Cyber- und Informationsraum

Multinational Interoperabilität testen – CWIX 2020

Multinational Interoperabilität testen – CWIX 2020

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Datum:
Ort:
Bonn
Lesedauer:
5 MIN

Im Juni findet erneut die Coalition Warrior Interoperability eXploration, eXperimentation, eXamination eXercise (CWIX) am Joint Force Training Centre in Bydgoszcz statt. Eine Übung, in der die Interoperabilität von Truppen, Prozessen und Technologie von NATONorth Atlantic Treaty Organization Partnern im Vordergrund steht. Oberstleutnant Bastian Kindt aus dem Kommando Cyber- und Informationsraum ist der deutsche Ansprechpartner für die NATONorth Atlantic Treaty Organization und plant mit seinem Team den deutschen Anteil auf der Übung. In einem Interview erklärt er was die Übung ist und welche Schritte notwendig sind, eine solche Übung durchzuführen.

Personen arbeiten an Computern

Auch ITInformationstechnik-Spezialisten der Bundeswehr sind Teil der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Übung und testen ihre Systeme.

NATO

Herr Oberstleutnant, auch 2020 findet wieder die Coalition Warrior Interoperability Exercise statt. Können Sie uns einmal kurz erläutern, was sich hinter dieser Übung verbirgt?

Interoperabilität ist der Grundbaustein für multinationale Einsätze. Sie ist die DNA und befähigt NATONorth Atlantic Treaty Organization Mitgliedsstaaten und Partner, miteinander im militärischen Einsatz Seite an Seite zu arbeiten. Bei der Coalition Warrior Interoperability eXploration, eXperimentation, eXamination eXercise (CWIX) – als ein „Computer-Informationssystem-Event“ – geht es genau um diese Interoperabilität. Ziel ist, die verbündeten Nationen und Partnerländer der NATONorth Atlantic Treaty Organization mit ihren unterschiedlichsten Systemen zusammen zu bringen und ihre Interoperabilität zu testen. Insgesamt werden während der Übung CWIX 2020 rund 350 verschiedene Systeme aus unterschiedlichen Ländern untereinander verbunden, um so zum Beispiel den Informationsaustausch zu testen. In einem NATONorth Atlantic Treaty Organization Einsatz ist es entscheidend, die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben. Das zu erreichen mit internationalen Partnern, die verschiedene Techniken und Prozesse nutzen, ist harte Arbeit und unverzichtbar für NATONorth Atlantic Treaty Organization Aufgaben, wie die NATONorth Atlantic Treaty Organization Response Force. Hier liegt das deutsche Interesse bei der CWIX Übung.

Spanische Sldaten sitzen an Comuptern

Unterschiedlichste Nationen nehmen an der Übung teil, denn nur gemeinsam und interoperabel ist die NATONorth Atlantic Treaty Organization und ihre Verbündeten stark.

NATO

Das heißt, es geht bei der Übung CWIX hauptsächlich darum, multinational zusammenzuarbeiten?

Ja, und vor allem gleich zu Beginn jeder NATONorth Atlantic Treaty Organization Operation. Interoperabilität muss getestet und verifiziert sein, um im Ernstfall fehlerfrei eingesetzt zu werden. Alles andere verschwendet wichtige Zeit, die wir im Einsatz einfach nicht haben.  Der andere Aspekt ist: Gerade, weil der Cyber- und Informationsraum keine Grenzen kennt, müssen wir mit unseren NATONorth Atlantic Treaty Organization Partnern eng zusammenarbeiten. Dazu müssen die Nationen ein einheitliches und möglichst aktuelles Lagebild haben. Hierfür müssen alle Systeme untereinander fehlerfrei kommunizieren können. Auch für die deutschen Streitkräfte ist klar, dass sie meist nur im Bündnis beziehungsweise multinational eingesetzt werden. So ist es unabdingbar, dass unsere nationalen Systeme interoperabel mit denen der NATONorth Atlantic Treaty Organization und unseren Bündnis- beziehungsweise Missionspartner sind. Genau dies testen und verbessern wir hier. Die Übung CWIX bringt dazu die „besten und klügsten Köpfe“ zusammen – vom Wissenschaftler über den militärischen ITInformationstechnik-Spezialisten bis hin zur Industrie; eine optimale Gelegenheit um gemeinsam die Kompatibilität von unseren Fähigkeiten zu verbessern. Durch diese intensive Zusammenarbeit gelingt es Interoperabilitätsprobleme schneller zu lösen und das Verteidigungsbündnis zu stärken und einen entscheidenden Beitrag zur operationellen Einsatzbereitschaft der Streitkräfte beizutragen.

Nur zusammen ist man also stark?

Genau das ist der Sinn dahinter. Nur wenn wir als verbündete Nationen an einem Strang ziehen, wird es gelingen, die einzelnen Partner und somit die NATONorth Atlantic Treaty Organization als Ganzes ein Stück sicherer zu machen, zum Beispiel in der Cyber-Verteidigung. Es zeigt sich immer wieder deutlich auf den Übungen, dass eine interoperable NATONorth Atlantic Treaty Organization handlungs- und leistungsfähiger ist, als wenn die einzelnen Nationen eigenständig arbeiten – das große Ganze ist leistungsfähiger als die einzelnen Teile. Auf der anderen Seite bringt aber die enge Zusammenarbeit und Verifizierung auch, dass sich die Entwicklung der individuellen Fähigkeiten der Nationen dadurch beschleunigen.

