwood, Großbritannien. Das NSC ist verantwortlich für NCAGS und AWNIS auf NATO-Ebene sowie Ansprechpartner für die internationale maritime Industrie.
Die NSWG spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um Sicherheit, Koordination und Widerstandsfähigkeit der maritimen Logistik und der Handelsschifffahrt innerhalb des NATO-Bündnisses geht. Denn die Gewährleistung eines störungsfreien Seeverkehrs ist sowohl für die Weltwirtschaft, als auch für militärischer Operationen wichtig. Die NSWG bietet den Mitgliedstaaten eine Plattform, um Informationen zu teilen, standardisierte Verfahren und Vorschriften zu entwickeln und ihre Bemühungen zum Schutz der Handelsschifffahrt gegenüber Gefahren wie Piraterie, Terrorismus und militärische Konflikte zu koordinieren.
Die jährliche Tagung der NSWG ist innerhalb der NATO die größten ihrer Art zur Handelsschifffahrt. Dort tauschen sich die Vertreterinnen und Vertreter der NCAGS- und AWNIS-Dienststellen in der NATO in ihren jeweiligen Fachgebieten untereinander aus und vernetzen sich. Einige Ländern befinden sich noch im Aufbau ihrer NCAGS- und AWNIS-Dienststellen und profitieren so von der Erfahrung andere Nationen und des NSC.
Austragung und Organisation des Treffens werden jedes Jahr von einer anderen Nation übernommen. 2025 fand das Treffen vom 5. bis 9. Mai in Hamburg mit 51 Delegierten aus 21 Nationen statt. In Deutschland ist die Marineschifffahrtleitung verantwortlich für NCAGS und AWNIS und organisierte somit das Treffen der NSWG. Im NATO-Verbund hat Deutschland eine der größten Dienststellen für NCAGS und AWNIS.
Konteradmiral Jens Nemeyer eröffnet als Vertreter des Marinekommandos das Treffen der NATO Shipping Working Group 2025 in Hamburg
Bundeswehr/Nina MüheDas Personal in den NCAGS- und AWNIS-Dienststellen besteht in vielen Ländern nur zu einem geringen Teil aus aktiven Soldatinnen und Soldaten. Für das Fachwissen über die Handelsschifffahrt greift eine Mehrzahl der Nationen auf Reservistinnen und Reservisten zurück. Im Falle der Marineschifffahrtleitung der Bundeswehr sind es etwa 120 Reservedienstleistende, die das aktive Personal unterstützen. Diese kommen aus der zivilen Seefahrt und erhalten zusätzlich eine militärische Ausbildung. Dazu gehören teils internationale Lehrgänge. Das bedeutet beispielsweise, dass ein deutscher Reservist zur AWNIS-Ausbildung nach Belgien geht und eine US-amerikanische Reservistin ihre Ausbildung zum Schutz von Handelsschiffen in Deutschland absolviert.
Eine Untergruppe der NSWG bespricht sich spezifisch zu den Themen Einsätze, Übungen und Ausbildung von NCAGS und AWNIS. Vergangene Einsätze und Übungen werden ausgewertet. Die daraus gewonnen Erkenntnisse werden genutzt, um die Ausbildung zu verbessern und gegebenenfalls zu erweitern.
In einer immer komplexeren und umstritteneren maritimen Umgebung ist die NSWG essenziell, um sichere und effiziente Seehandelsrouten aufrechtzuerhalten. Die Arbeit der NSWG untermauert die kollektive Verteidigungsstrategie der NATO und sichert den Erhalt wichtiger maritimer Lieferketten.
von Presse- und Informationszentrum der Marine