Diagnose PTBS – Informationen für Truppenärzte

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr stellt sicher, dass Soldatinnen und Soldaten vor, während ihres Einsatzes und danach medizinisch optimal versorgt werden. Da psychische Erkrankungen von den Betroffenen meist zunächst in Form von körperlichen Beschwerden wahrgenommen werden, suchen sie häufig zunächst die Hilfe von Truppenärztinnen und Truppenärzten auf.

So hilft der Truppenarzt bei einer Einsatzschädigung

Für die Diagnose und Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung sind Sie, die Truppenärztinnen und Truppenärzte der Bundeswehr, von entscheidender Bedeutung. Sie stehen als primäre Ansprechpartner im Sanitätsdienst einsatzbelasteten Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung. Zudem führen Sie die militärärztliche Begutachtung bei Einsatzrückkehrenden durch. Auf diese Weise sind Sie oft die Ersten, die Symptome einer PTBSPosttraumatische Belastungsstörung bei den Soldatinnen und Soldaten bemerken. An dieser Stelle finden Sie Tipps und Unterstützung, wie Sie mit den Betroffenen umgehen und Ihnen helfen können.

Mehr als nur der Arzt für die Truppe

Da Diagnostik und Therapie bei psychischen Erkrankungen komplex sind, haben Truppenärztinnen und Truppenärzte auch eine Mittlerfunktion zwischen den Patientinnen und Patienten, Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie oder Psychotherapie, Disziplinarvorgesetzten sowie den anderen Angehörigen des Psychosozialen Netzwerks und der Interdisziplinären Patientenzentrierten Rehabilitationsteams. Sie leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Koordination aller Maßnahmen. 

Truppenärztin im Beratungsgespräch mit Mann am Schreibtisch

Die Truppenärztinnen und Truppenärzte des Sanitätsdienstes der Bundeswehr sind oft die Ersten, die Einsatzfolgeschäden feststellen

Bundeswehr/Michael Laymann
Truppenärztin bei der Untersuchung eines Mannes

Sie identifizieren für die Soldatin bzw. den Soldaten geeignete Therapie-Möglichkeiten

Bundeswehr/Markus Feger

Noch in der Ausbildung? PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Tipps für junge Truppenärzte

Junge Truppenärzte der Bundeswehr im Gespräch mit Ärztin

Ob tatsächlich eine psychische Störung im Sinne der Einsatzunfallverordnung vorliegt, diagnostiziert ausschließlich eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Bundeswehr

Bundeswehr/Markus Feger

Als Truppenärztin oder Truppenarzt sollten Sie über Grundkenntnisse zu PTBSPosttraumatische Belastungsstörung und deren Behandlung verfügen. Inzwischen machen auch zunehmend mehr Truppenärztinnen und Truppenärzte, insbesondere angehende Fachärztinnen und Fachärzte für Allgemeinmedizin, gute Erfahrungen mit der Option, drei bis sechs Monate ihrer Weiterbildung in einer psychiatrischen Abteilung eines Bundeswehrkrankenhauses zu absolvieren. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Psychiatrien der Bundeswehr ausgesprochen willkommen, denn sie können später in der Truppe Multiplikatoren für eine besonders häufige und nicht selten herausfordernde Patientengruppe sein.

Haben Sie bei einer Soldatin oder einem Soldaten den Verdacht auf eine Einsatzfolgeschädigung, sollten Sie frühzeitig in Kontakt mit Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie treten. Das Psychotraumazentrum des Bundeswehrkrankenhauses Berlin steht Ihnen für fachliche Rückfragen gerne zur Verfügung.

Neben der Behandlung allgemeinpsychiatrischer Erkrankungen liegt der Schwerpunkt des Psychotraumazentrums der Bundeswehr am Bundeswehrkrankenhaus Berlin in der Therapie von belastungsreaktiven Störungen wie Posttraumatischen Belastungsstörungen und Anpassungsstörungen. Während der regulären Dienstzeiten erreichen Sie das Geschäftszimmer des PTZPsychotraumazentrum unter der Bundeswehr-internen Nummer +49 90-8202-1621.

Verweisen Sie Ihre Patientinnen und Patienten vorsorglich auch immer auf die kostenlose Smartphone-App „CoachPTBS“. Sie kann bei Frühsymptomen helfen.
 

In diesem Video erhalten Truppenärzte der Bundeswehr Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Patienten mit Verdacht auf eine einsatzbedingte psychische Störung.

Leitfaden für Truppenärztinnen und Truppenärzte

Der Leitfaden „Umgang mit psychisch und/oder physisch Einsatzgeschädigten in der Bundeswehr“ gibt einen Überblick über den Umgang mit Einsatzschädigungen und fasst Maßnahmen, Verfahren und rechtliche Rahmenbedingungen zusammen.

