Transkription "meIN FÜhrungsfahrzeug" - mit Brigadegeneral Alexander Krone

Transkription "meIN FÜhrungsfahrzeug" - mit Brigadegeneral Alexander Krone

Musik

Oberstleutnant Tim Kullmann: Herzlich willkommen im Führungsfahrzeug, Herr General.

Brigadegeneral Alexander Krone: Ja, danke. So, das ist also hier IHR Führungsfahrzeug?! Ja, von den Belgiern kommend, vom Feldhaubitzen-Schießen, würde ich jetzt gerne nochmal zum Gefechtsschießen von meinen Grenadieren aus Bad Salzungen. Die sind oben bei der Schießbahn 20, zum Gefechtsschießen zusammen mit den Pionieren.

Tim Kullmann: Wie war denn Ihr Truppenplatz-Aufenthalt? Sie waren ja jetzt relativ viel unterwegs.

Alexander Krone: Ja, wir sind jetzt am Ende von einer Übungs-Triologie quasi. Also, wir haben jetzt im März, April und Mai jeden Monat einen knapp dreiwöchigen Übungsplatzaufenthalt gemacht, mit dem Ziel die Nato-Response-Force multinational zu integrieren, die elfeinhalb tausend Soldatinnen und Soldaten.

Tim Kullmann: Am Ende jetzt der Übung, wie ist Ihr Fazit?

Alexander Krone: Also das war ein ganz schönes Unterfangen, natürlich nochmal vielleicht mir einer professionellen Anspannung hier mit Blick auf das was man jeden Abend in den Nachrichten sieht, was im Osten Europas passiert.

Wir haben eigentlich schon ein wichtiges Übungsziel in der ersten Woche erreicht, von den drei Wochen, weil wir haben es ja geschafft aus den neun Nationen aus vier Himmelsrichtungen die Kräfte hier tatsächlich in Stärke 7.000 hier hoch zu bringen. Das heißt das ganze Thema deployment innerhalb kurzer Zeit und dann multinationale Integration und das wieder über zwei Gewässerübergänge, über Elbe und Weser, über die Seehäfen in Norddeutschland, mit Zugverlegung, die Tschechen durch Thüringen durchgekommen, BeNeLux, Baltikum und alle Partner hier oben zusammengefunden. Das war eigentlich schon mal gut zu sehen, dass wir das geschafft haben und dass dann die Einheiten und Verbände eben auch melden konnten, nach Abschluss der Woche, „alle da, alle dran und alle einsatzbereit“.

Tim Kullmann: Professionelle Ausbildung, gutes Material, wie wichtig ist denn für Sie auch das Mindset der Soldatinnen und Soldaten?

Alexander Krone: Durch den Krieg in der Ukraine ist überall die gesunde Anspannung und Vorspannung sowieso schon da. Dass es alle sehr ernst genommen haben und trotzdem wir das aber natürlich, was bei einer Zwei-Parteien-Übung auch wichtig ist, fair, partnerschaftlich hier unter den NATO-Partnern gemacht haben. Wir haben dann zwei Parteien gebildet, eine nördliche, eine südliche, und haben die hier gegeneinander kämpfen lassen, wobei das Ziel gar nicht mal so war wer denn jetzt den Hügel einnimmt, sondern das Zusammenspiel aller Kräfte zwischen den Nationen und mit allen unterstützenden Anteilen das wirklich mal so zu machen. Das kriegt man eigentlich nur hin, wenn man es zum Anfassen macht. Das geht nicht im VTC und auch nicht im Unterrichtsraum mit PowerPoint. Joa, und das haben wir glaube ich auch ganz gut hier hinbekommen und auch mit Blick auf die Kampftruppenanteile-Erwartungen dann doch übertroffen, weil auch die hatten viele Gelegenheiten dann doch miteinander ins Gefecht zu gehen. Bei allem was wir in Wildflecken gemacht haben und im Gefechtsübungszentrum, mit Simulation, mit AGDUS, etc. muss ja das Gefühl für den scharfen Schuss trotzdem da sein.

Und Sie haben das ja vorhin vor drei Minuten noch gehört, da hat die belgische Feldhaubitze geschossen, das ist doch nochmal was anderes. Und auch das muss man können und dann hat man da die volle Sicherheit hinterher, dass man sein Gerät beherrscht.

Tim Kullmann: Ist den Menschen oder Ihren Soldatinnen und Soldaten gerade, aufgrund der aktuellen Lage in der Ukraine, vielleicht das scharfe Ende des Berufes wieder mehr ins Bewusstsein gerückt?

