Militärpolizei stellt geordnete Marschabläufe und Bewegungen sicher
Landes- und Bündnisverteidigung- Datum:
- Ort:
- Baden-Württemberg
- Lesedauer:
- 4 MIN
Mit dem Betrieb eines Verkehrsleitnetzes und der Begleitung einer Gewässerüberquerung des Rheins unterstützten die Feldjäger mit ihrer Übung Orange Road die Verlegung von Kräften des Heeres. Die Militärpolizei der Bundeswehr sorgte dabei für geordnete Marschabläufe und sichere Bewegungen im gesamten Übungsraum.
Am Gewässerübergang: Der Rhein als natürliches Hindernis im Verkehrsleitnetz. Die Feldjäger arbeiten hier eng mit den Pionierkräften des Heeres zusammen.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Sie müssen rüber – und zwar schnell. Die Marschkolonne, bestehend aus rund einem Dutzend Lkw und Transportpanzern, erreicht den Rhein. Deutschlands größter Fluss stellt ein natürliches Hindernis auf ihrer Route dar. Die nächstgelegene Brücke ist im Übungsszenario zerstört. Darum unterstützen die Militärpolizistinnen und -polizisten des Feldjägerregiments 3 ihre Kameradinnen und Kameraden des Heeres mit ihren Fähigkeiten und leiten sie auf gesicherten und gründlich erkundeten Wegen an die Übergangsstelle. Dort warten bereits Pioniere der 5. Kompanie des Pionierbrückenbataillons 130, um mit einem Fährbetrieb den Gewässerübergang zu gewährleisten. Das Übungsszenario von Orange Road 2026 zeigt, wie militärische Kräfte in der Landes- und Bündnisverteidigung zusammenarbeiten müssen.
Die Feldjägertruppe schlüpft für die Übung in ihre klassische Rolle als Unterstützer für verschiedene Truppenteile und deren Operationen. Aus diesem Grund ist der Gewässerübergang in die Marschrouten der Verbände des Heeres integriert worden, was genaue Absprachen mit den Pionierkräften vor Ort erfordert. Die Militärpolizei betreibt im Übungs- und auch im Verteidigungsfall eine Art Verkehrsleitzentrale und hat die Übersicht über die Truppenbewegungen, die meist rund um die Uhr stattfinden. Die Kräfte richten Verkehrsleitpunkte ein und stellen sicher, dass die Truppe die befohlenen Routen erkennt und einhält. Dafür stehen die Feldjäger an wichtigen Knotenpunkten oder Gabelungen entlang der befohlenen Route. Da die Marschbewegungen auch über ganz normal befahrene Straßen führen, müssen sie – falls notwendig – auch den zivilen Verkehr regeln, warnen oder sogar sperren.
Auch auf Unvorhergesehenes müssen die Soldatinnen und Soldaten während der Übung jederzeit vorbereitet sein. Denn auch das ist Teil des Szenarios: Feindliche Saboteure nähern sich der Pionierfähre mit Booten und stören deren Betrieb erheblich. Ein Fall für die Wasserschutzpolizei der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die an dieser Stelle durch den Rhein getrennt werden. Zwei Schiffe bringen die Schlauchboote von ihrem gefährlichen Kurs ab und nehmen deren Besatzungen in Gewahrsam. Am Ufer werden die Störer an die Feldjägerkräfte übergeben, die wiederum Unterstützung von der Landespolizei erhalten: Personalien aufnehmen, die Störer belehren und ihren Abtransport organisieren. Klingt alles komplex? Ist es auch. Die sogenannten Blaulichtorganisationen der beiden Bundesländer sind in die Übung integriert. Das Zusammenspiel von militärischen und zivilen Akteuren muss auch im Ernstfall reibungslos verlaufen und daher bei Übungen wie Orange Road trainiert werden.
