Workshop zur Digitalisierung: Interview mit KI-Experten der Frankfurt School of Finance and Management

Workshop zur Digitalisierung: Interview mit KI-Experten der Frankfurt School of Finance and Management

  • Digitalisierung
  • Personal
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
4 MIN

An der Frankfurt School of Finance and Management kommen Führungskräfte der Bundeswehr zusammen, um mehr über künstliche Intelligenz (KI) zu erfahren. Die Generale und Spitzenbeamtinnen sollen die Chancen, die die Digitalisierung bietet, für die Bundeswehr erkennen und verbreiten.

Die Frankfurt School of Finance and Management ist eine der führenden Business Schools Europas. Rund 2400 internationale Studierende tummeln sich auf dem Campus mitten in Deutschlands Bankenmetropole. Neben den akademischen Programmen bietet die Wirtschaftsuniversität Unternehmen und Organisationen Weiterbildungsprogramme in Form von Seminaren und Workshops an. Die Bundeswehr nutzt das.

Das Presse- und Informationszentrum Personal hat sich vorab mit dem Präsidenten der Frankfurt School, Professor Dr. Nils Steglitz, und dem Dozenten des Workshops, Entrepreneur und Senior Lecturer, Vahe Andonians getroffen. Sie erzählen im Interview, was Thema des Seminars ist.

Das Führungspersonal soll digital enabled werden. Ist die Ausbildung von Spitzenkräften eine gute Möglichkeit, künstliche Intelligenz in der Bundeswehr voranzutreiben?

Stieglitz: Absolut. Wenn wir uns überlegen, wie Unternehmen digitale Transformationsprozesse durchlaufen, dann kommt dem Top-Management eine zentrale Bedeutung zu. Das Verständnis für digitale Prozesse, das Verständnis für digitale Transformation muss an der Spitze einer Organisation möglichst breit verankert sein. Von daher ist das der richtige Schritt.

Präsident Stieglitz im Foyer der Frankfurt School

Der Präsident und Geschäftsführer der Frankfurt School forscht zu Themen wie strategische Entscheidungsfindung

PIZ Personal/ Andreas Metka

Hatten Sie bereits persönlichen Kontakt mit der Bundeswehr oder mit anderen Streitkräften?

Stieglitz: Ich hatte relativ wenig Kontakt mit der Bundeswehr. In der Forschung habe ich mit Teilen der amerikanischen Streitkräfte zu tun gehabt. Mit der Naval Postgraduate School in Monterey, Kalifornien, gab es ein gemeinsames Forschungsprojekt. Es handelte davon, wie Entscheidungsträgern geholfen werden kann, bessere Entscheidungen in Stresssituationen zu treffen.

Andonians: Gedient habe ich nicht. Wenn, dann hätte ich das in Österreich machen müssen. Denn ich bin österreichichscher Staatsbürger. Ich habe stattdessen Zivildienst geleistet, weil das leichter mit meinem Studium zu vereinbaren war. Als wir über die Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop gesprochen hatten, hatte ich Kontakt zur Bundeswehr.

Ist der Workshop für Führungskräfte der Bundeswehr für die Frankfurt School etwas Besonderes?

Stieglitz: Wir machen sehr oft Weiterbildungen für öffentliche Institutionen, sind aber mehr auf diejenigen fokussiert, die mit Finanzen zu tun haben. Wir haben seit Jahren eine enge Kooperation mit dem Bundesministerium für Finanzen, mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und auch mit der Bundesbank. Aber in der Vergangenheit hatten wir auch immer wieder Teilnehmer der Bundeswehr in unseren offenen Seminaren.

Präsident Stieglitz im Foyer der Frankfurt School
Nils Stieglitz, Professor Dr.
Aber es ist in der Tat das erste Mal, dass wir so eine Veranstaltung in enger Kooperation ausschließlich mit der Bundeswehr machen.
Andonians und Stieglitz im Gesprächam Tisch

Finance, Management, Philosophy & Law, Economics und Accounting bilden die Organisationseinheiten der Fakultät

PIZ Personal/ Andreas Metka

Welche Inhalte sind für den Workshop vorgesehen?

