Im scharfen Schuss

Angriff im Breitkeil

Angriff im Breitkeil

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Heer
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
4 MIN

In der Lüneburger Heide schlägt das Herz der gepanzerten Kampftruppen. Auf dem mehr als 100 Quadratkilometer großen Truppenübungsplatz Munster-Nord trainieren die Panzerkompanien des Heeres auch im scharfen Schuss das Gefecht der verbundenen Waffen. Hier zeigen sie ihre Leistungsfähigkeit.

Ein mit Tannenzweigen bedeckter Panzer fährt einen Wladweg entlang

Angriffsbeginn: Wenn der Panzer rollt, ist keine Zeit mehr für Nachfragen

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Der Boden bebt in der Lüneburger Heide. 14 Kampf- und Schützenpanzer überschreiten miteinander die Ablauflinie. Damit hat der Angriff auf den Feind begonnen. Auf einer Breite von knapp einem Kilometer bewegen sich jeweils 60 Tonnen Stahl immer schneller vorwärts. In langer Kette folgen dahinter weitere gepanzerte Gefechtsfahrzeuge. Die 3. Kompanie des Panzerlehrbataillons 93 aus der Garnisonsstadt Munster rückt vor. „Ich greife im Breitkeil an“, lautet der Angriffsbefehl der Kompaniechefin. Damit meint sie eine Formation, bei der einige ihrer Fahrzeuge breit nebeneinander vorn fahren und der Rest tief gestaffelt folgt. Major Karolin Böhme führt rund 170 Soldatinnen und Soldaten, die auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord das Gefecht mit ihren Panzerfahrzeugen trainieren.

Geballte Feuerkraft im Angriff 

Die Kompanie ist durch Panzergrenadiere, Pioniere und ein Joint Fire Support Team verstärkt worden. Böhme hat das Kommando über mehr als 20 Gefechtsfahrzeuge – allesamt gepanzertes Großgerät des deutschen Heeres. „Ich arbeite hier mit Panzerprofis“. Mit ihrer Kompanie kämpft sie sich im Schnitt alle fünf Minuten einen Kilometer weiter vor. Ihr Angriffsziel ist noch fünfzehn Kilometer entfernt. Über 102 Quadratkilometer erstreckt sich der Truppenübungsplatz. Leitung, Organisation und Sicherheit bei dieser Gefechtsübung sind in Verantwortung des Schießübungszentrums Panzertruppen. So kann sich die Kompaniechefin auf ihren taktischen Auftrag konzentrieren. In ihrer Befehlsausgabe hat Böhme zuvor alle Führer in die Lage eingewiesen. Da befanden sie sich noch im Verfügungsraum im Wald und nahe der Ablauflinie.

Diese Linie ist nirgendwo im Gelände markiert. Sie existiert lediglich auf den Lagekarten des Führungspersonals und dient der Koordinierung im Angriff. Hat die Truppe diese Linie überschritten, dann hat der Angriff begonnen. Dann gilt der militärische Grundsatz: Tempo aufnehmen und Stoßkraft entwickeln. „Danach gibt es kein Zurück mehr“, sagt Böhme. In der Panzertruppe bedeutet das, mit Mensch und Material an die Grenzen zu gehen. Die vielen Soldatinnen und Soldaten mit ihren schweren Gefechtsfahrzeugen müssen koordiniert und zielgerichtet eingesetzt werden. Auch wenn es laut ist, schlecht riecht und nur wenig zu sehen ist. Böhmes Kampf- und Schützenpanzer vom Typ Leopard 2 A6 und Puma können bis zu 70 Kilometer pro Stunde fahren und mit ihren 120-Millimeter- sowie 30-Millimeter-Kanonen über drei Kilometer weit schießen. „Die größte Herausforderung für mich ist es, im Gefecht den Überblick zu behalten,“ sagt Böhme.