Während der Übung ist beinahe das gesamte Fähigkeitsprofil der Militärpolizei gefragt, die jederzeit flexibel auf die Anforderungen des Heeres reagieren muss. „So, wie es in der Landes- und Bündnisverteidigung auch wäre“, betont der Kommandeur des Feldjägerregiments 3, Oberst Marco Langhorst: „Die wesentliche Leistung meiner Frauen und Männer liegt dann darin, die marschierende Truppe zu leiten, im Objekt- und Personenschutz und in der Zusammenarbeit mit den Behörden und Blaulichtorganisationen, insbesondere der Polizei.“ Den Vorteil von gemeinsamen Übungsanteilen sieht auch die Polizei: „Gleiche und ähnliche Einsatztaktiken erleichtern uns die Zusammenarbeit“, bestätigt ein teilnehmender Beamter, während er mit seinen militärischen Kollegen die Einfahrt einer Kolonne in den fließenden Verkehr absichert.
Profil schärfen: Auf dem modernen Gefechtsfeld müssen sich Soldatinnen und Soldaten immer öfter mit dem Einsatz und auch der Gefahr von Drohnen auseinandersetzen
Bundeswehr/Susanne Hähnel
In der Landes- und Bündnisverteidigung müssen Bundeswehr und zivile Behörden eng zusammenarbeiten. Auch das üben Militär- und Landespolizei während der Übung Orange Road.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Marschierende Truppenteile profitieren von den Fähigkeiten der Militärpolizistinnen und Militärpolizisten
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Störer dingfest gemacht: Saboteure haben versucht, den Gewässerübergang zu stören. Nun werden sie erkennungsdienstlich behandelt.
Bundeswehr/Susanne Hähnel
Lagebesprechung im Gelände: Jeder Schritt muss genauestens abgestimmt werden, sowohl untereinander als auch mit den zivilen Partnern
Bundeswehr/Susanne HähnelDas Feldjägerregiment 3 nutzt bei Orange Road auch die Gelegenheit, sein Profil im Umgang mit Drohnen zu schärfen. „Wobei wir nicht mit Drohnen angreifen“, erklärt Hauptfeldwebel Stefan, einer von zwei der erstmals eingesetzten Drohnenbediener des Verbandes. „Wir setzen nahezu handelsübliche, handliche Fluggeräte zur Aufklärung und Erkundung ein. So kann ich den im Verkehrsleitnetz eingesetzten Kräften in Minutenschnelle ein Lagebild über die Zustände der Marschstraßen oder Einsatzräume übermitteln“, so Stefan weiter. Mithilfe einer Drohne konnte er auch die Annäherung der Störer bei der Gewässerüberquerung entdecken und melden.
In den Reihen der Feldjäger befinden sich auch rund 60 Reservistendienstleistende, die mit ihrer Erfahrung und Expertise die aktiven Kameradinnen und Kameraden an Schlüsselpositionen tatkräftig unterstützen. So sichern die Militärpolizistinnen und Militärpolizisten beispielsweise ein Tanklager, bis es an Wachkräfte des Heimatschutzes übergeben werden kann. Solche Einrichtungen zählen zur sogenannten kritischen Infrastruktur, die in Krisen und Konflikten besonders geschützt werden muss.
An den Übungsstationen bei Orange Road zeigen sich die vielfältigen Fähigkeiten der Feldjägertruppe. Die Organisatoren rund um Oberstleutnant Christian H. in der Übungssteuerung legen Wert darauf, dass sowohl die eigenen Leute „beübt werden“, wie man bei der Bundeswehr sagt, „aber zugleich auch die Bedarfsträger – hier das Heer – erkennen, wo die Militärpolizei der Bundeswehr wirkungsvoll unterstützen kann“, so der Stabsoffizier. Er und sein Team legen den Schwerpunkt auf das Verkehrsleitnetz. Das ist besonders relevant, weil Deutschland im Bündnisfall zum Transitland für die Bundeswehr und verbündete Streitkräfte würde – und das wäre ohne die Expertise der Feldjäger nicht zu bewältigen. Getreu dem Motto des Unterstützungsbereiches der Bundeswehr: „Ohne uns geht’s nicht!“
von Ralf Wilke E-Mail schreiben