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Resilienz

Was macht uns einsatzfähig?

Die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BVLandes- und Bündnisverteidigung) ist der Hauptauftrag der Bundeswehr. Um dafür einsatzbereit zu sein, müssen die Soldatinnen und Soldaten gut ausgebildet und ihr Handeln im Frieden sowie im Gefecht eingeübt sein. Wenn sie zudem die Überzeugung verinnerlicht haben, für die richtige Sache zu dienen, ist die Truppe resilient genug, um ihren Auftrag zu erfüllen - auch wenn Anpassungsfähigkeit gefordert ist. Hier berichten Bundeswehrangehörige von Ihren Einsichten und Erfahrungen.

Einsatzbereitschaft

Resilienz ist die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren und trotz möglicher Rückschläge nicht aufzugeben. Wie kann die Innere Führung dabei unterstützen? Darüber haben wir mit mit Oberst i.G.im Generalstabsdienst Dirk Franke, Leiter des Sekretariats LV/BVLandes- und Bündnisverteidigung im Bundesministerium der Verteidigung sowie Oberst Christian Nawrat, dem Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41, gesprochen.

Dirk Franke:
Für mich ist die Landes- und Bündnisverteidigung unverändert der Wesenskern unserer Streitkräfte. Das zeigen zwei Dinge: Erstens, der grundgesetzliche Auftrag „Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf“ und zweitens unser Eid „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Wir müssen daher im gesamten Spektrum von hybrider Einflussnahme bis zum klassischen konventionellen Konflikt resilient sein. Wir müssen aber vor allem auch resilient sein gegen künftige neue Bedrohungen. Dies zeigt sich seit einem Jahr in der Bewältigung der Corona-Pandemie, die in solch einem Umfang wohl kaum jemand für möglich gehalten hatte. Ebenso wurden wir im März 2014 von der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim überrascht, nachdem wir geglaubt hatten, in Europa den kalten Krieg und seine Nachwehen überwunden zu haben.


Christian Nawrat:
Das Sicherheitsumfeld hat sich verändert und ein Einsatz als Truppensteller im Rahmen der NATO im hochintensiven Gefecht bei der Landes- und Bündnisverteidigung ist wieder realistischer geworden. Zudem ist Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage als Drehscheibe für alliierte Truppenbewegungen, aber auch als Bereitstellungs- und rückwärtiger Operationsraum bei jedem Angriff auf das Bündnis ein potentielles Angriffsziel. Die Bundeswehr muss daher einen entscheidenden Beitrag für die NATO, auch zum Schutz Deutschlands und auch bereits im Frieden leisten. Für mich als Truppenführer bedeutet es, dass ich meine mir unterstellten Soldatinnen und Soldaten auf die Erfordernisse in der Landes- und Bündnisverteidigung, inklusive des hochintensiven und möglicherweise lang andauernden Krieges, vorbereiten muss. Um in der Landes- und Bündnisverteidigung bestehen zu können, ist die Beherrschung des militärischen Handwerks sowie ein Battle-Mindset die Grundvoraussetzung. So kann Resilienz gegenüber Unerwartetem und im Umgang mit den vielen Unsicherheiten der modernen Kriegsführung wie hybriden Kampfhandlungen und Cyber-Angriffen entstehen. Das muss umfassend und so realitätsnah wie nur möglich, bereits im Frieden, ausgebildet und geübt werden.

Dirk Franke:
Resilienz ist der Kern militärischen Denkens und Handelns und Grundvoraussetzung, um im Gefecht und im „Nebel des Krieges“ bzw. in unvorhersehbaren Situationen zu bestehen. Dies beginnt bei jedem einzelnen von uns mit der Forderung psychischer und physischer Belastbarkeit. Das setzt sich aber fort und führt so z.B. zu besonderen Anforderungen an unsere Ausstattung und unser Material, das idealerweise „state of the art“ ist und gleichzeitig „robust sowie kriegstüchtig“.

