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Gedenken

Volkstrauertag auf einem Truppenübungsplatz

Gottesdienst
Datum:
Ort:
Münster
Lesedauer:
2 MIN

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Den Einsatz Tag und Nacht üben, dafür waren Truppenteile des Standorts Münster auf einem Truppenübungsplatz versammelt. Während der Übung bot das evangelische Militärpfarramt einen ökumenischen, zweisprachigen Gottesdienst für die übende NATONorth Atlantic Treaty Organization-Truppe am Volkstrauertag/Remembrance Day an.

Soldaten entzünden Kerzen zum Volkstrauertag

Soldaten entzünden Kerzen zum Volkstrauertag

Stanko Zubcic

Dabei leiteten uns Worte aus dem 139. Psalm, das Gedicht „In Flanders Fields“ und eine mit Stacheldraht umwickelte Mohnblume. Das ist das „äußerste Meer“: Dort ist ein Mensch, wenn in sein ganz normales Leben Hass, Gewalt, Krieg und Willkür unmittelbar hineinreichen.

Jeder Krieg war und ist ein Höchstmaß an politischer Willkür und unendlicher Grausamkeit für das Leben von uns Menschen. Für das Geschehen der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert und das damit erfahrene seelische Leid jedes einzelnen beteiligten Menschen versuchten wir am Volkstrauertag Worte zu finden, Zeichen zu setzen, deutlich zu machen, dass wir davon wissen und nicht vergessen wollen. Mit dem Verlesen des Gedichts „In Flanders Fields“ erinnerten wir insbesondere an die zahlreichen gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Und dann die Kriege unserer Tage: Syrien, Afghanistan, Mali, Irak, Ukraine – wieder Krieg in Europa! Das „äußerste Meer“ ist uns nähergekommen. Unzählige Menschen wieder auf der Flucht, mehr als eine Million davon hier in Deutschland – das „äußerste Meer“ kommt näher.

Und dann: Terroranschläge auf Hilfskonvois und Lebensadern, Terroranschläge auf Zivilisten in Flugzeugen, Diskotheken und Weihnachtsmärkten, mitten im ganz normalen Alltag. Das „äußerste Meer“ ist vor unserer Haustür angekommen! Und noch einmal die Frage: Wie sollen wir umgehen mit all dem Leid?

Was bleibt uns von den Toten, an die wir am Volkstrauertag/Remembrance Day denken, Menschen, die ein Höchstmaß an Leid erlitten haben? Menschen, die durch Hass und Willkür von einem Augenblick auf den anderen gestorben sind?

Im Sinn des 139. Psalms antworte ich: Es bleibt die blühende Mohnblume. Es bleibt ihr „Dennoch“. Dennoch bleibe ich bei meinem Gott. Dennoch halte ich an meinen Grundfesten fest. Ich bleibe bei meinen Wurzeln, meiner Hoffnung, die mich immer gehalten und getragen haben, besonders in Krisenzeiten, in Traurigkeit. Die Hoffnung, die manchmal so klein, unscheinbar und zerbrechlich scheint, blüht!

Eine Mohnblume blüht inmitten des Stacheldrahtes, neue Hoffnung auf neues Leben. Hoffnung auf währende Erinnerung. Hoffnung auf Geborgensein bei Gott für alle Menschen, die ihr Leben ließen in den Weltkriegen und den irren Kriegen unserer Tage. Hoffnung für alle Menschen, die leben und in diesen Tagen unter Hass und Willkür leiden und daran sterben.

Leise möchte ich sie mitsprechen lernen, die Worte eines Menschen, der lange vor uns gelebt hat:

„Bliebe ich am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ Ich glaube daran. Und hoffnungsfroh trage ich meine Mohnblume am Remembrance Day.

von Brigitte Pagnoux

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