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Neuer Wehrdienst

„Sie wollen sich beweisen und sehen, was in ihnen steckt“

Deutschland setzt wieder auf Landes- und Bündnisverteidigung. Durch den Neuen Wehrdienst soll die Bundeswehr kräftig wachsen. Alle, die 2026 volljährig werden, bekommen nun Post von der Bundeswehr. Doch worum geht es bei der Musterung und wie geht es danach weiter? Oberstleutnant Stephan F.* – Personalleiter im Karrierecenter Berlin – steht Rede und Antwort und gibt Tipps für Bewerberinnen und Bewerber.

Ein Soldat im Porträt

„Hier beginnt Ihre Karriere“: Oberstleutnant Stephan F. aus dem Assessmentcenter Berlin ermuntert Bewerbende, zu zeigen, was in ihnen steckt.

Bundeswehr/Jana Neumann

Herr Oberstleutnant, für die Musterung im Neuen Wehrdienst gibt es jetzt ein verkürztes Assessmentverfahren. Wie sieht das aus?

Für die Musterung ist das Assessmentverfahren auf zwei wesentliche Komponenten verkürzt: die ärztliche Untersuchung und einen Test am Computer. Demnach sind für einen Musterungsbescheid auch nur diese beiden Abschnitte abzulegen. Wer beide erfolgreich absolviert, wird als tauglich befunden und kann bis zu 23 Monate eingeplant werden. Wer nur die ärztliche Untersuchung erfolgreich abschließt, wäre dann schon mal als tauglich registriert. Möchte er sich zudem länger als zwei Jahre verpflichten, kann er darüber hinaus auch den Weg des Soldaten auf Zeit wählen. Diese Variante beinhaltet zusätzlich noch ein Assessmentgespräch.

Was ist mit dem Ergebnis?

Das Ergebnis der Musterung oder des Assessments erfährt der Bewerbende gleich vor Ort. Teilweise müssen Bewerbende aber noch Dokumente nachreichen, dann verzögert sich der Prozess so lange, bis die notwendigen Unterlagen vorgelegt worden sind. Der nächste Schritt ist dann die Einplanung. Jetzt stimmen wir mit dem Bewerbenden ab, wo er eingesetzt wird und wie seine zukünftige Verwendung aussehen könnte.

Worauf achten Sie im Assessmentverfahren besonders? Was ist Ihnen wichtig dabei?

Wichtig ist uns vor allem, das Assessment so reibungslos wie möglich zu gestalten, in einem gegenseitig respektvollen Rahmen. Unsere Bewerbenden sollen die Assessmentschritte konzentriert und fokussiert durchlaufen. Natürlich sind manche Bewerbende angespannt. Dies gilt besonders für die jungen Bewerber, die noch nie ein Bewerbungsverfahren durchlaufen haben. Wir wollen sie in einer freundlichen Umgebung begrüßen, nehmen uns die Zeit, dass sich alle möglichst wohl fühlen. Außerdem ist wichtig, dass unsere Bewerbenden alle Unterlagen aus ihrem bisherigen Arbeits- und Schulleben und ihrer Gesundheitshistorie mitbringen. Anhand der Interessenlage und der Lebensgeschichte kann so die Wunschverwendung des Bewerbers schnell ausgelotet werden.

Mit welchen Mythen über die Musterung möchten Sie aufräumen?

Wir möchten vor allem Vorbehalte ausräumen. Vor allem erst mal generell, was die Tauglichkeitsprüfung für Konsequenzen hat. Wenn ein Kandidat als tauglich befunden wurde, heißt das nicht, dass er verpflichtet wird, seinen Dienst in der Bundeswehr anzutreten. Das Ganze ist also kein Automatismus. Er kann sich vielmehr entscheiden, ob er das Ergebnis nutzt, um Teil des Teams werden zu wollen – verpflichtend ist derzeit die Beantwortung des Anschreibens mit dem digitalen Ausfüllen des Bereitschaftsfragebogens und die damit getätigte Bereitschaftserklärung. Nur so können wir die Stärken der jungen Menschen entdecken, die wir in der Bundeswehr brauchen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Bewerber?

