Covid-19: Personalmanagement bleibt trotz Corona handlungsfähig

Covid-19: Personalmanagement bleibt trotz Corona handlungsfähig

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Datum:
Ort:
Köln
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5 MIN

Sabine Grohmann ist die Präsidentin des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr, kurz BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr. Im Interview erläutert sie, wie das Bundesamt in Zeiten von Corona arbeitet, welche Herausforderungen das mit sich bringt und wie sie ganz persönlich mit der Situation umgeht.

Sabine Grohmann leitet das Bundesamt für das Personalmanagment der Bundeswehr

Für das Amt hat Grohmann klare Ziele - und für die Beschäftigten einen klaren Wunsch: "Bleiben Sie gesund!"

Bundeswehr

Frau Präsidentin, was bedeutet die Corona-Epidemie für den Organisationsbereich und das BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr?

Die ganze Bundeswehr ist davon betroffen. Einmal, weil unsere Soldatinnen und Soldaten und zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie jede andere Person in unserer Gesellschaft, dem Coronavirus ausgesetzt sind und erkranken können. Zum zweiten, weil die Krise eine riesige Herausforderung für das Gemeinwesen in unserem Land ist.

Bei der Bewältigung der Krise wird die Bundeswehr dort helfen, wo sie gebraucht wird.

Und hier sind in besonderem Maße unsere Kernkompetenzen gefordert, weil unser Personalmanagement mit dafür sorgt, dass die Menschen in der Bundeswehr dort Dienst tun, wo ihre Expertise gebraucht wird. Das heißt für uns im Organisationsbereich und im BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, dass wir als Personalmanager unseren Beitrag zur Einsatz- und Leistungsfähigkeit der Bundeswehr leisten wollen.

Wie verändert Corona Ihren Alltag ganz persönlich?

Ich tue das, was ich auch auch allen unseren Beschäftigten geraten habe: die Hygieneregeln einhalten, den Abstand zu anderen vergrößern und die sozialen Kontakte runterfahren. Ich wasche mir also häufiger und aufmerksamer die Hände. Ich bin entweder im Büro oder zu Hause, aber nicht bei privaten oder gesellschaftlichen Ereignissen. Da will ich auch als gutes Beispiel vorangehen. Ich halte dienstliche Besprechungen nur noch in Form von Video- oder Telefonkonferenzen ab.

Wir haben uns im Leitungsteam des BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr so verständigt, dass wir auch untereinander keinen direkten Kontakt mehr haben – falls einer erkrankt und ausfällt. Wir machen das, indem wir uns im Leitungsbereich in drei Teams an drei unterschiedlichen Orten verteilt haben. Auf den Leitungsflur kommt man auch nur noch nach telefonischer Anmeldung. Das soll helfen die Kontakte einzuschränken, die Ansteckungsgefahr weiter reduzieren und so zur Eindämmung des Virus auch in der dienstlichen Umgebung beitragen. Bisher haben die im Amt angeordneten Maßnahmen gut funktioniert.

Das BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr fokussiert sich wegen der Corona-Epidemie auf Kernfähigkeiten und hat dafür auch das Personal im Dienst so gut es geht reduziert. Der Fachterminus, der sich dafür etabliert hat, ist „Auflockerung“. Was bedeutet das und warum wird das so umgesetzt?

Wir haben so reagiert, weil wir drei klare Ziele haben: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus unterstützen. Da sind wir sozusagen ganz auf der Linie, die von der Bundesregierung, der Kanzlerin und unserer Ministerin vorgegeben wird. Zweitens, unsere eigenen Beschäftigten so gut es geht schützen, denn wir sind ein fürsorglicher Arbeitgeber – und wir werden gebraucht als Bundeswehr. Und drittens, auch in der Corona-Krise arbeits- und reaktionsfähig zu sein.

Ich finde, der gesamte Prozess hat bisher gut geklappt. Allen Beschäftigten möchte ich dafür danken, dass sie die Maßnahmen so professionell und diszipliniert mitgetragen und umgesetzt haben. Und „Auflockerung“ heißt bei uns eben: Wir haben weniger Menschen vor Ort in den Kasernen und Liegenschaften. Aber wir nutzen Telearbeit, mobiles Arbeiten und Heimarbeit, wo immer das geht.

Was genau sind denn nun Kernfähigkeiten, auf die Sie sich konzentrieren?

