Innovationszentrum der Bundeswehr
Das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding gehört zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.
13 Teams hatten es bis zur ersten Runde der SPRIN-D Challenge im Erdinger Innovationszentrum der Bundeswehr geschafft. Nun sollten die Drohnen der Teilnehmenden in zwei komplexen Szenarien zeigen, was sie können – und das komplett autonom. Was nach Science-Fiction klingt, kann in Zukunft der Bundeswehr helfen, ihren Auftrag zu erfüllen.
Die SPRIN-D Challenge ist eine mehrstufige Veranstaltung der Bundesagentur für Sprunginnovation. Diese soll die Anwendung neuer Technologien für den zivilen und den militärischen Bereich fördern und solche Technologien möglichst schnell nutzbar machen. Die Agentur arbeitet im Auftrag der Bundesministerien für Bildung und Forschung beziehungsweise für Wirtschaft und Klimaschutz.
Der Austragungsort der aktuellen Challenge vom 27. bis 29. Januar 2026 war das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding. Den teilnehmenden Teams wurden dabei zwei Aufgaben in den Bereichen semantische Objektsuche und dynamische Personensuche gestellt. Für diese standen den Teams jeweils nur 30 Minuten Vorbereitungszeit zur Verfügung. Am Ende der zweitägigen Challenge bewertete eine Jury, wie erfolgreich das jeweilige Team mit seinem Konzept war. Zur Jury gehört auch ein Angehöriger des Innovationszentrums. Sein Ziel ist es, dass die Belange der Bundeswehr in der Weiterentwicklung der Konzepte berücksichtigt werden.
Denn: Die bei der Challenge geforderten Lösungen können auch militärisch von Nutzen sein. Für das Forschungs- und Entwicklungsteam des Innovationszentrums bot sich durch die Challenge außerdem die Möglichkeit, neue Start-ups und Forschungsgruppen kennenzulernen.
Die Details der Aufgabe erfuhren die Teams erst, kurz bevor ihre Drohne in der Challenge starten durfte. Ab dann musste jede Drohne ihre Aufgabe eigenständig lösen. Es war den Teams nicht erlaubt, währenddessen in das Geschehen einzugreifen.
Die Teams starteten nacheinander. Im Anschluss daran hatte jedes Team die Möglichkeit, vor der Jury nochmal darzulegen, warum etwas beispielsweise nicht so gut funktionierte und auch wie die Entscheidungen für die jeweilige Strategie getroffen wurden.
Die Bundeswehr profitiert in vielerlei Hinsicht von einer derartigen Challenge:
Der Anspruch an die Teilnehmenden wurden besonders hoch gesetzt – mit dem Ziel, Technologien zu entwickeln, die weit über dem marktüblichen Standard liegen. Damit erhält die Bundeswehr auch früher Zugang zu derartigen Technologien.
Die Szenarien der Challenge könnten auch im Bundeswehr-Umfeld bei der Suche von Personen oder bei dem Auffinden bestimmter Orte eine Rolle spielen.
Durch die Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden entstehen auch Netzwerke. Auf diese kann zukünftig zurückgegriffen werden.
Die im Innovationszentrum stattfindenden Challenges leben das, was das Innovationszentrum ausmacht: Testen in einer innovativen Umgebung und Verbinden des Innovationsökosystems.
Unter den Teams befinden sich Forschungsgruppen von Universitäten, Start-ups und Firmen aus verschiedenen Ländern wie Deutschland, Österreich, Frankreich oder Tschechien. Vor etwa sechs Monaten hatten sich die angetretenen Teams bereits in einem zehnminütigen Pitch für die jetzt stattgefundene SPRIN-D Challenge qualifiziert: Vor einer Jury konnten sie ihre Idee vorstellen – mit den Mitteln, die sie bis dahin zur Verfügung hatten.
Die Anforderungen in der Challenge übersteigen die Möglichkeiten der aktuell marktverfügbaren Technik deutlich.
Wir müssen vor der Welle sein. Wir müssen es schaffen, überlegene Fähigkeiten zu entwickeln, bevor andere Akteure sie haben.
Die Teams konnten also nur bedingt auf vorhandene Techniken zurückgreifen. Gefordert sind auch in späteren Phasen der Challenge kreative Eigen- oder Weiterentwicklungen.
Die Drohnen sind unter anderem mit Künstlicher Intelligenz, kurz KIkünstliche Intelligenz, ausgestattet. Die KIkünstliche Intelligenz einiger Drohnen ist vergleichbar mit gängigen KIkünstliche Intelligenz-Programmen: Um die Drohne mit einer Aufgabe vertraut zu machen, können also zum Beispiel Sprach- oder Textbefehle eingegeben werden. Ein Befehl könnte sein, dass die Drohne zur Bekämpfung eines Brandes Gegenstände heraussuchen soll, mit denen der Brand gelöscht werden kann. Dann müsste die Drohne alles suchen, was geeignet wäre – wie Wasserflaschen, ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke.
Grundlage kann unter anderem eine marktverfügbare Drohne sein, in die ein zusätzliches KIkünstliche Intelligenz-Modul integriert wird. Auf so kleinem Raum eine derartige Rechenleistung unterzubringen, war für die Teams schon eine Herausforderung. Das jeweilige KIkünstliche Intelligenz-Modul musste dann auch noch entsprechend trainiert werden.