Ein Mann hält ein Funkgerät

Auf der Übung werden unterschiedlichste Systeme miteinander verbunden und getestet.

NATO

Nehmen denn nur NATONorth Atlantic Treaty Organization-Länder an dieser Übung teil?

Insgesamt nehmen über 30 Nationen als aktive Teilnehmer an der Übung teil. Unter diesen sind zum Beispiel Frankreich, die Niederlande, Spanien, Österreich oder die USAUnited States of America. Zusätzlich nehmen vier Nationen, beispielweise Australien, als Beobachter teil. Man sieht also, die Übung ist tatsächlich multinational.  Die Durchführung der Übung erfolgt übrigens durch das Allied Command Transformation (ACT).

Und mit welchen Kräften nimmt dann die Bundeswehr daran teil?

Bei der Übung nehmen militärische Kräfte aus der gesamten Bundeswehr teil. So haben wir das Heer, die Luftwaffe, die Marine, die Streitkräftebasis und natürlich den Organisationsbereich CIRCyber- und Informationsraum mit an Bord. Aber auch Teile des Planungsamtes und Angehörige aus dem Bereich Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung nehmen an der Übung teil. Das Kommando Cyber- und Informationsraum ist dabei das übungskoordinierende Kommando in der Bundeswehr. Daher erfolgt aus dem Kommando CIRCyber- und Informationsraum die notwendige nationale Befehlsgebung sowie die Koordination mit allen Teilen der Bundeswehr. Die Koordination übernimmt die Abteilung Planung mit dem Referat Standardisierung. Ich persönlich bin der nationale Koordinator CWIX und der Ansprechpartner für die NATONorth Atlantic Treaty Organization.

Fahrzeuge vor einem Zelt

Auch deutsche Fahrzeuge werden auf der Übung CWIX 2020 wieder vor Ort sein und auf ihre ITInformationstechnik-Anbindungen getestet werden.

NATO

So eine Großübung mit über 35 teilnehmenden Nationen und über 300 Systemen bedarf sicherlich eine Menge an Vorbereitung. Wie sehen diese aus?

In der Vorbereitung finden verschiedenen Planungskonferenzen statt. Abwechselnd übernehmen die teilnehmenden Nationen hierbei die Gastgeber- und Veranstalterrolle. Die Main Planning Conference für die CWIX 2020 fand diesmal vom 7. bis 10. Januar in Potsdam statt. Sie wurde deshalb durch unser Kommando geplant und veranstaltet.

Und was wurde auf dieser dann genau besprochen?

Bei dieser Planungskonferenz ging es inhaltlich darum, die letzten Details aller teilnehmenden Systeme zu besprechen. Die einzelnen Arbeitsbereiche haben die Ausgestaltung abgeschlossen, die gemeinsame Zielsetzung festgelegt und die zu verwendenden Testschablonen erarbeitet. Prinzipiell kann man sagen, dass die Main Planning Conference der Punkt im Planungszyklus ist, wo die Struktur der Übung, die teilnehmenden Systeme und die Verantwortlichkeiten stehen und die detaillierte Ausgestaltung der Testabläufe beginnt.

Wie geht es nun nach dieser Konferenz weiter?

Im weiteren multinationalen Planungszyklus CWIX steht dann im März die Final Coordination Cenference an. Diese wird in Slagelse, Dänemark, stattfinden. Hier werden die letzten Details für den Übungsdurchführungszeitraum besprochen. Zugleich wird die Masse der Testabläufe abgesprochen, in dem die tatsächlich geplanten Interoperabilitätstests beschrieben werden. Zum Abschluss des Planungszyklus steht dann im Juni am Joint Force Training Centre (JFTC) in Bydgoszcz, Polen, die dreiwöchige Übungsdurchführung an.

Ein Saal mit vielen Menschen

Auf der Conference wurden weitere Absprachen getroffen und die letzten Details aller teilnehmenden Systeme besprochen.

Bundeswehr/Bastian Kindt

Welche Herausforderungen liegen noch vor Ihnen?

Für uns in Deutschland gilt es in erster Linie, die nationale Zielsetzung umzusetzen. Diese umfasst natürlich eine Vielzahl von Detailfragen, die geklärt werden müssen. Zum Beispiel die Planungen für die Ausbildung von Fachpersonal, die Vorbereitung der ITInformationstechnik-Systeme, die Bearbeitung und Koordination der erforderlichen ITInformationstechnik-Sicherheitsdokumentationen sowie die Transport- beziehungsweise Verlegeplanungen. Dazu werden wir auch noch eine nationale Arbeitsgruppe im Februar 2020 am Zentrum für Softwarekompetenz der Bundeswehr in Euskirchen abhalten. Sie sehen also, es gibt noch einiges zu tun, um im Juni gemeinsam an der Verbesserung der Interoperabilität zu arbeiten. Aber ich bin mir sicher, dass wir im Juni auf der CWIX wichtige Erkenntnisse gewinnen, um die NATONorth Atlantic Treaty Organization-Nationen wieder ein Stück sicherer zu machen.

von Sebastian  Wanninger  E-Mail schreiben
Soldaten sitzen an Computern

Multinational Interoperabilität testen - CWIX 2020

Auf der CWIX 2020 arbeiten Nationen und Organisationen zusammen, um ihre Systeme auf Interoperabilität zu testen und zu optimieren - dieses Jahr als Remote-Event.

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