„Ich möchte meinen Beitrag zur Verteidigung unseres Landes leisten“
- Datum:
- Ort:
- Berlin
- Lesedauer:
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Zur Bundeswehr gehen und Soldat werden, Deutschland und seine Bürger beschützen: Das will Jan K. Er hat das Einstellungsverfahren durchlaufen, zu dem auch die Musterung gehört. Was hat er dabei erlebt und wie kann man sich vorbereiten? Jan K. schildert seine Erfahrungen – und erklärt, warum er auch Freunden den Wehrdienst empfiehlt.
Melde mich zum Dienst: Jan K. hat sich bewusst für den Soldatenberuf entschieden. Seine Familie und Freunde zollen ihm Anerkennung.
Bundeswehr/Jana NeumannHerr K., was hat Sie ins Karrierecenter der Bundeswehr geführt?
Ich möchte zur Bundeswehr, weil es mir wichtig ist, meinen Beitrag zur Verteidigung unseres Landes zu leisten. Außerdem möchte ich die legendäre Kameradschaft erfahren und mich mit Leuten umgeben, die die gleichen Ziele und Einstellungen wie ich haben. Also Leute, die immer besser werden und über sich selbst hinauswachsen wollen. Im Ernstfall möchte ich mein Land beschützen, meine Familie, Freunde und auch die, die sich selber nicht verteidigen können – insbesondere alte Menschen oder Kinder. Das beinhaltet auch die Menschen, die uns als Soldaten vielleicht nicht so mögen oder akzeptieren.
Sie haben das Einstellungsverfahren mit Erfolg durchlaufen. Was hat Ihnen bei der Vorbereitung geholfen?
Am meisten Zeit habe ich in die Vorbereitung für den Test am Computer gesteckt, den sogenannten CATComputergestützter Auswahltest-Test. Er beinhaltet unter anderem Rechtschreibung, logische Aufgaben und Mathe-Basics. Man kann ja vorher auch auf den Bundeswehr-Seiten im Internet nachschauen, wie der Test funktioniert und sich dann je nach Vorwissen vorbereiten. Am Ende des Tages ist alles gut gelaufen. Im Endeffekt war es gar nicht so schwer.
Welche Tipps können Sie anderen Bewerbern geben?
Wichtig ist vor allem eins: ruhig bleiben. Man sollte die Stärken ausnutzen, die man hat – und zwar alle. Wenn man halbwegs sportlich ist, ist alles sowieso ganz gut machbar. Besonders wichtig finde ich: einfach ganz natürlich auftreten, sich nicht verstellen. Und immer cool bleiben.
Wie fanden Sie das Assessmentverfahren insgesamt? Hat Sie etwas überrascht?
Ich fand das alles sehr in Ordnung. Das Bewerberverfahren ist ja angenehm über ein bis zwei Tage verteilt. Insgesamt positiv überrascht war ich von der medizinischen Untersuchung. Die Ärzte sind klasse und sie machen alles sehr vorsichtig. Eigentlich ist es nur ein Check, um zu sehen, ob gesundheitlich alles in Ordnung ist. Deshalb wird alles Mögliche gemessen und untersucht: Größe, Gewicht, Bauchumfang, Urintest, Sehtest, Hörtest, Blutdruck, Lunge, Rücken und so weiter. Zuletzt wird der Intimbereich vorsichtig seitlich abgetastet, um zu sehen, ob etwas weh tut und um Krankheiten auszuschließen. Der Arzt stellt auch persönliche Fragen: Ob es Vorerkrankungen gibt, ob man dauerhaft Medikamente nimmt oder schon mal große Verletzungen hatte. Es ist also ähnlich wie eine normale Gesundheitsvorsorge. Direkt im Anschluss an die Untersuchung sagt einem der Arzt dann sofort, ob man geeignet ist.
Wie sieht es beim CATComputergestützter Auswahltest-Test aus?
