Es gibt ein Foto aus dem Jahr 1957. Junge Offiziere, Fliegermützen, frische Uniformen, stehen vor einem deutschen Kampfjet F-86 Sabre auf einem Fliegerhorst in Süddeutschland. Neben ihnen amerikanische Ausbilder. Im Gespräch. Was das Foto nicht zeigt: Die Deutschen hatten wenige Tage zuvor zum ersten Mal eine Checkliste auf Englisch durchgearbeitet, und sie hatten sie nicht vollständig verstanden. Englisch ist die Arbeitssprache im NATO-Bündnis, doch die beherrschte noch nicht jeder. Zwei Jahre zuvor war die Bundesrepublik der NATO beigetreten. Sie suchte Schutz, denn der „Eiserne Vorhang“ teilte Deutschland und Europa. Auf seiner anderen Seite stand zum Angriff bereit der Warschauer Pakt, das Militärbündnis der Sowjetunion und ihrer Partner. Wie heute wieder, waren Abschreckung und Verteidigung die Kernaufgaben der Bundeswehr.
1956 stellte die Bundesluftwaffe ihre ersten Verbände auf. Das klang nach Neubeginn. Es war einer. Aber keiner, der auf der grünen Wiese begann. Viele der ersten Piloten hatten Kriegserfahrung, manche waren hunderte Einsätze geflogen, bei denen es um Leben und Tod ging. Sie konnten fliegen und kämpfen. Doch dieses in einem Bündnis mit internationalen Partnern zu tun, verlangte mehr. Es bedeutete gemeinsame Verfahren, Funkverkehr auf Englisch, standardisierte Karten, abgestimmte Anflugverfahren. Es bedeutete, dass ein deutscher Pilot auf einem britischen Fliegerhorst landen konnte, weil alle nach denselben Regeln arbeiteten. Diese Interoperabilität entstand nicht durch Absichtserklärungen. Sie entstand durch jahrelanges gemeinsames Üben, durch Fehler und Korrekturen. Die Alliierten sahen genau hin. Das Misstrauen war selten offen, aber spürbar. Die Antwort darauf war einfach: Verlässlichkeit. Nicht durch Worte, sondern durch Leistung. Inzwischen ist die Luftwaffe der Bundeswehr ganz selbstverständlich Teil der NATO-Streitmacht, fliegt Seite an Seite mit den Maschinen der anderen Bündnispartner.