Entscheidend ist, dass man sich bewusst macht, dass es solch eine Vielzahl an Tätigkeitsfeldern in der Bundeswehr gibt. Das heißt automatisch: Für jeden kann was Passendes gefunden werden. Man sollte sich daher nicht schon zu früh darauf festlegen, wo man bei der Bundeswehr eingesetzt werden möchte – sondern ruhig den Prozess miterleben, den Experten vor Ort vertrauen und offen sein. Schließlich erfährt man erst abschließend im Assessment, welche Möglichkeiten sich mit den eigenen Fähigkeiten und der gesundheitlichen Eignung ergeben.

Sollte man sich auch auf den Computer-Test vorbereiten?

Man kann auf bundeswehrkarriere.de einen Probetest ablegen. Der gibt einen ersten Eindruck, was auf einen zukommen könnte. Gerade für Bewerber, die direkt von der Schule kommen oder bereits eine Ausbildung durchlaufen haben, lässt sich der Computer-Test problemlos meistern. Gewiss ist nicht jeder ein Prüfungsmensch, aber wir haben ja viele Kompensationsmöglichkeiten. Hat jemand beispielsweise am Prüfungstag gerade keine guten Matheergebnisse, aber wir sehen, dass er in seinem Schulzeugnis in Mathe typischerweise immer die Note „befriedigend“ hatte, ist das Computer-Ergebnis auch nicht weiter tragisch. Und so können nahezu alle Ergebnisse durch unsere Experten bewertet und kann nach Kompensationsmöglichkeiten gesucht werden.

Wird denn auch auf die Interessen der Bewerber eingegangen?

Die Interessen der Bewerber sind natürlich ganz zentral für uns und werden individuell berücksichtigt. Das ist auch allein deswegen wichtig, um eine gute Ausgangsposition für eine langfristige Verwendung bei der Bundeswehr zu schaffen. Gleichzeitig können bei der Einplanung aufgrund der Assessmentergebnisse alle Stärken des Kandidaten vollumfänglich einbezogen werden. So können wir sehen, was am besten passt.

Welche Motive haben die jungen Leute, die zur Bundeswehr wollen?

Oft empfinden die jungen Menschen es als eine Art Herausforderung, zur Bundeswehr zu kommen. Sie wollen sich beweisen und sehen, was in ihnen steckt. Oder aber sie folgen dem Vorbild der Eltern, die noch positive Erinnerungen an die Zeit der Wehrpflicht haben und die Bundeswehr als gute Alternative sehen. Außerdem besteht ja für die Bewerber auch die Möglichkeit, sich zunächst für bis zu zwei Jahre zu verpflichten. Schließlich kann man sich ja auch erst mal die Bundeswehr anschauen und dann entscheiden, ob man noch länger bleiben möchte.

Welche Laufbahnen sind dabei für die Bewerber besonders attraktiv?

Im Verantwortungsbereich des Karrierecenters der Bundeswehr Berlin entscheiden sich besonders viele Bewerbende für die Mannschaftslaufbahn, da diese auch für weniger als zwei Jahre angetreten werden kann.

Haben Sie einen Geheimtipp für angehende Rekrutinnen und Rekruten?

Wichtig ist es, offen und ehrlich zu sein. Je mehr wir von der persönlichen Lebensgeschichte und vom Schulleben erfahren, desto besser können wir dem Bewerber eine passende Laufbahn empfehlen und die richtige Verwendung finden. Also: Einfach seine Geschichte mitbringen. So wie sie wirklich ist. Und sie dann präsentieren.

*Name zum Schutz der Person abgekürzt.

von Kristina Stache
Neuer Wehrdienst: Musterung
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