Die Fragen im Test variieren je nach der Laufbahn, für die man vor dem Assessment Interesse bekundet hat. Sie sind dementsprechend je nach beabsichtigter Verpflichtungsdauer unterschiedlich lang beziehungsweise schwer. Nach dem CATComputergestützter Auswahltest-Test wird dem Bewerber mitgeteilt, ob er tauglich ist oder nicht. Für alle, die sich für weniger als zwei Jahre oder gar nicht verpflichten möchten, ist das Verfahren dann vorbei. Ich habe mich ja für länger verpflichtet. Insofern folgte für mich an dieser Stelle noch ein Gespräch mit der Prüfkommission. Zuletzt kommt man zum Einplaner. Jede Einplanung läuft individuell ab. Auf jeden Fall findet sich immer etwas, mit dem beide Seiten zufrieden sind.
Wie würden Sie die Atmosphäre während des Assessmentverfahrens beschreiben?
Alle Leute sind supernett. Man kann auch immer Fragen stellen, wenn man nicht mehr weiter weiß – wenngleich einem sowieso immer alles erklärt wird. Insgesamt habe ich den Ablauf wirklich als sehr positiv empfunden. Der Umfang und auch das Anforderungsniveau waren so, wie ich mich drauf eingestellt hatte. Alles war absolut gut zu bewältigen.
Was sagen Ihre Freunde und Ihre Familie dazu, dass sie Soldat werden?
Sie sind begeistert und freuen sich für mich. Sie finden es durchaus lobenswert und versuchen auch nicht, es mir auszureden. Sie wissen, dass ich einfach etwas für mein Land tun und einen positiven Beitrag leisten möchte. Alle unterstützen mich voll und ganz. Außerdem hat jeder bei der Bundeswehr sehr gute Chancen, sich weiterzuentwickeln.
Inwiefern?
Wer zur Bundeswehr kommt, kann nicht nur körperlich alles aus sich herausholen, sondern sich auch mental weiterentwickeln. Man geht dann zum Beispiel mit Stresssituationen besser um. Außerdem ist die Bundeswehr perfekt für alle, die sich noch nicht sicher sind, was sie in ihrem Berufsleben machen wollen. Schließlich ist der Wehrdienst ja auch freiwillig. Man kann erst mal gucken, was man kann oder nicht kann. Ganz wichtig finde ich auch, dass man viele unterschiedliche Menschen kennenlernt. Man kann sich also austauschen und viel Lebenserfahrung sammeln. Nach der Dienstzeit kann man dann besondere Erinnerungen mitnehmen. Sicherlich wird die Grundausbildung auch mal anstrengend, aber das gehört einfach dazu.
Wollten Sie schon immer Soldat werden?
Ich habe mir immer gedacht, dass es eine Option sein könnte. Erstmal habe ich eine Berufsausbildung im Handwerk abgeschlossen. Jetzt möchte ich den nächsten Schritt gehen. Im Ernstfall möchte ich Menschenleben schützen und gleichzeitig etwas für meine persönliche Weiterentwicklung tun. Die Bundeswehr sucht spezielle Charaktere. Man braucht Menschen, die mutig und verantwortungsbewusst sind, die Probleme anpacken und diese im Team lösen – solche, die Führung zeigen und andere Menschen mitreißen.
Empfehlen Sie auch Ihren Freunden, zur Bundeswehr zu kommen?
Natürlich sollte jeder seine eigene Entscheidung treffen. Aber wenn jemand eine gute Möglichkeit zur Weiterentwicklung sucht und auch noch belastbar ist, ist die Bundeswehr ein guter Ort. Außerdem kann man den Wehrdienst ja freiwillig leisten. Es besteht keine Verpflichtung weiterzumachen. Wenn jemand also sagt, das könnte er sich eventuell vorstellen, empfehle ich: einfach machen. Wer es nicht probiert, weiß nicht, wie es ausgeht.
Sie haben alle Prüfungen hinter sich. Wie geht es jetzt weiter?
Ich habe bereits beim Einplaner meinen Termin erhalten. Bei mir geht es ungefähr Anfang April los. Ich werde zum Heer gehen. Meine Grundausbildung dauert dort drei Monate. Danach folgt noch eine Spezialausbildung. Insgesamt dauert die soldatische Ausbildung also sechs Monate. Dann komme ich zu meiner Stammeinheit, und danach geht es erst richtig los.
*Name zum Schutz der Person abgekürzt.
von Kristina Stache