Auch, dass wir alle traditionell oberhalb der Ebene, auf der wir eingesetzt sind, ausgebildet wurden, bringt Resilienz. Denn, fällt der Zugführer aus, können die Gruppenführer verzugslos übernehmen. Ein anderes Beispiel ist die Beurteilung der Lage, in der wir gelernt haben, komplexe Situationen zu erfassen und am Ende zu einem Entschluss zu kommen, der klar verständlich ist und Raum für Auftragstaktik lässt.

Christian Nawrat:
Wir müssen mit dem Battle-Mindset hochintensiven Gefechtsszenarien begegnen, diese durchstehen und verarbeiten. Die Resilienz als mentale Fähigkeit macht den Unterschied in der Durchsetzungsfähigkeit, unserem Durchhaltevermögen und somit unserer Leistungsfähigkeit; in Summe unserem Einsatzwert. Das können wir durch intensive Ausbildung und fordernde Übungen entwickeln, auch mal wieder mit Rückschlägen umzugehen, um schnell wieder in die schlagende Vorderhand zu kommen. Dazu gehört auch, dass wir in der Ausbildung, z.B. im Rahmen von computergestützten Brigadegefechtsübungen, den Gegner auch mal so handeln lassen, wie wir es vielleicht nicht erwarten. Das entwickelt und verbessert die Widerstands- und Durchhaltefähigkeit.

Dirk Franke:
Für die Bundeswehr als Organisation geht es in erster Linie um die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Hierzu benötigen wir u.a. eine vollausgestattete Truppe, eine durchgehende und effiziente Führung sowie eine starke Reserve – und das alles mit Redundanzen und einem „Plan B“.

Für mich als einzelnen Soldaten geht es um die psychische und physische Vorbereitung auf das, was in den Einsatzszenarien auf mich zukommen kann. Diese Vorbereitung ist in erster Linie gute und - wo erforderlich auch harte Ausbildung verbunden mit Kameradschaft, guter Führung und offener, klarer Kommunikation über Ebenen hinweg. Das ist ja alles Bestandteil der Inneren Führung – und auch, dass wir unseren Soldaten vermitteln, wofür Sie dienen und sie von diesem Auftrag selbst überzeugt sind, trägt ganz wesentlich zur Resilienz bei.


Christian Nawrat:
Für uns Soldatinnen und Soldaten kommt es darauf an, dass wir unser Handwerk beherrschen, dass wir uns aufeinander in der Gruppe verlassen können und dass wir unseren Vorgesetzten vertrauen. Die militärische Gruppe, davon bin ich zutiefst überzeugt, befähigt uns Soldatinnen und Soldaten auch in existenziellen Bedrohungslagen bestehen und unseren Auftrag erfüllen zu können. Das muss aber bereits im Frieden unser Handeln bestimmen

Unsere zeitlich intensive und fordernde wie auch anpassungsfähige Ausbildung und Übung im Frieden muss dabei immer dem Grundsatz „train as you fight“ folgen. Dies ermöglicht uns zum einen, unsere physische und psychische Robustheit zu stärken und dabei vor allem gegenseitiges Vertrauen auch in die militärischen Führer zu erlangen und damit die Voraussetzungen zum Bestehen im Krieg zu schaffen. Zum anderen können wir so Schwachstellen entdecken und Mängel beseitigen.

Dirk Franke:
Das heißt für mich zunächst einmal den Mut zu haben, sich mit den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung auseinanderzusetzen und auch den Mut zu haben, sich und seine Frauen und Männer hierauf vorzubereiten. Dies ist kein einfacher Weg und steht im krassen Gegensatz zu gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Bundeswehr mit einer immer stärkeren Fokussierung auf Individualität und Freizügigkeit.

Gleichzeitig bedeutet das für mich die Bereitschaft zum Kampf und in letzter Konsequenz die Bereitschaft, sein eigenes Leben als höchstes Gut zu opfern.

