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Heer
Pilotprojekt

Basisausbildung in Litauen bei Eis und Schnee

Ausbildung

Im vergangenen Jahr löste die sechsmonatige Basisausbildung die bisherige Grund- und Spezialausbildung beim Heer ab. In dieser Zeit erlernen Rekrutinnen und Rekruten die Grundlagen für die Landes- und Bündnisverteidigung. Das Panzergrenadierbataillon 122 der Panzerbrigade 45 „Litauen“ hat jetzt erstmals einen Teil der Basisausbildung in Litauen umgesetzt.

Ein Rekrut schießt mit seinem G36 aufgelegt aus einer Stellung. Drei Hülsen fliegen durch die Luft.

„Sturmabwehrschießen! Feuer!“ Rekrutinnen und Rekruten lernen bei einem Gefechtsschießen während der Basisausbildung auf dem Truppenübungsplatz Pabradė in Litauen, mit kurzen Feuerstößen Feindkräfte dicht vor ihren Stellungen zu bekämpfen.

Bundeswehr/Carl Schulze

„Geradeaus, 200, Feind in Gruppenstärke, der sich auf unsere Stellungen zubewegt, Zielverteilung von links nach rechts – Fertigmachen zum Feuerüberfall, auf Befehl Feuer!“, ruft der Gruppenführer seinen beiden Rekruten im nächsten Kampfstand zu. Sofort geben diese den Befehl an den nächsten Kampfstand weiter. Dann bringen sie zeitgleich ihre Gewehre G36 in den Anschlag, visieren die Klappfallscheiben im Vorgelände an, entsichern ihre Waffen. Jetzt kommt die Meldung: „Fertig!“ „Feuer!“, hallt Sekunden später der Befehl der Gruppenführer über die Schießbahn.

Das Gruppengefechtsschießen ist einer der Höhepunkte der Basisausbildung. Dabei wird das in der Schieß- und in der Gefechtsausbildung Erlernte zusammengeführt. Zur Intensivierung dieser Ausbildungen wurden 55 Rekrutinnen und Rekruten des Panzergrenadierbataillons 122 im Februar 2026 für drei Wochen von Oberviechtach in Bayern auf den Truppenübungsplatz Pabradė nach Litauen verlegt. Dieses Bataillon ist Teil der im Mai 2025 aufgestellten Panzerbrigade 45 „Litauen,“ die in dem baltischen Staat stationiert ist. 

Alles ist neu und ungewohnt für die Frauen und Männer, die fünf Monate Ausbildungszeit bereits absolviert haben: der Flug mit einem Transportflugzeug A400M der Luftwaffe nach Vilnius, das Beziehen eines Camps im Ausland und das Leben in Containerunterkünften im Truppenlager. Eine besondere Herausforderung sind die Witterungsbedingungen. An einigen Tagen schneit es stark, an anderen herrschen bis minus 25 Grad und eisiger Wind.

Voller Dienstplan

Zwei Soldaten schießen leicht vorgebeugt mit einem Gewehr, eine Hülse fliegt durch die Luft.

Auf dem Truppenübungsplatz Pabradė absolvieren die jungen Soldatinnen und Soldaten ein umfangreiches Schießprogramm. Dazu gehören verschiedene Schulschießübungen mit dem Gewehr G36, bei denen stehend freihändig geschossen werden muss.

Bundeswehr/Carl Schulze
Links und rechts versetzt, mit Rucksack und Waffe, marschieren Soldaten gruppenweise auf. einem Weg.

Das Zeltlager erreichen die Rekruten nach einem Gefechtsmarsch. In Schützenreihe geht es dabei über verschneite Waldwege.

Bundeswehr/Carl Schulze

Ausbildungszeit ist ein kostbares Gut, weshalb der Dienstplan in Litauen den Rekrutinnen und Rekruten einiges abverlangt. Mehrere Tage verbringen sie auf den eisigen Schießbahnen des Truppenübungsplatzes Pabradė. Es gilt, verschiedene Schulschießübungen mit der Pistole P8, dem Gewehr G36, dem Maschinengewehr MG5, der Granatpistole und der Panzerfaust 3 erfolgreich zu bestehen. 

Den Abschluss bilden Gefechtsschießen bei Tag und Nacht. Neben dem Feuerüberfall, dem geführten und selbstständigen Feuerkampf und dem Sturmabwehrschießen üben die Rekrutinnen und Rekruten auch den Einsatz als Panzervernichtungstrupp.

Biwak bei Eis und Schnee

Highlight und Abschluss der Ausbildung in Litauen ist das dreitägige Biwak. Bei Schneefall und Minusgraden verlegen die angehenden Grenadiere ins Gelände. In ihren riesigen Rucksäcken führen sie alles mit, was sie für das Überleben bei den winterlichen Bedingungen benötigen. Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen gehören Schlafsack, Biwaksack, Isomatte, Nässeschutz, Kälteschutz und die Zeltbahn.

Im Wald angekommen werden zunächst die Stellungen für die Alarmposten erkundet, angelegt und ausgebaut. Trotz der Eiseskälte kommen die Rekrutinnen und Rekruten beim Bau ihrer Stellungen schnell ins Schwitzen. Mit ihren Klappspaten graben sie sich tief in den sandigen Boden. Jetzt muss noch der Boden für die Zeltbahnen vorbereitet werden. Ein Feuer wird pro Gruppe entfacht, Zelte werden eingerichtet.

Dann beginnt die eigentliche Ausbildung. Auf dem Programm stehen der Einsatz als Alarmposten bei Tag und Nacht, das Alarmieren der Gruppe und Beziehen der Alarmstellungen, der Feuerkampf der Gruppe, die Fliegerabwehr aller Truppen, der Einsatz als Panzervernichtungstrupp und das Verhalten bei Drohnensichtungen.

60 Minuten Zeit

Vier Soldaten tragen einen Verwundeten in einem Tragetuch auf einem verschneiten Waldweg.

Auch die Sanitätsausbildung war Teil des Biwaks. Hier bringen Rekruten einen Verwundeten zur nächsten Sammelstelle.

Bundeswehr/Carl Schulze

Am dritten Tag des Biwaks verschärft sich die Lage. Das Übungsszenario: Der Feind entdeckt das Lager und wird mit Artillerie beschossen, Infanteriekräfte greifen an. Jetzt müssen die angehenden Infanteristen zeigen, was sie gelernt haben. Die Alarmposten alarmieren die Gruppe. Diese bezieht ihre Stellungen und wehrt den feindlichen Angriff ab. Nachdem der Feind zurückgeschlagen ist, kommt der Befehl zum Ausweichen.

Jetzt muss es schnell gehen. In 60 Minuten müssen die Rekrutinnen und Rekruten alles verpackt haben und marschbereit sein. Vor ihnen liegen sieben Kilometer Marschstrecke. Mittlerweile ist es wärmer geworden und es fängt an zu regnen. Übungsende ist für sie im Truppenlager. Doch vorher müssen sie noch einen Verwundeten versorgen und diesen bis zum nächsten Verwundetensammelpunkt mitführen.

Mit dem dreitägigen Biwak endet für die Rekrutinnen und Rekruten die abwechslungsreiche und fordernde Ausbildung in Litauen. In einigen Tagen geht es zurück nach Deutschland. Bis dahin wird die Ausrüstung verpackt und verschifft – es bleibt noch Zeit für einen Besuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Gefechtsausbildung und Biwak in Litauen

von Carl Schulze

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