Das Personalmanagement gehört zu den Kernaufgaben der Bundeswehr. So hat es das Ministerium definiert. Für uns heißt das, wir sind weiter für unsere Bedarfsträger da. Und in der aktuellen Arbeitsform stellen wir sicher, dass diese Kernaufgabe erfüllt werden kann. Und meine tägliche Erfahrung der ersten Woche zeigt mir, wir sind wirklich handlungsfähig.

Ein Beispiel möchte ich aus der Personalgewinnung nennen: Wir haben die Assessments ausgesetzt und die Karriereberatung aufs Telefon umgestellt. Wir sind also weiter ansprechbar als attraktiver Arbeitgeber für junge Menschen und gleichzeitig schützen wir Bewerberinnen und Bewerber und unser eigenes Personal vor Ansteckungen. Sobald die Situation es wieder zulässt, werden wir hier wieder geordnet die Personalgewinnung „hochfahren“. Dazu bereiten meine Fachleute bereits jetzt zu diesem Szenario eine entsprechende Direktive vor.

Ein weiteres wichtiges Beispiel ist die jetzt wichtige Heranziehung von Reservisten. Auch dort sind wir handlungsfähig. Insbesondere meine Abteilung VI leistet hier gerade einen tollen und wertvollen Beitrag. Denn für die Erfassung von Freiwilligen, die in der Krise als Reservistendienst Leistende helfen wollen, haben wir in 24 Stunden ein Callcenter aufgebaut und in fünf Tagen fast 5.000 Meldungen bearbeiten können. Das finde ich ganz klasse! Wir leisten also genau das, was die Bundeswehr im Moment von uns braucht.

Welche besonderen Herausforderungen bringt die veränderte Arbeitsgliederung mit sich?

Für viele heißt es aktuell, Dienst von zu Hause aus. Und das ist neu für die allermeisten. Erstens hat nur ein Teil unserer Beschäftigten eine dienstlich bereitgestellte ITInformationstechnik-Ausstattung. Zweitens steigt der Zugriff auf das ITInformationstechnik-System von zu Hause aus, weil die gesamte Bundeswehr ähnliche Maßnahmen ergriffen hat, wie wir. Das führt in Teilen auch mal zu Wartezeiten, um ins Bundeswehrnetz zu gelangen. Dort wird an einer besseren Performance gearbeitet.

Wir versuchen zu helfen, indem wir Dinge, die nicht eingestuft sind, auch freigeben für die Bearbeitung auf privaten ITInformationstechnik-Geräten.

Dabei wollen wir kreativ und lösungsorientiert vorgehen. Ziel ist es, dass wir unseren Auftrag uneingeschränkt weiter erfüllen.

Und in der Arbeit von zu Hause liegt auch eine Chance! Konzeptionelle Gedanken und Grundlagenarbeit, das Erstellen und Aufbereiten von Inhalten für unser neues, interaktives Mitarbeiterportal oder Online-Schulungen: Das alles kann man auch von zu Hause aus machen. Ich weiß, dass unsere Beschäftigten motiviert und Profis in ihren Fachgebieten sind. Ich bin fest überzeugt, dass daraus spannende und innovative Ideen und Produkte entstehen.

Wie wird es weitergehen, was sind nächste Schritte?

Wie sich die Epidemie entwickelt, kann uns die Wissenschaft nicht sagen, wir werden es schlicht abwarten müssen. Unsere Planung ist so, dass wir erstmal bis auf Weiteres so arbeiten wollen, wie wir es in den letzten Wochen vorbereitet und umgesetzt haben. Wir haben ein Lagezentrum im BAPersBwBundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, es gibt das Lagezentrum im BMVgBundesministerium der Verteidigung. Unser Lagezentrum steuert mein Vizepräsident und ständiger Vertreter, Generalmajor Gunter Schneider. Ich bin froh, diese Aufgabe in seinen, in Einsatzlagen erfahrenen, Händen zu wissen. Die Entwicklung in Deutschland und in der Bundeswehr beobachten wir sehr genau und können jederzeit lageabhängig reagieren.

Allen Beschäftigten wünsche ich, dass sie möglichst gesund bleiben oder rasch genesen.

Über Veränderungen der Lage und mögliche weitere Maßnahmen, aber auch eine hoffentlich nicht allzu ferne Rückkehr zur Normalität, halten wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Laufenden. Zum Glück haben wir neben der amtsinternen direkten Kommunikation, dem Mitarbeiterportal und dem Intranet, diese Webseite, mit der wir alle erreichen und informiert halten können. Bleiben Sie gesund!

von PIZ Personal  E-Mail schreiben

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