Christian Nawrat:
Mut zum Führen und Entscheiden gegen Widerstände bedeutet, für die eigenen Überzeugungen einzutreten, an das eigene Urteilsvermögen zu glauben, den Mut haben, Risiken einzugehen und die Bereitschaft mitzubringen, aus Fehlern zu lernen. Das ist aber nicht neu und ist keine Besonderheit bei der Landes- und Bündnisverteidigung. Die Bundeswehr gibt uns militärischen Führern bereits mit dem ersten Tag der Ausbildung alles Notwendige an die Hand: Das Prinzip der Inneren Führung und das damit eng verbundene Führen mit Auftrag. Der militärische Vorgesetzte muss Vorbild sein, Vorbild in Überzeugungen zur Verteidigung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, Vorbild in der Ausbildung und Vorbild in Übung und – falls erforderlich – im Krieg und Einsatz. Durch das Führen von vorne schaffe ich Bild und Anspruch zugleich.

Dirk Franke:
Ja. Das können wir und das tun wir bereits – und das eigentlich schon immer.

Es geht bei der psychischen Vorbereitung um das „Mindset Landes- und Bündnisverteidigung“. Wir müssen vorbereitet sein auf die Landes- und Bündnisverteidigung als den Kernauftrag der Bundeswehr, auf den Ernstfall und damit verbundene Härten, dies umfasst auch den Umgang mit Verwundung und Tod.

Der Grundsatz ist „Übe wie Du kämpfst!“ – er impliziert eine realitätsnahe und fordernde, harte Ausbildung. Dies darf aber nicht missverstanden werden als “Freifahrtschein“, sondern auch hier sind Vorschriften und die Unverletzlichkeit der Menschenwürde einzuhalten.

Christian Nawrat:
Resilienz gegenüber intensiven Emotionen in einem hochintensiven Gefecht (Handlungsfähigkeit trotz Panik, Angst, Erschöpfung, Tod und Verwundung) kann durch realitätsnahe Ausbildung gefördert werden.

Das dafür notwendige Battle-Mindset bedeutet für mich: Mit Vorbild zu führen, mit Überzeugung und Eigenverantwortung zu handeln, mit Offenheit und Flexibilität an unübersichtliche Situationen heranzugehen, mit Mut und Tatkraft Entscheidungen zu treffen, Belastungen zu trotzen und mit Charakter für den Kameraden, für unser Land und für unsere Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung einzutreten. Es kommt darauf an, Stärke durch Belastung zu formen und es braucht dazu stete und zeitintensive Ausbildung zur Reifung durch Belastung der Frauen und Männer meines Großverbandes. Ich bin als Truppenführer der festen Überzeugung, dass eine umfassende wie aber auch flexible einsatznahe Ausbildung es meinen Verbänden ermöglichen kann, auch auf Unvorhergesehenes schnell zu reagieren und die Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen.

Systemische Resilienz am Beispiel der NATO

Resilienz spielt für die NATO bereits seit ihrer Gründung eine entscheidende Rolle. Hybride Mittel stellen die Widerstandskraft des Bündnisses und seiner Teile heute immer stärker mit auf die Probe.

Komplexe Systeme wie der menschliche Körper oder die ökologische Kooperation in der Natur haben eine Antwort auf die Herausforderungen und Bedrohungen für die Stabilität von Systemen entwickelt: Adaptation und Evolution. Das heißt nichts anderes als die Anpassung an äußere Umstände, um durch Verbesserung des eigenen Systems das eigene Fortkommen zu sichern. Wir bezeichnen dieses Phänomen als „Komplexes Adaptives System“ (KASKonrad Adenauer Stiftung), welches vom Ameisenbau über den Menschen und seine sozialen Strukturen bis hin zu kollektiver Sicherheit seine Anwendung finden kann. Als zentraler Akteur für die kollektive Sicherheit in Europa würde es auch der NATO helfen, sich als Teil eines KASKonrad Adenauer Stiftung zu betrachten und danach zu handeln.  

