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Bundeswehr/Dagmar Hentschel

Resilienz

Was macht uns einsatzfähig?

Die Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) ist der Hauptauftrag der Bundeswehr. Um dafür einsatzbereit zu sein, müssen die Soldatinnen und Soldaten gut ausgebildet und ihr Handeln im Frieden sowie im Gefecht eingeübt sein. Wenn sie zudem die Überzeugung verinnerlicht haben, für die richtige Sache zu dienen, ist die Truppe resilient genug, um ihren Auftrag zu erfüllen - auch wenn Anpassungsfähigkeit gefordert ist. Hier berichten Bundeswehrangehörige von Ihren Einsichten und Erfahrungen.

Einsatzbereitschaft

Resilienz ist die Fähigkeit, auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren und trotz möglicher Rückschläge nicht aufzugeben. Wie kann die Innere Führung dabei unterstützen? Darüber haben wir mit mit Oberst i.G.im Generalstabsdienst Dirk Franke, Leiter des Sekretariats LV/BVLandes- und Bündnisverteidigung im Bundesministerium der Verteidigung sowie Oberst Christian Nawrat, dem Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41, gesprochen.

Dirk Franke:
Für mich ist die Landes- und Bündnisverteidigung unverändert der Wesenskern unserer Streitkräfte. Das zeigen zwei Dinge: Erstens, der grundgesetzliche Auftrag „Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf“ und zweitens unser Eid „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Wir müssen daher im gesamten Spektrum von hybrider Einflussnahme bis zum klassischen konventionellen Konflikt resilient sein. Wir müssen aber vor allem auch resilient sein gegen künftige neue Bedrohungen. Dies zeigt sich seit einem Jahr in der Bewältigung der Corona-Pandemie, die in solch einem Umfang wohl kaum jemand für möglich gehalten hatte. Ebenso wurden wir im März 2014 von der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim überrascht, nachdem wir geglaubt hatten, in Europa den kalten Krieg und seine Nachwehen überwunden zu haben.


Christian Nawrat:
Das Sicherheitsumfeld hat sich verändert und ein Einsatz als Truppensteller im Rahmen der NATO im hochintensiven Gefecht bei der Landes- und Bündnisverteidigung ist wieder realistischer geworden. Zudem ist Deutschland aufgrund seiner geographischen Lage als Drehscheibe für alliierte Truppenbewegungen, aber auch als Bereitstellungs- und rückwärtiger Operationsraum bei jedem Angriff auf das Bündnis ein potentielles Angriffsziel. Die Bundeswehr muss daher einen entscheidenden Beitrag für die NATO, auch zum Schutz Deutschlands und auch bereits im Frieden leisten. Für mich als Truppenführer bedeutet es, dass ich meine mir unterstellten Soldatinnen und Soldaten auf die Erfordernisse in der Landes- und Bündnisverteidigung, inklusive des hochintensiven und möglicherweise lang andauernden Krieges, vorbereiten muss. Um in der Landes- und Bündnisverteidigung bestehen zu können, ist die Beherrschung des militärischen Handwerks sowie ein Battle-Mindset die Grundvoraussetzung. So kann Resilienz gegenüber Unerwartetem und im Umgang mit den vielen Unsicherheiten der modernen Kriegsführung wie hybriden Kampfhandlungen und Cyber-Angriffen entstehen. Das muss umfassend und so realitätsnah wie nur möglich, bereits im Frieden, ausgebildet und geübt werden.

Dirk Franke:
Resilienz ist der Kern militärischen Denkens und Handelns und Grundvoraussetzung, um im Gefecht und im „Nebel des Krieges“ bzw. in unvorhersehbaren Situationen zu bestehen. Dies beginnt bei jedem einzelnen von uns mit der Forderung psychischer und physischer Belastbarkeit. Das setzt sich aber fort und führt so z.B. zu besonderen Anforderungen an unsere Ausstattung und unser Material, das idealerweise „state of the art“ ist und gleichzeitig „robust sowie kriegstüchtig“.

Auch, dass wir alle traditionell oberhalb der Ebene, auf der wir eingesetzt sind, ausgebildet wurden, bringt Resilienz. Denn, fällt der Zugführer aus, können die Gruppenführer verzugslos übernehmen. Ein anderes Beispiel ist die Beurteilung der Lage, in der wir gelernt haben, komplexe Situationen zu erfassen und am Ende zu einem Entschluss zu kommen, der klar verständlich ist und Raum für Auftragstaktik lässt.