Für Truppenärztinnen und Truppenärzte sind insbesondere die Kapitel bedeutsam, die die Behandlung von Einsatzgeschädigten innerhalb und außerhalb der Bundeswehr von der Nachsorge über die Rehabilitation bis zur Wiedereingliederung darstellen. Der Leitfaden beschreibt:

  • die Einbindung von (Disziplinar-) Vorgesetzten an definierten Punkten des Verfahrens
  • die Funktion und Erreichbarkeit der interdisziplinären Patientenzentrierten Rehabilitationsteams 
  • die Zusammenarbeit der Zentralen Koordinierungs- und Anprechstelle für Einsatzgeschädigte im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr – künftig Zentrale Ansprech-, Leit- und Koordinierungsstelle für Menschen, die unter Einsatzfolgen leiden (ZALK) – mit der Sanitätsdienstlichen Koordinierungs- und Ansprechstelle für Einsatzgeschädigte 

Leitfaden „Umgang mit psychisch und/oder physisch Einsatzgeschädigten in der Bundeswehr“ herunterladen (PDF, 486,9 KB)

Regelung zur Behandlung und Begutachtung Einsatzgeschädigter

Die Bereichsvorschrift C1-800/0-4015 zeigt Ihnen die notwendigen Schritte, wenn Sie PTBS-Betroffene versorgen oder begutachten.

Die Bereichsvorschrift C1-800/0-4015 : Regelung zur Behandlung und Begutachtung Einsatzgeschädigter PDF, barrierefrei, 522 KB

PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Instanzen von der Aufnahme bis zur Wiedereingliederung

Sie vermuten im Rahmen der Nachsorge bei einer Soldatin oder einem Soldaten Einsatzfolgeschäden? Oder hat sich eine Rückkehrerin oder ein Rückkehrer mit Fragen oder Symptomen einer PTBSPosttraumatische Belastungsstörung an Sie gewandt? Folgende Maßnahmen sollten Sie einleiten, beziehungsweise begleiten:

Bei Verdacht auf PTBSPosttraumatische Belastungsstörung können Truppenärztinnen oder Truppenärzte die Patientin oder den Patienten an folgende ärztliche und fachärztliche Einrichtungen verweisen:

  • Anmeldung in einer fachärztlichen Untersuchungsstelle VI in einem Bundeswehrkrankenhaus. 
  • Vorstellung in der Traumaambulanz des Psychotraumazentrums Berlin. Terminvergabe innerhalb von zwei Wochen.
  • Überweisung an eine niedergelassene Psychologische Psychotherapeutin oder einen niedergelassenen Psychologischen Psychotherapeuten. Die Truppenärztin oder der Truppenarzt kann probatorische Therapie-Sitzungen verordnen, also Probesitzungen, in denen eine genauere Diagnose vorgenommen und das geeignete Therapierverfahren festgelegt wird. 
  • Außerdem kann eine Kurzzeittherapie bis 25 Therapiestunden verordnet werden. Eine Langzeittherapie hingegen verordnet das Kommando Regionale Sanitätsdienstliche Unterstützung in Diez.
  • Zur Prüfung der Gewährung des Ausgleiches für Wehrdienstbeschädigung (Anwendung des §85 SVG) muss ein WDBWehrdienstbeschädigung-Blatt angelegt werden. Bei Fragen dazu nehmen Sie Kontakt zum örtlichen Sozialdienst auf.
  • Im Notfall: Vorstellung in der Notaufnahme eines Bundeswehrkrankenhauses noch am selben Tag.
  • Im akutem Notfall (etwa bei Suizidgefahr, schwerer Intoxikation oder akuter Psychose): Vorstellung im nächstgelegenen zivilen psychiatrischen Krankenhaus.
  • Bei akuter Selbst- und Fremdgefährung: Zwangseinweisung entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen unter Rückgriff auf die lokal unterschiedlichen zivilen Akteure.

Die regionalen Sanitätseinrichtungen und insbesondere die behandelnden Truppenärztinnen und Truppenärzte sind für die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung von PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Erkrankten das entscheidende Bindeglied. Dort laufen verschiedene fachärztliche Befunde zusammen und der Patient oder die Patientin wird oft über Jahre begleitet und unterstützt. 

Die vor Ort notwendigen Abstimmungen und organisatorischen Handlungen werden in enger Zusammenarbeit mit den Interdisziplinären Patientenzentrierten Rehabilitations-Teams an den Sanitätsunterstützungszentren (SanUstgZ) koordiniert. Eine Abstimmung mit den Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie der Bundeswehr ist zudem von großer Bedeutung für den Behandlungserfolg.

Die IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams planen fach- und approbationsübergreifend den Behandlungs- und Rehabilitationsverlauf der Betroffenen und steuern die Rehabilitation. Sie sind auf der Ebene der Bundeswehrkrankenhäuser sowie der regionalen Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr organisiert. Ihre PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Betroffenen finden hier erfahrene Helferinnen und Helfer. Die IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams entwickeln und begleiten individuelle Behandlungs- und Therapiepläne. 

So stellen die IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams die fachübergreifende Behandlung einschließlich der Rehabilitation, der Pflegemaßnahmen und der Wiedereingliederung sicher. Sie steuern die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung. Sie benennen jeweils eine Ansprechstelle, einen Point of Contact (POCPoint of Contact) im IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams für jede Betroffene oder jeden Betroffenen und arbeiten eng mit dem Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr zusammen. 