Die Bedrohungen für das NATO-Bündnis

Die Russische Föderation versucht, wie die Sowjetunion zuvor, seit mehreren Jahrzehnten auf hybridem Wege Einfluss auf Staaten und Bürger im „nahen Ausland“ zu nehmen. Die russische Regierung bewegt sich bewusst im Graubereich zwischen offenem militärischem Konflikt und vollständig verdeckten „weichen“ Aktionen gegen nicht-militärische Strukturen in der NATO oder Partnerländern. Die Abschreckung und Verteidigung insbesondere durch nukleare Fähigkeiten der Allianz und die konventionellen Möglichkeiten durch Artikel 5 des Nordatlantikvertrages trugen mit dazu bei, dass der Ost-West-Konflikt weder aktuell noch in Hochzeiten des Kalten Krieges offen eskalierte. Diese Abschreckung war jedoch nicht wirkungsvoll, wenn es darum ging, Russland von militärischen Aktionen gegenüber NATO-Partnern wie der Ukraine abzuhalten oder Eingriffe in die staatliche Souveränität von NATO-Mitgliedern zu unterbinden. Russische Einflussnahme richtet sich nicht nur gegen einzelne Staaten und deren Institutionen, sondern zielt auch auf Differenzen zwischen den Alliierten – aktuell das Verhältnis der Türkei zum transatlantischen Bündnis – oder die unterschiedlichen Wahrnehmungen hinsichtlich der größten Bedrohung für die eigene Sicherheit.  

Resilienz als Aspekt der NATO-Verteidigungsfähigkeit

Wie kann das Bündnis stabil gehalten und vor Einflussnahme von außen geschützt werden? Die Antwort ist eine Strategie, die eine systemische Resilienz als Basis zur Erfüllung der NATO-Kernaufgaben formuliert. Dabei lohnt der Blick sowohl auf die eigene Geschichte als auch die Anknüpfungspunkte mit vorhandenen Resilienz-Konzepten. Bereits 1941 zielte die NATO im Artikel 3 des Nordatlantikvertrages auf Resilienz ab. Die erforderliche „Widerstandskraft“ musste aktiv aufgebaut und erhalten werden. Ein gutes Beispiel bietet die Harmel-Gruppe der 1960er-Jahre. Die Ergebnisse halfen, die Ausrichtung der NATO sowohl nach innen als auch außen zu verbessern und die Allianz insgesamt zu stärken. In Ergänzung zu Artikel 3 hat die NATO ihre Definition von Resilienz konkretisiert. In Ergänzung zu Artikel 3 hat die NATO ihre Definition von Resilienz fortlaufend konkretisiert, zuletzt im Juni 2021. Der Bericht NATO 2030 (1) hat ebenfalls Vorschläge zur Verbesserung unterbreitet. Es fehlt eine ganzheitlich verstandene Konzeption Alliierter Resilienz im Lichte der inneren und äußeren Bedrohungen, die als zentraler Aspekt der Verteidigungsfähigkeit verstanden und konstruiert werden muss. Unter Rücksichtnahme auf die Souveränität der NATO-Mitglieder muss sich die Allianz selbst einer ständigen Selbstanalyse und Adaptation unterziehen. Diese erweiterte Resilienz Strategie führt dann zu konkreten Konzeptionen, die die Reaktion auf die komplexe Umgebung widerspiegeln. 

(1) https://www.nato.int/nato_static_fl2014/assets/pdf/2020/12/pdf/201201-Reflection-Group-Final-Report-Uni.pdf

Portrait Oberstleutnant Benjamin Pommer
von Benjamin Pommer
Oberstleutnant Benjamin Pommer

Ein KASKonrad Adenauer Stiftung besteht aus Elementen, so genannten „Agenten“, welche sich zueinander und mit ihrer Umgebung im ständigen Austausch durch interne Rückmeldungszyklen („feedback loops“) befinden.(2) Durch ständige Evolution erhält das System seine Stabilität. Dies erfordert eine Anpassung in Phasen von Instabilität, da ansonsten das System und seine Komponenten zerfallen würden. Dieses abstrakte Konzept lässt sich auf Mikroorganismen, den menschlichen Organismus, ökologische Kooperation und Internationale Beziehungen anwenden, um Risikoanalysen und Überlebensstrategien entwickeln zu können.