Christian Nawrat:
Wir müssen mit dem Battle-Mindset hochintensiven Gefechtsszenarien begegnen, diese durchstehen und verarbeiten. Die Resilienz als mentale Fähigkeit macht den Unterschied in der Durchsetzungsfähigkeit, unserem Durchhaltevermögen und somit unserer Leistungsfähigkeit; in Summe unserem Einsatzwert. Das können wir durch intensive Ausbildung und fordernde Übungen entwickeln, auch mal wieder mit Rückschlägen umzugehen, um schnell wieder in die schlagende Vorderhand zu kommen. Dazu gehört auch, dass wir in der Ausbildung, z.B. im Rahmen von computergestützten Brigadegefechtsübungen, den Gegner auch mal so handeln lassen, wie wir es vielleicht nicht erwarten. Das entwickelt und verbessert die Widerstands- und Durchhaltefähigkeit.

Dirk Franke:
Für die Bundeswehr als Organisation geht es in erster Linie um die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte. Hierzu benötigen wir u.a. eine vollausgestattete Truppe, eine durchgehende und effiziente Führung sowie eine starke Reserve – und das alles mit Redundanzen und einem „Plan B“.

Für mich als einzelnen Soldaten geht es um die psychische und physische Vorbereitung auf das, was in den Einsatzszenarien auf mich zukommen kann. Diese Vorbereitung ist in erster Linie gute und - wo erforderlich auch harte Ausbildung verbunden mit Kameradschaft, guter Führung und offener, klarer Kommunikation über Ebenen hinweg. Das ist ja alles Bestandteil der Inneren Führung – und auch, dass wir unseren Soldaten vermitteln, wofür Sie dienen und sie von diesem Auftrag selbst überzeugt sind, trägt ganz wesentlich zur Resilienz bei.


Christian Nawrat:
Für uns Soldatinnen und Soldaten kommt es darauf an, dass wir unser Handwerk beherrschen, dass wir uns aufeinander in der Gruppe verlassen können und dass wir unseren Vorgesetzten vertrauen. Die militärische Gruppe, davon bin ich zutiefst überzeugt, befähigt uns Soldatinnen und Soldaten auch in existenziellen Bedrohungslagen bestehen und unseren Auftrag erfüllen zu können. Das muss aber bereits im Frieden unser Handeln bestimmen

Unsere zeitlich intensive und fordernde wie auch anpassungsfähige Ausbildung und Übung im Frieden muss dabei immer dem Grundsatz „train as you fight“ folgen. Dies ermöglicht uns zum einen, unsere physische und psychische Robustheit zu stärken und dabei vor allem gegenseitiges Vertrauen auch in die militärischen Führer zu erlangen und damit die Voraussetzungen zum Bestehen im Krieg zu schaffen. Zum anderen können wir so Schwachstellen entdecken und Mängel beseitigen.

Dirk Franke:
Das heißt für mich zunächst einmal den Mut zu haben, sich mit den Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung auseinanderzusetzen und auch den Mut zu haben, sich und seine Frauen und Männer hierauf vorzubereiten. Dies ist kein einfacher Weg und steht im krassen Gegensatz zu gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Bundeswehr mit einer immer stärkeren Fokussierung auf Individualität und Freizügigkeit.

Gleichzeitig bedeutet das für mich die Bereitschaft zum Kampf und in letzter Konsequenz die Bereitschaft, sein eigenes Leben als höchstes Gut zu opfern.

Christian Nawrat:
Mut zum Führen und Entscheiden gegen Widerstände bedeutet, für die eigenen Überzeugungen einzutreten, an das eigene Urteilsvermögen zu glauben, den Mut haben, Risiken einzugehen und die Bereitschaft mitzubringen, aus Fehlern zu lernen. Das ist aber nicht neu und ist keine Besonderheit bei der Landes- und Bündnisverteidigung. Die Bundeswehr gibt uns militärischen Führern bereits mit dem ersten Tag der Ausbildung alles Notwendige an die Hand: Das Prinzip der Inneren Führung und das damit eng verbundene Führen mit Auftrag. Der militärische Vorgesetzte muss Vorbild sein, Vorbild in Überzeugungen zur Verteidigung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, Vorbild in der Ausbildung und Vorbild in Übung und – falls erforderlich – im Krieg und Einsatz. Durch das Führen von vorne schaffe ich Bild und Anspruch zugleich.

Dirk Franke:
Ja. Das können wir und das tun wir bereits – und das eigentlich schon immer.

Es geht bei der psychischen Vorbereitung um das „Mindset Landes- und Bündnisverteidigung“. Wir müssen vorbereitet sein auf die Landes- und Bündnisverteidigung als den Kernauftrag der Bundeswehr, auf den Ernstfall und damit verbundene Härten, dies umfasst auch den Umgang mit Verwundung und Tod.

Der Grundsatz ist „Übe wie Du kämpfst!“ – er impliziert eine realitätsnahe und fordernde, harte Ausbildung. Dies darf aber nicht missverstanden werden als “Freifahrtschein“, sondern auch hier sind Vorschriften und die Unverletzlichkeit der Menschenwürde einzuhalten.

