Litauen – Land und Leute
Litauen ist seit 2004 Mitglied der NATO und der EU und Teil des Schengen-Raumes. Es ist das größte der drei baltischen Länder.
Litauen ist seit 2004 Mitglied der NATO und der EU und Teil des Schengen-Raumes. Es ist das größte der drei baltischen Länder.
Litauen versteht sich als moderne Nation mit tief verwurzelten Traditionen und einer jungen, europäischen Mentalität. Das baltische Land ist EU-Mitglied, Teil des Schengen-Raums und nutzt den Euro. Die Hauptstadt Vilnius ist bekannt für ihre barocke Architektur. Junge Menschen in Litauen empfinden laut Berichten eine hohe Lebenszufriedenheit.
In Litauen leben rund 2,8 Millionen Menschen. Im russischen St. Petersburg leben etwa doppelt so viele Menschen. Litauen liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Berlin und Moskau. Französische Geografen haben vor einigen Jahren die Mitte Europas errechnet und sind dabei auf eine Stelle 24 Kilometer nördlich von Vilnius gekommen, der Hauptstadt Litauens.
Litauen ist im Aufbruch: In Folge eins der Ynside-Serie entdeckt Major Zeidler die Hauptstadt Vilnius. Eine moderne Stadt mit historischen Wurzeln. Die Menschen berichten, was sie bewegt und was sie sich von der deutschen Brigade versprechen.
Die Einwohner Litauens gelten als herzlich, gastfreundlich und hilfsbereit. Ihr Land wird auch als Land der Flüsse und Seen bezeichnet. Es gibt rund 22.000 Flüsse und Bäche und über 2.800 Seen. Dazu kommt ein schönes Stück Ostseeküste. Rund ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet.
Litauen war zwischen 1795 und 1917 Teil des Russischen Reichs, bevor es 1918 wieder unabhängig wurde. Die Unabhängigkeit endete allerdings schon im Sommer 1940. Die Rote Armee besetzte das Land und Litauen wurde zur Sowjetrepublik. Das hielt bis 1990 – unterbrochen durch eine Phase deutscher Besatzung in den Jahren 1941 bis 1945. 1990 folgte die erneute Erklärung der Unabhängigkeit. 1992 verließen letzte russische Truppen das Land.
In ihrer langen Geschichte haben die Litauerinnen und Litauer schwer gelitten und einiges ertragen. Ihr Boden hat viel Blut aufgenommen. Trotzdem sind sie für Freiheit und Unabhängigkeit immer wieder aufgestanden. All das ist in der Flagge Litauens abgebildet. Drei horizontale Streifen von oben nach unten stehen für die Werte des Landes in den Farben Gelb, Grün, Rot. Gelb bedeutet Sonne, Getreide, Licht und Güte. Grün steht für Natur, Freiheit und Hoffnung. Und Rot symbolisiert das Land, den Mut und das Blut.
Politisch ist das Land heute eine parlamentarische Republik mit einem Regierungschef (Premierminister/in) und einem direkt gewählten Staatsoberhaupt (Präsident/in).
Als erster der baltischen Staaten erklärte Litauen am 11. März 1990 seine Unabhängigkeit. Heute ist der 11. März ein Nationalfeiertag. Litauen ist stolz auf seine Freiheit und Selbstbestimmung. Und auf seine fünf UNESCO-Welterbestätten. Dazu gehören unter anderem die historische Altstadt von Vilnius und die Kurische Nehrung an der Ostsee. Das südlichste Land des Baltikums hat viel zu bieten.
Die Altstadt von Vilnius ist seit 1994 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – sie wird als zeitlose Schönheit beschrieben, die viel über ihre lange Geschichte erzählt. Zu dieser Geschichte zählen die Hinterlassenschaften russischer Besatzung genauso wie die Spuren italienischer Architektur- und Bildhauertradition an Denkmälern, Bauten und Kirchen, weswegen Vilnius auch „Rom des Nordens“ genannt wird. An den Handelsrouten zwischen Russland, Wien und Venedig gelegen ist man im 16. Jahrhundert zu einigem Wohlstand gelangt. Das ist heute noch erkennbar.
Die größte Stadt des Landes mit gut einer halben Million Einwohnern ist zudem eine Universitätsstadt. Die 1579 gegründete Universität von Vilnius gehört zu den ältesten Bildungseinrichtungen Mittel- und Nordeuropas und genießt heute internationales Ansehen.
Stadt und Land sind tief verwurzelt in der eigenen Historie, während die Menschen gleichzeitig selbstbewusst den Blick nach vorn richten. Westlich der Altstadt entfaltet sich mit der Neustadt das moderne Zentrum der Hauptstadt.
Das Immunsystem stärken, die Verdauung anregen und Glückshormone aktivieren – das gelingt den Litauerinnen und Litauern mit dem Gold des Nordens, dem Bernstein. Genauer gesagt, mit einer Bernsteinmassage, bei der der Körper mit Bernsteinsäckchen eingerieben wird. Litauen verfügt über ein breites Wellness- und Gesundheitsangebot. Das reicht von langen Waldspaziergängen in bester frischer Kiefernluft über die klassische Sauna bis zu diversen Naturmittel- und Heilschlammanwendungen. Getrunken wird Mineralwasser aus unterirdischen Quellen, dem eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.