(2) Christopher Bassford, Chapter 1, “The Environment within which Military Strategy is made,” in Policy, Politics, War, and Military Strategy, published in 1997 and updated in 2006.

Moderne Kriege zeichnen sich durch den Einsatz hybrider Elemente, zum Beispiel den Kampf im Cyber- und Informationsraum oder etwa durch die Ausnutzung Künstlicher Intelligenz aus. Durch die digitalen Möglichkeiten einer globalisierten Welt ergeben sich neue Elemente der hybriden Kriegführung, die sich staatliche und nicht-staatliche Akteure zunutze machen. Russland versteht es sehr gut interne politische Differenzen auszunutzen und damit die Handlungsfähigkeit von Staaten oder der NATO als Ganzes zu beeinträchtigen. Hybride Kriegführung besteht aus eng koordinierten militärischen und nicht-militärischen Instrumenten, die von irregulären Stellvertretern und verdeckt operierenden Streitkräften gleichermaßen genutzt werden können.(3) In dieser so genannten „Grauzone“ bringen Akteure wie Russland Mittel zur Anwendung, um damit ihre politischen Ziele zu erreichen, ohne zwingend eine konventionelle Reaktion der Gegenseite auszulösen.(4)

(3) Margarete Klein, “Russia’s Military Policy in the Post-Soviet Space: Aims, Instruments and Perspectives,” SWPStiftung Wissenschaft und Politik Research Paper 1 (January 2019), 17.

(4) Ben Connable, et al., Russia’s Hostile Measures: Combating Russian Gray Zone Aggression Against NATO in the Contact, Blunt, and Surge Layers of Competition (Santa Monica, CA: RAND Corporation, 2020), 5.

„Um die Ziele dieses Vertrags besser zu verwirklichen, werden die Parteien einzeln und gemeinsam durch ständige und wirksame Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung die eigene und die gemeinsame Widerstandskraft gegen bewaffnete Angriffe erhalten und fortentwickeln.“(5)

(5) https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_17120.htm?selectedLocale=de

„Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen werden, Beistand leistet, indem jede von ihnen unverzüglich für sich und im Zusammenwirken mit den anderen Parteien die Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Waffengewalt, trifft, die sie für erforderlich erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Gebiets wiederherzustellen und zu erhalten.

Vor jedem bewaffneten Angriff und allen daraufhin getroffenen Gegenmaßnahmen ist unverzüglich dem Sicherheitsrat Mitteilung zu machen. Die Maßnahmen sind einzustellen, sobald der Sicherheitsrat diejenigen Schritte unternommen hat, die notwendig sind, um den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit wiederherzustellen und zu erhalten.“(6)

(6) https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_17120.htm?selectedLocale=de

Auch wenn die NATO im Kalten Krieg aus weniger Mitgliedern bestand und einer etwa regional eingegrenzten äußeren Bedrohung standhielt, so waren die Herausforderungen für die Stabilität des Bündnisses und die europäische Sicherheit in den 1950ern und 1960ern vergleichbar gefährlich. Streitigkeiten über finanzielle Lastenverteilung zwischen den Mitgliedern, das Verhältnis zu den osteuropäischen Gegnern und den Einfluss der USAUnited States of America auf die Verteidigungsstrategie führten Ende der 1960er zum Austritt Frankreichs aus der militärischen Kommandostruktur der NATO. Das Gebot der Stunde war ein hoher Druck zur Anpassung des Bündnisses an die inneren und äußeren Gegebenheiten, ohne dabei den Charakter eines Verteidigungsbündnisses zwischen souveränen demokratischen Staaten zu verlieren. Der Nordatlantikrat beauftragte den damaligen belgischen Außenminister Pierre Harmel mit der Bildung einer Arbeitsgruppe, die schlussendlich nicht nur einen umfassenden Bericht mit Verbesserungsvorschlägen erarbeitete, sondern eine Klarstellung der Ausrichtung als militärisch-politisches Bündnis erreichte.

