Homeoffice im Corona-Lockdown: Von der adhoc-Maßnahme zum Dauerzustand

Homeoffice im Corona-Lockdown: Von der adhoc-Maßnahme zum Dauerzustand

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

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Seit rund einem Jahr bestimmt die Entwicklung der Corona-Pandemie unser Leben - privat wie beruflich. Mit dem Homeoffice, oft in Verbindung mit Homeschooling, verschwimmen die Grenzen zwischen Dienst/Beruf und Familie/Privatleben. Was bedeutet das für uns? Wie können wir da, wo Arbeit und Freizeit räumlich zusammenwachsen, die Balance halten und Stress und Überlastung vorbeugen? Das haben wir Susanne Bruns gefragt, Referatsleiterin Psychologischer Dienst im BMVgBundesministerium der Verteidigung.

Eine blonde Frau lächelt in die Kamera

Referatsleiterin Psychologischer Dienst Susanne Bruns gibt Tipps, um Homeoffice und Familie unter einen Hut zu bekommen

Bundeswehr/ Thieme

Frau Bruns, nach einem Jahr Corona ist Homeoffice in vielen Bereichen der Bundeswehr - also überall da, wo es möglich ist - zur Praxis geworden. Ist es damit auch bereits Routine? Wo sehen Sie Reibungspunkte?

Routinierter sind wir sicherlich geworden: Wir können mit WebEx umgehen, Telefonkonferenzen durchführen und nutzen Messenger. Trotzdem bleibt die persönliche Kommunikation ein ganz wichtiges Thema, denn die Gefühlslage teilen Menschen sich ja eher nonverbal mit: Zum Beispiel schaue ich skeptisch, wenn ich etwas nicht verstehe oder kritisch sehe. Aber würde ich es auch in einer Telefonkonferenz offen ansprechen? Es ist daher jetzt schwieriger, Unzufriedenheiten, zwischenmenschliche Störungen, Ängste oder Erschöpfung rechtzeitig zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Hier ist besonders das Führungspersonal gefordert, regelmäßig mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sprechen, um die Leistungsfähigkeit des Teams dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Wir sind aus der adhoc-Maßnahme inzwischen im Dauermodus Homeoffice. Was bedeutet diese Langzeiterfahrung? Wie wirkt sich das aus?

Zunächst einmal erfordert das vermehrte Homeoffice von uns mehr Flexibilität im Hinblick auf die Arbeitszeit: Eher weg von starren Zeiten, hin zu einem selbstverantwortlicheren Arbeiten. Dies erfordert auch gegenseitiges Vertrauen im Team, damit es nicht zu Konflikten kommt. Ich glaube, dass viele von uns die Situation insgesamt mit gemischten Gefühlen sehen, und dass es individuell sehr unterschiedliche Bewertungen gibt. Das hängt auch entscheidend von der persönlichen Lebenssituation ab. Manchen von uns fehlt die direkte zwischenmenschliche Begegnung sehr: Die intensivere fachliche Diskussion, die kleine Kaffeerunde, das Schwätzchen vorm Drucker. Das viele Telefonieren wird möglicherweise als anstrengend empfunden. Teilweise geht die Arbeit im Homeoffice auch mit einer Doppelbelastung z.B. aufgrund von Betreuungspflichten einher. Auf der anderen Seite ist das Homeoffice für einige eine Entlastung, besonders für diejenigen, die sonst weite Strecken pendeln müssen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich einige über die Corona-Krise hinaus wünschen werden, auch zukünftig häufiger im Homeoffice arbeiten zu können.

Welche konkreten Tipps haben Sie für das Arbeiten im Homeoffice? Wie kann die Balance zwischen Arbeit und Freizeit gelingen, wenn die räumliche Trennung wegfällt?