Die Litauerinnen und Litauer bewegen sich gerne in der unberührten Natur, in Wäldern, auf Wiesen und in Moorlandschaften. 200 solcher Gebiete im Land stehen unter Schutz, es gibt fünf Nationalparks. Beim Wandern singen die Litauerinnen und Litauer ihre Volkslieder, die Dainos.
Zu den Leidenschaften der Litauerinnen und Litauer zählen gesunde und genussvolle Lebensmittel. Knapp die Hälfte der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt. Ein beliebtes Nationalgericht ist der Cepelinai, ein mit Hackfleisch, Quark oder Pilzen gefüllter Kartoffelkloß. Das Duona, ein Roggen-Schwarzbrot, wird warm serviert. Und dann gibt es da noch die Banda, ein aus Kartoffeln und Buchweizen bestehendes Fladenbrot, das häufig zusammen mit einem frisch gebackenen Hüttenkäse kommt, der ebenfalls zu den kulinarischen Spezialitäten Litauens gehört.
Auch Süß- und Salzwasserfische sind naturgemäß Teil der traditionellen litauischen Küche. Zum Nachtisch gibt es gerne ein Stück Baumkuchen, der am Spieß zubereitet wird. Die Litauerinnen und Litauer verstehen es außerdem, die Gläser zu füllen. In dem baltischen Land gibt es eine jahrhundertealte Geschichte des Bierbrauens – vom Pils bis zum Kreativbier junger Brauereien ist alles vertreten.
Barockjuwel Europas: Die Altstadt der litauischen Hauptstadt Vilnius ist eine der größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Altstädte Osteuropas
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Die Altstadt von Vilnius ist bekannt für ihre historischen Gebäude in unterschiedlichen Stilen, darunter barocke und gotische Kirchen oder auch das klassizistische Rathaus
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Sie bietet kopfsteingepflasterte Straßen, beeindruckende Kirchen, eine lebendige Café-Kultur und eine kreative Künstlerszene
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Mit ihrer einzigartigen Mischung aus gotischer, Renaissance-, Barock- und klassizistischer Architektur ist sie seit 1994 UNESCO-Weltkulturerbe
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Der achteckige Gediminas-Turm der oberen Burg auf dem Gediminas-Hügel in der litauischen Hauptstadt Vilnius gilt als Wahrzeichen von Vilnius
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Mittelalterliche Inselburg Trakai: Als ehemalige Residenz der litauischen Großfürsten aus dem 14. Jahrhundert beherbergt sie heute ein historisches Museum und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens
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Landestypische traditionelle Holzhäuser prägen den ländlichen Raum Litauens
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Land der Flüsse und Seen. Litauen nennt über 3.000 Seen und rund 800 Flüsse sein eigen, hier zu sehen: der Fluss Neris in Vilnius.
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In Litauen gibt es über 200 Naturschutzgebiete, darunter fünf Nationalparks und 30 Regionalparks, die zum Wandern einladen. Zum Aukštadvaris-Regionalpark gehört unter anderem der hier abgebildete See Nava.
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Die Kurische Nehrung in Litauen ist bekannt für ihre beeindruckende Landschaft, in der riesige Sanddünen direkt auf die blaue Ostsee treffen. Der über 50 Kilometer lange Sandstreifen ist ebenfalls Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
IMAGO/Zoonar/Annax LuryeLitauen hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Belarus, Polen und der russischen Exklave Kaliningrad. Die Grenze zu Polen im Süden ist nur etwa 100 Kilometer lang. Als einzige Landverbindung der baltischen Staaten zum übrigen NATO-Bündnisgebiet hat die sogenannte Suwałki-Lücke große strategische Bedeutung. Die Region um die Suwałki-Lücke gilt, vor allem seit der russischen Annexion der Krim 2014, als besonders gefährdet.
Angrenzend zur NATO-Ostflanke zwischen den beiden NATO-Mitgliedstaaten Polen und Litauen sowie der russischen Exklave Kaliningrad und Belarus als russischem Verbündeten verläuft eine knapp 65 Kilometer breite Landenge, die Suwałki-Lücke
Bundeswehr/Astrid Höffling | Kartenbasis: © MapCreator/OpenStreetMapLitauen ist seit 2004 Mitglied der NATO und der EU. Mit der Erweiterung des Schengen-Raums 2007 trat auch Litauen diesem bei. Die Kontrollen an der Grenze zu Lettland und Polen wurden am 21. Dezember 2007 abgeschafft. Deutschland hat schon vor einiger Zeit in besonderem Maße Verantwortung in dem größten der drei baltischen Länder übernommen. Bereits seit mehr als sechs Jahren sind im Wechsel Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Litauen im Einsatz. Deutschland hat dort die Führung der multinationalen Battlegroup Litauen/MN BG LTU zum Schutz der Ostflanke der NATO übernommen.
Unter den europäischen Ländern gilt Deutschland in Litauen als wichtiger – wenn nicht sogar wichtigster – Bezugspunkt und Garant für Zusammenhalt und Weiterentwicklung. Auch in der NATO ist Deutschland nach den USA der bedeutendste Partner des Landes. Im Juni 2023 hat Verteidigungsminister Boris Pistorius die permanente Stationierung einer Brigade in Litauen zugesagt. Deutschland übernimmt damit besondere Verantwortung für die Verteidigung der Ostflanke der NATO. Eine dauerhafte Stationierung eines Großverbands der Bundeswehr im Ausland hat es bislang nicht gegeben.