Nicht jede einsatzbedingte Gesundheitsstörung wird zwingend im IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams behandelt.

Truppenärztinnen und Truppenärzte sollten, wenn es um die Rehabilitation und Wiedereingliederung der Erkrankten geht – unter  Beachtung der ärztlichen Schweigepflicht – in Kontakt mit den Vorgesetzten und Truppenpsychologinnen oder Truppenpsychologen der Betroffenen treten. Mit Vorgesetzten Truppenpsychologinnen oder und Truppenpsychologen der Betroffenen können Truppenärztinnen und Truppenärzte bei PTBSPosttraumatische Belastungsstörung besprechen, wie eine Rehabilitation oder Wiedereingliederung Betroffener durch die Einheit unterstützt werden kann. Bekannte Routinen können Erkrankten hierbei helfen. 

Bei längerfristigen Krankschreibungen ohne erkennbaren Therapiefortschritt sollten im Rahmen der IPRInterdisziplinäre Patientenzentrierte Rehabilitationsteams die Truppenärztinnen oder Truppenärzte gemeinsam mit den Erkrankten und den Fachärztinnen oder Fachärzten für Psychiatrie beziehungsweise Psychotherapie die Therapieziele neu definieren und die Möglichkeiten der Umsetzung besprechen. Parallele und ergänzende Maßnahmen können sein:

  • ein Wiedereingliederungsmodell in die jeweilige Einheit
  • dienstliche Umsetzung oder heimatnahe Versetzung
  • Nutzung ziviler rehabilitativer Einrichtungen
  • eine dreiwöchige, stationäre Rehabilitation im PTZPsychotraumazentrum Berlin
  • weitere bundeswehrinterne Rehabilitationsmöglichkeiten, wie beispielsweise eine Teilnahme am Programm „Sport für Einsatzgeschädigte“ am Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr

Erfahrungsgemäß verläuft der Heilungsprozess bei PTBSPosttraumatische Belastungsstörung besser, wenn das private und berufliche Umfeld der Patientin oder des Patienten miteinbezogen werden. Deshalb sollten Sie sich frühzeitig mit dem zuständigen Sozialdienst der Bundeswehr in Verbindung setzen, um mit diesem gemeinsam „über den medizinischen Tellerrand“ hinaus zu schauen. In manchen Fällen kann der medizinische Erfolg behindert sein, wenn an ganz anderer Stelle der Schuh drückt, wie zum Beispiel bei finanziellen Schwierigkeiten, Konflikten in der Partnerschaft oder Ähnlichem. Darüber hinaus bietet die Bundeswehr unter anderem die Teilnahme an einem achttägigen Fachberatungsseminar „Betreuung und Fürsorge unter einem Dach“ an, an dem PTBSPosttraumatische Belastungsstörung-Betroffene mit ihren Familienangehörigen teilnehmen können. Es bietet Einsatzgeschädigten und jeweils einer Begleitperson Unterstützung, Beratung, Betreuung und Entlastung. Die Teilnahme kann nach Abschluss der Akutbehandlung und möglichst weitem Fortschritt in der Rehabilitation die Rückkehr in den geregelten Alltag erleichtern. Mitreisende Kinder werden während des Seminars altersgerecht betreut.

Für den Beginn von beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen sollte die medizinische Rehabilitation der Betroffenen so weit fortgeschritten sein, dass sie langfristig an Bildungsmaßnahmen teilnehmen können. Vor Beginn einer beruflichen Qualifikation wird Ihnen die Soldatin oder der Soldat ein Formular vorlegen, in dem Sie bescheinigen müssen, dass für die berufliche Qualifikationsmaßnahme eine Ausbildungsfähigkeit aus ärztlicher Sicht besteht. Sie können diese auch formlos schriftlich bescheinigen. Nimmt die Soldatin oder der Soldat eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme nach dem Einsatz-Weiterverwendungsgesetz in Anspruch, endet die Schutzzeit spätestens nach fünf Jahren ab Maßnahmebeginn. Sie kann um weitere drei auf insgesamt bis zu acht Jahre verlängert werden, wenn das Erreichen des Qualifizierungsziels zu erwarten ist.

Wenn im Rahmen der medizinischen Behandlung Fragestellungen zu der beruflichen Rehabilitation der Patientin oder des Patienten aufkommen, ist es hilfreich, in direkten Kontakt mit der zuständigen Beraterin oder dem zuständigen Berater des Berufsförderungsdienstes der Bundeswehr (BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr) zu treten. Falls Sie nicht wissen, welcher BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr für Ihre Patientin oder Ihren Patienten zuständig ist, finden Sie diesen über das Berufsförderungsdienstverzeichnis.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt und dem zuständigen BFDBerufsförderungsdienst der Bundeswehr garantiert eine optimale berufliche Rehabilitation. 

Fragen Sie die Experten

Die Klinischen Direktoren der Kliniken für Psychiatrie und Seelische Gesundheit an den Bundeswehrkrankenhäusern sind Ihre Ansprechpartner, wenn Sie fachliche Fragen zur Behandlung von psychischen Erkrankungen haben.

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