Resilienz – wichtiger Schutzfaktor während der Corona-Pandemie

Resilienz – wichtiger Schutzfaktor während der Corona-Pandemie

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München
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Die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie kann auch in eine psychologische Krise münden. Resilienz, also die psychische Widerstandsfähigkeit, ist dagegen ein wichtiger Schutzfaktor. Karl-Heinz Renner, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität der Bundeswehr München, gibt dazu in einem Beitrag wichtige Empfehlungen.

Mit Buchstabensteinen wurde das Wort "Resilienz" gelegt

Was kann man tun, um die psychische Widerstandsfähigkeit in der Corona-Krise zu stärken?

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Die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie erscheint vor allem als medizinische und ökonomische Krise. Doch weil niemand genau vorhersagen kann, wann Ausgangsbeschränkungen gelockert oder aufgehoben werden, ob es noch weitere Einschränkungen geben wird und welche finanziellen und ökonomischen Konsequenzen folgen, ist sie auch psychisch enorm belastend.

Beispiele hierfür sind die Angst vor einer eigenen Ansteckung oder der nahestehender Personen, vor einem Verlust der ökonomischen Existenz, aber auch sozialer Stress infolge des nun intensiveren „Aufeinanderhockens“ in der Familie oder Einsamkeit infolge von Isolation.

„Es gilt, unser psychisches Immunsystem zu stärken!“

In der aktuellen Situation gilt es daher besonders, unser psychisches Immunsystem als wichtigen Schutzfaktor zu stärken. In der Wissenschaft spricht man dabei von Resilienz, der psychischen Widerstandsfähigkeit.

Dabei ist es wichtig, Resilienz auf unterschiedlichen Ebenen zu entwickeln, die sich dann im besten Fall gegenseitig verstärken. Denn nicht nur Individuen können Resilienz aufbauen, sondern auch Gruppen, Gemeinschaften, Organisationen, Institutionen, Staaten und ganze Staatengemeinschaften können mehr oder weniger widerstandsfähig sein.

Was können wir also tun, um unsere psychische Widerstandsfähigkeit angesichts der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Krise zu erhalten und zu stärken? Welche Hinweise und Empfehlungen zählen zu den bewährten Strategien gegen Stress, aus welchen wir diejenigen auswählen können, die am besten für uns passen?

Bewegung, Entspannung und neue tägliche Strukturen

Eine Frau macht Yoga-Übungen

Neben Entspannungstechniken wie dem Autogenen Training kann auch Yoga dabei helfen, Anspannung und Gefühle der Unruhe abzubauen

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Es leuchtet ein, dass die Stärkung des Immunsystems zur psychischen Widerstandsfähigkeit beiträgt. Daher sind gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf und Bewegung auch an der frischen Luft von besonderer Bedeutung. Zudem sollte man regelmäßig bewusst entspannen: zum einen durch Aktivitäten wie Musik hören oder gar selbst machen, kochen, lesen, die Lieblingsserie schauen oder mit Familie und Freunden telefonieren, zum anderen durch Entspannungstechniken wie beispielsweise Yoga.

Wichtig sind solch positive Rituale der Entspannung auch für diejenigen, die jetzt im Homeoffice arbeiten oder vollständig freigestellt wurden. So sinnvoll es ist, einen neuen geregelten Tagesablauf auch und gerade mit Kindern zu planen und umzusetzen und somit für Sicherheit und Orientierung zu sorgen, so notwendig ist es auch, freie Zeiten einzuplanen, in denen man das tun kann, worauf man Lust hat.

Füreinander da sein - auch durch räumliche Distanz 

Dazu sollte für jedes Familienmitglied auch die Möglichkeit gehören, sich räumlich distanzieren, also zurückziehen und allein sein zu können; und dies gerade auch dann, wenn man mit mehreren Kindern viel Zeit in einer womöglich zu kleinen Wohnung verbringen muss.

Ein Mann hat ein Kind im Arm

Ein achtsamer Umgang mit der Familie ist in Zeiten der Pandemie ein wichtiger Trostspender

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Gehen Sie zudem in Ihrer Familie und auch mit Ihren Kolleginnen und Kollegen angesichts der aktuellen Lage wohlwollend, gütig und nachsichtig miteinander um. Legen Sie nicht jeden Satz oder gar jedes Wort auf die Goldwaage und entschuldigen Sie sich auch einmal, wenn Sie Fehler gemacht haben.

