Berater für Deichverteidigung hilft bei Hochwasser

Beamter der Führungsakademie arbeitet ehrenamtlich für das THW

 Ganzkörperaufnahme von Michael Friedrich in THW-Kleidung
Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sind die ersten Worte von Michael Friedrich, als er zurück an der Führungsakademie mit uns spricht. Friedrich ist Technischer Regierungshauptsekretär und Fachkraft für Arbeitssicherheit an unserer Akademie. Er half bei der Flutkatastrophe ehrenamtlich für das Technische Hilfswerk (THW).

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  • Ein Mobiltelefon liegt auf einem offenen Laptop. Darauf ist ein Anruf des THW Hamburg zu sehen
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    Der Anruf

    Am Mittwochvormittag 11:00 Uhr klingelt Friedrichs Handy. Ein Kollege vom THW fragt: „Es werden im Kreis Euskirchen dringend Berater gebraucht. Kannst du?“ Für Friedrich, der sich zu diesem Zeitpunkt in seinem Büro befindet, ist es eine rhetorische Frage und „Klar!“ die Antwort.

    Er gibt seinem Vorgesetzten an der Führungsakademie den Einsatzbefehl und bittet um Freistellung.

    „Da gab es gar keine Diskussion. Nur einen Kommentar: Alles Gute und komm gesund wieder.“

    Seit 2007 ist der 47-Jährige ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW). Seit einiger Zeit hat er die Qualifikation „Technischer Berater Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ erworben. Ihm ist es ein Grundbedürfnis seine Expertise einzusetzen, um anderen Menschen zu helfen.

  • Michael Friedrich steht mit seinem Kollegen vor einem Einsatzfahrzeug des THW
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    Die Abfahrt

    Nach der Alarmierung eilt Friedrich direkt nach Hause. Er wohnt in Hamburg und hat es daher nicht weit. „Meine Einsatzausrüstung liegt immer in einer Kiste bereit. Lediglich die Sachen für den persönlichen Bedarf habe ich ergänzt“, berichtet der gebürtige Delmenhorster. Da es unklar ist, ob eine Unterkunft vor Ort zur Verfügung steht, nehmen die beiden Ehrenamtlichen vorsorglich Feldbetten und Schlafsäcke mit.

    Nach knapp sechs Stunden Fahrt ist das Ziel in Sicht. Der erste Einsatzort ist die Steinbachtalsperre. Nachdem Friedrich die ersten Eindrücke vor Ort gesammelt hat, geht ihm durch den Kopf: „Hier ist Sperrmülltag. Nein. Hier ist mehr los. Eine ganze Wiese voller Müll. Unglaublich.“ Er sieht das Chaos und kann es nicht begreifen: „Es war alles so unwirklich.“ Am Einsatzort angekommen, trifft sich Friedrich mit einem weiteren Kollegen vom THW: „Wir arbeiteten in Zweierteams. Insgesamt waren wir vier Berater im Landkreis Euskirchen.“ Nachdem sich die brenzlige Lage an der Talsperre normalisiert hat, kann sich Friedrich den weiteren Aufträgen widmen.

  • Friedrich hockt zwischen Trümmern. Neben ihm sieht man überall Einzelteile eines Hauses und Wasser
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    Die Ankunft

    Friedrich und seine Kollegen haben Glück, ihnen wird eine Unterkunft von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. „Die Dankbarkeit und Freundlichkeit die uns die Menschen vor Ort entgegenbrachten, waren unglaublich“, erinnert sich Friedrich. Während er mit einem Fuß in einem Wohnzimmer steht, welches keine Wände mehr hat, ist er verblüfft von dem Ausmaß der Zerstörung. Trotz des Chaos sind alle hilfsbereit: „Uns wurde schon kurz nach der Ankunft in einem Dorf, Kaffee angeboten. Wir erzählten, dass wir gerade erst angekommen waren und machten uns danach direkt an die Arbeit.“

    Ein Haus ist eingestürzt und wurde dabei komplett zerstört. Sowohl die Baustoffe als auch das Mobiliar schwimmen im Wasser. Die Aufgabe besteht nun darin, das Räumkommando, anzuleiten, das Treibgut zu entfernen. Dazu zählen unter anderem zwei Bagger. Denn unweit des eingestürzten Hauses ist eine Brücke, die bei einer drohenden Unterspühlung einstürzen kann.

  • Im Bild sind zwei Torbögen. Durch den einen fließt Wasser. Der zweite Bogen ist von einem Sandsackwall geschützt
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    Das Wasser sucht sich seinen Weg

    Friedrich und seine drei Kollegen mit der Spezialausbildung „Technischer Berater Hochwasserschutz und Deichverteidigung“ sind für den ganzen Landkreis Euskirchen zuständig. Sie fahren das Einsatzgebiet ab und suchten nach Stellen, die eine mögliche Gefahr darstellen. „An den auffälligen Stellen haben wir dann zu weiteren Maßnahmen geraten“, beschreibt Friedrich seinen Auftrag und ergänzt: „Wir waren in Gegenden, wo vorher noch keiner war.“ Um möglichst viel zu schaffen, nutzen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des THW die ersten Sonnenstrahlen des Tages um mit der Arbeit zu beginnen. Aufgehört wird erst bei Sonnenuntergang.

    „Bad Münstereifel war eine beschauliche Einkaufsstadt. Das Ausmaß der Zerstörung war immens.“

    Friedrich spricht immer wieder mit den Menschen vor Ort. Bei allem Leid, das er mitbekommt, spürt er vor allem eins: den Zusammenhalt. „Die Menschen vor Ort haben sich organisiert. Der Ingenieur war vom Unglück genauso betroffen wie der Handwerker um die Ecke. Sie teilen das gleiche Schicksal, das schweißt zusammen.“ Es ist vor allem das Menschliche, was der in Hamburg wohnende Beamte mit nach Hause nimmt. Doch er befürchtet: „Solche Einsätze könnte es in Zukunft öfter geben.“

  • Friedrich sitzt in seinem Büro und arbeitet am Computer
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    Nach der Rückkehr

    Nach neun Tagen ist Michael Friedrich zurück in Hamburg. „Das war meine erste große Schadenslage.“ Die kommenden Wochen wird er wieder seinem Hauptberuf nachgehen und für die Sicherheit der Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr am Arbeitsplatz sorgen. Doch wer weiß, vielleicht klingelt bald wieder das Telefon und die bekannte Stimme fragt ihn: „Kannst du?“ Das THW unterstützt aktuell auch bei den Waldbränden in Griechenland: „Ich bin gelernter Elektriker. Sollte ich angefragt werden, ob ich auch dort unterstützen kann, werde ich ja sagen.“

Michael Friedrich

Michael Friedrich blickt freundlich in die Kamera

Michael Friedrich ist an der Fhrungsakademie der Bundeswehr die Fachkraft für Arbeitssicherheit

Führungsakademie der Bundeswehr/Katharina Roggmann
  • Technischer Regierungshauptsekretär    
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • 47 Jahre und wohnhaft in Hamburg    
  • Grundwehrdienstleistender und Reservist
  • Gelernter Elektriker
  • Neben dem THW ist er sportlich unterwegs: Laufen, Radfahren und Wandern zählen zu seinen Hobbies
von Ines Blandau  E-Mail schreiben

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