Workshop „Campus.Führen“

Wirtschaft und Militär gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz

Wirtschaft und Militär gemeinsam auf dem Truppenübungsplatz

  • Ausbildung
  • Führungsakademie der Bundeswehr
Datum:
Ort:
Baumholder
Lesedauer:
5 MIN

„Willkommen beim Militär“ lautete die Begrüßung und war wortwörtlich das Motto des dritten Workshops „Campus.Führen“. Bei der gemeinsamen Lernreise von zehn zivilen und zehn militärischen Führungskräften stand dieses Mal der Perspektivwechsel im Fokus.

Eine der beiden Gruppen marschiert samt Gepäck durch den Wald.

Die beiden Gruppen bestehen aus jeweils zehn Teilnehmenden aus Militär und Wirtschaft

Bundeswehr/Katharina Roggmann

Alle Teilnehmenden samt Lehrgangsleitenden, Mentorinnen und Mentoren schlüpften in Flecktarn-Uniform und absolvierten gemeinsam verschiedene Aufgaben auf dem Truppenübungsplatz Baumholder. Drei Tage lang heißt es: Anführen, Ausführen, Essen und Schlafen wie beim Militär. Das bedeutet zum einen viele Entbehrungen und zum anderen viele Einblicke, Erkenntnisse und damit letztlich einen hohen Erkenntnisgewinn. Die Stuben sind spartanisch und auch die Verpflegung ist zweckmäßig. Dafür sind das Miteinander, die Kameradschaft und der gegenseitige Lerneffekt allgegenwärtig.

Führen wie beim Militär

„Lassen Sie uns gemeinsam in die Welt des Militärs eintauchen. Wir wollen Ihnen mal einen Geschmack geben, was Führen unter militärischen Rahmenbedingungen bedeutet“, leitet Oberst André Abed, Direktor Strategie & Fakultäten an der Führungsakademie der Bundeswehr, in die Veranstaltung ein. „Es geht um Führen. Das passt hier wunderbar. Ich bin sicher, dass wir mit vielen Eindrücken gehen werden“ ergänzt Dr. Yvonne Zimmermann, Vorstandsvorsitzende der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG), die gemeinsam mit Abed die sechsmonatige Veranstaltung leitet.

Nach der Einkleidung folgten Impulsvorträge, die das Mindset der Bundeswehr erklären. Soldatinnen und Soldaten müssten funktional und kampfbereit sein. Das Führen unter Belastung könne nur durch regelmäßige Trainings erlernt werden. Dafür werden solche Truppenübungsplätze genutzt. Sowohl für Militär und Wirtschaft gelte: Die Leistungsfähigkeit einer schwachen Truppe kann durch gute Führung gesteigert werden, die einer starken Truppe allerdings auch durch schlechte Führung geschwächt werden. Deshalb bereite dieser dritte Workshop die jungen Führungskräfte auf das Führen in Ausnahmesituationen vor.

Der Übungstag beginnt um fünf Uhr morgens mit einem Marsch zum ersten Zielpunkt des Tages. In den zwei festgelegten Gruppen wechselt die Führungsperson nach jeder Etappe. Vorab erhalten die jeweiligen Gruppenführenden den zu erfüllenden Auftrag, der bestimmte Richtlinien beinhaltet. Dies können Zeitvorgaben, Wegeinschränkungen, Gepäckaufträge oder ähnliches sein. Erst wenn alle das erste Ziel erreicht haben, folgt als Belohnung das Frühstück im Freien. Diese Aufgabe stellt die jungen Führungskräfte vor ungewohnte Herausforderungen: Dunkelheit, Nässe, unbekanntes Gelände und eine Truppe, deren Stärken und Schwächen noch nicht bekannt sind.

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Der Soldat erklärt dem Zivilisten die Ausrüstung und die Uniform.

Korvettenkapitän Jan Koll weist Frederick Freund (v.l.n.r) in die Uniform ein

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Auf den Betten liegen Decke, Handtücher und Bettwäsche bereit. Der Rucksack mit der Ausrüstung steht daneben.

Die Stuben sind für bis zu zehn Personen ausgelegt. Die sanitären Anlagen befinden sich auf dem Gang.

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Einer der uniformierten Teilnehmenden richtet sich den Stiefel.

Ziel des dritten Workshops: Die zivilen Teilnehmenden lernen das militärische Führen kennen

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Die Truppen tragen Kanister und Kisten bis zum Zielpunkt.