Die Kompaniechefin Karolin Böhme bespricht sich mit anderen Teammitgliedern in einem Zelt

Befehlsausgabe: Kompaniechefin Karolin Böhme geht mit ihren Führern durch, wie der Angriff ablaufen soll

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Major Karolin Böhme steht mit einer weiteren Person in Uniform auf einer Waldlichtung

Konzentriert: Gleich muss Major Karolin Böhme beweisen, dass sie ihr Geschäft beherrscht

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Heimat der Panzertruppe 

Die Garnisonstadt Munster in der Lüneburger Heide ist Sitz mehrerer Verbände der Panzerlehrbrigade 9. Der Führungsnachwuchs der Panzertruppen wird in der Panzertruppenschule in Munster ausgebildet, zu der auch das Schießübungszentrum gehört. „Am Schießübungszentrum Panzertruppen üben verstärkte Kompanien das Gefecht“, erklärt Hauptmann Lukas Reitstetter, einer der Ausbilder im Zentrum. Bei Reitstetter haben schon dutzende Panzerkompanien ihr Leistungsvermögen unter Beweis stellen müssen. Zusammen mit 46 Kameradinnen und Kameraden sorgt er dafür, dass auch Böhmes Kompanie zeigt, was sie kann.

Hauptmann Lukas Reitstetter im Portrait
Lukas Reitstetter, Hauptmann Bundeswehr/Sebastian Wilke
„Die Truppe ist hochmotiviert.”

Reitstetter bewertet als Schiedsrichter das Vorgehen der jeweiligen Führer. „Das Verhalten auf dem Gefechtsfeld ist wichtig, um die eigene Überlebensfähigkeit zu steigern,“ sagt er. Das hätten die Bilder ausgebrannter Panzer in der Ukraine mit Nachdruck gezeigt. Militärische Führer müssten beim Einsatz von Panzern auf dem Gefechtsfeld Grundsätze der Bundeswehr und der NATO berücksichtigen. „Eine Panzerkompanie wird immer nur im Verbund mit anderen Truppengattungen eingesetzt. Die fahren nie allein ins Gefecht,“ sagt der Hauptmann. Unterschiedliche Teileinheiten im Gefecht zu koordinieren und zu führen ist eine hohe Kunst. Dass sie das kann, muss Böhme bei dieser Gefechtsübung beweisen. 

Kluge und zweckmäßige Entscheidungen 

Die Panzerkompanie befindet sich jetzt mitten im Gefecht. Aus der Fahrt heraus feuern die Panzer mit ihren stabilisierten Bordkanonen. Abwechselnd blitzen Feuerbälle in vorderster Linie auf. „Alpha hier Bravo, mein Bereich rechts von Buschgruppe im Vorgelände. Du übernimmst links“ - die Zugführer koordinieren ihr taktisches Vorgehen per Funk. Aufklappende Scheiben, die aussehen wie Panzer, stellen den Feind dar.

Das offene, weite Gelände hat Böhme mit ihren vordersten Panzern durchstoßen. An einem Waldstück mit engen Wegen muss die Kompaniechefin eine Entscheidung treffen. Hier sind ihre Stahlkolosse anfällig für kleine Trupps mit Panzerabwehrwaffen. Sie setzt daher ihre Panzergrenadiere ein. Die Pioniere unterstützen diese, um Sperren zu erkunden. Der Gefechtslärm nimmt wieder zu. Die Grenadiere bekämpfen feindliche Schützen und die Pioniere sprengen aufgeklärte Richtminensperren. Böhme kann ihre Kampfpanzer nach vorn ziehen.

Die Übung neigt sich dem Ende zu. Die Schiedsrichter des Schießübungszentrums sind zufrieden. Sie attestieren Böhme zweckmäßige Entscheidungen im Gefecht. Die 3. Kompanie des Panzerlehrbataillons 93 hat ihr Können bei dieser Gefechtsübung im scharfen Schuss bewiesen.

von Matthias Lehna

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