„73. Heute haben wir uns verpflichtet, unsere Resilienz weiter zu steigern sowie unsere individuellen und kollektiven Fähigkeiten zum Widerstand gegen jede Form des bewaffneten Angriffs aufrechtzuerhalten und weiter zu entwickeln. Die zivile Vorsorge ist ein zentraler Pfeiler der Resilienz der Bündnispartner und eine entscheidende Voraussetzung für die Bündnisverteidigung. Ungeachtet der unverändert nationalen Verantwortung für diese Aufgabe, kann die NATO die Bündnispartner bei der Beurteilung und, auf Aufforderung, bei der Verbesserung ihrer zivilen Vorsorge unterstützen. Mit den Grundsätzen der NATO für die nationale Resilienz (NATO Baseline Requirements for National Resilience), werden wir die zivile Vorsorge verbessern, deren Schwerpunkt auf der Aufrechterhaltung der Regierungsgewalt, der Aufrechterhaltung lebenswichtiger Dienstleistungen, dem Schutz kritischer ziviler Infrastruktur und der Unterstützung der Streitkräfte mit zivilen Mitteln liegt. In diesem Zusammenhang begrüßen wir die von den Verteidigungsministern im Juni 2016 gebilligten Leitlinien für die Resilienz (Resilience Guidelines).“(7)

(7) https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_133169.htm#cep

Im Rahmen des 2021 NATO-Gipfels am 14. Juni haben die Staats- und Regierungschefs ihr Bekenntnis zur Stärkung Alliierter Resilienz bekräftigt. Ausgehend von Artikel 3 des Nordatlantikvertrages haben die Mitgliedsstaaten die nationale Rolle bei der Bildung von Resilienz betont und gleichzeitig den ganzheitlichen bzw. gesamtstaatlichen Ansatz unterstrichen, um der Komplexität des internationalen Sicherheitsumfeldes begegnen zu können. Dieser Anspruch erfordert jedoch eine Abstimmung und Unterstützung innerhalb der Allianz, sodass alle Mitgliedsländer in die Lage versetzt werden, den gemeinsamen Ansatz zu verfolgen sowie national umzusetzen.(8) Der Wille und die Fähigkeit, sich den sicherheitspolitischen Gegebenheiten anzupassen, bilden damit die Grundvoraussetzung Alliierter Resilienz. Darauf aufbauend muss das Verständnis fußen, dass Resilienz auch das Ergebnis des Grades zivil-militärischer Kooperation ist, die sich auf innerstaatliche Bereiche und internationale Organisationen erstreckt. Die Stabilität des europäischen Sicherheitssystems wird somit durch verschiedene Akteure getragen und bestimmt. Die NATO ist einer der entscheidenden und einflussreichsten Organisationen.