Denn trotz der proklamierten „sozialen Distanzierung“ ist es aktuell besonders elementar, füreinander da zu sein, auch wenn dies durch digitale Medien oder sogar einen handgeschriebenen Brief passieren muss.

Gutes tun und Wichtiges aufschreiben

Dieses Gemeinschaftsgefühl und diese Solidarität sollten Sie im gesamten Alltag praktizieren. So können Sie, sofern es Ihre finanzielle Situation erlaubt, den Einzelhandel, Kinos und kleine Unternehmen in Ihrem Umkreis durch den Kauf von Gutscheinen unterstützen, anderen Menschen beim Einkaufen helfen und sich besonders bei den Menschen bedanken, die beispielsweise in Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Krankenhäusern, Pakettransportdiensten für alle so viel leisten.

Machen Sie sich dazu bewusst, wo Ihre Stärken liegen, welche Menschen Ihnen Kraft geben, was Sie gerne tun und besonders gut können und was Sie in gute Stimmung bringt – denn dies sind Ihre eigenen Ressourcen, die Sie mit Energie versorgen, das Leben lebenswert machen und somit Resilienz fördern.

Bewusst sollten Sie auch kleine positive Dinge im Alltag wahrnehmen, beispielsweise solidarischen Umgang untereinander, die Schönheit der Natur oder wenn Ihnen ein anderer Mensch ein Lächeln schenkt.

Reflektieren Sie und lassen Sie Gefühle zu

Nutzen Sie die Zeit auch dazu, nachzudenken und aufzuschreiben, was Ihnen wichtig ist und wofür Sie dankbar sind. Schreiben Sie auf, was Ihnen durch den Kopf geht und welche Gefühle Sie erleben. Denn Schreiben kann helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Eine Person schreibt in ein Buch

Ob Tagebuch führen oder Pläne für die Zeit nach Corona festhalten: Schreiben kann dabei helfen, mit der Situation besser umzugehen

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Dabei ist es derzeit vollkommen normal, sich Sorgen zu machen und negative Gefühle zu erleben. Sprechen Sie mit vertrauten Personen darüber und nutzen Sie auch professionelle Hilfsangebote, beispielsweise die telefonische Beratung, die für Notfälle von zahlreichen Einrichtungen angeboten wird.

Sich bewusst und ausgewählt informieren

Wichtig ist aber vor allem, sich in der derzeitigen unübersichtlichen Lage bewusst und ausgewählt vor allem in seriösen Quellen und Medien zu informieren und Fake News offensiv zu erkennen. Der Bayrische Rundfunk hat dazu beispielsweise eine eigene Seite geschaltet, auf der Fakten gecheckt werden und Fakes zu Corona entlarvt werden.

Zwar beherrscht COVID-19Coronavirus Disease 2019 derzeit alle Medien, dennoch sollte man nicht rund um die Uhr Nachrichten und Talkshows über die Pandemie verfolgen, sondern auch Sendungen schauen, die nichts damit zu tun haben. Denn zum einen gehen auch unter den Expertinnen und Experten Einschätzungen zur Bedrohlichkeit und zu den geeigneten Gegenmaßnahmen teils weit auseinander, zum anderen gilt es, die richtige Balance zwischen notwendiger Information und Distanzierung zu finden und gerade auch Kinder vor zu viel medialer Information zu schützen.

Gemeinsam sollten wir versuchen, die Unbestimmtheit und aktuellen Einschränkungen zu akzeptieren – denn dadurch retten wir Menschenleben! Sagen Sie sich „Es ist jetzt eben so!“ und machen Sie das Beste aus der Situation. Und trotz der Ungewissheit, wie es weitergehen wird, wird auch diese Krise einmal vorübergehen.

Weitere Informationen zur Professur für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik finden Sie auf den Seiten der Universität der Bundeswehr München

von Professor Karl-Heinz Renner PIZ Personal  E-Mail schreiben

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