Karriereportrait

Vom Azubi zur militärischen Führungskraft: Oberfeldwebel Sina R.

Vom Azubi zur militärischen Führungskraft: Oberfeldwebel Sina R.

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Oberfeldwebel Sina R. hat ihre zivile Berufsausbildung bei der Bundeswehr erfolgreich absolviert - und sich dann doch für die Truppe entschieden. Erfolgreich im Handwerk und mit Herzblut in die Uniform, Sina R. erzählt ihre Erfolgsgeschichte und warum ihr Weg auch für andere junge Frauen interessant sein kann.

Soldatin vor einem Militärfahrzeug

Soldatin und KfzKraftfahrzeug-Meisterin Oberfeldwebel Sina R.: „Handwerk selbst ist meine Motivation - das lebe und liebe ich.“

privat

Sinas Weg zur Bundeswehr

Ausschlaggebend für ihre Bewerbung bei der Bundeswehr war ein Tag der offenen Tür der Ausbildungswerkstatt Sankt Wendel. „Meine Bewerbungsunterlagen habe ich direkt vor Ort im Beisein meiner Mutter abgegeben“, erinnert sich die damals 19-Jährige. Im Januar 2014 war es dann soweit - die gebürtig aus Pirmasens stammende junge Frau begann ihre Ausbildung zur KfzKraftfahrzeug-Mechatronikerin.

Die Ausbildung – zivil

„Ich habe direkt einen Platz für das erste Ausbildungsjahr erhalten“, so Sina R. stolz.  Vor ihr lagen damals dreieinhalb Jahre Ausbildung und Berufsschule. Auf dem Lehrplan standen Werkstoffkunde, Elektronik, Fahrwerk und Getriebe. Sina R. hat das nicht abgeschreckt, im Gegenteil: „Dinge mit der Hand anzufertigen, wie Sägen, Fräsen oder Stromkreise bauen, hat mich schon immer fasziniert.“ Auf die Frage was für sie ein besonderer Moment in ihrer Berufsausbildung war, antwortet sie ohne zu zögern: „Einen Motor komplett auseinanderzubauen.“

Wie die damalige Auszubildende berichtet, waren die Praxisphasen bei der Heeres-Instandsetzungs-Logistik GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung, kurz HILHeeresinstandsetzungslogistik - einem Berufs- und Ausbildungspartner der Bundeswehr - für sie besonders eindrucksvoll. Die HILHeeresinstandsetzungslogistik kümmert sich um die Instandhaltung und -setzung von Großgeräten wie dem radgetriebenen Transportpanzer (TPZ) Fuchs, Gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug - GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, Spähwagen Fennek, der Panzerhaubitze 2000 oder den bundeswehreigenen LKWs.

Von der Berufsschule in Sankt Wendel wurde Sina R. 2017 als beste Auszubildende geehrt. „Was die Ausbildung bei der Ausbildungswerkstatt der Bundeswehr ausmacht ist, dass die Auszubildenden mit Vortests und praktischen Übungen intensiv auf die Handwerkskammerprüfungen vorbereitet werden“, betont Sina R. Zudem wurden die Auszubildenden in regelmäßigen Abständen von Karriereberatern über militärische und zivile Karrieremöglichkeiten in der Bundeswehr informiert.

Die Ausbildung – militärisch

Ausschlaggebend für die Entscheidung für ihre weitere Karriere in Uniform war  ein einwöchiges, durch einen Karriereberater organisiertes Truppenpraktikum. „In Saarlouis habe ich mir meinen heutigen Dienstposten vor Ort ansehen können. Das hat mich so positiv beeindruckt und mir war klar – da will ich hin“, erklärt die junge Frau. Es folgten zweieinhalb Tage Eignungsfeststellung im Karrierecenter Wiesbaden mit Computertest, Auswahlgespräch und Sporttest.

„Nach Abschluss meiner Ausbildung zur KfzKraftfahrzeug-Mechatronikerin bin ich quasi direkt in die militärische Laufbahn der Unteroffiziere gewechselt“, erklärt die heute 27-Jährige. Der militärische Dienst begann für sie im April 2017. Als Stabsunteroffizier (Feldwebelanwärter) besuchte Sina R. zunächst den siebenmonatigen Feldwebel/ Unteroffizieranwärterlehrgänge Teil 1-3 mit integrierter Grundausbildung im oberbayerischen Altenstadt.

Es folgten die allgemeine Sprachausbildung in Englisch, der Schießausbilderlehrgang und weitere fachspezifische Ausbildungsanteile. „Insgesamt war ich von 2017 bis 2021 auf verschiedensten Lehrgängen. Dabei habe ich mich auch zum KfzKraftfahrzeug-Meister weitergebildet“, so die Unteroffizierin mit Portepee stolz.