(8) https://www.nato.int/cps/en/natohq/official_texts_185340.htm

Eine Strategie, die sich an der feindlichen (hybriden) Einflussnahme und den eigenen Verwundbarkeiten auf Basis einer ganzheitlichen, multilateralen zivil-militärischen Zusammenarbeit ausrichtet. Obwohl die Souveränität der Mitgliedsländer bei der Umsetzung nicht beeinträchtigt wird, muss eine systemische Resilienz Teil eines gemeinsamen Verständnisses von Kollektiver Sicherheit und Verteidigung insofern werden, dass NATO eine Stabilität des Systems kollektiver Sicherheit erreichen, steuern und erhalten kann. Dazu gehört das Verständnis, dass Resilienz sich nicht nur auf infrastrukturelle Aspekte begrenzt, sondern auch kognitive Bereiche wie Öffentliche Meinung und Demokratieverständnis berührt. Diese Bereiche sind im Rahmen der nationalen Strategien („Integrated National Concept“) zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegen Bedrohungen staatlicher und nichtstaatlicher Natur abzudecken. Die NATO kann die Mitgliedsländer bei der Entwicklung, Umsetzung und Anpassung dieser Strategien beratend unterstützen. Dazu verfügt die Allianz über diverse Zentren mit Expertise („Centres of Excellence“) und Partnerschaften mit anderen supranationalen Organisationen, wie den UNUnited Nations und der EU. Dabei steht jederzeit die systemische Stabilität im Austauschverhältnis zwischen der NATO und den Mitgliedern: politisch stabilen Ländern wollen und können sicherheitspolitisch mitgestalten und eine Allianz, die es versteht, Antworten auf die Sicherheitsbedürfnisse der Staaten sowie Bedrohungen zu finden, kann sich somit durch Anpassung selbst stabilisieren. Dies erfordert die Bereitschaft, selbstkritisch zu sein und Entscheidungen auch in Krisen zu treffen. Militärische Kapazitäten bilden dabei gewiss eine gewichtige Rolle, sind jedoch nur ein Faktor um stabiles System kollektiver Sicherheit zu erhalten. 

Resilienz aus unterschiedlichen Perspektiven

Resilienz setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, wie der Persönlichkeit, Umweltfaktoren, persönlichen Erfahrungen und vielem mehr. Und jeder hat eine eigene Methode, seine/ihre Resilienz zu stärken, Belastungen auszuhalten, auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren und selbst bei Rückschlägen weiter zu machen. Woran sich Führungskräfte bei der Bundeswehr orientieren, was ihnen auch bei Gegenwind Halt und Kraft gibt, erfahren Sie hier.

Zitate zu Resilienz ist für mich ...
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Resilient werden - voneinander lernen

Tugenden wie der Sinn für Gemeinschaft, Kameradschaft und Solidarität bestimmen die Handlungsfelder Betreuung und Fürsorge des Konzepts der Inneren Führung und sollen von Führungskräften bei der Bundeswehr vorgelebt werden. So wird Vertrauen und Zusammenhalt als Voraussetzung dafür geschaffen, auch in schwierigen Situationen gemeinsam zu funktionieren und den Auftrag erfüllen zu können. Hören Sie dazu persönliche Erfahrungen, Einsichten und Tipps unserer Interviewpartner:

Resilienz braucht Vorbilder

Die Bundeswehr will aus den Erfahrungen und Erlebnissen der Soldatinnen und Soldaten lernen. Dazu gehört auch, sie nötigenfalls aufzufangen, zu versorgen und bestmöglich zu betreuen. Auch das schafft Resilienz.

Portrait Hauptfeldwebel Michel Heiland
Michel Heiland, Hauptfeldwebel Bundeswehr/Fabian Schier
„Wir müssen endlich wieder mehr das vorleben, was wir überall schriftlich haben: Führen durch Vorbild. Initiative ergreifen, motivieren, erlebnisorientiert ausbilden. Sich nicht nur bis 15.30 Uhr mit der Ressource Mensch beschäftigen. Zuhören, was die Soldatinnen und Soldaten und deren Probleme betrifft. Gerade die Dienstälteren sollten da Vorreiter sein.“

Resilienz - Leitstelle Lotsen

Text: Lotsinnen und Lotsen für Einsatzgeschädigte

Seit 2011 hat die Bundeswehr 604 Lotsinnen und Lotsen ausgebildet.

Aktuell gibt es 398 aktive und davon 34 hauptamtliche Lotsinnen und Lotsen.

Sie betreuen und begleiten 836 Einsatzgeschädigte überall in der Bundeswehr.

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IF - Zeitschrift für Innere Führung

Vielseitig. Analytisch. Kontrovers.

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Zwei Soldaten halten sich mit den Köpfen zugeneigt fest an den Armen

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung – so hilft die Bundeswehr

Traumatische Erlebnisse können zu psychischen Erkrankungen wie PTBSPosttraumatische Belastungsstörung führen. Hier finden Sie Informationen und Hilfsangebote der Bundeswehr.

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