Außerdem besitzen die Drohnen eine Vielzahl von optischen Sensoren, darunter auch Kameras oder eben Temperatursensoren, die zur Personensuche eingesetzt werden können. GPSGlobal Positioning System oder andere Satellitennavigationssysteme sind hingegen nicht erlaubt. Die Drohnen sollen möglichst unanfällig für Störungen sein und auch dann funktionieren, wenn kein GPSGlobal Positioning System verfügbar ist. Einige der eingesetzten Drohnen basieren auf Modellen, die zum Beispiel für Bauuntersuchungen verwendet werden. Denn im Inneren vieler Bauwerke ist es nicht möglich, mittels GPSGlobal Positioning System zu navigieren. Bewähren mussten sich die Drohnen in zwei Szenarien:
In der ersten Aufgabe der Challenge sollte ein bestimmtes Haus in einer Art Parcours angeflogen werden, um ein Paket auszuliefern. Die jeweilige Drohne erhielt dafür aber keine Adresse, sondern eine Art Situationsbeschreibung: „Bringe das Paket zu dem Tisch vor dem Haus mit der offenen Tür.“ Diese komplexe Anweisung sollte die Drohne verarbeiten. Alle Drohnen sollten also semantische Befehle abarbeiten können.
In dem Parcours befinden sich zwei Häuser mit ähnlichen Bedingungen, aber nur eines erfüllt die Bedingungen der Aufgabe vollständig: Das eine hat zwar auch eine Tür, davor befindet sich aber kein Tisch und die Tür selbst ist verschlossen. Am selben Haus ist eine Wand mit einer großen Öffnung in einer Hauswand versehen, davor steht auch ein Tisch. Da sich an der Öffnung aber keine Tür befindet, ist nur ein Teil der Bedingungen erfüllt.
Das andere Haus hingegen erfüllt alle Bedingungen der Aufgabe: Neben einer geöffneten Tür steht ein Tisch. Genau dieses Haus sollte auch angeflogen werden.
Ein Dummy fuhr auf einer bodengebundenen Drohne – ausgestattet mit einer Wärmeweste, um Körperwärme zu simulieren. Das Ziel war es, dass die Drohnen diesen Dummy aufspüren können. Drohnen mit dieser Fähigkeit könnten beispielsweise in der Bergrettung genutzt werden. Bisher müssen Hubschrauber im Notfall nach vermissten oder verunglückten Personen suchen. Das kann je nach Wetterlage auch für die Hubschrauberinsassen gefährlich werden. Zudem sind solche Einsätze sehr teuer. Drohnen wären hierfür eine gute Alternative.
Ein Scheitern einer Drohne bei einer konkreten Aufgabe bedeutete aber nicht ein Scheitern des Teams in der gesamten Challenge. Besonders weil die Bedingungen der Challenge extrem hoch angesetzt waren, war es schon ein Erfolg, wenn eine Drohne Teile der gestellten Aufgabe erfüllte. Hatte die Drohne in einem der Szenarien beispielsweise den Befehl erhalten, eine grün gekleidete liegende Person zu finden und reagierte sie bereits auf eine grün gekleidete stehende Person, war das ein Teilerfolg. „Vom Level her sind die Aufgaben nah an unmöglich oder zumindest sehr, sehr herausfordernd“, beschreibt Christoph P., Leiter der Forschungsgruppe „Unbemannte Systeme“ im Innovationszentrum der Bundeswehr und Jurymitglied der Challenge, das Niveau der gestellten Aufgaben.
Die Jury hatte sich keine klare Cut-off-Linie gesetzt. Die Teams scheiterten also nicht automatisch, weil zum Beispiel ein bestimmter Punkt in einem Szenar nicht erreicht werden konnte. Die Bewertung erfolgte wesentlich vielschichtiger: Unter anderem betrachtete die Jury die Team-Kompetenz, die eingesetzten Strategien, die Schnelligkeit, mit der auf Veränderungen reagiert wurde, und wie die Teams ihre Ideen in die Realität umgesetzt haben.
Zwar konnten die meisten Teams nicht alle Bedingungen der einzelnen Aufgaben erfüllen, aber das Gesamtkonzept der Teams während der Challenge-Teilnahme überzeugte die Jury dennoch.
Wir haben sehr interessante Ansätze gesehen, die es möglich machen, das Ziel der Challenge zu erreichen.
Je nach Ergebnis konnten die Teams dann Fördermittel erhalten. Damit sollen sie „alle ‚lessons-learned‘, alle Abstürze“ bis zur nächsten Stufe verbessern, so Christoph P. vom Innovationszentrum der Bundeswehr. Im September sollen die Teams ihre Fortschritte demonstrieren. Als Sieger dieses Teils der Challenge ging ein Team aus Tschechien hervor, gefolgt von einem Team der Universität Erlangen.
von Heike Westhöfer
Im Szenario „Personensuche“ sollten die Drohnen diesen beweglichen Dummy aufspüren und verfolgen
Bundeswehr/Dirk Bannert
Nach dem praktischen Teil konnten die Teams der Jury der SPRIN-D Challenge ihre Herangehensweise und ihre Umsetzung der Aufgabe darlegen
Bundeswehr/Dirk Bannert
Vor dem Start platzierten die jeweiligen Teams ihre Drohne auf einem vorgegebenen Punkt etwas außerhalb des eigentlichen Parcours
Bundeswehr/Dirk Bannert
Viele Details machen den Parcours für die Teams der SPRIN-D Challenge sehr anspruchsvoll
Bundeswehr/Dirk Bannert