Selbstdisziplin halte ich grundsätzlich für wichtig, um einer möglichen Entgrenzung zu begegnen. Entgrenzung bedeutet, dass man Privates und Dienstliches zu sehr vermischt. Hilfreich ist so etwas wie ein „Dienstplan“, der auch Pausen und ein Dienstzeitende beinhaltet. Viele von uns haben ihr Telefon auf das private Handy umgestellt. In diesem Fall kann man es sich zur Regel machen, in der Mittagspause oder nach Dienstschluss Anrufe zu ignorieren. Wenn ich im Büro wäre, würde ich das Telefon ja auch nicht mit in die Kantine nehmen, sondern später zurückrufen. Mir ist natürlich bewusst, dass sich das in manchen Fällen weniger gut umsetzen lässt und gebe zu, dass ich selbst auch Ausnahmen mache. Wenn es die Wohnsituation zulässt, wäre es weiterhin hilfreich, Dienst und Privates auch räumlich zu trennen – sich also einen Ort einzurichten, an dem nur gearbeitet wird. Dies trägt dazu bei, weniger gestört zu werden und nach Dienstschluss besser abschalten und entspannen zu können.

Was empfehlen Sie für den Umgang mit Kollegen/Vorgesetzten?

Wünschenswert ist eine gute und offene Kommunikation im Team, insbesondere auch über die Erreichbarkeit und etwaige persönliche Umstände, die hier zeitweise zu Einschränkungen führen können. Wenn zum Beispiel parallel zum Homeoffice Kinder betreut werden müssen, sollte es möglich sein, gegenüber Vorgesetzten und Kollegen das auch zu sagen, verbunden mit der Bitte: „Darf ich Sie in einer halben Stunde zurückrufen? Mein Kind braucht mich gerade.“ Das erfordert natürlich ein Vertrauensverhältnis und gegenseitigen Respekt, dies müssen sich alle gemeinsam erarbeiten. Sollten Sie das Gefühl haben, dass es Probleme im Miteinander gibt, empfehle ich, die Vorgesetzte oder den Vorgesetzten darauf aufmerksam zu machen. Den Vorgesetzten sei in diesem Zusammenhang gesagt, dass es Gemeinsamkeit schafft, wenn Sie in Bezug auf die Offenheit mit gutem Beispiel vorangehen und ab und an auch mal mitteilen, wenn es bei Ihnen einmal nicht ganz rund läuft. Wenn das noch mit Humor geschieht, lockert ein Lachen so manche Anspannung.

Blick auf einen Esstisch, auf dem Computer und Zubehör stehen

Wenn Homeoffice und Homeschooling zusammentreffen, verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Familie

Privat/Gabriele Drebenstedt

Welche Auswirkungen hat das Homeoffice auf das Familienleben? Wie bringt man alles und alle „unter einen Hut“?

Auch für die Familie ist es eine Umstellung, wenn jemand im Homeoffice tätig ist. Eingespielte Routinen und Aufgaben ändern sich. Erwartet Ihre Partnerin jetzt, dass Sie zwischendurch die Hausarbeit machen? Oder Ihr Partner, dass Sie pünktlich um siebzehn Uhr Zeit für ihn haben, wenn er nach Hause kommt? Damit es nicht zu Konflikten kommt, muss man auch hier gut und offen miteinander reden, Erwartungen formulieren und sich absprechen.

Was tun Sie persönlich, um Stress und Belastung abzubauen?

Ich bewege mich gerne an der frischen Luft, zum Beispiel gehe ich gerne spazieren, arbeite im Garten oder mache Radtouren. Das kann man zum Glück auch in Corona-Zeiten gut machen. Allen aber, die feststellen, dass es ihnen zunehmend schwerer fällt, ihre Belastungen abzubauen, möchte ich darauf hinweisen, dass die Bundeswehr ein sehr gutes Psychosoziales Netzwerk hat, an dessen Fachdienste - Sozialdienst, Psychologischer Dienst, Militärseelsorge und Sanitätsdienst - man sich für Unterstützung und Beratung wenden kann.

Weiter Infos zum Psychosozialen Netzwerk der Bundeswehr:

https://www.bundeswehr.de/de/betreuung-fuersorge
 


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