Reservisten

Als Top-Manager im Reservistendienst

Als Top-Manager im Reservistendienst

  • Menschen
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Hamburg
Lesedauer:
3 MIN

Sie kann als Stützpfeiler der Bundeswehr angesehen werden – die Reserve. Denn sie hilft der aktiven Truppe, ihre Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehören die Landes- und Bündnisverteidigung, der Heimatschutz und das internationale Krisenmanagement. Auch bei der Führungsakademie der Bundeswehr sind Reservistinnen und Reservisten eingesetzt.

Porträt von Max Schwesig in Dienstanzug

Dr. Max Schwesig ist Top-Manager in einem multinationalen ITInformationstechnik-Unternehmen und gleichzeitig als Dozent im Reservistendienst tätig

Bundeswehr / Katharina Roggmann

In welchen Bereichen die Reservistendienstleistenden an der höchsten militärischen Ausbildungsstätte in Deutschland arbeiten, mit welchen Herausforderungen sie sich tagtäglich auseinandersetzen und wie ihr Leben außerhalb der Bundeswehr aussieht, darüber berichten sie in unserer Serie: So auch Oberstleutnant d.R.der Reserve Dr. Max Schwesig. Er war als Dozent im Seminar „Cyberspace International“ für zwei Wochen an der Fakultät Einsatz, Cyber- und Informationsraum und Streitkräftebasis. Als Zivilist ist er Geschäftsführer bei einem ITInformationstechnik-Unternehmen mit 800 Mitarbeitenden in fünf Ländern.

Nach dem Ausstieg ist vor dem Wiedereinstieg

Seine ersten Berührungspunkte mit der Bundeswehr hatte Schwesig 1996 mit dem Wehrdienst. Zu dieser Zeit gab es noch die Wehrpflicht. „Ich suchte die körperliche Herausforderung. Also ging ich zu den Jägern“, leitet Schwesig seinen Werdegang ein. Ihm gefiel das Konzept der Bundeswehr, aber er musste die Bundeswehr nach dem Wehrdienst aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Deshalb studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und promovierte anschließend in einer Mischung aus Maschinenbau, Betriebswirtschaftslehre und Psychologie. Er habe damals schon Interesse gehabt, als Reservist zur Bundeswehr zurückzukehren, aber die Laufbahnlehrgänge waren damals nicht mit seinem Studium vereinbar.

Porträt Schwesig
Max Schwesig , Oberstleutnant der Reserve Bundeswehr/ Katharina Roggmann
„Es ist für die Landesverteidigung essentiell Reserven aufzubauen. Und dabei sollte man immer schauen, wo kann man sich mit seinen Kompetenzen am besten einbringen.“

Beruflich verschlug es ihn anschließend in einen Pharmahandelskonzern mit mehr als 30.000 Mitarbeitenden. Er begann als Assistent vom Vorstandsvorsitzenden. „Das ist so ähnlich wie bei einem Adjutanten: Man arbeitet einem Senior Leader zu, lernt dabei viel und hofft, sich danach entsprechend weiterzuentwickeln“, erklärt Schwesig. Und er wollte weiter – sowohl beruflich, als auch geografisch. Er ging unter anderem ins Baltikum und war von Riga aus für mehrere Apothekenketten in Estland, Lettland und Litauen zuständig. „Nach meinem Job als Bereichsleiter in Deutschland war ich mit 36 plötzlich für mehr als 1.000 Mitarbeiter verantwortlich. Eine prägende Lernerfahrung“, erklärt Schwesig.