Stieglitz: In meinem Vortrag werde ich über den Einfluss sprechen, den künstliche Intelligenz auf Organisationen haben wird. Es wird um Augmented Intelligence gehen, also um die Frage: Wie künstliche Intelligenz die menschliche Urteilskraft unterstützen kann. Im Hinblick auf Organisationen wird es darum gehen, wie man Daten systematisch sammelt und zentralisiert. Denn es ist eine Herausforderung, Informationen, die weit über Institutionen verteilt sind, aktiv zu managen.
Das Organisationsmodell der Zukunft ist letztlich eine Mischung aus dem Versuch, Entscheidungen einerseits zu automatisieren und so in den Bereich sinkender Grenzkosten zu kommen und andererseits agile Organisationsformen zu entwickeln, um mit Black Swans, also Fällen umgehen zu können, für die es keine Erfahrungswerte gibt. Es soll darum gehen, wie man mithilfe von künstlicher Intelligenz die perfekte Bürokratie kreieren kann.

Präsident Stieglitz im Foyer der Frankfurt School
Nils Stieglitz, Professor Dr.
Aufgabe der Teilnehmer ist es dann, sich zu überlegen, was die Lehren sind, die sie für eine Organisation wie die Bundeswehr daraus ziehen.
Andoninas eklärt künstliche Intelligenz

Andonians hat einen Startup gegründet, der sich mit dem Verarbeiten von Finanzdokumenten durch KI beschäftigt

PIZ Personal/ Andreas Metka

Andonians: Mein Part trägt den Titel „Die 4. Industrielle Revolution“. Es wird unter anderem um das Thema Jobsicherheit und das Moravec’sche Paradox gehen. Moravec hat festgestellt, dass die Dinge, die uns Menschen sehr schwer fallen, für den Computer leichter sind als die, die uns ganz leichtfallen. Zum Beispiel spielen Schachcomputer besser als jeder Mensch. Auch Krebszellen identifiziert der Computer mit einer viel höheren Treffsicherheit als Menschen dies tun.

Vahe Andonians
Was der Computer nicht so gut schafft, sind die leichten Dinge. Er hat zum Beispiel große Probleme damit, einen Blaubeermuffin von einem Chihuahua zu unterscheiden.

 Darüber gibt es verschiedene Theorien, zum Beispiel diejenige, dass es eigentlich eine sehr schwierige Aufgabe ist, die wir Menschen nur so gut machen können, weil wir evolutionär darauf konditioniert sind. So erkennt das menschliche Auge Menschen deutlich schneller als jeder Computer, weil es über die Jahrtausende überlebenswichtig für sie war.
Im zweiten Teil werde ich über Convolution Dual Networks sprechen. Das ist eine spezielle Klasse von Netzwerken, die für visuelle Interpretation von Daten verwendet wird.
 

Foyer der Frankfurt School of Finance and Management

Die Zeil des Wissens ist ein canyonartiger Raum, der zur besonderen Charakteristik des Campus beiträgt

PIZ Personal/ Andreas Metka

Warum beschäftigt sich eine Wirtschaftsuniversität eigentlich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“?

Stieglitz: Wir glauben fest daran, dass künstliche Intelligenz fundamental verändern wird, wie wir Unternehmen auf der einen Seite finanzieren können und auf anderen Seite, wie wir Organisationen leiten werden.

Präsident Stieglitz im Foyer der Frankfurt School
Nils Stieglitz, Professor Dr.
Künstliche Intelligenz hilft uns, Entscheidungsprozesse zu automatisieren.


Andoninas: Künstliche Intelligenz wird unser Leben sehr radikal verändern. Wir sprechen über künstliche Intelligenz nur deshalb, weil es eine Technologie gibt, die Deep Learning heißt. Dadurch ändert sich vor allem, wie wir Computer trainieren. In der Vergangenheit haben wir Computer über ein Regelwerk trainiert und bei Deep Learning trainieren wir Computer über Beispiele. Das ist dem menschlichen Lernen sehr ähnlich. Was beispielsweise ein Ball ist, lernen Menschen dadurch, dass jemand ihnen mehrmals einen Ball zeigt. Das Lernen über Beispiele eröffnet ganz neue Möglichkeiten.


Welche Erwartungen haben Sie an den Workshop mit der Bundeswehr?

Stieglitz: Ich bin sehr gespannt darauf. Die Spitzenkräfte der Bundeswehr sind eine Zielgruppe, mit der ich persönlich relativ wenig Erfahrung habe. Die moderne Organisationstheorie ist aus der Beschäftigung mit dem Militär entstanden. Da ist das Interesse für mich als Organisationstheoretiker sofort geweckt.


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von Carlotta Witt  E-Mail schreiben