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Geschichte der Bundeswehr

Von der Männerdomäne zur bunten Truppe

Von der Männerdomäne zur bunten Truppe

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Wenn ein Thema die Bundeswehr nachhaltig prägt, dann ist es der stetige Wandel. In ihrer über 70-jährigen Geschichte hat sie sich immer wieder die Frage gestellt, wie sie mit diesem Wandel umgehen will. Denn auch für Organisationen gilt, was Charles Darwin in der Artenforschung herausgefunden hat: „ Nicht der Stärkste überlebt, nicht einmal der Intelligenteste, sondern derjenige, der sich am schnellsten einem Wechsel anpasst.“

Soldaten unterschiedlicher Herkunft in einer Reihe

Vielfalt in der Bundeswehr bedeutet Zukunftsfähigkeit

Bundeswehr/Sebastian Wilke

1955, im Gründungsjahr der Bundeswehr, hatte Deutschland eine Bevölkerungszahl von knapp 71 Millionen Menschen. Auf 100 Männer kamen ungefähr 118 Frauen – Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges. Dennoch meldeten sich bereits in den ersten acht Monaten des Gründungsjahres 150.000 Freiwillige zur Truppe – alles Männer. Soldatinnen waren nicht vorgesehen. Bis sie das Recht auf den Dienst an der Waffe erstritten hatten, vergingen noch Jahrzehnte.

Nicht nur die Bundeswehr wuchs auf. Auch die deutsche Wirtschaft boomte. Deshalb wurden von Unternehmen und Behörden Millionen ausländischer Arbeitskräfte, sogenannte Gastarbeiter, aus verschiedenen südeuropäischen Ländern angeworben. Sie und ihre Familien bilden bis heute die größte Gruppe der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.

Multikulturelles Deutschland

Die Bevölkerungszusammensetzung der Bundesrepublik Deutschland befindet sich seitdem und aktuell im Umbruch. Nicht nur die Altersstruktur der Bevölkerung ändert sich, sondern auch die ethnische Zusammensetzung. Ebenso wie diese Entwicklungen hat auch die Tatsache, dass seit 2001 Frauen in allen Verwendungen bei der Bundeswehr zugelassen sind, Auswirkungen auf die Zusammensetzung und auf das Miteinander in der Armee.

Um weiterhin als attraktiver Arbeitgeber konkurrenzfähig im Wettbewerb um qualifiziertes Personal zu sein, muss die Bundeswehr Vielfalt (Diversität) intelligent so managen, dass sie daraus Nutzen sieht. Die Bundeswehr musste und muss also Diversity Management betreiben.

Reden über sexuelle Orientierung

Als im Januar 2017 die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen Workshop zur sexuellen Orientierung und Identität in der Bundeswehr veranstaltete, rannte sie damit dennoch keine offenen Türen ein. Ob die Truppe denn keine anderen Probleme habe, war und ist noch immer eine häufig gestellte Frage. Mehr Panzer müssten her, die Marine brauche neue Schiffe, russischer Cyberbedrohung müsse die Stirn geboten werden. All diese richtigen und wichtigen Maßnahmen übersehen eins: Sie wirken nur, wenn es Menschen gibt, Soldatinnen, Soldaten und zivile Angehörige der Bundeswehr, die sie umsetzen können.

Von der Leyen hat mit diesem Workshop gezeigt, dass das Thema sexuelle Orientierung und Identität bei einem modernen Arbeitgeber ein zentraler Punkt ist und es deshalb von oben unterstützt werden muss. In ihrer damaligen Rede hat sie klar herausgestellt, dass die Bundeswehr Diversity als Selbstverständlichkeit verstehen müsse. „Seitdem ist natürlich viel passiert. Dieser Wandel ist in den Köpfen nicht von einem Tag auf den nächsten zu erreichen“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises homosexueller Angehöriger der Bundeswehr, jetzt Queerbw, Leutnant Sven Bäring.

Ein Soldat im Porträt

Leutnant Sven Bäring ist Vorsitzender von QueerBw

Bundeswehr/Tom Twardy

Aufarbeitung der eigenen Geschichte

Ein anderes Beispiel, das den Wandel innerhalb der Bundeswehr zeigt, ist die Entschädigung schwuler Soldaten. Lange Zeit mussten sie in der Bundeswehr Nachteile befürchten, viele wurden Opfer von Diskriminierung. Mit dem im Juli 2021 in Kraft getretenen Gesetz zur Rehabilitierung homosexueller Soldatinnen und Soldaten wurde ein Stück Wiedergutmachung geleistet. 