Alexander Krone: Absolut, das ist klar, also den Soldatinnen und Soldaten. Den Familien aber auch, die stellen natürlich auch noch ein paar mehr Fragen. Man muss natürlich immer sagen, also die Übungsserie jetzt, die hätten wir ja auch so gemacht, wenn es nicht den Krieg in der Ukraine gäbe. Aber einerseits ist die Unterstützung für die EU noch mal größer geworden. Also man hat uns hier noch paar viele Dinge beiseite geräumt, die wir natürlich immer drumherum in der Organisation wirklich braucht, es erfordert Ressourcen, das erfordert Genehmigungen, das lief alles recht flüssig. Und es hat auch keine einzige Nation abgesagt, ganz im Gegenteil. Es haben sogar alle geguckt möglichst vollzählig mit ihrem NRFNATO Response Force-Beitrag hier auch zu erscheinen. Sodass wir dann mit den drei Übungen zusammengenommen wirklich 90 Prozent der elfeinhalb tausend zusammen haben üben lassen. Und dann kennen die sich auch und wissen wie die anderen ticken und können sich aufeinander verlassen.

Tim Kullmann: Wie kampf- und einsatzfähig sehen Sie die Bundeswehr gerade? Oder Ihre Truppe?

Alexander Krone: Ich kann ja nur für meinen Auftrag hier sprechen, NATO Response Force, und die erreichen natürlich einen sehr hohen Einsatzbereitschaftsstand mit all den Übungen und auch der Priorisierung. Aber Priorisierung heißt ja auch gleichzeitig, wenn wir für den NRFNATO Response Force-Anteil mehr bekommen, bekommen andere weniger. Und dieses „weniger für die anderen“, das geht dann halt immer erst dann besser, wenn wir mal irgendwann Vollausstattung haben und jeder seins hat. Dass wir mal aus dieser Wellenbewegung rauskommen. Dass wir auch die Einsatzbereitschaft nach anspruchsvollen Aufträgen wieder runterfahren, weil das Material wieder an andere weitergereicht wird. Das ist schon besser geworden jetzt gegenüber der NRFNATO Response Force 19, in Teilen aber immer noch der Fall. Für meine Soldatinnen und Soldaten kann ich nur sagen: klar wollen die das jetzt behalten, das Gerät und nicht wieder nach der NRFNATO Response Force in eine Talsohle reingehen. Das geht nur, wenn zügig die anderen auch was bekommen. Das ist halt der Schlüssel.

Tim Kullmann: Wie wichtig ist denn auch gerade die Innere Führung heutzutage?

Alexander Krone: Man sieht das jetzt wieder, wenn man sich betrachtet, wie da im Osten gekämpft wird. Dieses Wertefundament, wie z. B. wofür stehe ich überhaupt ein, sehe ich mit Respekt. Wie das die ukrainischen Verbände in schwieriger Lage machen, zeigt mir auch wieder, wie wichtig das ist. Der Einsatzwert ist am Ende eben nicht nur Waffenwirkung, sondern eine Kombination aus guter Ausbildung und guter Ausstattung und dem Fundament, wofür das Ganze. Das wird uns heute glaube ich noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt. Wir haben ja umgekehrt auch andere Beispiele gesehen, z. B. in Afghanistan nach Abzug der Alliierten. Wenn das Fundament halt nicht da ist, wie schnell es dann halt auch auseinanderfallen kann.

Tim Kullmann: Sie sind ja Vorgesetzter von vielen Tausend Soldatinnen und Soldaten. Was ist denn für Sie besonders wichtig oder gibt es auch für den General Krone ein Vorbild?

Alexander Krone: Ich habe hier viele Vorbilder bei mir in der Brigade, weil ich hier viele tolle Soldatinnen und Soldaten habe. Die haben hier aus am Anfang noch nicht viel, zunehmend aber mehr an Ressourcen, unglaublich viel gemacht – das finde ich vorbildlich. Das man vielleicht begrenzte Ressourcen hat, es noch nicht ganz die Goldrandlösung ist und trotzdem immer motiviert auf ein gemeinsames Ziel hinarbeitet. Die die das hier auf allen Ebenen machen, und das ist mal vollkommen dienstgradunabhängig, von denen kann man sich dann echt eine Scheibe abschneiden. Die ziehen dann andere mit und das hat nix mit Hochglanz zu tun, sondern mit festem Händedruck und Dreck im Gesicht und dann läuft das.

Tim Kullmann: Herr General, die Digitalisierung zieht ja auch immer mehr ein in die Truppe. Wie wichtig sehen Sie denn ein digitales Beiboot wie den Cyber Innovation Hub an?

Alexander Krone: Also am Ende ist für uns ja immer nur das wichtig, was wir anfassen können und zwar nicht in zehn Jahren, sondern morgen oder übermorgen. Egal ob es der Cyber Innovation Hub ist oder andere Think Tanks oder Bereiche der Bundeswehr, die im Führungsfähigkeit arbeiten, es muss immer der Link zur Truppe da sein und der Zyklus bis zur praktischen Nutzung darf halt nicht zu lang sein.

