Komplex handeln, schnell entscheiden: Multi-Domain Operations
- Datum:
- Ort:
- Hamburg
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Kriege werden heutzutage nicht mehr nur mit Soldaten, Panzern, Schiffen oder Flugzeugen geführt. Es stehen auch Computernetzwerke und Satelliten im Fokus kriegerischer Auseinandersetzungen. Multi-Domain Operations führen diese Formen der modernen Kriegsführung unter einem Dach zusammen.
In ihrer Studienphase setzten sich die Lehrgangsteilnehmenden mit dem Thema Multi-Domain Operations auseinander. Ihre Ergebnisse präsentierten sie dem Generalinspekteur, General Carsten Breuer, an der Führungsakademie der Bundeswehr.
Bundeswehr/Pieter-Pan RupprechtDas Mobilfunknetz fällt aus. Gleichzeitig funktionieren Teile der Stromversorgung nicht mehr. Digitale Dienstleistungen stehen nur eingeschränkt zur Verfügung, wichtige Daten sind nicht erreichbar und in sozialen Netzwerken verbreiten sich gezielt Falschinformationen. Was zunächst wie die Verkettung mehrerer unglücklicher Ereignisse wirkt, könnte Teil eines modernen Konflikts sein. Denn Kriege werden heute nicht mehr ausschließlich auf dem physischen Gefechtsfeld entschieden. Neben den Dimensionen Land, Luft und See spielen auch der Cyber- und Informationsraum sowie der Weltraum eine zunehmend wichtige Rolle. Angriffe in verschiedenen Dimensionen können gleichzeitig erfolgen, sich gegenseitig verstärken und Auswirkungen weit über den unmittelbaren militärischen Bereich hinaus entfalten.
Für Streitkräfte entsteht daraus eine neue Herausforderung: Sie müssen in der Lage sein, über „ihre“ Dimensionen hinweg zu denken, zu planen und zu handeln. Wie das gelingen kann und welche Konsequenzen sich daraus für die Operationsführung der Bundeswehr ergeben, untersuchten Lehrgangsteilnehmende der Führungsakademie der Bundeswehr. Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie multiple Operationen den Krieg der Gegenwart beeinflussen und wie sich die Streitkräfte der Zukunft darauf einstellen können.
„Multi-Domain Operations beschreiben die Fähigkeit, militärische Aktivitäten über alle Dimensionen hinweg auf einen gemeinsamen Zweck auszurichten."
Eine Erkenntnis, die sie bei der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema gewonnen haben: Militärische Überlegenheit entsteht künftig nicht allein durch einzelne Fähigkeiten. Entscheidend wird sein, Informationen, Kräfte und Wirkungen schneller und zielgerichteter zusammenzuführen als ein möglicher Gegner. Nicht der Akteur mit den meisten Mitteln hat den Vorteil, sondern derjenige, der seine Möglichkeiten am wirksamsten verbindet.
„Multi-Domain Operations sind kein Technologieprojekt. Es geht nicht in erster Linie um neue Systeme, sondern darum, unterschiedliche Beiträge wirksam miteinander zu verbinden."
Das wirkt sich auf militärische Handlungen aus: Eine militärische Führungskraft muss heute nicht nur das Geschehen vor Ort betrachten, sondern auch Entwicklungen im digitalen Raum und deren Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit von Staat, Behörden und Gesellschaft berücksichtigen. Informationen werden nahezu in Echtzeit verarbeitet, Entscheidungen müssen schneller getroffen werden und Wirkungen entstehen oft durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Fähigkeiten.
Die Offizierinnen und Offiziere der Führungsakademie der Bundeswehr haben diesen Gedanken aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie untersuchten, wie Informationen, Fähigkeiten, Zeit und Gelegenheit so zusammengeführt werden können, dass temporäre Überlegenheit entsteht und militärisches Handeln seine größtmögliche Wirkung entfaltet.
„Die Auseinandersetzung mit Multi-Domain Operations war ein Mittel, um die zentralen Herausforderungen moderner militärischer Führung greifbar zu machen: in einem Umfeld wachsender Komplexität handlungsfähig zu bleiben und Wirkung zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu entfalten“, so die Lehrgangsleiterin Oberst i.G. Heide H.
Die Ergebnisse liefern keine einfachen Antworten auf alle Herausforderungen zukünftiger Konflikte. Sie zeigen jedoch, wie sich die Bundeswehr mit den Veränderungen moderner Kriegsführung auseinandersetzt. Multi-Domain Operations sind dabei kein Selbstzweck. Sie sind der Versuch, Streitkräfte auf eine Welt vorzubereiten, in der militärische Wirkung zunehmend durch Geschwindigkeit, Vernetzung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Fähigkeiten entsteht.
von Valerie Ostermann E-Mail schreiben