5 Uhr morgens begann der Tag mit einem Marsch. Die wechselnde Gruppenführung übernahm einer der Teilnehmenden.

Bundeswehr/Katharina Roggmann

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Die persönlichen Grenzen kennenlernen

Bei jedem Führungswechsel erfolgt eine gemeinsame Auswertung der letzten Aufgabe und des Gruppenführenden. Was lief gut, was schlecht und wo kann optimiert werden? Da die zivilen Teilnehmenden vorwiegend führen und die militärischen folgen, tendieren die erfahrenen Soldaten zur Beraterfunktion und die jungen Führungskräfte aus der Wirtschaft müssen abwägen, ob und inwieweit sie darauf eingehen. Beispielsweise berichtet eine Gruppe im Anschluss, dass die Stimmung schnell in eine Art Wanderausflug kippte, sobald die Führung zu laissez-fair wurde.

Nach dem Marsch stand „HiBambA“, also eine Hindernisbahn mit besonderen Anforderungen, auf dem Tagesplan. Das erste Hindernis war eine 38 Meter lange Röhre mit 30 Grad Steigung. Hier sollte jeder Teilnehmende seine Ängste überwinden und bergauf durch die Röhre kriechen. „Spätestens heute hat jeder Soldat meinen Respekt“, stöhnt Marcus Hirsch beim Herauskriechen aus der Röhre. Dabei ist das erst der Auftakt für insgesamt drei Einzelhindernisse und vier Gruppenhindernisse.

Bei einer anderen Station geht‘s hoch hinaus. An einer Kletterwand steigt jeder Teilnehmende zwölf Meter auf einem Turm, lässt sich an einem Fallrohr wieder zu Boden gleiten, um direkt wieder per Leiter hinauf zu klettern. Auf dem Turm angekommen, balancieren die Führungskräfte rund 25 Meter auf einem Seil zum benachbarten Turm. Damit nicht genug: Von hier gelangt jeder auf einer 90 Meter langen Abfahrt wieder zum Boden und muss letztendlich das Seil wieder in die Ausgangsposition ziehen. Ein Kraftakt, der zudem enorme Überwindungen kostet. Spätestens jetzt ist jeder Teilnehmende an seinen persönlichen Grenzen angekommen.

Gruppendynamik entwickeln

Zur Stärkung und Belohnung steht das Gelände-Mittagessen an. Trotz geringer Plusgrade wirkt die Pause belebend. Und das braucht es auch, denn jetzt geht es an die Gruppen-Hindernisse. Beide Teams vom Tagesanfang treten gegeneinander an. Mit diesem Wettkampfgedanken sollen die Truppen weiter angespornt werden. Hier ist nicht nur Schnelligkeit, sondern auch Köpfchen und Führungsqualität gefragt. Die jeweiligen Gruppenführenden erklären den Auftrag, delegieren Aufgaben und tragen die Verantwortung für das Gelingen sowie die Unversehrtheit seiner Teammitglieder.

Unter anderem muss die Röhre erneut als Gruppe durchlaufen werden. Allerdings sind daran Gegenstände verstaut, die mit zum Ausgang befördert werden müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass während der Durchführung nicht kommuniziert werden darf und bei zwei Mitgliedern die Augen verbunden werden. Hier ist gute Vorab-Planung gefragt, die alle Eventualitäten einkalkuliert. In der Auswertung zeigt sich, dass der Auftrag zwar erfüllt wurde, aber es in der Ausführung viel Verbesserungspotential gibt. „In der zivilen Welt wird das stärkste Teammitglied immer weiter gefordert. Dann könnte er aber irgendwann der Schwächste sein. Ich habe gelernt, dass man diese Ressourcen auch sparen muss“, erklärt Otto Winkelmann nach den Gruppenarbeiten.

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Ein Teilnehmer kriecht angestrengt durch die Ziel-Öffnung der Röhre.

Die Röhre muss einzeln und als Gruppe mit Gepäck durchlaufen werden. Darin ist es eng, dunkel und steil.

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Einer der Teilnehmenden klettert an einer Steinwand den Turm hinauf.

Beim nächsten Hindernis klettern die Teilnehmenden rund zwölf Meter in die Höhe. Vorab wurden alle eingewiesen und gesichert.

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Ein Teilnehmer kriecht gequält durch die Ziel-Öffnung der Röhre.

Auf dem Turm angekommen, lässt sich jeder am Fallrohr wieder zu Boden gleiten (rechts), um anschließend an der Leiter wieder zur Seil-Verbindung zu klettern (links)

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Die Vorstandsvorsitzende der ADG läuft konzentriert über die Seilkonstruktion.

Auch die Leitenden, hier Dr. Yvonne Zimmermann, balancieren sich in rund zehn Meter Höhe zum benachbarten Turm. Dort erfolgt das Abseilen auf der 90 Meter langen Abfahrt.

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Die Teilnehmenden bekommen ihr Essen auf dem Übungsplatz.

