Pessach wird auch bei der Bundeswehr gefeiert
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- Leipzig
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Am Abend des 1. April beginnt in diesem Jahr für jüdische Menschen in der ganzen Welt Pessach. In der General-Olbricht-Kaserne in Leipzig lernten auch Soldatinnen und Soldaten anderen Glaubens gemeinsam mit Militärrabbiner Oleg Portnoy das jüdische Fest kennen.
Reden über Pessach und seine Tradition rund um Fragen der Freiheit: Militärrabbiner Oleg Portnoy sprach mit Soldatinnen und Soldaten
Bundeswehr/Tim ReinholdAn vielen Orten in Deutschland zünden am Abend des 1. April jüdische Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, Militärrabbiner und alle anderen Menschen, die Pessach feiern, die Kerzen an. Pessach als eines der wichtigsten Feste im Judentum erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und an ihren Weg in die Freiheit vor mehr als 3.000 Jahren.
„Für jüdische Menschen steht Pessach daher für Befreiung, Neubeginn und die Weitergabe von Traditionen“, erläuterte Militärrabbiner Oleg Portnoy kürzlich beim Pessach-Frühstück in der Offiziersheimgesellschaft der Leipziger General-Olbricht-Kaserne. Zu diesem waren auch viele nichtjüdische Angehörige der Bundeswehr gekommen, um mehr über dieses Fest zu erfahren. Allen hatte Militärrabbiner Portnoy zusätzlich zum gewöhnlichen Frühstück das ungesäuerte Brot, die Matze, mitgebracht, das während des Pessach-Festes gegessen wird.
Beide Feste, das christliche Ostern und das jüdische Pessachfest, thematisieren Befreiung (Pessach aus der Sklaverei, Ostern von Sünde/Tod) und finden meist zeitlich nah im Frühjahr statt. Zudem soll das letzte Abendmahl von Jesus das Pessachmahl gewesen sein.
Der erste Abend von Pessach, der Sederabend (Seder: hebräisch für „Ordnung“), ist eine feierliche, rituelle Mahlzeit, die an den Auszug aus Ägypten und die Befreiung aus der Sklaverei erinnert. Familien und Freunde kommen an dem Abend zusammen, lesen gemeinsam aus der Haggada, der Erzählung von der Befreiung, und essen besondere Speisen, die symbolisch für verschiedene Aspekte der Geschichte stehen.
Seit über drei Jahren ist Oleg Portnoy Militärrabbiner der Jüdischen Militärseelsorge für die Bundeswehr-Standorte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen. Über jüdische Traditionen ins Gespräch zu kommen und Ansprechpartner sowie Seelsorger für die Soldaten zu sein, ist ihm wichtig: „Ich habe den Teilnehmenden des Pessach-Frühstücks den Hintergrund des Festes erklärt und sie gefragt, wie frei sie sich fühlen. So entstand eine rege Diskussion über die Freiheit, die jüdische Sicht auf dieses Thema und wir überlegten gemeinsam, wie man eigene Werte und Traditionen an die Kinder weitergeben kann.“ Portnoy betonte, dass diese Themen, obwohl sie bereits vor tausenden Jahren in der Tora verschriftlicht wurden, auch heute noch für das tagtägliche Leben relevant seien.
Das Militärrabbinat, die Bundeswehr-Dienststelle der Jüdischen Militärseelsorge, lädt zu vielen jüdischen Feiertagen deutschlandweit an Bundeswehr-Standorten ein, um sich mit allen Bundeswehr-Angehörigen auszutauschen und über jüdische Traditionen zu informieren.
Während Pessach essen viele Jüdinnen und Juden kein gesäuertes Brot. Stattdessen gibt es Matze, ein ungesäuertes Brot. Nach den religiösen Vorschriften ist während der Pessachtage, die noch bis zum 9. April dauern, der Verzehr und der Besitz von gesäuerten Speisen wie Kuchen, Nudeln oder Bier untersagt.
Laut Überlieferung hatten die Israeliten bei ihrem hastigen Aufbruch aus Ägypten keine Zeit mehr, ihr Brot aufgehen zu lassen. Daher ist es Tradition, vor Pessach einen gründlichen Frühjahrsputz durchzuführen und alle Reste von gesäuerten Nahrungsmitteln aus dem Haushalt zu entfernen. Es geht aber auch darum, sich geistig zu reinigen, Dinge loszulassen und sich von Belastendem zu befreien. Das koschere Matzebrot wird für Pessach extra frisch gebacken.
von Cornelia Riedel E-Mail schreiben