Christian Nawrat:
Resilienz gegenüber intensiven Emotionen in einem hochintensiven Gefecht (Handlungsfähigkeit trotz Panik, Angst, Erschöpfung, Tod und Verwundung) kann durch realitätsnahe Ausbildung gefördert werden.

Das dafür notwendige Battle-Mindset bedeutet für mich: Mit Vorbild zu führen, mit Überzeugung und Eigenverantwortung zu handeln, mit Offenheit und Flexibilität an unübersichtliche Situationen heranzugehen, mit Mut und Tatkraft Entscheidungen zu treffen, Belastungen zu trotzen und mit Charakter für den Kameraden, für unser Land und für unsere Werte der freiheitlich demokratischen Grundordnung einzutreten. Es kommt darauf an, Stärke durch Belastung zu formen und es braucht dazu stete und zeitintensive Ausbildung zur Reifung durch Belastung der Frauen und Männer meines Großverbandes. Ich bin als Truppenführer der festen Überzeugung, dass eine umfassende wie aber auch flexible einsatznahe Ausbildung es meinen Verbänden ermöglichen kann, auch auf Unvorhergesehenes schnell zu reagieren und die Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen.

Resilienz aus unterschiedlichen Perspektiven

Resilienz setzt sich aus vielen Komponenten zusammen, wie der Persönlichkeit, Umweltfaktoren, persönlichen Erfahrungen und vielem mehr. Und jeder hat eine eigene Methode, seine/ihre Resilienz zu stärken, Belastungen auszuhalten, auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren und selbst bei Rückschlägen weiter zu machen. Woran sich Führungskräfte bei der Bundeswehr orientieren, was ihnen auch bei Gegenwind Halt und Kraft gibt, erfahren Sie hier.

Zitate zu Resilienz ist für mich ...
Zitate zu Resilienz ist für mich ...

Resilient werden - voneinander lernen

Tugenden wie der Sinn für Gemeinschaft, Kameradschaft und Solidarität bestimmen die Handlungsfelder Betreuung und Fürsorge des Konzepts der Inneren Führung und sollen von Führungskräften bei der Bundeswehr vorgelebt werden. So wird Vertrauen und Zusammenhalt als Voraussetzung dafür geschaffen, auch in schwierigen Situationen gemeinsam zu funktionieren und den Auftrag erfüllen zu können. Hören Sie dazu persönliche Erfahrungen, Einsichten und Tipps unserer Interviewpartner:

Resilienz braucht Vorbilder

Die Bundeswehr will aus den Erfahrungen und Erlebnissen der Soldatinnen und Soldaten lernen. Dazu gehört auch, sie nötigenfalls aufzufangen, zu versorgen und bestmöglich zu betreuen. Auch das schafft Resilienz.

Portrait Hauptfeldwebel Michel Heiland
Michel Heiland, Hauptfeldwebel
„Wir müssen endlich wieder mehr das vorleben, was wir überall schriftlich haben: Führen durch Vorbild. Initiative ergreifen, motivieren, erlebnisorientiert ausbilden. Sich nicht nur bis 15.30 Uhr mit der Ressource Mensch beschäftigen. Zuhören, was die Soldatinnen und Soldaten und deren Probleme betrifft. Gerade die Dienstälteren sollten da Vorreiter sein.“

Resilienz - Leitstelle Lotsen

Text: Lotsinnen und Lotsen für Einsatzgeschädigte

Seit 2011 hat die Bundeswehr 604 Lotsinnen und Lotsen ausgebildet.

Aktuell gibt es 398 aktive und davon 34 hauptamtliche Lotsinnen und Lotsen.

Sie betreuen und begleiten 836 Einsatzgeschädigte überall in der Bundeswehr.

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IF - Zeitschrift für Innere Führung

Vielseitig. Analytisch. Kontrovers.

Zwei Soldaten halten sich mit den Köpfen zugeneigt fest an den Armen

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung – so hilft die Bundeswehr

Traumatische Erlebnisse können zu psychischen Erkrankungen wie PTBSPosttraumatische Belastungsstörung führen. Hier finden Sie Informationen und Hilfsangebote der Bundeswehr.

Ausschnitt aus dem Cover der Orientierungshilfe: Wenn der Einsatz nicht endet

Wenn der Einsatz nicht endet

Eine Orientierungshilfe für einsatzbelastete Soldatinnen und Soldaten (Download)

Ausschnitt aus dem Cover der Orientierungshilfe: Wenn der Einsatz noch nachwirkt

Wenn der Einsatz noch nachwirkt

Eine Orientierungshilfe für Angehörige von Soldaten (Download)

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