So wird die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr fit für die Bündnisverteidigung
Mit einem feierlichen Appell auf der Bonner Hardthöhe wurde die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr neu gegliedert, um einsatzbereiter zu sein.
Bürgerinnen und Bürger fragen, Führungskräfte aus Bundeswehr und Verteidigungsministerium antworten: Das ist die Idee von „Nachgefragt“. Die Reihe wurde mit Beginn des Ukrainekriegs gestartet. Regelmäßig gibt es eine neue Folge mit wechselnden Gästen. Sie vermitteln sicherheitspolitische Informationen aus erster Hand.
Die Bundeswehr muss für die Landes- und Bündnisverteidigung auf alles vorbereitet sein. Im Falle einer Konfrontation mit Russland müsse auch mit dem Einsatz von Chemiewaffen gerechnet werden, sagt Oberst Stephan Saalow. Der Kommandeur des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommandos der Bundeswehr erklärt, wie sich Deutschland gegen die Bedrohung wappnen kann.
Das Umfeld der Bundeswehr ist mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ein anderes geworden. Das gilt auch für die Bedrohung durch atomare, biologische und chemische Kampfstoffe. „Der Einsatz von ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kampfmitteln und ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kampfstoffen ist real“, sagt Saalow. Die russische Armee habe im Verlauf des Kriegs bereits mehrere hunderte Male chemische Stoffe auf ukrainischem Boden eingesetzt, so der Kommandeur des ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkommandos der Bundeswehr im Gespräch mit „Nachgefragt“-Moderator Hauptmann Jan Czarnitzki. „Deshalb müssen wir uns damit beschäftigen.“
Zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine habe man vor allem befürchtet, dass es während der Kämpfe zu Kollateralschäden an Industrieanlagen und Atomkraftwerken wie Tschernobyl kommen würde, so der Oberst. Diese Befürchtungen hätten sich bewahrheitet. Weiterhin habe sich gezeigt, dass der Invasor auch Reizstoffe wie Tränengas verwende. Inzwischen hätten Nachrichtendienste aus Deutschland und den Niederlanden bestätigt, dass Russland auch den Kampfstoff Chlorpikrin in der Ukraine einsetze. „Chlorpikrin ist ein Lungenkampfstoff, der bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzt worden ist“, erklärt Saalow. „Hier handelt es sich definitiv um einen Verstoß gegen das Völkerrecht oder gegen die Chemiewaffenkonvention.“ Der Verteidigungsminister der Niederlande habe danach von einem systematischen und breiten Einsatz von chemischen Kampfstoffen durch Russland gesprochen. „Das ist, glaube ich, ganz prägnant. Es zeigt, auf welchem Weg wir uns gerade befinden“, so der Oberst.
Russland verwende Chlorpikrin, um eine direkte taktische Wirkung gegen die ukrainischen Truppen zu erzielen, sagt Saalow. „Die Russen setzen Kampfstoffgranaten ein, die noch zu Hunderttausenden aus alten sowjetischen Zeiten auf den Lagern liegen.“ Diese würden dann mittels Drohnen über den ukrainischen Stellungen abgeworfen, um den Kampfstoff freizusetzen. „Das sinkt dann in die Kampfstände und zwingt den Soldaten aus der Stellung heraus.“ Direkt im Anschluss würden die dann ungeschützten Truppen mit weiteren Drohnen oder mit Artillerie bekämpft. Wer keine Gasmaske trage, müsse mit schweren, mitunter tödlichen Verätzungen der Lunge rechnen. „Das sind vergleichbare Dynamiken wie im Ersten Weltkrieg“, stellt Saalow fest.
Eine wichtige Lehre aus dem Krieg in der Ukraine sei, dass die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Bedrohung immanent vorhanden sei, sagt der Oberst. Es müsse damit gerechnet werden, dass bei einer Auseinandersetzung mit Russland auch ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Kampfmittel eingesetzt würden. Die Verteidigungsplanungen der NATONorth Atlantic Treaty Organization würden diesem Umstand Rechnung tragen: Es werde in die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr investiert. „Jetzt geht es darum, den direkten Einsatz als Kampfstoff und Kampfmittel wieder zu bewältigen, und das tun wir gemeinsam. Und deshalb hat es eine hohe Relevanz sowohl für Deutschland – jetzt sind wir die Drehscheibe Deutschland – als auch an der Frontlinie.“
Auch im Operationsplan Deutschland spiele die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr eine wichtige Rolle, so Saalow. „Das liegt schon alleine daran, dass Deutschland ein hoch industrialisiertes Land ist, wir eine komplexe Infrastruktur haben“, erklärt er. Wichtig sei daher die Vernetzung mit zivilen Organisationen wie dem Technischen Hilfswerk. Vor allem aber müsse ein gemeinsames Lagebild zu atomaren, biologischen und chemischen Gefahren entwickelt werden, betont der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrchef der Bundeswehr. „Das bleibt ein dickes Brett. Aber wir sind auf einem guten Weg. Wir kriegen das alles zusammen.“
von Kristina StacheVerpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot.
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