Neuer Inhalt (1)Alt-Text: Schwesig steht am Pult und referiert. Im Hintergrund ist eine Präsentation zu sehen

Schwesig ist Oberstleutnant der Reserve und als Dozent für zwei Wochen im Seminar „Cyberspace International“

Bundeswehr / Katharina Roggmann

Rückkehr in Aussicht

Dadurch habe er die Krim-Krise etwas intensiver erlebt, als er es in Deutschland vermutlich getan hätte. Die Bevölkerung des Baltikums habe die Annexion damals deutlich emotionaler wahrgenommen und befürchtete, laut Schwesig, ähnliches für das Baltikum. „Das hat mich noch einmal dazu inspiriert, zurück zur Bundeswehr zu gehen. 2016 habe ich mich erneut als Reservist beworben und 2017 kam die Zusage“, so Schwesig. Er wurde als Logistikstabsoffizier eingeplant. Dafür wären lange Lehrgänge notwendig gewesen, die er neben seinem Job als Führungskraft mit multinationaler Verantwortung nicht wahrnehmen hätte können. Und wieder schien der Reservistendienst für ihn nicht greifbar zu werden.

Porträt Schwesig
Max Schwesig , Oberstleutnant der Reserve Bundeswehr/ Katharina Roggmann
„Ich wollte einfach Deutschland dienen, Kameradschaft erleben und meine erworbenen Fähigkeiten der Bundeswehr zur Verfügung stellen.“

Aber Schwesig gab nicht auf. Er hatte Kontakt zum Kommando Cyber- und Informationsraum, kurz CIRCyber- und Informationsraum. Mit vereinten Kräften haben sie es geschafft, dass Schwesig zum CIRCyber- und Informationsraum beordert wurde und als Oberstleutnant der Reserve wieder einen Fuß in der Bundeswehr hatte. Dort leistete er mehrere Reservistendienstleistungen im Referat Nationale/Internationale Zusammenarbeit ab. Neben dieser Funktion wurde er zum Geschäftsführer International & Business Development bei einem ITInformationstechnik-Unternehmen für Apothekensysteme. „Ich kann Geschäftsführer in der Wirtschaft sein und gleichzeitig Stabsoffizier in der Bundeswehr. Eine tolle Erfahrung“, freut sich Schwesig.

Oberstleutnant Schwesig beobachtet die Seminarteilnehmenden während sie das Cyber-Brettspiel spielen

Schwesig unterstützt die internationalen Seminarteilnehmenden bei der Durchführung des Cyber-Brettspiels

Bundeswehr / Katharina Roggmann

Zwischen Wirtschaft und Militär

Aus privaten Gründen wollte er von Mannheim zurück in die Heimat nach Schleswig-Holstein. Sein Arbeitgeber stimmte dieser Veränderung zu, so dass er die Auslandsgesellschaften nun von Hamburg aus führt. Deshalb suchte er eine neue Reservistenstelle in Norddeutschland und wurde an der Führungsakademie der Bundeswehr, bei der Fakultät Einsatz, Cyber- und Informationsraum und Streitkräftebasis, fündig. Vor allem seine Promotion in webbasierten Planspielen und seine Erfahrung als Führungskraft im ITInformationstechnik-Bereich seien für die Ausbildung relevant. Im Frühjahr hielt er seine erste Lehrveranstaltung dazu. „Klar, bin ich aufgeregt. Ich will eine gute Leistung erbringen. Mein Dienst soll ja Wertschöpfung generieren“, so der 45-Jährige.

Porträt Schwesig
Max Schwesig , Oberstleutnant der Reserve Bundeswehr/ Katharina Roggmann
„Bei der Bundeswehr ist man mehr als ein Kollege. Man ist Kamerad.“

Für den Top-Manager „sind die beiden Systeme Bundeswehr und Wirtschaft sehr verschieden, beide Welten könnten viel voneinander lernen“. Die Bundeswehr empfindet er als einen sehr sozialen Arbeitgeber, der sich umfassend um seine Soldaten kümmert. Neben seinen Tätigkeiten als Geschäftsführer und Reservist habe er nicht viel Zeit für Hobbys, genießt seine freie Zeit aber gern mit seinem Sohn und Hund oder fährt Mountainbike. Trotz seiner vielen Verpflichtungen sagt Schwesig: „Es erfüllt mich mit Stolz, für die Bundeswehr dienen zu dürfen“.

von Jana Stößer  E-Mail schreiben

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Stabsgefreiter Dombrowski steht am Kaserneneingang in ziviler Kleidung, in der Kaserne trägt er sein Uniform

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