Tim Kullmann: Darf man bei Ihnen auch mal einen Fehler machen mit Blick auf das Stichwort Fehlerkultur?

Alexander Krone: Das machen wir ja eigentlich jeden Tag. Wir finden jeden Tag wieder etwas heraus, von Übung zu Übung, wo wir sagen: Das war jetzt aber nix. Wir haben neulich wieder etwas ausprobiert und dann festgestellt: Das war jetzt eine Sackgasse. Dann haben wir aber auch im Ausschlussverfahren etwas herausgefunden, dass wir jetzt beim nächsten Mal anders oder besser machen wollen. Manchmal speichert man ja auch einen richtig blöden Fehler in der Ausbildung besser im Kopf ab und merkt sich den, als wenn immer über allem so eine rosa Wolke drüber schwebt. Das Wichtige ist nur dann, dass man den selben Fehler nicht noch viermal wiederholt. Das muss dann nicht sein. Das können wir uns dann auch manchmal in der kostbaren Ausbildungszeit nicht leisten. Aber es ist eben auch so, da es Ausbildung und Übung ist, kein Drama, mal einen Fehler zu machen – das ist ganz normal. Dafür macht man das ja dann auch, denn dafür heißt es ja Übung.

Tim Kullmann: Was, wenn ich Sie fragen darf, Herr General, was machen Sie in der Freizeit? Wie entspannen Sie von dem doch sehr fordernden Job bei der Bundeswehr?

Alexander Krone: Bisschen Garten rumpuzzeln, meditatives Unkrautpflücken oder an der Feuerstelle sitzen. Sonst haben wir ein schönes Waldschwimmbad in der Nähe, das werde ich jetzt im Sommer wieder schön benutzen. Sonst einfach mit den Kindern was unternehmen, mit der Familie rumdrusen.

Tim Kullmann: So, da sind wir glaube ich gleich auch schon da, Herr General oder?

Alexander Krone: Ja, das sieht mir doch nach der Schießbahn 20 aus. Können wir jetzt nicht so einfach durchbrechen. Der hält auch schon fleißig uns die Winkerkelle raus.

Tim Kullmann: Sie übernehmen das?

Alexander Krone: Ja, ja.

Tim Kullmann: Gut.

Alexander Krone: Kleines Stück noch vor. So, der Brigadekommandeur heute in einem ganz anderen Fahrzeug.

Oberstabsgefreiter: Herr General, Oberstabsgefreiter … eingesetzt als Absperrposten auf der Schießbahn 20. Melde Ihnen das Panzergrenadierbataillon 391 beim Zug-Gefechtsschießen. Ich habe den Auftrag Fahrzeuge anzuhalten und dem Führer Schießenden Abteilung weiterzumelden. Ich melde Ihnen keine Vorkommnisse.

Alexander Krone: Danke, gut! Läuft alles?

Oberstabsgefreiter: Es ist alles wunderbar.

Alexander Krone: Aber es läuft noch ein Rennen oder?

Oberstabsgefreiter: Aktuell ist gerade soweit ich weiß ein Rennen am Laufen.

Alexander Krone: Dann fahre ich mal vor und nehme mit dem Leitenden Verbindung auf und dann läuft das schon alles.

Oberstabsgefreiter: Ich werde Sie kurz über Funk anmelden.

Alexander Krone: Bitte gerne.

Tim Kullmann: Ich glaube den haben wir jetzt überrascht.

Alexander Krone: Ja, normalerweise guckt er nach dem Greenliner, da hinten, den kennt er ja.

So ein Auto wie hier haben die noch nie gesehen.

Oberstabsgefreiter: Für den Fahrer. Sie sehen ja das Fahrzeug am Ende der Straße, dort ist der Führer Schießende Abteilung. Der wird Sie dann aufnehmen und den weiteren Weg anzeigen. Wo Sie dann letzten Endes das Fahrzeug abstellen, beziehungsweise wo Sie aufgenommen werden.

Alexander Krone: So machen wir das Herr Oberstabsgefreiter. Danke!

Tim Kullmann: Herr General, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Es war eine echt spannende Fahrt. Habe ich so auch noch nicht erlebt. Übungsplatz sollte ich vielleicht mal wieder öfter besuchen.

Alexander Krone: Auf jeden Fall, das kann man ja jedem nur empfehlen, damit das Mindset Landes-/Bündnisverteidigung bei allen im Kopf bleibt. Und jetzt geht’s raus zum Feldposten.

Ich freue mich.

Tim Kullmann: Vielen Dank für Ihre Zeit!

Alexander Krone: Ich danke.


Und beim nächsten Mal:

Generalmajor Breuer: Wir lernen aus unseren Fehlern, aber ich glaube wir müssen nicht unbedingt Fehler machen um zu lernen.