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Bergen, abschleppen, rangieren

Bergen, abschleppen, rangieren

  • Technik
  • Heer
Datum:
Ort:
Bad Frankenhausen
Lesedauer:
4 MIN

Fährt die Panzertruppe auf Übung, fährt er mit. Das Panzerbataillon 393 hat als multinationaler Gefechtsverband im Gefechtsübungszentrum Heer trainiert. Unentbehrlich dabei der Bergepanzer 3 Büffel. Soldatinnen und Soldaten des Versorgungsbataillons 131 unterstützen diesen Gefechtsverband mit ihrer Technik.

In der Seitenansicht zwei Panzer, ein großer Bergepanzer im Vordergrund.

In jeder Hinsicht gewaltig: Das Fahrgestell stammt vom Kampfpanzer Leopard. Der Bergepanzer 3 Büffel (l.) birgt und schleppt schwere Kettenfahrzeuge unter Gefechtsbedingungen ab.

Bundeswehr/Bill Drechsler


Ob bergen, abschleppen, rangieren, ziehen, heben oder schweißen, ob Straße, Waldweg, Schotter oder Schlamm – die Fähigkeiten des Bergepanzers 3 Büffel sind umfangreich wie beeindruckend. Der Boden vibriert und ein durchdringendes Röhren lässt die Luft erzittern. Stabsunteroffizier Kevin Hartleib von der 4. Kompanie des Versorgungsbataillons 131 aus Bad Frankenhausen hat den Motor von „seinem Büffel“, wie er ihn liebevoll nennt, gestartet. „Wir unterstützen das Panzerbataillon 393 im Gefechtsübungszentrum. Unser Bergepanzer 3 Büffel ist ein Allrounder und elementares Arbeitsgerät. Wenn Kampf- oder Schützenpanzer im Gefecht ausfallen, muss es schnell gehen. Aber wir schleppen Fahrzeuge aus Gefechtssituationen nicht nur ab, sondern warten und reparieren sie auch und unterstützen so die Kampftruppe“, so der Kommandant des Büffels.

Ein komplexes System

Vor einer Werkhalle hebt ein Bergepanzer ein Triebwerk von einem Schützenpanzer.

Der Bergepanzer schleppt beschädigte Gefechtsfahrzeuge aus dem Gefechtsfeld ab, wird aber auch in der Instandsetzung und bei der Reparatur eingesetzt.

Bundeswehr/Kevin Hartleib

Bevor es losgehen kann, ist noch einiges zu tun. „Der Bergepanzer 3 Büffel ist ein unheimlich komplexes System. Mit ihm fährt man nicht einfach mal schnell los. Wir haben ihn also genau überprüft und gewartet, um eventuelle Schäden festzustellen und uns selbst auf die Übung vorzubereiten“, so Hartleib. Insgesamt ist Hartleib mit seinem Soldaten für circa sechs Stunden beschäftigt, „aber nur so können wir die Sicherheit des Kolosses gewährleisten“, fügt er an.

Sind das für die Übung benötigte Material und die spezielle Ausrüstung, wie Triebwerk-Hebegeschirr, Schutzausstattung, Verbrauchsmaterialien, verladen, ist der Büffel abmarschbereit. Ein eigenständiger Straßenmarsch ist nicht vorgesehen, auf einem Schwerlasttransporter wird er bis auf den Übungsplatz in die Letzlinger Heide gefahren. „Wir arbeiten seit vier Jahren mit der Besatzung des Schwerlasttransporters zusammen und haben eine Weile gebraucht, bis jeder die Eigenarten des anderen verstanden hat. Aber jetzt sind wir ein eingespieltes Team. Wir können uns blind aufeinander verlassen“, fügt Stabsunteroffizier Hartleib mit einem Lächeln an.

Der Bergepanzer 3 Büffel im Einsatz

Ein Panzer zieht mit einer besonderen Vorrichtung einen zweiten.

Mit der besonderen Schnellbergeeinrichtung am Räumschild kann die Besatzung unter vollem Panzerschutz beschädigte Gefechtsfahrzeuge aus der „heißen Zone“, dem unmittelbaren Gefechtsfeld, abschleppen.