Sie habe sich aus tiefster Überzeugung für die militärische Laufbahn entschieden, sagt Sina R und betont:  „Das sollte alles gut durchdacht sein.“ Umfassende Informationen und eigene Erfahrungen sind aus ihrer Sicht notwendig, um die richtige Entscheidung für den Beruf zu treffen. Es erfordere in jedem Fall Motivation, Durchhaltevermögen, Kampfgeist, um „mit Herzblut die Uniform“ anzuziehen. Aber: „Gerade der Teamgedanke und die Kameradschaft, die dabei entstehen, sind besonders.“

Eine Frau und ein Mann unter einem Fahrzeug

„Technik im Allgemeinen, aber besonders, wie Sachen zusammenwirken – zum Beispiel – wie ein Auto schließlich rollt – fasziniert mich noch heute“, sagt Sina R..

privat

Der Auftrag

Wahlheimat Saarland: Die Luftlandepionierkompanie 260 ist eine selbstständige, autark agierende Kompanie, wie Oberfeldwebel Sina R. erklärt. „Ich gehöre der Luftlandetruppe an und sitze auf einem Fallschirmspringer-Dienstposten in Saarlouis. Die Infrastruktur kann weltweit eingesetzt werden und selbst Pioniergeräte wie Bagger können in oder an einem Luftfahrzeug mit uns fliegen.“

Luftlandepioniere sind mit Transportflugzeugen und Hubschraubern verlegbar, um Aufträge der Luftlandebrigade 1 zu unterstützen. „Ich selbst bin Fallschirmspringer und Absetzer“, so die junge Frau, die damit viel Verantwortung übernimmt: Sina R. überprüft ob, die Fallschirmspringenden ihre Ausrüstung korrekt angelegt haben, prüft das mitzuführende Material, führt Soldaten und Soldatinnen an das Luftfahrzeug und gibt schließlich auch das „Go“ zum Sprung.

Im allgemeinen Tagesdienst stehen für Sina R. Wartungen, Koordination der Zusammenarbeit mit Fremdfirmen, sogenannte Fristen (Inspektionen), und das Verwalten des Bundeswehr Fuhrparkservices auf dem Dienstplan. Sina R. ist ausgebildet auf „Systemtechnik Mungo“, also spezialisiert für das luftverladefähige Einsatzfahrzeug. Die Kompanie verfügt neben diesem noch über 2, 5 und 7 Tonner, Anhänger, Kran, Geländewagen Wolf und spezielle Pionierfahrzeuge wie den Waffenträger Wiesel als Pioniererkundungsfahrzeug.

Die Soldatin kümmert sich um die Eingangsprüfung der Fahrzeuge. „Ich stelle fest, was zu machen ist, übertrage die tatsächlichen Arbeiten an meine unterstellten Soldaten und übernehme die Ausgangsprüfung.“ Die Ausbildung des Personals gehört auch zu den Aufgaben der KfzKraftfahrzeug-Meisterin und - bis jetzt - einzigen Frau in der Instandsetzung.

Zwischen KfzKraftfahrzeug, Sprungdienst und Sport

„Langfristig sehe ich mich an einer Schule, denn Wissen weiterzugeben und andere auszubilden, das lag mir schon immer sehr“, sagt die motivierte Soldatin. „Mein Ziel Berufssoldatin zu werden, habe ich erreicht“, so Oberfeldwebel Sina R. Mittelfristig wünscht sie sich zum Schirrmeister, zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und zum Kraftfahrfeldwebel weitergebildet zu werden. Die Bundeswehr biete da viele berufliche Entwicklungsperspektiven.

Abseits der Werkstattaufgaben steht auch die Sportausbildung im Fokus. „Wir halten uns dreimal die Woche mit Dienstsport fit.“ Hinzu kommt Military Fitness, um jeglichen Übungs- und Einsatzszenarien gewachsen zu sein. Ihr GSIGefechtsschadeninstandsetzung-Trupp ist alltäglich im scharfen Einsatz, um die Fahrzeuge einsatzbereit zu halten und damit den Auftrag sicherzustellen. „Das Instandhalten von technischem Material dient gleichermaßen der Unterstützung der Soldaten und Soldatinnen in prekären Lagen“, erklärt Sina R. Das Credo der Luftlandebrigade lautet: einsatzbereit – jederzeit – weltweit.

von Jennifer Fiebig-Schulze  E-Mail schreiben

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