Betroffenen können eine Rehabilitierung und Entschädigung wegen dienstrechtlicher Benachteiligungen beantragen. Das Gesetz hebt darüber hinaus wehrgerichtliche Urteile auf, soweit diese aufgrund einvernehmlicher homosexueller Handlungen ergangen sind. Für eine Antragstellung können Sie sich hier registrieren.

Die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bat die Betroffenen für das erlebte Unrecht um Entschuldigung und fand deutliche Worte: „Die Haltung der Bundeswehr zur Homosexualität war falsch. Sie war damals schon falsch und hinkte der Gesellschaft hinterher.“ Beschämend und unerhört sei es, dass die Truppe seit ihrer Gründung über Jahrzehnte hinweg Homosexuelle systematisch diskriminiert habe.

Diversity als Anspruch und Chance

Über 20 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, bei Kindern deutlich mehr, Tendenz steigend. Frauen sind mittlerweile in allen Berufsfeldern vertreten und wollen Karriere machen. Gleichzeitig schreitet auch die sexuelle Liberalisierung weiter voran. 

Um diese Realität zu berücksichtigen, gibt es seit 2016 im Verteidigungsministerium einen speziell für Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Inklusion zuständigen Bereich. Es arbeitet an strategischem Diversity Management. Eine Operation am schlagenden Herzen, denn bereits heute haben rund 16 Prozent der Soldatinnen und Soldaten laut einer Erhebung des Verteidigungsministeriums einen Migrationshintergrund. Über 13 Prozent des militärischen Personals sind Frauen. Und queere Angehörige aus Verteidigungsministerium und Bundeswehr haben sich bereits in einem eigenen Verband organisiert, dem Verein Queerbw.

Dass das Ministerium strategisch über Vielfalt nachdenkt, zeigt den Fortschritt. Das Ministerium hat das Potenzial von zukünftigen und bereits eingestellten Soldatinnen und Soldaten mit Migrationshintergrund für eine wieder wachsende Armee im Blick.

Verteidigungsminister Boris Pistorius unterstreicht  Diversität als gleichsam strategisches Ziel und Teil des Selbstverständnisses der Bundeswehr. Mit seiner Diversitätsstrategie von 2024 will das Verteidigungsministerium das Klima der Offenheit und des gegenseitigen Respekts weiter in der Bundeswehr verankern.

Boris Pistorius steht auf einer Bühne am Rednerpult und spricht.

Am 28. Oktober 2024 sprach Minister Boris Pistorius auf der zweiten Diversity Konferenz der Bundeswehr. Am gleichen Tag trat die Diversitätsstrategie des Verteidigungsministeriums in Kraft.

Bundeswehr/Tom Twardy

Interkulturalität und Interreligiosität

Bereits getroffene Maßnahmen für ein Mehr an Diversität findet man zum Beispiel beim Zentrum Innere Führung der Bundeswehr, das sich um das Leitbild des Staatsbürgers oder der Staatsbürgerin in Uniform und das Innere Gefüge der Streitkräfte kümmert. Bereits seit einigen Jahren gibt es hier mehrere Ansprech- und Koordinierungsstellen für nichtchristliche Soldatinnen und Soldaten und interkulturelle Fragen. Auch die Führungsakademie der Bundeswehr integriert das Thema verstärkt in die Ausbildung angehender Führungskräfte der Bundeswehr.

Als Ausdruck der Anerkennung der jüdischen Bundeswehrangehörigen hat die Bundeswehr 2021 eine jüdische Militärseelsorge eingerichtet. Ihre Militärrabbiner sind deutschlandweit in fünf Außenstellen für die Soldatinnen und Soldaten da. Zusätzlich ist beabsichtigt, allen muslimischen Männer und Frauen in der Bundeswehr Militärimame seelsorgerisch zur Seite zur Stellen.

Eine Bundeswehr für alle

Bei Vielfalt und Chancengerechtigkeit geht es nicht nur um nackte Zahlen. Die Bundeswehr hat sich stets als Spiegel der Gesellschaft verstanden. Dieser Anspruch bedeutet, allen Deutschen gleichermaßen die Möglichkeit zu geben, ihrem Land zu dienen. Er bedeutet, dass die Bundeswehr die Armee aller Bürgerinnen und Bürger ist und die Rechte aller schützt.

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