Bundeswehr/Kevin Hartleib

„Im Kern kommt der Büffel zum Einsatz, um ausgefallene Kettenfahrzeuge, die nicht mehr eigenbeweglich sind, zum Instandsetzungspunkt zu schleppen. Aber unser Allrounder kann weitaus mehr“, schwärmt der Stabsunteroffizier und beginnt aufzuzählen: Er kann Schadfahrzeuge bergen, nur noch rollfähige Fahrzeuge beim Rangieren unterstützen, schwere Anbauteile heben, das Triebwerk eines Panzers ziehen oder man kann mit seiner Ausrüstung Schweiß- und Trennarbeiten ausführen. Die Fähigkeiten des Bergepanzers, der Mitte der Neunzigerjahre in die Truppe eingeführt wurde, sind so umfassend wie beeindruckend. „Bei der jetzigen Übung haben wir hauptsächlich Triebwerke gezogen und Rangierunterstützung geleistet.“ Obwohl das Panzerbataillon 393 erstmalig den neuen Kampfpanzer Leopard 2 A7V eingesetzt hat, änderte sich für die Büffel-Besatzung nichts. „Für uns war die Umstellung auf das neue System eher gering. Bis auf ein paar Kleinigkeiten bleibt für unsere Arbeit alles unverändert“, macht Hartleib deutlich.

Nach dem Rückmarsch ist vor dem Hinmarsch

Im Scheinwerferlicht fährt ein Panzer auf einen Schwerlasttransporter.

Bei einem Schwerlasttransport im Dunkeln sind gegenseitiges Vertrauen und die Beherrschung des Systems besonders wichtig, um den Bergepanzer 3 Büffel in allen Facetten sicher einzusetzen.

Bundeswehr/Kevin Hartleib

Knapp zwei Wochen unruhiger Schlaf, verschobene Tagesrhythmen und diverse Einsätzen liegen bereits hinter der Besatzung. Nun heißt es wieder: nachbereiten, packen, verladen und Rückmarsch. Doch wer sein Material nicht pflegt und nach jeder Beanspruchung sorgsam nachbereitet, wird irgendwann davon im Stich gelassen. „Wir reinigen das Gerät komplett von außen, beseitigen den Dreck in allen Fugen und versteckten Ecken – davon gibt es viele bei dem Riesengerät.“ Mit der Reinigung ist es aber nicht getan. Die Besatzung überprüft die Vollzähligkeit und Vollständigkeit des Materials. „Wir müssen dabei also alles Material, was zu unserem Bergepanzer gehört, als auch das Material, dass wir zusätzlich mitgeführt haben, zählen und mit dem Soll abgleichen.“ Die Vorteile seien bestechend: Nur, wenn alle Werkzeuge und Hilfsmittel auch tatsächlich vorhanden sind, könne der Bergepanzer 3 Büffel zuverlässig und lageangepasst Hilfe leisten. Außerdem werde  durch die regelmäßige Begutachtung schadhaftes Arbeitsmittel aussortiert oder repariert.

Nach der Vollzähligkeits- und Vollständigkeitsprüfung folgt der letzte Schritt – die Feststellung von Mängeln und Schäden am gesamten Fahrzeug. Auch hier steckt der Teufel im Detail - ein zu lässiger Blick kann zur Fahrlässigkeit werden, denn zu groß und zu mächtig ist der Bergepanzer für kleine Fehler. Bis zuletzt gilt es also, hoch konzentriert zu arbeiten.

Komplexes Gerät für kreative Köpfe

Vor einer Werkhalle hebt ein Bergepanzer ein Triebwerk eines Schützenpanzers an.

Die Ausbildung für diesen Bergepanzer ist sehr vielseitig. Sie reicht von der 30 Tonnen Krananlage bis hin zur kleinen Motorkettensäge.

Bundeswehr/Bill Drechsler

Der Bergepanzer 3 ist sehr komplex, so verlangt er nicht nur körperliche, sondern auch geistige Belastbarkeit, um den Allrounder fahren und bedienen zu können. „Eine Qualifikation in einer technischen Verwendung ist notwendig. Zunächst erfolgt die Ausbildung am Kampf- und Schützenpanzer, genannt ‚Systemtechnik 1‘. Weitere Lehrgänge folgen, wie als Funkgerätebediener, oder eine Kettensägeausbildung.“ Wenn dies alles erfolgreich abgeschlossen sei, gehe es an den eigentlichen Betriebsberechtigungsschein für den Bergepanzer.

„Doch erst die tägliche Arbeit mit dem System und alle Herausforderungen, die sich stellen, formen den Bediener“, weiß Stabsunteroffizier Hartleib. Kein Auftrag gleicht dem anderen und oft müssen unter Zeitmangel und körperlicher Beanspruchung kreative Lösungen gefunden werden. „Für mich und meinen Trupp gibt es wohl keinen besseren Arbeitsplatz. Jeden Tag begeistert der Büffel uns neu und bringt reichlich Freude mit sich“, sagt Hartleib und hängt den Schlüssel des Panzers an das Schlüsselbrett – vorerst. Der nächste Einsatz des einzigartigen Allrounders wird kommen.

von Susan Billing

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