Beim Mittagessen im Feld werden die Kräfte gestärkt und das Erlebte ausgewertet

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Ein Teilnehmer überquert bei Regenschauer ein Holzgerüst.

Während des Tages gab es immer wieder Wind und Regenschauer, die das Gelände und die Hindernisse noch kniffliger machten

Bundeswehr/Katharina Roggmann
serhindernis bei Campus Führen Alt-Text: Ein Teilnehmer hängt bis zu den Knien im Wasser.

Nach dem Regen von oben, kann es jetzt auch von unten nass werden. Mit einer Liane muss das Wasserhindernis überflogen werden

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Ein Teilnehmer hängt quer über dem Wasser. Sein Fuß steckt in der Netzwand.

Hat es der oder die Teilnehmende (halbwegs) trocken über das Wasser geschafft, muss auf der anderen Seite eine Netzwand erklommen werden

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Eine Teilnehmergruppe marschiert in Schützenreihe den Hügel hinauf.

Marsch in Schützenreihe ist schnell bei den gemischten Gruppen etabliert

Bundeswehr/Katharina Roggmann

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Bei den Führungspositionen zeigt sich, dass das laute Durchzählen auf Vollständigkeit der Gruppe mittlerweile wie selbstverständlich angewandt wird. Innerhalb der gemischten Teams ergeben sich ganz eigene Gruppendynamiken, die zwar nicht dem Militärstandard entsprechen, aber funktionieren. Beispielsweise ordnet ein frisch berufener Gruppenführer den „Zick-Zack-Lauf“ zur nächsten Station an. Wie selbstverständlich marschieren alle in versetzter Gangweise los. Die Betreuer schmunzeln und korrigieren, dass es eigentlich „Schützenreihe“ lautet.

Auswertung und Adaption

Der abenteuerliche Tag endet mit einem Vortrag von Brigadegeneral Jens Arlt, der über sein Führungsverständnis spricht und von seinem Evakuierungs-Auftrag in Kabul berichtet. Für ihn bedeute Führung: Entscheiden und Entscheidungsfreude. Gute Führung sei allerdings multidimensional: Vertrauen, Ehrlichkeit und Zuhören sind beispielsweise unter den 18 erläuterten Faktoren, die er bei seiner Arbeit stets berücksichtigt.

General Arlt berichtet vor den Teilnehmenden.

Brigadegeneral Jens Arlt referiert vor dem Workshop „Campus.Führen“ über sein Führungsverständnis und berichtet von vergangenen Einsätzen

Bundeswehr/Katharina Roggmann

Der Workshop endet mit einer Auswertung. Was hat dieser Einblick ins Militär den jungen Führungskräften aus der Wirtschaft gebracht? Was nehmen sie in ihren Berufsalltag mit? Für Caroline Thompson sei die Aufgabenverteilung und Problemlösung in Teilschritten ein guter Ansatz für ihre alltägliche Arbeit. Thaddäus Clauss würde den spürbaren Teamspirit und dieses „Wir müssen das gemeinsam schaffen“, gerne mehr in seinem Berufsumfeld haben. Guido Lechtenberg findet, „dass das Militär sehr gut aufgestellt ist und sich die Wirtschaft da noch eine Scheibe abschneiden kann“.

Zurück im Besprechungsraum setzen sich alle zusammen, um das Gelernte zu beurteilen.

Die Teilnehmenden werten ihre Eindrücke des dritten Workshops aus und diskutieren darüber, welche Führungsmittel in der Wirtschaft adaptiert werden könnten

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Dr. Yvonne Zimmermann
Ich glaube, der Perspektivwechsel, dieses Mal beim Militär, mit dem Input von General Arlt und auch das Live-Erlebnis, haben gezeigt wie Führung bei der Bundeswehr verstanden wird. Es ist eine bleibende Möglichkeit dies im eigenen Führen zu implementieren.
Abed und Zimmermann besprechen sich. Beide tragen Flecktarn-Uniform.

Oberst André Abed und Dr. Yvonne Zimmermann sind die Leitenden des Workshops „Campus.Führen“

Bundeswehr/Katharina Roggmann
Oberst André Abed
Das Ziel: den zivilen Teilnehmern einen Einblick in die Führung unter militärischen Rahmenbedingungen zu geben ist meiner Meinung nach, unter den Bedingungen von Belastung, Regen und Kälte hervorragend gelungen.

Weitere Eindrücke vom dritten Workshop „Campus.Führen“:

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20 junge Teilnehmende aus Wirtschaft und Militär haben den dritten Workshop von „Campus.Führen“ auf dem Truppenübungsplatz Baumholder verbracht. Ziel war das Kennenlernen der militärischen Führung unter Belastungssituationen.
Transkription des Videos
von Jana Stößer  E-Mail schreiben

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