Gesundheitsversorgung im Krisen- und Verteidigungsfall gemeinsam sichern
Sanitätsdienst- Datum:
- Ort:
- Bonn
- Lesedauer:
- 3 MIN
Die Versorgung von 1.000 Verwundeten pro Tag, sichere Lieferketten für Arzneimittel und Medizinprodukte und resiliente zivil-militärische Strukturen: Wie Bund, Bundeswehr und Gesundheitswesen diesen Herausforderungen in Krise und Krieg begegnen können, berieten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und dem Unterstützungsbereich der Bundeswehr.
Der Sanitätsdienst und resiliente Gesundheitsstrukturen in Deutschland sind unverzichtbare Bestandteile einer nationalen Sicherheitsvorsorge. Sebastian Hartmann (2.v.l.), Parlamentarischen Staatssekretär im BMVg informiert sich hierzu in Koblenz.
Bundeswehr/Helmut von Scheven
Eine resiliente Gesundheitsversorgung in Deutschland kann in einem Krisen- oder Verteidigungsfall nur gesamtstaatlich gelingen. Wenn Kranke und Verwundete versorgt und transportiert, Lieferketten gesichert und medizinische Kapazitäten aufrechterhalten werden müssen, ist eine enge Kooperation ziviler und militärischer Akteure entscheidend. Dafür muss frühzeitig abgestimmt und geplant werden, wer wann welche Aufgaben übernimmt und wie die zivil-militärische Zusammenarbeit organisiert sein soll.
Diese Fragen waren Mitte Mai 2026 Thema zweier Treffen im Unterstützungskommando der Bundeswehr in Bonn und beim Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr in Koblenz, um den engen Austausch zwischen Politik, Bundeswehr und dem Gesundheitswesen in Deutschland voranzubringen. An den Treffen nahmen neben Vertreterinnen und Vertretern des Sanitätsdienstes der Bundeswehr auch die Parlamentarischen Staatssekretärinnen und -sekretäre Sebastian Hartmann aus dem Verteidigungsministerium sowie Georg Kippels und Katja Kohfeld aus dem Bundesgesundheitsministerium teil.
„Deutschland ist im Verteidigungsfall NATO-Logistikdrehscheibe – medizinische Ressourcen, Arzneimittel und Medizinprodukte müssen sicher und verlässlich verfügbar sein. Eine kriegstüchtige Sanitätsmateriallogistik lässt sich nur gesamtstaatlich organisieren“, betonte Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann, Befehlshaber Zentraler Sanitätsdienstes der Bundeswehr, die Bedeutung belastbarer zivil-militärischer Liefer- und Versorgungsstrukturen.
Im NATO-Bündnisfall müsse mit bis zu 1.000 Verwundeten, Verletzten und Erkrankten pro Tag gerechnet werden, erklärte Generalarzt Johannes Backus, Kommandeur des Kommandos Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. „Diese Planungsgröße zeigt, dass militärische und zivile Versorgungskapazitäten im Ernstfall nahtlos ineinandergreifen müssen.“ Welche Strukturen in einem solchen Fall der Landes- und Bündnisverteidigung dafür bereits bestehen, zeigt zum Beispiel das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz. Es verbindet militärische und zivile Gesundheitsversorgung, ist Teil der militärischen Rettungskette und zugleich Schwerpunktversorger für die zivile Bevölkerung sowie Kooperationspartner ziviler Kliniken und der Universitätsmedizin Mainz.
In direktem Zusammenhang mit der Behandlung von Verwundeten und Erkrankten steht die Versorgung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten sowie die Frage, wie medizinische Ressourcen im Krisen- und Verteidigungsfall koordiniert werden können. Deutschland übernimmt dabei auch innerhalb des Bündnisses Verantwortung. Das Multinational Medical Coordination Centre Europe (MMCC-E) in Koblenz koordiniert unter deutscher Führung sanitätsdienstliche Standards und Fähigkeiten von NATO- und EU-Partnern. Damit wird sichergestellt, dass auch innerhalb der Bündnisse und in Krise und Krieg Behandlungen und Arzneimittel einen ähnlichen Qualitätsanspruch haben.
Generaloberstabsarzt Dr. Ralf Hoffmann (4. v.l.) begrüßte die Staatssekretärin des Bundesministeriums für Gesundheit Katja Kohfeld (4. v.r.) im Unterstützungskommando der Bundeswehr zu Gesprächen zum Thema Arzneimittel- und Medizinprodukteversorgung
Bundeswehr/Christopher Preloznik
Besuch der Parlamentarischen Staatssekretäre Sebastian Hartmann (3.v.l.) aus dem Bundesministerium der Verteidigung und Dr. Georg Kippels (2.v.r.) aus dem Bundesministerium für Gesundheit im Kommando Gesundheitsversorgung
Bundeswehr/Helmut von SchevenDass diese Verantwortung und die damit einhergehenden Herausforderungen auch in der Politik ernst genommen werden, zeigt der Besuch von gleich drei Staatssekretärinnen und -sekretären. Georg Kippels betonte insbesondere die zahlreichen Schnittstellen zwischen Gesundheitsversorgung und Sicherheitspolitik. Ein neues Gesundheitssicherstellungsgesetz sei daher eine sicherheitspolitische Notwendigkeit, das klare Regeln und Befugnisse festlegen müsse. Resiliente Versorgungsstrukturen könnten nur durch eine enge Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Bundeswehr und zivilen Leistungserbringern entstehen. Sebastian Hartmann bezeichnete den Sanitätsdienst der Bundeswehr in diesem Zusammenhang als unverzichtbaren Bestandteil der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und der NATO-Bündnisverteidigung.
Belastbare rechtliche, organisatorische und logistische Rahmenbedingungen seien entscheidend, um medizinische Ressourcen im Krisen- und Verteidigungsfall schnell und koordiniert verfügbar zu halten. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr und resiliente Gesundheitsstrukturen in Deutschland sind unverzichtbare Bestandteile einer nationalen Sicherheitsvorsorge.
von Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr E-Mail schreiben